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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 3 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
3 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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(mttfgeffioi von Sr. M. Nntz««» in Mn-debnrg. Zur Unterhaltung und Bel ehrung für die israelitische Familie, au« ^er «egenwär^Förisetzün^^^^ffi^eü^^sttMisünge^^ber^Me^Or^^^na^^r^ »sNÜÜlN <» Dentschl«,». — «iniqe« über Mt Methodik tx* Untenid|t« In der biblischen «.schichte, Bon Lehrer L. Rußban«. — ' Ansproche an «inen Coafirmaaden. Bon Hermann Klüger. — Bon allen Leiter, kahl. In» be« Talmud sB. kama 60). — Rull dem Spruchschatz de« Talmud. Poetisch übertragen von Rag Weinberg. — Rüthsel-Ausgaben und Rlthsel-Lisung. (llnbekugter «ach«»« an« bl eie» Blatte tl» untersagt.) Geld und Khre. Orlglnal-Kaman an« »er «egen»art. lls Bon Robert «rauer. 3. Eapitel. Drei Wochen waren inzwischen vergangen, sie genügten um auS den jugendfrohen Earl einen vollständig ernsten Mann zu machen. Nach dem Begräbnisse de» Vater» hatte er seiner Mutter bei der Regelung deS Nachlasse« und Ordnung der Vermögensverhältnisse treulich beigestinden, welche sich leider durch den Brandschaden olS sehr triurrge erwiesen. Selbst von den zweitausend Gulden Mitgift, welche sür Erna bestimmt gewesen, mußte der größte Thril zur Deckung der Forderungen einiger Gläubiger verwendet werden. Ihn tröstete einzig und allein der Gedanke, daß die Zukunst der Mutter durch die Ausnutzung seiner Idee gesichert sein werde. Endlich, nachdem da« Dringlichste geordnet war, traf er Anstalten, seine Lieben zu verlassen, da er nun in Wien mit einigen hundert Gulden von feiner aufopfernden Schwester an die praktische Verwertung seiner Erfindung gehen wollte. So schwer es ihm auch fiel, da» {roße Opfer von seiner Schwester anzunehmcn, wußte er och keinen anderen Ausweg als diesen, wenn er nicht in die Hände unredlicher Geldleiher und Wucherer fallen sollte. Mit dem festen Entschlüsse Alle», in Kürze stnrrchzuführen und der unumstößlichen Hoffnung auf Erfolg verließ er die Seinen, deren Segenswünsche ihn begleiteten. Ohne e» jemand mitzutheilen, war er noch auf de» nahen Friedhof geeilt, um auch von dem geliebten lobten Abschied zu nehmen. Seltsam beruhigt fuhr er »ach seiner Studienstadt, wo er am Abend des nächsten Tages a»langte. Von Herrn Benedikt herzlich begrüßt, erhielt er oie Nachricht, daß sein Freund Ernst von Wahle unmittelbar nach seiner Abreise ausgezogen sei, ohne seinen nunmehrigen Bestimmungsortanzugeden. Obgleich ihn gerade jetzt dieEinsamkeit bei stimm aufgeregten Gcmüthc beunruhigte, glaubte er doch baldigst von Wahle etwa» zu hören. Ohne sich die geringste Ruhe zu gönnen, ginger baldanchzueinrmMaschinensabrikanten, wo er nach seiner Angabe und Zeichnung den Motor bestellte, dessrnHerstellungSkosten beinah« die ganze ihm zur Verfügung stehende Summe verschlang. Mit Ungeduld wartete er auf die Fertigstellung, welch« über drei Wochen in Anspruch nahm, während welcher Zeit ihn der bange Gedanke quälte, ob wohl auch die Maschine functionirrn werde. Endlich zeigt chm der Fabrikant an, daß der Apparat fertig sei und zu seiner Verfügung stehe. Mit mehreren Lastträgern verfügte er sich ' nach der Fabrik. Vorsichtshalber hatte er einige kleine aber witzige BrstanoiheilederMaschine bei einem andern Fabrikanten anstrtrgcn lassen, unr nicht Gefahr zu laustn durch Nachahmung um sein« Idee betrogen zu «erden. Nachdem er einen prüft» den Blick auf den Apparat geworfen, zahlte er be» restlichen Betrag und ließ daraus den Apparat nach einer Wohnung schaffen. Der MiethSherr sah zwar mit mißliebiger Miene den schweren Motor in da» Stübchen befördern, trat stdoch selbst neugierig zu Geld«, um da» Gelingen der Probe abzuwarten Waffer wird herbeigeholt und die Funelion versucht und siehe, e» zeigte sich ein Erfolg, welcher stlbst dem Laien Benedikt eia Berfall-staunen abringt. Lange steht Geld« mit dem Gefühle größter Genugthuung vor seinem Werke, keinen Blick von demselben abwendend, er kann sich nicht satt daran sehen. Endlich bringt er dst Maschine zum Stehen, nimmt einige Papiere au» seinem Koffer, um sich nach einem Palentbureau zu begeben, wo er den gesetzlichen Schutz vor Nachahmung erlangen will. Er wendet sich an eine» der größten Jnltitute, deren e» in der Residenzstadt mehrere gab. Er entwickelt begeistert seine Idee, überreicht seine Zeichnungen und berichtet von dem Erfolge, den er bei der Probe int Kleinen bereits erzielt. Er zweifelt nicht daran, daß er da» Patent erhalten werde. Doch wie erschrickt er, al» ihm der Inhaber in sehr höflicher Weise den Bescheid girbt, daß er sich vergeben» abgemüht, da bereit» vor etwa 6 Wochen ein ganz ebensolcher Motor bei den verschiedenen Patentbureau'S eingereicht worden sei, der da» Patent sür die bedeuttndsten Länder der Welt erlangt habe. Earl Gelde stand wie versteinert vor dem Manne, der mit seiner Mittheilung seinen ganzen LebenSlraum zerstört, er traut seinen Ohren nicht. Hastig srägt er nach dem Namen de» Besitzer« der Patente, der ihm zuvorgekommen. Da tönt ihm wie die Posaune des jüngsten Gerichtes der Name .Ernst von Wahle' entgegen. Er kann eS nicht fassen, daß dieser Freund ihn um sein Glück betrogen, ihm seine Erfindung gestohlen habe und völlig gebrochen fragt er den Anwalt: .Giebt eS denn kein Mittel dem Diebe einer Idee stine Beute zu entreißen?' .Da giebt eS nur den Weg eine» Prozesse», der aber mit vielen Geidkostcn verbunden ist' entgegnete der Inhaber theilnahmsvoll, .und auch daS führt seiten zum Ziele, da ja zwei Personen dieselbe rrrsindung machen können, ohne, daß man dem einen oder andern dixselbe zusprechen kann, da entscheidet eben nach den gesetzlichen Bestrmmungen die frühere Anmeldung.' Der Verzweiflung nahe verläßt Gelde da» Bureau, um an der kühlen Luft die fieberhafte Hitze seines Hirn» zu kühlen. Also sein bester Freund hatte ihm sei» Alle» gestohlen. ihn um allen Ruhm gebracht, seine ZukünftSplänr vernichtet, stine Familie ruinirt. Wa» soll au» Mutter und Schwester werden? Welchem traurigen Loose gehen diese entgegen. .O schrecklich« Welt!", ruft er au», in der die Sucht nach Geld und Ehre selbft alle Bande der Freundschaft zerreißt!' Aufs Höchste betrübt, geht er heim. In seinem Stübchen angelangt läßt er seinen Gefühlen freien Lauf, die ihm da» Herz zerspringen machen. In dieser Verfassung trifft chn sein Miethöherr au, der ihm eine» Brief übergebend, un-

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