Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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r3ubentum* «acht sich eine 8etocauna geltend, welche bie Krün buno eine» nator. aI«iftbtfA« n Waste» bezweckt. Se gicbt dem Äntifemitiltmi# in der Bebmrvtmig recht, Arier und »Wintzen au«) sch und L . _ _ _ tafle bat andere Sitten. Moraldegcitte und Ideale. Diesen!igenbeiten kann ein Bott nur utmeftSrt nachleben, wenn e» : miter fick bleibt. Lebt e» innerhalb eine» anderen Bott:», umr jomebr, ft größer er ist. San» besonder» berrscht dieser Kegensatz zwischen Juden und Ariern. Je länger da» Zusammenleben dauert, desto erbitterter wird der Kampf der nanonalen Ligen- £ -eiten. ES liest deshalb im Jntereffe de» Judentum«, sobald ׳ wir möglich au» den arischen Nattonen ausznschetden uni» einen , «saenm Staat zu bilden, in dem e» national^üoisch leben kann. Die» ist die einzig radikale Lösung der Judcnsrage, die nut vom nationalen Standvmkt erfolgen kann den klntise» den wer werten h _,___ _ der Juden au» dem arischen Bölkerkonzeri. Dadiese veweguig dem deutschen Judentum empfindlich schaden wird, lieg« auf der Hankx» Sie stört den ruhigen Forwana der Anpassung an da» deutschr Leben und Streben, und ist über ihre Ziele vnn einer un beareiffichen Unklarbett. Ein Staat, seinr Sprach«, Sitten und Anschauungen find keine Kunstvrodukte, noch weniger, wenn dieser Staat ein nationale» Kepräw: tragen soll. Dir wüßten nicht, was ein jüdischer Deutscher mit einem jüdischem Fi anzosen Ordere» gemein haben soll, al» seine Religion und di« all nding»- arkr Erinnerung an gemeinsame Leiden. Au» diesem Srunde k di« zionistische veweguna ebenso unklar, wie für unsere Abwebr-Bestrebuugen hinderlich. Der Raffen-Semiti»nu» ist ebenso verderblich wie der Raffrn-Antisemiti»mu». — Soweit die״M,tcheilnngen". WaS soll man abrr dazu sagen, wenn nicht nur von den jüdisch-orthodoxen Blättern, wie ״Israelit" und,Hamagid", ״Jüd. Presie" und ״Oesterr. Wochenschrift" u. a. diese Bewegung offen und im geheimen durch Gründung und Förderung ״jüdisch-nationaler" Studentenvereine" und Palästina-<8esrllschasten protegirt wird, sondern wenn sog« der Redacteur der Mosse'schrn ״Allgeweinen Zeitung des Judenthums", Herr Dr. ®uftai׳ Karpeles, — der allerdings kein Deuts cher ist, dafür aber den Mund bei jeder GelegenIM von Deutschthum überstießen läßt, in dieser jüdisch-nationalen Beweaung steht", wie die» »örtlich aus einer jüngst von dem .Präswenten emes solchen Bereins veröffentlichten tztrochüre ln der ,L»r. Wochenschrift" angesilhrt worden ist, »I>ne daß Herr Dr. K. es desavouirt hätte! — Es soll ja hierdurch Niemandem jeine persönliche religiös-nationale Neigung gewehrt werden, aber mit einer solchen scheint doch du Leittmg einer allgemeinen Zeitung de» Iudenthum» nnvereinbar, weil dadurch die ganze deutsche Juderchtt aufs -ärgste comprvmittirt nj^den kann. (Wir find schon vor mehrrren Jahren, al» diese BewegimzmDeutschland auftaucht«, —in Berlin zuerst inde m eigen« zu diesem Zwecke aegrünlreten Blatte ״Serirbabel", gefördert von dem Deren ״Esra" und dessen Proteetoren — energisch gegen dieses gefährliche Treiben ausgetreten^ wir erinnern au den ätzenden Artikel über Willy Bumbu», ebenso haben wir unsere warnend«! Stimme in den v'nai Beris-Logen gegen jede Verquickung chrer Wo-lthLtigkeitSideen mit den Palästina-Bestrebungen, in loejcher Form sie auch austreten mögen, erhoben; unsere Artikel gegen die Wiener ״Eelbstemanzipatios" sind wohl noch in Aller KAächtm», wie sind wir doch dafür von gewissen Lohnschreiben: jüdffcher Blätter angegri ffen worden! Nun erklären die obencinerten ״Mitteilungen," liefe Bewegung für empfindlich schädlich dem deutschen Judentum und der! Abwehrbestrebungen hinderlich; da wir!