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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-22 · 51 (22.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
51 (22.12.1893)
Date
1893-12-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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zunächst am 9. d. Mt».. (Shabbaa Chamüca) einFestgotteSdienst f;att Der Gesangverein, der jetzt aus 22 Mitgliedern besteht,'begleitete wie an Festtagen beim BorabendgotteSdienst, sowie zu SchachariS und Muffaph Herrn Eantor Winter, und sarg vor und nach der Predigt erhebende deutsche Lie» der. Lne Predigt des Rabbiners Dr. Rahm er behandelte unter Zugrundlegrmg d«S PsalmversrS (149,6) ״Gott erhebende lsied« waren in ihrem Munde, ein schneidige» Schwert in chren Händen" in zwei abgerundeten Theilen die Doppel- Lhanuki: Lie Tempel- und -ltarweihe zu Jerusalem durch Juda Mackabi und die Weihe des Gottesdienstes im hiesigen Tempel durch den Gesang-Verein. DaS seil 25 Jahren erngebürgene deutsche Lied neben den alt-hebräischen Gesängen sei auch eine Waffe in unfern Händen zur Abwehr de» Bor- Wurfes, al» fehlte e» den Juden an deutscher Gefühl-weise. Redner zeigte wie der Gesangverein nicht nur den. Altar im Göltestause durch Entzündung höherer Andacht weihte, sondern mich נר איש וביתו, den ,häuslichen Altar" bei Freud und Leid (durch Gesänge bet Konfirmationen, Trauungen und Jubiläen), ja auch den ״Altar von Erde" (bei der Tobtenfeier und an! Grabeshügel; indem er die Freude verschönte und den Schmerz verklärte. Mit der Aufforderung auch in Zukunft mit gleicher Hingebung und wachsendem Interesse der sch inen Levitenaufgab« treu zu bleiben und mit einem stimmungsvollen Gebete schloß die religiöse Jubelfeier. — Am folgenden Abend fand irr großen Saale der ״Gesellschaft zur Freundschaft" ein zweistündiges Eoncert statt, mit Chören und Sl ligesängen(unterMinvirkung einer geschätzten Dilittanten) statt, dem ein Festmahl folgte, an welchem sich an 200 Personen betheiligten. Die Reihe der Tischreden eröffnete der ununterbrochen seit 25 Diahren an der Spitze des. Verein» stehende Herr Vorsteher Adolph Rosenthal mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den deutschen Kaiser, de» Freund de» Volksliedes. Ihm folgte der Senior des Bereins, i«r 74jährige aber noch rüstige und sange-frohe Herr Adolph Jacoby, der ebenfalls durch 2b Jahre als Renoant unentmegt im Dienste de» Verein» stand. In längerer Rede führte er die «-«schichte de» Vereins den Zuhörern vor, entwarf rin Bild de» Gottesdienste» in den der Gründung de» Bereit» vorangegangenur Jahrzehnten, und der Fortschritte, die derselbe im letzten Brerteljahrhuudert gemacht. Sein Hoch galt dem fest und treu zum Verein haltenden und diesen zusamwenhaltenden Vorsitzenden. Der erste Vorsteher der Gemeiude, Herr PH.R o sen h e i m, brachte in beredten u. begeisternden Worten dem Gesangverein den-Dank der Gemeinde und zeichnete die Aufgabe des Verein» im — neuen Tempel. Ein Gleist««» that der Vorsitzende der Repräsentanten, Herr S. Singer, dem der Rabbiner mit einer längeren Trschred« folgte, in der er dem FesteSjubel Ausdruck gab, der die Festg.'sellschaff erfüllte, sowie der eigenen Freude übet da» Gedeihen de» Verein», deffea Ehrenmitglied er sei. Daß der Funke vor 3$ Jahren gezündet, daß die junge Pflanze gedieh, da» verdanke der Verein seinen Gärtnern, dt« sie gehegt und gepflegt, den Gönnern und Förderern derselben, dem Lorfande und dem Repräsentanten-Tollegium. Diesen beiden Körperschaften, in welchen wie in jedem Liede Harmonie, Ryth ui uS und Takt nicht fehlen, galt sein GlaS, nicht minder den noch lebende» S Mitbegründern. Herr Vorsteher Isidor Lindenthal brachte da» Hoch auf den Vater de« Verein», r rn Rabbiner Dr. Ra hm er; der Repräsentant, und sett Zähren BereinSsekrrtär, Herr Rubens in humorvoller Kei'e auf den Dirigenten des Verein», Herrn Erd mann, der in seiner Erwiderung die Damen aufforderte, dem Berein beüutreten. Herr Steinhardt ließ die Gäste leben, Her: S. Bernhardt die Damen, Herr Georg Rosenheim daS Festtomitä (die Herren AbrahamowÄy, Bernhardt sen. und jan.). Nachdem