Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 6 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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ammftende Konversation dem ernste» Manne manche-Lächeln zu entlocken. Eben herrschte tiefe Stille, denn der Baron hatte sich zu einem Trinkspruche erhoben, welchem alle Anwesenden mit Andacht lauschten. Die kurze kernige Rede de« Baronverrieth den in Gelegenheitsansprachen gewandten Kavalier, welcher schließlich mit einem Hoch auf die anwesenden Damen endete. Tine Pause trat hierauf ein, in der ein stummer, fragender Blick de« Baron« Geld« traf, welchem zu entnehmen war, daß den Baron sein andauernde» Schweigen befremdete. Sofort erhob sich dieser, um au« dem Stegreife einige Worte an die Gesellschaft zu richten. Mit sichtlichem Interesse hingen alle Blicke an dem genialen Antlitze de« Ingenieur» und auch von Wahle wagte r« unwillkührlich, einen Blick auf seinen ehemaligen Kollegen zu werfen. Ein klassisches Bild bot sich seinem scheuen Auge dar, denn hochausgerichlet stand Geld« da, rin Mann in de« Worte» schönster Bedeutung. Mit weithinklingender Stimme sprach er wie folgt: (Fortsetzung folgt.) §ie Jorbitdung des jüdische« Lehrer» im S«mi»ar. Lehrercimferrnj.Vortrag von tz. Reutz ln Nrustadlgrdev«.*) II »U «ettz»»tsch« *m»MI»mn4 Ml jüvtsche» Lehrer«. M. H.! Vielleicht haben auch Sie im vorigen Jahre in einem jüdischen Blatte den Artikel eine« früheren Konferenzmitglied) gclcscn, in dem er mit der Freude eines WeltrntdÄer» den Lesern gleichsam entgegen jubelt: Ich hab's E' mbtn! ESgiebtdocheinejüdischePädagogik, Straßburger da« durch ein Buch bewiesen. Nun, gönnen wir ihm die ude! E» giebt eben so wenig eine jüdische Pädagogik, wie es eine katholisch« oder protestantisch« giebt. So lange die Menschen eines Gottes mit einerlei Seele und einerlei Natur sind, wird ei auch nur eine Pädagogik geben, inögen auch Schulmänner diese allgemein menschliche Wissenschaft nach ihrem Bekenntnisse ummodrln. Wir Juden sollten aber nicht in denselben Fehler verfallen, der uns so manche« pädagogische Werk verleidet, da» eben nur einem bestimmten Bekenntnisse alle Wahrheit, alle» Heil und da« einzig richtige Lebensziel zueignet, ebenso wenig wie wir jüdischen Lehrer unserm Bortheil zu lieb« eine Lanze brechen sollten für da« Prinzip der konfessionellen Volksschule. Wahrheit und Recht str Alle, sei stet» auch unser Losungswort, mag auch Goethe Recht behalten mit seiner Ansicht: .Dem harte» Muß bequem» sich Will' u»d «rille.- Für Erziehung und Unterricht sind bei allen Menschen gleiche Grundsätze und Gesetze maßgebend. Mit Ausnahme des Unterrichts in der Religion sind alle Fächer in den Schulen der verschiedenen Bekenntnisse die gleichen. Für bicfc Di«- (iplinen sind in allen Schulen dieselben methodischen Grundätze, ist derselbe Lehrgang anerkannt. Al» jüdische Lehrer haben wir in unseren Schulen den hebräischen und den Religions-Unterricht al» einen besonderen oder dem Gesammtunterrichte eingefügt und darin eine vorzüglich« Stelle beanspruchendrn UnterrichtSzweig. Ist da« Ziel, das diesem Unterrichte gesteckt ist, ein so leichte«, der Weg, den Lehrer und Schüler zu diesem Ziele zu gehen haben, ein io ausgetretener, allbekannter, der Zweck der Thätigkeit de« Religionslehrer« so belanglos, daß ein Rabbiner, wenn er auch nur für feinen Amt«krri« sprüht, ein Gutachten dahin abgebe» dürste, da« von dem jüdischen Religionslehrer nur »eine bebestimmte geistige Vorbildunggefordert werde? Warun, wird nicht llipp und klar entschwde«: Da« Amt eine« »n Religion-lehrer« setzt im allgemeinen ein« wissenhe Vorbildung voran«, in diesem besonderen Falle war sie nicht vorhanden oder ist sie nicht erforderlich. (£* besteht doch für jeden Eingeweihten darüber kein Zweifel, daß der Religion-lehrer pädagogisch vorgebildet sein muß, daß auch er ohne den Wegweiser der allgemeinen