Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 51 (22.12.1893)
- Date
- 1893-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 401 SftttmSng a(• Mensch, ohne Eitelkeit, ohne Eigennutz und Etreberthu«, hatte viele?freunde und fürsorgliche Gönner, nicht nur unter seinen Gliubendgenossen, De auf Unduldsamkeit beruhend«» Mißhelligkeiten der neuesten Zeit verstimmten ihn sehr. <S« sei ihm inl Grab hinc b bezeugt, daß er sich bi» zuletzt zumeist ein ruhige« Urtbeil bewahrte und in der Ueberstürzung mancher Reformen die Hauptursacht die Ausschreitungen erbliikte. Al» Gesellschafter belebte er durch sein Erzählertalent, seinen Witz auf der «inen, durch seine Belesenheit auf der anderen Seite die Unterhaltung in ausbündiger Weise. Dazu kam seine an die pobrische Abstammung erinnernd« leicht aufflackernde, auch seiner Schreibweise eigene Gefühlswärme, dir ihm biin» hohe Alter in der guten Gesellschaft zu anhänglich treuen, für sei t-; geistigen spenden dankbaren Freundinnm verhalf. Die Beisetzung seiner LeicheersolgteFreitag inAner kennung der wissenschaftlichen Verdienste de» lmtschlafenen in ixr Ehrenreihe der Begräbnißstätten. Berli«. In St. Ludwig im Elsaß bei A. Sessr ist ein Buch ,Eivil- und Strafrecht de» Judenthums* erschienen «I* dessen Verfasser sich ein kZrofefior I. de Vaoly nennt. Wer Profeflor I de Pavly ist, ob e» einen solchen giebt, wo er lebt, und wie er wirklich heißt, da» wird sich später vielleicht Herausstellen. Da» Buch selbst liegt un» noch nicht vor. Wir erhalten Kenntniß von ihm durch einen Artikel, der ״Graf v. St.״ unteneichnet und in der , Staats bürg.-Ztg.* veröffentlicht worden ist. In diesem Artikel wird darauf aufmerksam gemacht, daß daei.nväbnte Buch bewert, der Tal» mud enthalte die Vorschrift d׳.>» Meineide». Dieser Beweis wird gefunden in zwei wörtlich übersetzten Eitaten au» dem Ehoschen Mischpat (Eiviluud Strafrecht). Der Paragraph 137 diese» Gesetzbuches lautet: »Liest Jemand Fruchte in den! Garte» eine« Ariden» aus, u»d behauptet, er habe fie ,«kaust, uud sa-t der rtgenthü«« de« Garten«, er bade sie ,«raubt, daun sch »»re der je>i-« vefiprr den Früchte, daß <-»b) er st« ,«tauft Hab«." - Dann unter einem andrem Paragraphen desselben jüdischeu Gesetzbuche« heißt e«: »Leuguri «in vnwahrer ei»ei G«,e»stm,de«, «tuen ttegr»stand in »ermahrnu, ^»ooemen, oder brhaupttt er, d«ujelb«n schon zurückrrstauet zu haben, nnd hatb«r G«^»chü«er kriu«Zeugen, binn schwöre «r. bas, (-ob) seine Nn^b« »ahr ist, u»d »au erNür« ihn stduldio». Da« Gesa^iiü felbst bau» der Fall, »eun der Giaenthümer de» Gegenstand im Hau!« de« «ermalsrrr« eiteuul uud es, Kenuzeiche» dessetbeu anatebt, uud selbst »euu »er!Verwahrer nicht jo reich ist, solch« Gegeuständ« ^e best»«.* - Au» diesen beiden Vorschriften, welche gwrz offenbar nicht» Andere» enthalten, al» eine Bestimmung dcirüber, wem in gewissen cwilrechtlichen Sb.-etfällen der Äd zuzuschieben ist, ob dem Kläger oder dem Beklagten, macht der Artikelschreibe! in der ״ Staatsbürger-Zeit. *. Graf v. St:., der ein sehr beschränkter Mensch sein oder die Leser jene» Blatte» für erstaunlich beschränn halten muß» eine Metneidr-Borschrist. Jede» Eivilaefetzbuch der Welt wird dieselb« Anordnung treffen, wie sie hier vorgeschrieben ist, daß nämlch in einein -Eivilproeeß der Kläger beweiiifällig ist, und wo e» keine Zeugen giebt, dem Beklagten »er Eid zugrschoben iverden muß. Dasind dieselben Leute, die sich gegen de.» ,römische Recht" ereifern. Sie haben keine Ahnung, wat römische«, und noch viel weniger wa» jüdische« Recht ist, sie wissen überhaupt nicht wa- Recht ist. . *g^BcHlu, 18. Dezbr. kiorgesterFIemd histie Eröffn»»» " t) Mt. I&B * Letter der ווו > braham, .Beastalt hier, hielt al» der 3. KindervolBküchelknselsionslo») Anstalt, der edle Wohlthäta^ L! elttttche» Ä«!! ,.er der J»raeltt»ch« volA-^«s««nstaU hier, vielt al orfttzender de« Lerem» für Üinder-Lolklküche» eine kurze »«- wrache. Ganze Schaaren von Kindern — wir zählt« argen SW— erschienen alsdann und fiele» mit eine« wahren Hei hhunarr über da» schmackhafte Effen. da» ihilen aratt» verabrerchl wurde, her. Auf die Frage unsere« Berliner Torresponte». nw: ihnen da» Effm schmecke, antworteten mehr-re Linder: ,vcffer al« zu -vause.