Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-12-30 · 52 (30.12.1893) · p. Seite 407

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
52 (30.12.1893)
Date
1893-12-30
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962248--1850-5375911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

;ual^vrthopädie-Hospital, Zang ger i» Zürich u»I> viele andere Autoritäten und Sachverstäudige. Die Zeit erlaubt wir nicht, ihre Namen aufzuzählen, geschweige denn ihre Tut. achten auch nur auSzuaSweise zu eitleren. Al« im vorigen Jahre der russische Tierschutzveiein im Begriff war, eiue feidselrge Stellung gegru die .Sckechita" zu nehmen, da hielt Hofrat Dr. D e m b o, Arzt am Slemnder» Hospital zu St. Petersburg, der den Gegenstand gründlich studiert und die Ergebnisse seine,: Forschungen in ei 1er gelehrten Abhandlung veröffentlicht hat, einen Bortrig, in welchem er die Borzüge de« jüdischen und die Nachteil der andern Berfahren nachwie« imd wobei er auSsck ließlich die rein wissenschaftliche Seite de« Gegenstände« int Auge faßte, ohue die religiöse Frage auch nur nebenbei zu b« rühren. Seme Argumente und Demonstrationen waren so überzeugend, daß man beschloß, von der Inangriffnahme jeder gegnerischen Maßregel Abstand zu nehmen. Da» Niederlegen der Schlachttiere. In einigen Gegrüben hat man zedoch eine Abweichung von unserer Methode (nicht, weil diese etwa schwer»«?ller ist) in Bezug auf da« Werfen (Niederleaen) de« SHlaiytviehe« vorgenommen, welche« erforderlich ist» dasselbe m .ine zur Vollziehung der Operation geeignete Lage zu bringe». Der Ausdruck »Werfen/ besten man sich gewöhnlich zur Be» zeichnung dieser Handlung bedient, ist jedoch nicht zutreffend und involviert einen Jrrthum. Da« Großvieh wird vorsichtig mittelst Stricke auf den Fußboden niedergelegt. Wir haben sogar einen eigenen Beamten angestellt, welcher darüber zu wachen bat, daß da« sogenannte »Werfe 1" durch die Metzgergehilfen so behutsam und schmerzlos wie möglich au-geführt wird. Herr Nückel, Wundarzt am National-Orthopc die-HoSpital schildert in der Beschreibung eine« Besuche«, mit welchem er da« Schlachthau» in Whitechapel unerwartet, über» raschte,' dadortige Berfahren als ein geschickt angeführte«, welches dem Tiere nicht den geringsten Schmerz, ja sogar dem Anscheine nach nicht die geringste Qual verursacht hat. Herr Philcox, Inspektor de« ausländischen Biehmerkte« in Deptford, schreibt: ״Ich kann mir keine beffere Methode de« Niederlegen« als die einmal eiugefübrte denken; gewandte Leute scheinen diese« auszuführen, ohne dem Tiere irgendwelchen Schmerz zu verursachen." Die Untersuchung der geschlachteten Thiere. Ist nun aber auf da» Thier nach allen vom sieligionSgesetze vorgeschriebenen Regeln geschlachtet, so ist da« Fleisch doch noch nicht sogleich zum Genuffe erlaubt. Nach dem Wortfinn de« Pentateuch ist auch der Genuß bei: Fleischevon crepirtem oder durch Raub thiere zerrissenem Vieh ver» boten. Di« jüdffche Tradition hat diese«Berbo! auch auf Thiere ausgedehnt, welche an einer tödtlichen Krankheit leiden die einen vorzeitigen Tod verursachen könnte. Ltaher hat der Schächter auch die Pflicht, zu untersuchen, ob solche kra-.khc.ste Eiffcheinungeu wahrgenommeu werden. Eta nun die Lunge dasjenige Organ ist, welche« am leichteste, erkrankt, so muß dieselbe gewissenhaft und sorgfältig untersucht werden, ob sie irgend eine Durchlöcherung oder eimn Bruch oder Anhängsel entweder zwischen den Geweben der Lungenflügel und Lappen, oder zwischen diesen und den Rippen hat, auch ob sich Geschwüre an derselben finden Da nun da« Vorhandensein der Rippenfellentzündung, der Tuberculosis, und einiger anderer Luugerckrankheiten auf diese Weise nachgewiesen ist, so darf da» Fleisch solcher Thiere nicht gegessen werden. Krankheiten durch verdorbene« Fleisch. Erst in unserer Zeit ist die hygienische Wichtigkeit einer so sorgfältigen Untersuchung zur vollen Anerkeumrilg gelangt. Die Bortheile der Borthelle derselben hat meiu geschätzter Freund Dr. Henry B