und speziellen Methodik ein Irrender, ein Stümper in seinem Berufe ist. Wohl giebt e« eine M ethodik, eine Praxi« der jüdischen Schule. E« dürfte die Forderung nicht bestritten werden, daß der Untericht in jedem einzelnen Fach der jüdischen Religionsschule nach einer feststehenden, von vielen anerkannten Methode ertheilt, und da« vorher der Lehrer in seinem Seminare in die Unterricht-methodik eingeführt und mit ihr vertraut gemacht werden müsse. Ich habe nicht nöthig, viel zu reden über dir Berechtigung dieser Forderung. DerReligionS-, der hebräisch- Unterricht find ungleich schwierigere Disziplinen, als de. Realienuntcrricht — und doch sollte e» ohne pädagogische und didaktische Grundsätze, ohne Methodik gehen? Es giebt in der Volksschule keinen Lehrgegenstand, für den der Lehrer nicht seinen Weg wüßte. Es steht z. B. überall fest, daß Pflanzenkunde im Sommerhalbjahr behandelt, daß für jede Stunde der Gegenstand der Besprechung in Natur vorgezeigt, daß er nach einem bestimmten Schema betrachtet werde, und daß diesem die bekannten Arten der Heimath, dann die verwandten der Ferne angeschlossen werden. Es würde in keiner christlichen Schule sich jetzt der Fall ereignen, daß man eine Person ohne genügende, also ohne rseminarbildung vor die Kinder stellte, damit sie auf'» Gerathewohl au» dem Katechismus oder dem Geschichtsbuche daraus lo» unterrichte. Man hat unter den Ehristen viel zu hohe Achtung vor dem Religionsunterrichte. Bei uns Juden hat sich der Fall hundertfach zugetragen. Besser ist gar kein Unterricht, al« ein solcher! M. H.l Ich habe mir vorgenommen, offen mit Ihnen zu sprechen, Ihnen auch meine eigenen Mängel nickt zu verschweigen weil ich will, daß man allenthalben die Noth» wendigkrit einer Aenderung, einer Besserung zugestehe. — Ich habe in meiner Praxis stets meine beste ManneStraft mit in die Religwnsstunde gebracht, habe mit Liebe, mit Salbung, so recht mit Begeisterung und Ueberzeugung, aber auch mit strengem Ernst und verweisender Warnung zu dem Schülerherzen gesprochen, die Schüler haben auch zugehött und zu meiner Zufriedenheit gelernt. Aber dann trat oft durch Zufall oder bei Repetitionen die Erscheinung zu tage, daß ich meine Kraft größtentheilS unnütz vergeudet harte. Da« Kinderherz war arm geblieben, und da« Gedächtniß der Schüler hatte den fremdartigen Stoff al« lästigen Ballast fallen lassen. Da griff ich oft in innerer Zerschlagenheit mir an den Kopf und dachte weymütigf .Da liegen Deine Reichel- Den Schülern hielt ich eine Strasrede: »Wie ist ei nur möglich I Wir haben doch die Sache so gut durchgenommen, ihr habt sie so gut gelernt, und nun?" Da war denn oft die Ruthe das einzige Mittel, der Erinnerungskraft und dem Eiser nachzuhelfrn. Später sah ich rin, daß ich die Hauptschuld srlbft trug. Ich hatte bald die Unterrichtsziele §u weit gesteckt, bald die einzelnen Pensen zu ausgedehnt behandelt, ich hatte hier ohne jede Krnutniß der eigenartigen Behandlung einfach voruvzirt und dort ohne Grund katechistrt. Ich mußte mich aber auch wieder freisprechen, denn woher sollte sich mir die Lehrfertigkeit ii» hebräischen und im Religions-Unterrichte aufthun? Sollte sic sich mir selbst offenbaren, weil ich gelernt hatte, ein Normalmort oder eine Zahl niit de» Schülern durchzunchmen? Man hat mich ja ohne eine Ahnung von Methodik im Hebräischen aus dem Seminare entlassen. Ja, iveshalb habe» wir denn jüdische Seminare? Wegen der kaum nennenswerthen Kenntnisse im Hebräischen,, dir man dem Zögling beibringt? Da« wäre auch der Mühe werth! Die Methodik macht vorerst den Lehrer und die Unterweisung in der Methodik de« hebräischen Unterrichtwird bei fast allen Seminaren vermißt. Ich habe wenigsten« nickt gehört oder gelesen, daß «ine jüdische Lehrerbildung«- anstalt den Anforderungen entspräche, die die Allgemeinen Bestimmungen tut Lehrplane an di« Kgl. Seminare stellen. Dort heißt c«