Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 3 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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willkürlich nach fern Gründe seiner Aufregung fragt, ohne, jedoch eine Antwort zu erhalten. , Lange hält Geld« den Brief in der Haad, auf welchem er die Schriftzüge seiner Mutter erkennt. Ihn eröffnend übermannt ihn beim Lesen sie tiefste Rührung, und fem bedrückte- Gemüth machte sich durch einen Thräuenstrom Luft. .Wie sie auf mich vertraut mit unerschütterlichem Glauben tiefe gute Murter, ohne zu wissen, daß Alleverloren. Doch nein, noch ist es nicht zu spät, noch kann ich aus dem Kampfe mit dem Schicksal siegreich hervorgehen, wenn Du geliebter Bater Deine segmndc« Blicke aus mich herabsenkst. Was man mir geraubt »11 ich durch meinen Geist zurück» zuerobern suchen. Mir steht die Welt offen, sagtest Du, und ich will nach einer Niederlage nicht verzweifeln. Durch tiefes Nachdenken, durch angestrengten Forschungen muß es mir gelingen, einem neuen Werke das Dasein zu verschaffen, das; ich mir aber nicht durch bnndes Vertrauen entreißen lassen i will. Auf zur That, denn nicht dem Muthloscn, unthätig! Verzweifelnden, sondern nur dem Muthigen, Kämpfenden, > der sich vom Schicksal nicht zu Boden werfen läßt, gehört die Welt!' neue Idee abgegeben, jedoch jeder Financier verlangt etwa» ichaangen Monate vergehen und immer noch ist Carl Geld« nicht in der Lage seiner armen Mutter und Schwester die ersehnte Rettung zu bieten. Obwohl er sich mit aller Energie auf eine neue Erfindung in der technischen Wissenschaft geworfen, steht er dem Resultate noch ziemlich ferne. Wie sehr er nach all dem Erlebten den wahren Melden zu beweisen Gelegenheit hatte, so konnte er doch nicht den Muth finden, seiner Mutter die furchtbare Enttäuschung zp eröffnen, denn er wußte, es könnte ihr Todesstoß sein. Nächte brachte er wieder tvachend über seinen Zeichnungen! und Büchern zu, mit angestrengtestem Fleiße forschte er und sann er über die noch zu ergründenden Kräfte der Natur »ach; ein großes wichtiges Problem zu lösen hatte er sich vorgesteckt, das der rationellen electrischen Kraftübertragung. Beständig zeichnend und rechnend suchte er dem Ziele immer näher zu kommen. Wie leuchtete sein Auge bei jedem Schritte vorwärts, bei jeder neuen Schlußfolgung, die seine Berechnungen bestätigte. Ein Ring nach dem andern reiht sich an die lange Kette geistreicher Ideen. Die Kräfte der Natur täuschen nicht, sie müssen nur ia die richtige Formel gebracht werden. Bor der strengen unerbittlichen Logik des Gedankens beugt sich das eherne Naturgesetz, und in der richtigen Verbindung der verschiedensten Naturgesetze liegt das Geheimniß des erfindungsreichen Genie s. Geld« sollte nicht vergeblich gearbeitet und seinen geniale:» (Seift angestrengt haben. Er hatte dem Schicksal abgetrotzt was es ihm verweigern wollte. Bor ihm liegt die vollendete Zeichnung und sein beftirdigter Ausdruck läßt aus die unbedingte Richtigkeit seiner Voraussetzungen schließen. »Nun habe ich erreicht, wonach ich gestrebt! Hier auf dem Papier stimmt Alles, jetzt gilt cs an die praktischen Besuche zu gehen. Dazu gehört freilich vor Allem Geld. Meine Mittel aber sind erschöpft. Nichts anderes bleibt mir übrig, als mich um anderweitige Unterstützung zur Ausführung meiner Ideen zu beiverbcn." Rasch entschlossen begiebt er sich zu den bekanntesten Capitalisten, ohne auch nur vorgelassen zu werden, da sein Name, welchen der Portier gemeldet, den Bankiers unbekannt war. .Jetzt bleibt mir nur noch der eine Weg offen, die öffentliche Meinung auf meine Person zu lenken" — denkt er. In dieser Absicht such: er die Redacteure der grossen Journale auf, allein auch hier findet er kein Gehör; man hält den völlig Unbekannter für einen erregten Phantasten, der sich mit Plänen zum Bau von Luftschlössern herumtraze. Gänzlich^zerstört denk itzelde nach einem andern Au-w:g, ob sich denn kein Rettungsanker werde finden lassen, den er ergreifen könnte in seinem grenzenlos.'