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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-30 · 52 (30.12.1893) · p. Seite 410

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
52 (30.12.1893)
Date
1893-12-30
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
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— 410 — Stein in ftafc«*, 16 Dezbr. Gestern mittag gegen halb 1 Uhr erschien in der Wohirung des Wolf Holzer, der wegen «Lrkrankung seiner Frau daS Fest der diamantenen Hochzeit in aller Stille und Zurückgezogenheit beging, eine Deputation, bestehend aus dem Herrn Bürgermeister, sämtlichen lSemeinderäten und tem katholischen OrtSgeiftlichen, denen sich noch eine größere Anzahl Bürger ohne Unterschied der Konfession angeschlossen harte, um zunächst im Aufträge Sr. Kimigl. Hoheit d«S Großherzoges sowie hvchstdeffen Gemahlin einerseits nachträglich die herzlichsten Glückwünsche dem Jubelpaare zu der seltenen Feier, sowie andrerseits die ausrichrigste Theilnahme an dem Zustande der Jubilarin auszusprechen. Herr Bürgermeister Bogt erledigte fich dieses Auftrages in einer von Herzen kommenden Red«. Als Hochzeitsgeschenk sandte unser hochherziger Landesfürst sechzig Mark, wofür sich das Jubelpaar etwas zu Gute thun solle. Hieran knüpfte der Herr Bürgermeister den Glückwunsch des Gemeinderates und der gesamten Einwohnerschaft. Im Ska» men des Jubelpaares uud der Familie sprach hierauf der älteste anwesende Sohn, .Herr Jakob Holzer, den tiefgefühltesten und ehrfurchtsvollen Dank den, Großherzogl. Paar« aus, welchezu jeder Zeit und bei allen Gelegenheiten seine Hochherzigkeit gegenüber den LondeSkiudern bei deren Leid und Freud ohne Rücksicht auf Stellung und Konfession bethätige, weshalb auch ganz Baden in gleicher Liebe und Treue zu seinem Regentenhause halte. Er dankte ferner den Vertretern der Gememde für die herzliche Teilnahme an dem seltenen Feste. Hierauf ergriff noch der Herr Pfarrer das Wort, um ebenfalls seiner und der katholischen Kirchengemeinde herzlichste Glückwünsche dem Jubelpaare auszusprechen, womit die erhebende Feier beendet war. Stuttgart, 20, Dez. Die gestern hier in der Arbeiterballe abgehaltene antffemilische Versammlung, in welcher der oekannte Herr Liebermann v. Sonnenberg die Hauptrolle spielte, trug ganz den Charakter der großen Radauversammlungen, über welche von Zeit zu Zeit aus der Reichshauptstadt berichtet wtrd. Annsnniten, Israeliten, Sozialrsten und eine ganze Anzahl grüner Jungen teilten sich in den Ruhm de» AbmdS. DaS erste tlpfer war ein Dr. L ö b von Cannstatt, der gegenüber den Angriffen des Herrn Liebermann auf die Juden in Anspielung aus die Vergangenheit des Redners ihm zurief: ,Ehrenschern; vorzeigen!- Natürlich großer Tumult und Herr Dr. Löb sah sich mit affenartiger Geschäft»- digkeit an die Straße verletz». Später über diese doch etwa gar zu prompte Ausübung des HauSrechtS zur Rede gestellt, meinte Herr Liebermann, eS sei nach dem ganzen Charakter der Demonstrationen no Nr endig gewesen, gleich ein Exrmpel zu statuieren, um der Bisammlung einen geordneten Berlauf zu sichern. UebrigenS konstatieren wir, daS dies keineswegS alt gelungen angesehen werden kann, denn in der Bersammlung herrschte von Anfang bi» zu Ende ein wüstes Getobe. Auf den Inhalt der Rede Liebermanns einzugehen, verlohnt sich eben so wenig, als auf die Erwiderungen der Sozialisten. Man begreift in der That den Wert solcher Bersamrrlungen nicht, die nur dazu dienen können, die Leidenschäften aufzureizen uud den Frieden in unserer guten Stadt Stuttgart zu stören. Österreich-Ungar». Mi««. Die Legate aus dem Nachlaffe des Freiherrn v. KüuigSwarter. zu gemeinnützigen uud Humanitären Zwecken belaufen fich auf eine viertel Million Gulden und -war: I« 10,000 fl.: Dir Genossenschaft der blldenden Künstler Wiens; da» iSraelittsche Rabbiner-Seminar: da» Spital der iSraettnsiheu LultuSgemeivde: das HouS der Barmherzigkeit in Währing: da» Asyl״Stephanie-Stiftung" in Biedermannsdorf: die rSraelittscheu Armenanstalten: das iSraelittsche Blindcu-Jnstitut auf der Hohen Wirre und der Serhospitz-Verem. 7000 fl-: Da» iSraelittsche Mädchen-WaiseuhauS. 