Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 7 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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f'" Wir jüdischen Lehrer haben die SchiMterattr ebenfalls! sehr vernachlässigt, wir haben die Resaltatr unserer Praxi«. A unsere« Lehren« und Streben« nicht durch die .schwarze Kunst" i der Allgemeinheit überliefert E« ist da« tieftra urig! Fast i scheint es, als ob uns jüdischen Lehrern überhaupt dir Befähigung. auf diesem Gebiete Anregende« zusammenfassend zu schreiben, verloren gegangen wäre. i Nnser ureigenstes WirkungSfeld, die Lttteratur der Methodik de« hebräischen Unterricht«, liegt brach; nur äußerst selten wagt ein Kollege eine Furche zu ziehen. So ergeben sich vielleicht die Lehrer der Lethargie? Thun sie nicht«? Mei-e Herrn! Bor lauter Thun fehlt uns die That. Wir rathen und thaten zu viel, verzetteln unsre .'kräfte, halten Reden, stimmen über Thesen ab, schicken sie an unsre gnädigen Redaktionen, lassen sie io extenso oder in nnce veröffentlichen und freuen un«, unsre Namen gedruckt zu sehen. Kein Hahn kräht daun darnach. Uebers Jahr wird dasselbe Thema von dem Lehrer-Verein der Nachbarprovinz behandelt — mit demselben Erfolg, und so macht da« Thema eine Rundreise durch alle Lande unseres großen Vaterlandes — der alte Schlendrian trottet weiter, der Zopf ist und bleibt hinten. Manchmal thut e« mir leid, da« solch eine zeitgemäße Abhandlung wie: .Welches Maß von Kenntniffin im Hebräischen soll der jüdische Lehrer mit ins Amt bringen?" in wenigen Zeile» in der Zeitung abgethan wird. Sind dir Resultate der Berathung nicht sür die Scmiiiardirrktoren, Scminarlrhrer und die Lehrer zur Kenntnißnahme und Nochachtung bestimmt? Warum werden sie diesen Kreisen nicht zugänglich gemacht? Ost genügen schon gut gefaßte Thesen. Vas soll man aber z. B mit dem folgenden Leitsatz anfangen, dem eine von sehr tücht.igrn Lehrern zahlreich besuchte Lehrer-Konferenz nach langer Debatte zugeftimmt hat: .Der jüdisch« Lehrer hat beim Antritt ins Amt rin ziemlich beliutende« Maß hebräischen Wissens mitzubringen. E« ist dies um so nothwendiger, weil die Fortbildung in diesem Fache große Schwierigkeit hat und die Lust zur Weiterbildung bei ungenügender Vorbereitung nur ein«! geringe sein kann. Mittel, diesem Uebelstaude, abzuhelfen sind: Größere Anforderungen bei der Aufnahme in die @cmtnate und längere Kurse — etwa 4 Jahre, — der Seminare." Ganz abgesehen von den sprachlichen Schwächen tiefer Sähe, ist wohl ein nichtssagenderes Unheil kaum mvglick. .Ei» ziemlich bedeutendes Maß hebräischen Wisiens", das läßt lies blicken. Run wird« bald bester werden. Wir werden un« später darüber auslassen, allerdings hoffe ich, weniger zahm. Um die Lehrer-Konferrnzen fruchtbar zu machen, stelle ich an den Deutsch-JSrarlitischen-Gemeinde-Bund eine Bitte. Er, der L^eschützer der Lehrerversammlungen bringe System in die planlosen Berathungen und kaffe alle Fäden de« Netze«, da« sich über ganz Deutschland verl-rritet, in seiner Hand sich vereinigen Er-lasse sich von den Lehrerversammlungen zeitgemäße, da« wichtigste Interesse der jüdischen Schule berührende Themata vorj'chlagen, wähle unter der bunten Menge die Fragen heran«, die von allgemeiner Wichtigkeit sind und am meisten der Erv terung bedürstn, gebe diese nun — eine oder zwei — den Lehrer-Versammlungen zur Berathschlagung. Diese Verhandlungen werden, von eine n edlen Wetteifer geleitet, endlich die zersplitterten Kräfte ans ein schöne« Ziel vereinigen. Jede Versammlung wird die an^nommenen Leitsätze nebst ihrer Begründung dem Bunde als Erntrale zustellen, und diesem wird es obliegen, da« Material zu sichten, da« Urbrreinstimmend« aller Tagungen feslzustellen und die gewonnenen Resultate als etwa« allgemein Anerkannte« der Öffentlichkeit zu übergeben. So werden bat» au« dem edlen Wettstrrben der Lehrer-Konserenzen, die ja aüch immer her» »orragende, um die gute Sache sich