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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 7 (1893) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
7 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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um aber den endlich erlangten Sieg de« Bruders zu frohlocken, da, o Schrecken, verliert sie das Uebergewicht und stürzt kopfüber in den tiefen See. Ein Schrecken ergriff dir Zuschauer, denn schon drohte sie unter den Kahn des dahinsansenden von Wahle zu kompieu. Jedoch in dem Augenblicke warf dieser seiner Begleiterin die Ruder zu und sprang der Ertrinkenden nach. Bon den Bravorufen der Gesellschaft beleitet, suchte er das Mädchen zu erfaffen. In seinem Eifer und Bemühen, den Sieg zu erringen, batte Carl das Unglück der Schwester gar nicht wahrgenommen, sondern sauste ohne sich umzusehen dem Ziele entgegen. In einigen Sekunden angelangt kehrte er sich stillstehend um und sah. wie sein ehemaliger Freund die gerettete Schwester eben in das Innere seines Kahnes hob Mit fieberhafter Eile flog der besorgte Bruder seiner Schwester zu Hilfe, welche aber bei seinem Anlangen bereits im Sichern war. Der kühne Retter wurde von allen Seiten zu seiner geistesgegenwärtigen Handlungsweise beglückwünscht. niemand ahnte was Gelbe so furchtbar zittern machte, denn rin furchtbarer Kamps durchbebte sein Inneres. Endlich geht auch er von Wahle entgegen und ihm die Hand reichend, sagt er: .Ich danke Ihnen für Ihre T ha straft, welche meiner Schwester das Leben gerettet, denn ohne ihr rechtzeitiges Eingreifen wäre sie unter die anderen Fahrzeuge gekommen und verboren gewesen." Der Angrredete erfaßt die dargebotene Rechte hastig und ihm scheu in's Auge blickend entgegnete er: .Ich habe dieses Mr„ nur meine Pflicht gethan. die ich auch fernerhin stets zu erfüllen gedenke." Er wollte weiter reden, aber Gelbe wandte sich besorgten Blickes zu seiner Schwester, welche noch vor Schrecken zitterte und von allen Seiten mit theilnahmsvoller Fürsorge überhäuft wurde. Gerührt drückte der besorgte Bruder einen Kuß auf ihre Stirne und fragte sie, ob sie keinen Schaden genommen, was sie verneinte. Erna wurde iu die Billa gebracht und dort sofort zu Bette gelegt, damit sie sich erhole. Bei ihrer frischen Constitution war sie schon bei anbrechender Finsterniß in der Lage dem Feuerwerke beizuwohnen. Der Zwischenfall hatte zwar die gute Laune der Gäste ein wenig verdrängt, aber nicht ganz verscheucht. Nachdem von Wahle aus Anerkennung für seine heroische That mit dem Siegeskranze durch die junge Baronesse geschmückt worden war, wurde das Souper auf der Veranda eingenommen, da« mit einem Hoch auf den muthigcn Lebensretter endete. Beftirdigt verließen die zahlreichen Gäste das gastfreundliche Haus des Barons, während im Park dir letzten Raketen des. Feuerwerks donnernd zur Höhe fuhren Am darauf folgende,. Tage reiste Carl Gelde ab um eine längere Reise nach Amerika anzutreten, wohin ihn dringende Geschäftsverbindlichkeitrn riefen. Der Baron und die beiden Damen blieben zurück. Dem steundlichen Leser sind wir noch Aufklärung über das Erscheinen von Wahlc's bei der Festlichkeit auf dem Land- Hause des Barons schuldig. Welchem Umstande hatte Wahle die Einladung zu verdanken, die ihu mit Gelde — zur beiderseitigen Ueberraschung — oufneutralemBodenzusammrnführte? Das Räthsel löst sich leicht. Ernst von Wahle besaß in in der Nähe der Besitzung des Barons ebenfalls eine Billa und konnte dieser darum nicht umhin, ihn als Nachbarn zu diesem Erüfinungsfeste seines Landhauses zu laden. — Kaum war Gelde abge«ist, als auch schon eine Einladung von dem Nachbarn von Wahle an langte, der Baron möchte ihm in seiner Behausung das Vergnügen seines Besuches schenken. Baron Hollwitz war auch dieser freundschaftlichen Aufforderung gefolgt und machte sich mit den beiden Mädchen auf den Weg. Sie hatten es nicht weit, denn gegenüber der Billa .Melanie" erhob sich das mit einem Thurm versehene hochragende