^ Sin Mädchen «einte, der Lpstlrei« sei ihr zu süß, sie sei da« Süße zuhause nicht gewöhnt. Der Verein zedrnkt demnächst im Odosten Berlin« «ttw 4. KtudervolttSchezu eröffne» — In den «ämnen aelttt scheu BaW-MWF Wkstält fand veraanaen« Woche eine moße Freispeisung von 16W Personen * Kan. Den «rsreoten Besuchern wurde ein schmackhafte« Effea gratt» verabreicht. Gch«eiva«iU»I. Eine größere Anzahl hiesiger angesehener Bürger, darunter die Herren Lande«gericht«vräsident Linvner, LandgerichtSdirector Pentky. LandaerichtSrath Baum, Professoren und Schuldirektoren, die beiden Bürgermeister, veröffentlichen in den hiesigen Blättern Folgende«: ,Sämmtliche Einwohner un- ״ serer Stadt ohne Unterschied der Lofession und de« Stande» ersuchen wir hierdurch, sich von den aulisemitlschen Bestrebungen fern zu halten, welch« in den letzten Wochen sich in unserer Stadt geltend gemacht und welche sogar zur Bildung eine« antisemitischen Verein« hterselbst geführt haben- Diese, namentlich von auSwärtigcn, unberufenen Leuten, erzeugten Agitationen stören den reli» gisen Frieden, untergraben die Eintracht un» wagen somit am - allerwenigsten dazu bei, da» Gedeihen unserer in letzter Zeit schon schwrr genug heimgesuchten Stadt zu fördern. Möge daher ein Jeder dazu oeigetragen, daß wie bisher, so auch ferner der reli» giöse Fried« in unserer Stadt erhalten bleibe.* An» Neiffe wird der ״Bolttzta." geschrieben: In unserer Nachbarstadt Friedland in Oberschlesien hat der Magistrat mir seiner Unterschrift ein Inserat veröffentlicht, durch welche» er ״die baldige Riederlassung'eine» christliche» Rechtsanwalt»" al« ein ״dringende» Bedürfniß׳« und sich selbst zu ״׳. jeder weiteren Auskunft bereit erklärt. Run sollte man meinen, ״'■' den Friedländer Magistrat gehe die Religion eine» Recht»- - 2 anwalt« absolut nicht» an. Warum"bekümmert er sich also darum? Dahat folgenden Grund: Der in Friedland ' 3 bereits seit Jahren ansässige Rechtsanwalt uud Notar Frä ukel, welcher jüdischen Glaubenist, war RrchtSbeistand derjenigen Bürger von Friedland, welche gegen die Wider- ׳־''l wähl des Herrn Bürgermeister» Engel bei der Regiejx rung in Oppeln Protest einlegten und dadurch die Klafsiruag A der Engest scheu Wahl herbeiführten. Hat eS da nicht den "JX Anschein, als ob da» Eingang» erwähnte ZeitungS-Jnserat die persönliche Antwort de« Heöm Bürgermeister Engel gegen die ihn! ullbexueme amtliche Tätigkeit de» Rechtsanwalt» Fränkel sei sei? Vordem ließ sich der Herr Bürgermeister die Gesellschaft de» ״jüdischen" Rechtsanwalt» gern gefallen und jetzt ist ein ״christlicher" Rechtsanwalt ein dringende« Bedürfnis geworden. Wer an der Spitze der Verwaltung einer Kommune steht, ist welcher Bürger verschiedenen GlaubeuS leben, soll« doch nach dieser Richtung jeden Anstoß vermeiden. 8t. Wlzetz, 12. Dezbr. Anläßlich seine» SO jährigen Jubiläums, welcheder hiesige i»rael. Fraueuvereiu am verstoffenen Sabbat.Ehanuka beging, stiftete derselbe auf Jnittattve unsere» Rabbiners Herrn Dr. Levi ein kostbare- Paroche» nebst drei dazu paffenden Thorainäntekn mit herrlicher reicher . Goldstickerei, hervorgrgangen aus der Fabrik de» Herrn Rupp in Frankfurt a/M. Dieselben »ourden gleichzeittg an diesem Tage ihrer Bestimmung übergeben und feierlich ein» geweiht. De» Nachmittags wurde auch die Jugend im Ingeud-GotteSdienste auf die Bedeutung de- Tage» aufmerksam gemacht. Diese JugendgotteSdienste sind schon seit diesem Frühjahre eingerichtet. Dir hiesigen jüdischen Seminaristen "7 fungieren als Borbeter: Gesang der Kinder und eine paffend« Ansprache de» Herrn Rabbiner» verleihen dem Gottesdienste die nötige Weihe, sodaß sich zu der stattlichen Zahl der andächngen Schüler und Schülerinnen, auch immer muh Sr- H wachsene gesellen. Leider hat unsere Gemeinde in den letzten Tagen durch den Tod de« Herrn Simon Baum H einen Vertust erlitten. Welche Liebe und Achtung sich derselbe zu erringen gewußt hatte, davon zeugte dre enorm« Beteiligung bei seiner Beerdiguug uud die große Zahl von Kränzen uud Blumenspenden, welche an seinem Grabe niedergelegt wurden. Seiuem Sarge folgten unter vielen anderen: der Bürgermeister mit dem ganzen Stadtrat in corpore, der evangelisch«, katholische und frriprvtrstantisch« Geistliche, KreiSrat Freiherr von wedekind. der Echulinspektor und die Mitglieder der 0'