noch Herr Weil in geistvoller Deutung de» Göthe'scheu Gedichte» ,Der Sänger" nn Namen der Gäste de« Verein und dessen Lefftungen die rechte Würdig! mg zutheil werden ließ, wurde nach «ne« kürzeren, vom Rabbiner gesprochenen, deutschen Tischgebet bfe Festtafel aufgeh und die animitte Gesellschaft zollte bi- 5 Uhr Muse Terp chore ihren Tribut. ES sei zum Schluß noch erwähnt, daß da» Mitgli de» Verein», der Gemeindesekretär Herr Spanier, in ei au» dem Actenmaterial'geschöpften Broschüre die Entsteh! und Entwickelung'de» Verein» darstellte, au» der wir! nehmen, daß der- Verein auch zweimal WohltdätigkeitSconcette veranstaltete, im Jahre 1872 für den Wittwen- und Mais! fondS und 1882 zum Besten der nothleidenden rusi. Jui Der tzrrttag belief sich nach Abzug der Koste» auf 1415 Die Eantoren Herren B.Jacobsohn in Leipzig und Ed. B ir n bäum in Königsberg, ehemalige Mitglieder de» BerriaS, sandten telegr. Glückwünsche, ebenso der in Meran weilend« Herr Max Rathau und mehrere andere auswärtige Mit-^ {}lieber. Mögen die Gesänge de» Vereins noch lange zur Ehre Gott«! und Erhöhung der Andacht ertönen! 1 Beritt». Am 12. d. Mir. verschied in der Alter-BersorgungS-Anstalt der jüdischen Gemeind« der Schriftsteller Julius Löwenberg. Im Jahre 1800 in Strelno (Reg^Betzk Bromberg) geboren, war einer der ältesten Privatgelehrtt»i der Gegenwart. Wie damals Brauch wurde, «anfangs iwti in bibltschen und rabbinischen Schriften unterwiesen. Erst^ in d« Zeit, wo andere nahezu am Ende de» Schulbesuche» stehen, wurde rr de» Deutschen in dem Maße mächttg, daß « an die deutschen Bildungsquellen heraiitretei, konnte. Durch Selbstunterricht sich fortbildend, kam « allmählich bi» 1824 soweit, daß « in Berlin, wohin er gewandert war, Vorlesungen an d« Universität hören konnte. Sein« talmnndsichen Vorbildung entsprechend, hörte « bunt durcheiltander allerlei an d« Univeiffität. ,Besondervermerkt Hai er von seinen Kollegien die kirchengeschichtlichen von Reand« : und die dogmatischen von Schleiermach«. Bor die Berufswähl gestellt, wurde « frei« Schriftstell«. Ungebunden und - ganz eigenartig in seinem Thun und Lasten, vermochte « e» nicht üb« sich zu bttngen, in eine Stelle einzutreten, die ihm irgend welchen Zwang auf«legte. Mit dem geringste» Mitteln vermochte et auSzukommeo. Al» Mann in ältere» Jahren hauste « in eiuem im vierten Stockwerk gelegene» Zimmer, deffen ganze Ausstattung in wenig mehr al» ei» Bett, Stuhl und Tisch bestand. Die Wände zierten reihen» weise ausgethürmte, mit Aufschriften beklebte Eigarreuschachteln, in denen Löwenberg wohlgeordnet seine wiffenschaftlicheu Rottzm verwahrte. Jahrzehnte lang in B«lin ansässig (nur in den achtzig« Jahren in Leipzig) und hi« st«S in rege« Berkehr mit dem literarischen und einem Theil bet gelehrten Kreise, auch vielfach heimisch in B«lin« Familien von Ansehen, war Loewenberg eine lebendige Ehronik von Berlin. Mit einem trefflichen Gedächtnisse begabt, da» ihn bi» in sein höchste» Alt« hinein nicht im Sttche ließ, wußte « üb« eine jede Berlin« Persönlichkeit von einig« Bedeutung Auskunft zu geben. Sonst skeptisch und ein arg« Spötter, hielt «, wie chm nachgerühmt witt», doch imm« die Di»- kretion, wo diese geboten erscheint, inne. Oeffnnlich ist « wenig hervorgetreten. 1848 und 1849 verstlchte « sich auch al» politisch« Schriftstell«. Ganz vorwiegend war seine wissenschaftliche Arbeit dem geoaraphffchen Ttudimn gewtdmet und hi« besonders der Geschichte der Erdkunde. In ״ Beziehung zu dies« Sonderneigung steht d« uwrrmüdliche ■\ Eif«, mit dem « da» Grüßte und Kleinste zusammeuheimste» wa» Alexander von Humboldt anging. Dies« zollte feinen geographischen Arbeiten die chnen gebührende Anerkennung. L. schn» für viele Zeitschriften und Wochenblätter. Line Grufipe von Arttkeln, die « in d« SonntaaS-Beilage d« ״Bois. Ztg." v«öffentlichte, bettaf die Geschichte d« Berliner Familie Mendelssohn, mit der « in allen ihren Ein» zelheite« v«tr«rt war Bon eine« Sekretär und Bocks« unter stü)t, et war erblindet, nahm « bi» in die letzte hinein an kiterarischen Dingen Sncheil.

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