ehrend*), der mit den nötlftgen medi» *) vtehedess« Nekrolog ht der vor. Nr. dies. Ll zinffchen und chirurg'fchen «enntniffeu auch «ine hinreichende »enntniß der spezifisch religiösen Vorschriften verbindet, in verschiedenen Artikeln nachgewiesea.: »Die Uebertragbarkeit thierischer Krankheiten auf Menschen durch den Fleischgenuß" und blonder«: »Krankheiten durch verdorbene« Fleisch-, m ״The Nineteenth Century“ vom September 1880. Sr beweist durch die kräftigsten medizinischen Zeugnisse, daß die Schwindsucht und andere bedenkliche Lungenkrank- Heiken Folgen der Einführung de« Fleische» afficirter Thiere in den menschlichen Körper find und behauptet, daß die verhältnißmäßige Immunität der jüdischen Rasse von der Di«» Position zur Tuberculose und Schwindsucht auf den Umstand zurückzuführen ist, daß sie durch ihr Religion-gesetz zur Enthaltung vom Genüsse solchen Fleische« genöthigt sind. Sein Ausspruch lautet: »ES ist nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, daß diesc talmudischen Gesetze der ,Bedikah" (Untersuchung der Lunge) bei gewissenhafter Anwendung tet den Genuß des mit specifische Krankk^itea behafteten Thiere» unmöglich macht und besonder« jede Gefahr der Ansteckung durch pleuro»pneumatische» carbunkulose und tuberculose Krankheiten verbannt." Er verlangt daher, daß in allen Schlachthäusern die strengsten Maßregeln in Betreff der Untersuchung der Schlachtthiere zur Anwendung gebracht werden und da« Fleisch von tubercalosem Vieh ab» so lut dem Genuffe entzogen werde. E« scheint mir diese« ein Gegenstand zu sein, den Ihre Bereinigung in die Hand nehmen müßte, ein Gegenstand, der die wichtigste Bedeutung in der öffentlichen Gesundheitsfrage hat. Eidesnot und israelitische Nichte». Wenn etwa die ״StaatSbürgerzeilung", die ״deutsch» sozialen Blätter" und die ganze übrige antisemitische Meute Lust haben sollten, sich auch mit unserem Leitartikel in von» ger Nr.: »Die EideSnot vor der schlesischen Provinzialsynode" zu beschäftigen, so raten wir ihnen, v orh erden Artikel ״Eid^- not u!ä> israelitische Richter" im Morgenblatt vom 20. Dec. der ,^kölnischen Zeitung", de« maßgebenden Organs der Nationalliberalen, zu lesen. DenndadieRationalliberalen beiden Antisemiten in starkem Verdacht derJv dcngenossenschaft stehen, so können hier leicht zwei Fliegen mit eineinSchlage getroffen werden. In überraschender Uebereinstirimung in Gedankengang und Argumenten läßt sich nämlich t ie,»Koln. Ztg." Über die anarchistischen, die Begriffe von Nicht und Gesetz Umstürzenden Bestrebungen folgende« von einem ,protestantischen Geist» lichen" schreiben: ״Die evangelischen Kreissynoden der Rheinprovinz verhandelten in diesem Jahre über das hjroponendum: ,MaS kann von seiten der Pfarrer und PreStyter zur Hebung der unser Volksleben bedrückenden EideSnot geschehen?" DaS Borhandensein einer EideSnot wird wohl niemand leugnen, denn wenn auch die Statistik der letzten zehr. Jahre eine kleine Ab» nähme der Bestrafungen de» Meineide» nachweist, so ist doch von hervorragenden Justizbeamten die Thatsache festgestellt worden, daß ״das Bewußtsein von der Heiligkeit de» Eide« und die Achtung vor dem Eide in schreckenerregender Weise schwindet." Am Schluffe des Elberselder Geheimbund-Proceffe« sagte der Borfitzend«: »Ich halte mich verpflichtet, di« lieber» zeugung auLzusprechen, daß in dieser Verhandlung eine Reih« von Meineiden geschworen ist mit so kaltem Blute, mit so kalter Ueberleguug, wir mir iu meiner langjährigen Praxi« al» Richter bi» jetzt noch nicht vorgekommen ist. E» hat mich körperlich und innerlich angegriffen, drei Tage a» diesem Ab» grund der Lorruption, der Mißachtung alle« Hähern und Gött» lichen, mich unter den formellen Bestimmungen de« Strafpro» reffe« bewegen zu müssen." S« ist gewiß au der Zeit, daß di« Männer, welch« berufen find, für den Sieg der Wahrheit zu wirken, Mittel und Wege suchen» den WahrhettSfiun za beleben Md die Gewissen zu schärfe». Daß die evangelische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.