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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 3 (1893) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
3 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Meuh tan Krebs wird dieses llebel, wenn ihm nicht Einhalt getha» wird^ das Gebiet seines Einflusses immermehr erweitern und es konnte alsdann nSthig werden, ein Glied oder mehrere opfern zu müssen, um den ganzen Mrper vor dem Ruin zu retten. Sollte in einem solchen Falle nicht jeder competente Bruder es sich zur Pflicht machen, dieses llebel. unsere drohendste Gefahr, mit allen Kräften beseitigen zu Helsen? Traurig ist eS, daß Brüder in unserer Mitte 'sind, dir, nicht zufrieden damit, ihre eigene Abneigung aus Andere zu übertragen, auch noch suchen, unter den regelmäßigen Besuchern der Logensitzungen den Jndifferentismus und die Abneigung gegen die Arbeiten der Logen zu nähren, indem sie unbedeutende persönliche Angelegenheiten in die Debatten werfen, wenn wichtige ideale Angelegenheiten di«- cutirt werden. Die» verursacht dann unvollkommene und ungenügende Erörterung der höheren Principirn und Motive de« Orden«, schreckt einige der Brüder ab, so daß diese nicht ganz und nach dem Maße ihrer Fähigkeiten der Förderung der Logenarbert ihre Kräfte weihen und ist thatsächlich das planmäßige Bestreben Einiger, Unzufriedenheit in Andern zu erzeugen und zu nähren. Auf allen Bersammlungeu des General-Eomits's bildet das Thema, wie die Thätigkeit des Logenwerks zu steigern und zu beleben sei, den wichtigsten Gegenstand der DiScussion. Die projektirten und in Angriff genommenen Pläne, das Jntrrrffe und die Thätigkeit der Mitglieder für daS Logen» werk zu steigern, haben aber gerade da, wo eS am wünfchens- Werthesten war, nur einen geringen Erfolg gehabt; doch darf man an den Resultaten nicht zweifeln, so lange eS auch in den indifferentesten Lagen noch Männer giebt, welche an den Principirn des Orden« und seiner Mission frsthalten. Aber auch diese müssen den Muth verlieren, wenn alle ihreMüh« vergeblich ist und kein Erfolg sich zeigt. Da» Borerwähnte kann aber, Gott sei Dank, nur auf «ine geringe Minorität unserer Log en in An'.vendung gebracht werden; in den meisten herrscht noch ein reges Interesse und eine weise Thätigkeit in der Förderung der Orden-Zwecke. Es ist eine interessante Erscheinung, daß an dem Eis« solcher Logen, wo di« Israeliten ein lebhaftes Interesse, eine geistige und materielle Rührigkeit für ihre Glaubensgenossen und das Judenthum im Ganzen zeigen, die Logen in blühendem und Sdeihlichem Zustande sich befinden, während dort, wo für dssche Angelegenheiten Mangel an Interesse herrscht, wo io Rücksicht auf btc Gemeindemteressen des Judenthums die tiefste Ebbe riagetreten ist, auch die Logen nicht gedeihen. Ist dieses eia bloßer Zufall? Solche« kann ich kaum glauben, muß vielmehr bestimmt annehmen, daß beide Erschnnungen in inniger Wechselbeziehung, in natürlichem Zusammenhänge stehen und sich gegenseitig ergänzen. (Forts, folgt.) gfarttf« After die Methodik de» SbtJerrUft* t» der ftifttifche» Geschichte. von Lehrer L. Rubba»«. »Jakob, was haben wir in der Geschichte auf?" O mir ist so angst, ewill mir das dritte Gesetz nicht in den Kops." — »Heute giebt es wieder tüchtig Schläge.* — »Ich stelle mich krankt du kannst mich beim Lehrer entschuldigen.' Solche und ähnliche Redensarten bildeten wohl schon bei manche» der freundlichen Leser den Unterhaltungsstoff in de» jugendlichen Jahren. Auch mich überfällt jetzt noch ein Schaudero, wenn ich «inen Blick auf mein« Schulzeit werfe und der Stunden gedenke, in denen bibl. Geschicht: »abae» dört* wurde. Ich sehe noch da« voluminös« Lehrbuch (Bü» dingers »Danoh Emonah“) vor mir, das wir Schüler wörtlich auswendig lernen mußten- Fragte aber her prü. Herr Rabbiner am Ende des Jahres: »Welche Be- Istiguog hatten Kain und Abel, welches Laster hustete