׳ man'« . endlich wohl glauben. r »Seelin, 10. Dezember. Ein Snüsemtteustück-en rohester Art wurde diese Woche an einem Htmfirer verübt, Derselbe be» trat mtt eine« Backet Wollwawn» ein Local (Al«anderf r^Ecke). Einer der Gäste entriß dem »Zwdeu ' ein Stück Daare «d »er« -!ocke. vlls WErcmf der Haufirer - in de» er Daare verlaust«, wurde e» unter seine« Ton die ' am seinen Hol« ein Strick geworfen, und derselbe von seinen Angreifern berarttg festamogen, daß der Haufirer, «elcher, net enbei bemerkt, eine» tieffitzenden verwachsenen Ikovf rrägl, zu ersticken fürchtete. Bergeben« suchte der Wirth die rohe Schaar abzuhatten- »Der Jude mutz erwürgt werden? lautete die Anlwort. Nun eilte der Wirth auf die Straße ,:ach polizeilicher Hülfe. E« war jedoch kein Polizist in der Näh«!. Mittlerweile warfen die Amtfemiten den .Juden*, nachdem sie in durchgeprü« flat, zur Thür« binau». Die entwrndete Waare entblüdete man sich nicht »urückzubebatt«. Der Haufirer sollte jedoch derselben nicht verluftia werden. Die Anhänger Lhlwardt» gerietheu um die arstodlenen .Hosen" in Streit und bald ivar die stoitcste Keilerei im Sauge, vir ihren Abschluß erst durch die!Verhaftung der blutüberströmten anttsemittschen NLuber, fr wie Ueverbrinaung der entwendeten Unaussprechlichen nach dem nächsten Polizeirevier erfuhr. GteÜitt, 8. Dezbr. (Or.-Lorr.) Am Montag den 4. cr. dielt der hiesige Jsraeliirsche Knabenverein wie alljährlich seine Ehanukaseitr. Während seines 14jährigen Bestehens Hai sich derselbe so^entwickeli, daß die Feier dieses Mal im großen Saale des Tonzerthauses stattfinden wußte und selbst dieser war kaum in der Lage, die große Zahl der Teilnehmer zu fasten, waren doch über 1000 Personen erschienen.!Nit dem Anzünden der Thanukalichter durch einen Knaben und Absingen des Llonue Zar von 30 kleine» weißgtkltidelen Mädchen begann die Feier, dann folgte der Prolog. Nun hielt der Vorsitzende de» Verein» eine länger,: Ansprache an die Bersammlnng, er gab darin einen Bericht über die Thäiigkeil im vorigen Jahre, au» dem wir entnehmen, daß der Lerern für eine größere Anzahl Kinder Schulgeld zahlt, und ihnen Bekleidung und sonstige Unterstützung gewährt; ferner unterhält der Verein eine reichhaltige Bibliothek aus dem Gebieten der jüdischen Literatur, die von der Jugend eifrig benutzt wird. Er schloß mtt einem Dank an den Begründer und Ehrenmitglied de« Bereins, Herrn Eanior ksahrasohn, für dessen unermüdliche Thättgkeit, die er dem Verein seit seinem Bestehen entgegen bringt. Hierauf hielt Herr Sarahsohn die Festrede; er sprach über die Bedeutung des Lhanukr- Feste» und den Gegen, den der Knabenverem gerade durch die Abhaltung diese» Feste» schafft, weil er geeignet ist, im Herzen der Jugend Begeisterung für die Religion unserer Väter zu schaffen. — Nun trat der heitere Teil in seine Rechte. Die ,Schlttienpariie*. mit Prolog und Lhoral, gelang vor- »üglich und fand vielen Beifall; dann folaier wieder Fesigesänge von den kleinen Mädchen und zum Schluß ein Theaterstück, so daß die Feier erst um 11'/, Uhr ihr Tide erreichtt. — Wenngleich sich alle gut amüsierten und es wolsi Niemand gab, der mchi dankerfüllt den Saal verließ, so möchte wir doch den Leitern des Verein« e» recht sehr an'» Herz legen, für die Folge die Borstellungen nicht so lange auszudehnen; es wirkt ermüdend. Auch muß berücksichtigt inerten, daß das Fest doch hauptsächlich für die Kleinen bestimmt ist, es muß aus diesem Grunde, schon dafür gesorgt werden, daß es sich nicht bi» so ttcf in die Nacht hineinzieht; wo» durch frühen» Anfang und kürzere Pausen leicht zu erzielen ist. 7. December. In der heuttaen Stadtverordnete»- Herrn Dr. Fischer zum Reetor der höheren städttschen Mädchenschule bezog. Nachdem die Wohl vom Magistrat voll-wgen und von den Stadtverordneten keine Bemängelung vorgebracht worden, präsenttrte der Magistrat den gewählten der Regirrung zur Bestätigung. Inzwischen hatte mau gegen die Bestätigung eine Petition an me Negierung abgesandt und letztere veriagte die Bestätigung. Zu den Unterzeichnern der Petttionoebörteauch der Stadtverordnete Kerbe«, dem nunmehr bei den Staotveroru» nrienwahlen, wo er zur Wiederwahl stand» der Borwurf de» SnttsemitiSmu» und »er Jnkoseqnenz gemacht wurde- Dtmgegenübrr erklärte Kerbe» (der nicht wtednaewählt ist), er erachte es nicht für angebracht, daß in einer Stadt, wo 17000 Lhi-istm und 1400 Juden leben, der Rektor der höheren städttschen, nenn auch simultanen Mädchenschule jüdisch und dazu unverbettachet sei. Er sei nicht dagegen, wenn Dr. Fischer an der Anstalt Untrrricht ertheile, aber als Leiter halte er ihn für ungeeignet nutz er habe deshalb die Petition nntaschrieben. Den Lorwurf de» AnmoMsmn» »eis« e: zurück. Stmttv. Epstein entgegret, er könne letzteren Sorumrs doch nicht ohne Wettere» zurückne!>«em. ,i^X*