Gebäude, welches Herrn von Wahle gehörte. Von drm Balcon hatte der Hausherr den Besuch erblickt und eflte vor das Portal den Ankömmlingen mft herzlichem Gruß entgegen. Alsbald traten sie in das Innere deS Hauses, welches i« Verhältnisse zü d.r Besitzung des Barons sehr einfach, obzwar dennoch äußerst geschmackvoll gebaut war. Auf den Wunsch xr Gäste führte der Hausherr sie durch die Räumlichkeiten. Der erste Eindruck war hier rasch verwischt, denn nun kam an die Beschauer die Reihe des' Staunens. - Der ganz« Complex warelectrisch beleuchtet, mittelsteiner Kraft, welch durch einen kaum meterhohen Wasserfall aufdieDynamomaschine überttagen war. Der Baron äußerte wiederholt seine Verwunderung über den sinnreichen Motor, wodurch man mit so wenig Wasser «ine so große Kraft erzeugen konnte. Unwillkürlich ftagtc er nach dem Erfinder dieser flnnreichn Maschine, worauf von Wahle erröthend seinen Namen nennt. .N an dann beglückwünsch ich Sie zu dieser großartigen Anlage, die wohl sehr ausgebreitete Anwendung finden wird." »Ich glauble, daß sich mit Hilfe des MotorS" antwortete der Besitzer, .die Kohle vollständig werd« ersetzen lassen können, was jedoch nicht vollständig gelang. Nichtsdestoweniger bietet diese« System einen kolossalen Bortheil gegen alle bestehende Wafsermotoren." Nun kehrten sie wieder in'S Gebäude zurück, nachdem vorher auch der Baron die Pferde in Augenfchin genommen hatte. Sodann wurde das Dejeuner eingenommen, nach deffen Beendigung sich die Gesellschaft mit dem gegenseitigen Dersprechn, während ihres Aufenthaltes noch recht oft im freund», schastlichn. Verkehre zusammenzukommen, verabschiedete. Nach einer Woche verließ auch Erna ihre Freundin, u m zu der besorgten Mutter, welche in einem Curotte weilte, zu eilen und ihr den Tribut kindlicher Treue zu zollen. - (Fortsetzung folgt.) Die Dorvitduug des jüdische» Lehrer» im Seminar. Lehrercimserenz-Vortrag von H. Rruß in Reustadtgödens.*) (Fortsetzung.) Wie erfülle» die meisten Rabbiner ihre Aufgabe? Sie halten dir nöthigen Schulprüfungen ab, richten aber ihr Augenmerk mehr auf die Resultate als aus den Weg zu ihneu. Es ist den Rabbinern daran gelegen, zu erfahren, ob die Schüler viel wiffen. Es wäre zweckdienlich, auch die Methode des Lehrers kennen zu ler irn und sie, wenn nöthig, zu verlnssern. Dazu .'gehörte natürlich rin grschulttr, erfahren«!, in die Methoden ringeweihter Rabbiner. ES sollte j kein Priester des Glaubens den Muth haben, in daS Heilig- > thum der Schule zu trettn, bevor er sich dazu geweiht hat. ' Trotz aller Hochachtung und Ehrerbietung, die wir Juden , unseren Religion-gelehrten entgegeabringen. weil wir die göttliche Lehre in ihnen ehren, können wir den Rabbiner g nicht rorgen seines Doktordiploms oder seiner theologischen _| Borbildung als einen geborenen Schuliaspettor aner- 1 kennen. Die Erfahrung hat bis jetzt bewiesen, daß nur J wenig« der zur Schulaufsicht oder gar zur Ertheilung des - Religionsunttrrichts berufenen Rabbiner durch anerkannte, < viel verbreitete bewährt« Schulbücher, und fast keiner (?) durch eine methodische Anweisung unsere Schullitteratur de» j reichert hat. Trotz der großen Anzahl von Rabbinern, die doch im Gegensatz zu uns Lehrern im allgemeinen mft Ge- * schäften nicht so überladen sind, herrstht auf diesem Gebiete ch ein« iraurme Unfruchtbarkeit, die im Vergleich mit den JE christl chen Verhältnissen uns beschämen muß. Wft versteige« . uns nicht zu der Behauptung, daß die Rabbiner sich nicht M zur Aufsicht über den Religionsunterricht eignen, wft er- ‘.-a kennen gern dir geinige Uederle^enheit derselben an» müffea » aber im Jntereffe der jüdischen Schule wünschen, daß «in .W jeder Rabbiner es als Pflicht betrachte, einen pädagogischen M Kursus zu absotviren und sich durch Praxis in dft Methsdtk >3» einzftühreu. Dann werden sie imstande sein, mitzuhelsea, daß Ixt« zerfahrene, planlose Schulhalten in Religionsschulen jU einmal ein Ende nehme. aM

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