an , was folgte auf die Strast 2* ko guckten wir ein» an «ud verstanden oft uichch was der Herr Rabbiner Unsere biblischen Geschichtsstundrn zerfielen nämlich in 3 Abschnitten: 1. »Abhören der alten Geschichte, 2. »Anfaebv»* einer neuen Nummer und 3. Derb« Züchtigung denen, die »stecken* blieben. Wäre sich mancher Lehrer der großen Anforderung, die er mit einer solchen »Methode" an die Kinder stellt bewußt, er würde sich, um mit Dinter zu reden, von den 10 ausgttheilte» Schlägen 9 zurückgeben lassen. Kinder, die kaum lesen können, sollen ohne vorherige Erklärung eine ganze bibl. Geschichte auswendig lernen! Ist die Sprache an sich oft schon schwer, so kommen auf jeder Seite Ausdrücke und Begriffe vor, von denen sich selbst das begabteste Kind keine Borstellung machen kann und die der Lehrer unbedingt erläutern muß. So mögen denn in Folgendem einige methodische Winke denjenigen gegeben werdeo, die den besagten Unterricht nach obiger oder sagen wir besser nach keiner Methode ertheilen. Jede Stunde beginnt mit einer kurzen Wiederholung der früher gelernten Stoffe, bei welcher man nur Hauptsachen abstagt und keine bestimmte Ordnung einhält. Hierauf folgt Durchnahme einer neuen Geschichte. Der Lehrer erzählt dieselbe zuerst ganz vor, wobei auf fließend« Sprache» Lebendigkeit und Wärme der Darstellung besondars zu achte» ist. Dann folgt Vorerzählen des 1. Abschnitttes. Hierauf wird derselbe abgefrazt, und die Fragen nach ihrer Schwierigkeit an begabtere oder schwächere Kinder gestellt. Schutterige Ausdrücke werden erklärt (nicht durch Definitionen. lva« versteht man unter Neid, Lüge re, sondern durch Beispiele, wer lügt? Wer die Unwahrheit spricht u. s. f.) Dann Ödst Zusammenfassung de« Inhalts in Form einer rschrist, z. B. Kain und Abel: 1. Die Beschäftigung der Brüder, 2. Das Opfer, 3. Kains Neid und seine Verwarnung durch Gott, 4. Der Mord, 8. Die Sttafe, 8. Die Besserung. I» dieser Weist werden dann (zuerst die befähigttn) Schüler zur zusammenhängenden Wiedergabe einzelner Abschnitte angehaltrn: »Erzähle von der Beschäftigung Kains, vom Mord, von der Verwarnung" u. s. f. Ist der 1. Abschnitt erläutert und znsammengefaßt, dann folgt der 2., 3., 4 rc. Memorirt werden nur bibl. Sprüche, einzelne Redensarten und dst Lehre, die uns die Geschichte veranschaulicht. Besonders letzteres muß den Kindern zum unverlierbaren, bleibenden Eigenthuingemacht iverden. — Zur Oritntirun; dient die Karte von Palästina. — Schwierige Namen werden an die Tastl geschrieben. Dst Hauptsache ist immer, daß die Kinder einen moralischen Nutzen aus dem Unterrichte ziehen. Also nur kein Auswendiglernen und Herplappern! Lehrbücher können zu« Nachlesen zu Haust benutzt werden. In der Schule bleibt jedes Buch fern. Um nochmals auf dst Lehre zurückzukommen, so ist diestlbe am Schluffe einer jeden Geschichte durch Fragen zu entwickeln, nicht etwa den Kindern fertig hinzugeben, die Kinder müssen Mitempfinden und mitsühlcn, sie müssen in der obigen Geschichte die Berächtlichstit dcs Neide«, der Mißgunst und deren schlimme Folgen von selbst einsehen, wie aus der andern Seite Gottes unendliche Barmherzigkeit sogar mit dem größten Verbrrcher, wenn <r aufrichtig bereut. Auf diese oder ähnliche Weist behardrlt, wird der bibl. Geschichts-Unterrlicht nicht verfehlen, aus die Gemüther der Kleinen zu wirken. Denn nur dann Hai derselbe seine Aufgabe erfüllt. Die Kinder werden dann licht durch sinnloses Memorieren geplagt oder aus Furcht v»n der Schul« fernbleiben, wie dies sicher immer noch vorkommt. Freilich muß auch der Lehrer mit Wärme und Int« resst ber Her Sache kein, er dark nicht kalt bleiben, da« merk» dst Kinder sofort und alle Worte find umsonst. Auch darf er nie das Wiederholen vergessen, wie -»bcn anged.'utet. Vielmehr muß dst Wiederholung wie in allen Fä her» auch hier «in Hanpl- W Lehrers sti*.

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