« Elend. Die hewcwr -idsien Techniker haben ein glänzendes Urtheil über seine Sichtbares und mißtraute den Zeichnungen des Studeute«. Ein Betrag von wenigen hundert Gulden würde genügen, u« der wichtigen Anforderung eines Modells zu entsprechen, ab« nirgends bietet sich eine Persönlichkeit, welch« diese Summe der Ausführung seine» Vorhabens opfern würde. Welch trauriges Schicksal, die sichere Ueberzeugung z« besitzen, mit einem geringen Capital Millionen «laugen zu können und dieses geringe AuSlagecapital sich nicht vei 'chaffew zu können Geist und Genie müffen vermodern vor de« schrecklichen Borurtheile der Menschheit, daß nur das Geld den Weg zum Ruhm zu eröffnen im Stande sei. Talent und Adel der Gesinnung müssen sich beugen vor dem Allebeherrschenden Mammon. Diese bitter« Gefühle erfüllten Carl Gelbe, d« sei» ganzes Denken und Streben, das Leben und Glück sein« Familie aus's Spiel gesetzt und nun vom Schicksal so furchtbar sich verfolgt sah. jetzt vollständig. Er, der talentvolle tapfere Jüngling, der den bewegten Wogen des Lebenso muthiß Widerstand geleistet, soll untergehen in gä nzlicher Vergessenheit während da« Geld vielleicht seinen Räuber zum Ziele des glänzendsten Erfolge» führt. Ist e» ein Wundcr, wenn eia solcher Mensch an der Gerechtigkeit der Welt verzwriftlad daran denkt, dieselbe frciioillig zu verlassen, und, des fortwährenden Kampfes müde, den ewigen Frieden, den Tod. aufzusuchen, der doch im Vergleiche züw Leben von unparteilicher Gerechtigkei: ist? Ohne Unterschied de« Stande«, Alter¬ und d« Cvnfession zieht er seine Opfer in das Schattenreich hinab, um einem jeden die ewige Ruhe und Vergessenheit zu gönnen. _ (Forts, folgt.) Offizielle Altttheitnnge« über de« Stand des Ordens Zt'nai A'ris in Deutschland. Alljährlich erstatten die Sekretäre der verschiedenen Groß» logen, in welche der Orden zerfällt und unt« welchen Deutsch, land den VIII. Distrikt bildet, ihre Berichte an den oberste» Präsidenten des ganzen Ordens, Herr Julius Bien ia New Dort, Präsidenten des Executiv-Comitös, einen Bericht über ven Stand und die Entwickelung des Ordens in ihre« Distrikten. Aus dem letzten in dem amerikanischen monatlich erscheinenden Ordensorgan „Menorah" abgedrucktea Bericht de« Sekretärs der deutschen Großloge,.Herrn D. W olf in Berlin, über das Jahr 18Sl theilen wir das Hauptsächlichste hier mit. Nach einigen statistischen und finanziellen Angaben über das Jahr 1891 heißt es sodann: Wenig rrmuthigend ist der Zuwachs von nur einer Loge und von im Ganzen nur 118 Mi gliedern*), welche Zahlen einen Rückgang gegen die ia früheren Berichten dar.ielegten Erfolge bezeichne». Was mir die Ursache dieses Rückganges zu sein scheint, will ich weuer unten mittheilen. Wenn es Leute giebt, welche glauben, daß uns« Fonschritt in» Stocken gerathen ist — und nach den in amerikanischen und deutschen Blättern veröffentlichten Artikeln und mitartheilten Unterredungen giebt es leid« solche — so berücksichtigen diese nicht, daß. so lange sich nur ein noch so g«inger Zmvachs zeigt, rechtdenkende Personen immerhia einen Magstab für die Thätigkeit und mithin einen Fortschritt in uns«e Institutionen erkennen müssen. Niemand wird leugnen, daß in einigen unserer Logm sich ein Geist des Jndifferentismu» eingeschlichcu hat, welcher die frühcrhin zur Dämpfung deffelben benutzt« Mittel nicht in Anwendung gebracht hat, und daß {biefev Jndifferentisinus gegen den Orden und seine Zwecke schon an sich eine Bedrohung unsere» Erfolge» fft. Eben so gewiß ist e», daß je länger dieser Jndiff«entismufort* besteht, cs de'to schwieriger wird, ihn erfolgreich zu bekämpfen. 1 I« Jetzt« 1802 stellt sich k«l ZahlrnmrhiUtalb tu günstig«. — 8* sind zohlrriche Austritte «folgt u»b g«r Loge ist in Dutschlond «richtet »orden. .r,.. - »och viel tat*