bemühende Rabbiner rin» schließen, die Bausteine zu dem Gebäude d,r Methodik der jüdischen Schule gesammelt werden. (Forts, folgt.) Ket»riH Aei»«'» Aries« «u, Mittter «>* Sch»eßer. Enggeistige Phikister glauben gewöhnlich, daß Witz und GemüthStiefe sich nicht gut mit einander vertragen und die witzigen Leute sind zum Theil schuld an diesem Vorurtheil; sie tragen da« Gemüth nicht auf der Zunge, sie lieben die pathetischen Reden nicht; rin Mann wie Lessing konnte von der schwersten Stund« seine« Leben« in witzigen Worten berichten; geistreiche Leute täuschen, da sie oft scherzen, um die Wunden ihrer Seele zu verdecken, die oberflächlichen Betrachter über die Tiefe ihrer Empsindungen. Heinrich Heine nun gar, der bei Lebzeiten so viele heuchlerische und niederträchtige Gesellen mit den Pfeilen seines Witze« getroffen, den auch jetzt fast vier Jahrzehnde nach seinem Tode alle Rückschrittsfreunde, aber auch die pathetischen Worthelden aller Parteien wie einen Lebenden fürchten, er wurde als rin leichtsinniger Mensch verschrieen, dem Nichts heilig sei, der kein Gemüth habe, der Alles nur al« Zielscheibe seines Witzes betrachte. Wer nur einigermaßen sich mit Heine vertraut gemacht hat, der weiß es besser, ver weiß, daß Freiheit, Aufklärung, Menschlichkeir, Vaterland ihm heilig waren, und daß er des» wegen die Heuchler nicht schonte, die mit diesen Heiligthümern ihr Geschäft trieben, oder die Schwachköpfe schalt und geißelte, die durch ihre überspannten Reden diese bohen Ideen compromittirten. Trotzdem ist die Sammlung der Heine'sch.n Briefe, die Herr Baron Ludwig von Embden, ein Reffe des Dichters, herausgegeben, sehr geeignet, uns das Bild des Dichters zu klären und zu vervollständigen. Der Familiensinn Heine'« ist unter Juden häufig, die Treue, mit der er an Mutter und Schwester hängt, die Wärme der Em. pfindungen, die er ihnen entgegcnträgt. sind ja überhaupt unter braven Menschen nichts Besonderes, aber diese Briefe werden auch den Widerwilligen überzeugen, daß der Dichter ein edle« Herz besessen hat Besonders rührend sind die Briefe Heine'« aus der Zeit, in der er krank und hoffnungslos darniederlag. Wir er da durch allerhand Ausflüchte seine Krankheit der alten Mutter zu verbergen suchte, offenbart eine außerordentliche Zartheit de« Empfindens. Vom jüdischen Standpunkte bietet es ein traurige« Jnterrffe, daß er sich seine« Uebertritts zum Christenthum schämt. Er schreibt an seinen Schwager .getauft, und al« Dr. jar. hoffentlich auch gesund werde ich nach Hamburg kommen; ich würde Ihnen dies nicht schreiben, wenn Sie e« nicht zu wissen so oft verlangt". An seine Schwester schreibt er: .Grüße mir Moritz (seinen Schwager) recht herzlich und wenn Du sicher bist, daß er keine Plaudertasche ist, so sage ihm, ich sei jetzt nicht nur Dr. jur., sondern auch — — ". Diese Gedankenstriche beziehen sich auf seine Taufe, die am 28. Juni 18J5 stattgefuaden hat, während der Brief vom 31. Juli 1828 datirte. Da diese Briefe voll von Gemüth sind, so bieten sie »veniger Witz, al« man sonst wohl von Heine'scheu Briefen erwarten sollt«. Aber auch der Humor kommt zur Geltung. Er sagt z. B. von Lüneburg, dem Wohnort seiner Eltern, .Bildung ist Jier gar keine; ich glaub«, aus dem Rathhause steht ein!ulturableiter". Er spricht von dem guten Herzen seine« Neffen Karl, der ihn nicht gerade sehr verwandtschaftlich behandelt hatte und fügt hinzu, .von seinem Herzen zu seiner Tasche führt leider keine Eisenbahn", lkin Kleid seiner Frau nennt er .die Vitzliputzlirobe", weil ihm das Kleid gerade so viel koste al» ihm da« Gedicht Bitzliputzli im Romauzero ringebracht habe. Vom Romanzero schreibt er, .der Romnnzero erregt mehr Begeisterung al« ich erwartete; ich versichere Euch, e« ist ei» sehr schwache« Buch; man darf es aber nicht sagen; ich habe es mit gelähmten Kräften geschrieben". Nun, dies« gelähmten Kräfte hatten oft noch Schwung genug. Auch von seiner sogenannttn .Bekehrung" ist in de«