6000 AL: Der Schriststellirveretn »Concordia" in Wien. Je S»0 fla Die Skadenie der bildenden Künste: da» Kranken- ׳mns der: Barmherziger. Brüder; di« Gesellschaft vom Weißen Kreuze: »kranke: die Spar- und Border Rudolvhtuer-Lerein: die iSraelittsche Beerdigungs-Bruderschaft; da» iSraetitische Tand» stummea-Jnsittut: der erste Wiener Ferien-Eolonien-Verein: der Lenttalvereir zur Beköstigung armer Schulkinder: da« Rekon» valeScentenheim für arme Wöchnerinnen in Gersthof: der iSrae» littsche Frauen-ÄohlthättÄettSverein: der Verein gegen Verarmung und Bettelei: der allgemnne Studenten-UnterMtzunaSverein; der Schulvereftl für Beamtrntöchter: die Wiener Freiwillige Rettung«- gesellschaft: die Poliklinik in Wien. Je 9000 fL• DaS Maria-Therefien-Frauen-Hospttal: da» Kindeftpital zu St. Anna: die UnterstützungS-Socttät der Voll-; zei-Beamten m Wien für deren Witwen und Waisen: daS kkinder« spital der Allgemeinen Poliklinik; der Waisenveretn der iSrae-' littschen LulMSaemeinde , , Je 2600JL: Der Allgemeine niedervsterelchische BolkSbildun g» verein: der Verein .Ferienbortfür Gyamastasten. Je 300c fl^׳ Die AuShilfSkasse Vür entlaffene Kranke im iS» raelittschen Spital: der Lrauen-ÄohlthLttgkeit»verein ,Providentta,: Balxkursond der Aerzte: Erste« öffentliches Kinder-Krankeninmtut: Witwen- und Waisen-UnterstützunaSverein de« medicinischen Doktoren-CollegiumS; Asylvereiu für Obdachlose: Oesterreichische Gifrllschast vom rothen Kreuze. 1500 fl.: Wiener Schutzverein zur Rettung verwahrloster Kinder. Je 1000 fl-: Der PenfionSfond ,Rudolphiuerhau»-: Wiener Fraumheim; da» UnterstütznagSinstttat der SicherheuSwachep Veteranen-UnterstützungSvercin ,Tegettböff-: Verein der Wirrer Börfenbesucher zur Unterstützung HUfSoedürftiger Mitglieder: Erzhemogin-Sophien-Svital: Kranken- und Unterstützung» verein .Nachsteulitbe-: Verein zur Unterstützung entlaffener Sttäflingep da» Kinder-Asyl: Prediger-Mannhenarr-Berein: Frauenerwerb» Verein: Verein zur Errichtung eine» israelitischen Spital» in Gleichender». Außerdem eine Anzahl von Legaten in ber Höhe von 800 bis zu 100 fl. für verschiedene Humanitäts-Anstalten- Kremkeich. Varl«. 27. Dezember. In der Gesellschaft der Solonisatton Palästina'» hielt der Rabbiner an der Synagoge der rne Nazareth, Herr Hagenau, einen Vortrag. in welchen er die Gesicht»- puntte enttiickelte, weshalb den Jsraellten da« heilige Land so theuer ist- Herr Prague, Redakteur der Arch. tsr. gleichfalls Zionist, ist Secretär der Gesellschaft. Ob wohl in Frankreich- Boden für diese unzeitgemäße Bewegung ist, wollen wir heute nicht erörtern: aber zu denken «iebt die Sach« doch! Vati*. Gelegentlich einer Haussuchung bei dem Anarchisten Tournadre fand man u. A. eine Visitenkarte. de» Baron» von Rothschild, auf welcher derselbe Elfterem seinen Dank auSsprach Rothschild gibt über die Herkunft dieser Karte folgende Auskunft 7 Bei jenem JagdauSfluge, der ihm ein Auge kostete, hatten fich mehr al» 3000 Personen in die in seiner Villa aufliegendea Le» snchsbüchei: eingeschrieben, um ihm ihre Theilnahme zu bezeugen- Rothschild trug nim seinem Kammerdiener auf» dtefta zu danken, und so erbielt Tournadre. der fich dreimal eingezeichnet hatte, die Karte RotSschild'»- Di; Theilnahme de» Ersteren an dem Uufalle dr» Letzteren ist durch verschiedene klingende Unterstützungen begründet, die ihm Rothschild gewährt hatte. Tournadre soll, weil er sich durch diese Erklärungen beleidigt fühlte dem Baron seine Zeugen geschüft haben, um einen Widerrufoder esne Erledigung der Angelegenheit durch die Waffen zu fordern. Rothschllt bat dieselben aber nicht vorgelaffen- Aste«. An» Cftiit«. (Der lleberrest der Juden in Kai-Feng-Fe«) Herr S. S. A rnautz. Agent der schottische» Bibelgesellschaft für N-Chiua berichtet folgende» über die Inden in Kai-FengFe», der atteo Hauptstadt diese» Reiche«: ״Rmhdem ich alle meine Bücher verkauft hatte, bat ich di« Soldaten, mich au die frühere Stelle deSTiao-Ehtn g(jüdischen> Temepl führen. Bei unse rer Ankunft daselbst fand ich einen Leich mit eine« kleinen Hügel in besten Mitte, auf welchem et« Stein liegt, der die Date» über den Bau, den Wiederaufbau uud den Einsturz de» Tempel» enthalt. Die Juden wohnen alle u« die Stätk« diese» alten Heiligtum» und einige kamen ans mich zu. al» ich nach der Stelle blickte, wo einst Israels Besitztumstand. Die Muramedaner behaupte», die Heiden seien einst al» Sklaven hierhergekommen uud daher immer von ihnen verachtet w ordern ES Legen jedoch Beweff« dafür vor, daß st« schon vor de« Mn- ג־

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