Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962246--1833-5375896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sprach über Stttli>hkeit und Lhnüche schöne Dinge. Darüber will Jemand denmächf: auch schreiben und sich dir erforderlichen Bilder au» R.und etlichen ander» Städten howi. oder richtiger in die Erinnerung rufen. — Heber 2 har alter stärke, wie fie ״nnsero-ReprSsentautrn— bet der jüngsten Wahl und andere PersSnUchkeiteu virher bewiese«, wird ein Anderer schreiben- — Urkomisch linde ich Ihren Leitartikel in Nr. sö der Wochenschrift. Sie sprechen da von eventuell nothwendigen Kenntnissen und Leistungen der Rabbiner» resp. de» Oberrabbiner». O, Ihre Naivetäl ist rührend! Was braucht eiu Rabbiner denn uiehr zu verstehen als Zeirung»rrporterdiruftr, Hilf»lehrrrfuoktivnen an einer orthodoxen Schule, Zusammen, suchen und Memoriren larmoyanter Predigt-Phrasen und vor allem die Kui.ebeugnng! Wenn Jemand diese grastartige» Dinge versteht, dann ist er, sollt' ich meinen, wkdig, zum Rabbiner» Schuldirektor und Oberrabbiner ernannt zu «erden, weun er auch nicht fähig wäre, eine Elem«ntarlehrerprüfung zu bestehen. ״Da» Uozulänglicht —. Hier wird» Ereignis;; Da» Unbeschreibliche — Hier ist ei gethan.' Sn diese Worte de» Chorus mysttcu» in Göthe's Faust uiust ich unwillkürlich bei «einem jedesmaligen Weilen in Spree-Athen gar läufig denken. Fürwahr, ein ,Rabbiner" erwähnter Qualität ist nach formvollendeten ProSIyuesr» — so ULUnten ja wohl die alten Griechen die Kriebeugungen — von allvermbgender Seite eine» gnädigen Blicken gewürdigt worden, von ebendieser Seite wurde dau« über ihn eiu etgeuartige« Urtheil gefällt, da» au au» derer Stelle miigetheilt werten soll, infolge jene» gnädigen Blick» kündigte der ״Rabbiner" sofort feine Wohnung, da er, seine Pappenheimer kennend» wußte» daß er für die neu« Stelle berufen wird; gl-ich wohl aber ltestmau au» naheliegende» Gründen noch immer weiter andere Äcudtdale»probepredigei.. Wann und w o die» ,-Unbeschreibliche" geschehen? Darüber ebeUfall« an anderer Stelle. Jetzt soll xr ,Rabbiner" trotz oder Krade wegen der Offenkundigkeil de» famosen LedrerProzesse» und ähnlicher Vorkommniffe allbeliebt sein und gewesen sein. Di« imvuttrte Allbeliebtheit wirkt indest noch lang« uicht so erheiternd, wie tat krampfhafte Bemühen gewisser Blätter, sich selbst den Ausll-ei« zu gebe», al» seien fie «ukaut, chäris der Presse, obgleich oder gerade well sie iu ihre» Nicht» durchboh» »eudem Befühle wähnen, durch solche» Bemühe» zu allgemeiner Geltung zu gelungen. Wir werden nach dieser Richtung dem» nächst den Mainzer ״Israelit" und di« Moffe'sch« .Iudeut-u»»- zeitung" einer lleiueu Besprechung unterziehen. Denken Sie sich: Jüngst bemerkte einer unserer magyarische» oder rumänischen Rabbiner meinem westfälischea Freunde: Berlin stelle darum leine d e u t s ch e n Rabbiner au, well diese nicht genug Hebräisä, gelernt: er habe al» zehnjähriger Knabe ichou ״p. p." (« ״•) gelernt: übrigen» dürfe mau schon um der Aatisvmite» willen interne Angelegenheiten Berlin» nicht besprechen usw. Hören Sie die unverblümte Antwort meine«Freunde»: Berlin stellt überhaupt keine Ratbiuer an, da» besorgt im Grund« ei» fast atomistisiher Bruchthell Berlin», dessen Nacken Sie ja kenn«! Deuts,he Rabbiner »»erden um de»halb gruudsätzüch zurückgewtesen, »eilfie allzusehr schweifwedeln, wa» gewifle charakterstarke Herren verabscheuen: wa» Sie und Ihre magyarischen and rumänisä»en Kollegen auf der Kanzel oder sonst an Hebräisch brauchet und gebrauchen, ״da» kann die Katz' ans dem Schwanz foritrageu"; wodurch Sie Ihr hedräi» sche» Wiffen ter Welt sckw» kuudgegeben. weist ich nicht: aber so viel weist bh, daß e» incksche Rabbiner iu und außer Berlin giedt, deren kr ine» Sie rille zusammrugeuomme» im Hebräische» die Schuhrieme» löse»!taten; Ihre Kenutuist de» ״p. p" be» zweisle ich fckwn deshalb ittcht, well Sie nicht - selten ,offene Thüren", oft mch geschloffene — einrrnueu: wa» die Antisemiten betrifft — ich meine, wie Sie wohl auch, die uichtjüdffche» — die kennen mr ere htestgen Interna bereit» besser al» wir Heide: bewerkte mir Iwch erst jüngf: einer, mit der vielgerühmten Bll» dnng der deutsch« Juden utüfle e» doch nicht so viel auf sich haben, da Irie jüdische Grostgemeind« Berlin keiue» deutschen biner für flhig halte, in ihr ei« Amt zu bekleiden, und wenn der Antrag Misere» Leu st und Genossen (wegen Nichtzulassung' von autläk-dischen Inden rückwirkend« Kraft erhält, dann steht die Grostgrmeinde Berlin eines Tage» ganz ohne Rabbiner hak — Run, Uh dachte, die Wahrheit ist überall» auch Antisemiten: gegenüber, da» Beste, und demgemäß erwidert« ich ihm. — Da» cabbinallich« Gegenüber meine» Freunde» war von dessen Antoort nicht allzusehr erbaut: e» verfärbte sich ״einiges." Da kommt eine dem ״Bisavts" verwandte Dame, die im Nebenzimmer da» Zwiegespräch angehört, und ftagt, wa» denn eigentlich da» schwierige Thema ״p. p." bedeute, da» schon der Zehnjährige gelernt Hab«. Da» rabbinatlich« Gegenüber» ficht» lich verlegen, ersucht meinen Freund, der jungen Fragestellerin zu antworten. Gr erwidert ihr, schnell gefaßt: ״Ihnen, gnädiges Fräulein, würde ich da» Thema durch ״da» Morgenthor des' Schönen" — iu Schiller» Gedicht: ״Die Künstler" — wiedergebcn- Sollte Sii: meine Antwort nicht befriedige», bitte, ftagen St» gefälligst de« jüdischen Lorsteher Berlin», der mehr Hebräisch versteht, al» alle Rabbiner Berlin», da er au» diese« einen Obs» rabbiner ernenne« wird, oder bereit» ernannt hat." .Lch bin sehr befriedigt, «ein Herr, wle lautet die be» treffende Stelle im Schiller? — .Nur durch da» Aiorgeutbor der Lchdue» Drangst Du tu der ükknmtutß Land." — Lächelnd entschlüpft dU jung« Dame, dU Schillerschrn Lerse stillvergnügt wiederholend- — Schlestlich eiu Wort auf Ihre licbenswürdige Frage nach meinem Befinden. Ich bin ziemlich munter, wen» auch nicht so ftohgemwh wie sonst: denn ich höre, daß mehrere Sleinstädter. zu denen freilich weder unsere charatterftarken Repräsen» taute», rwch unser charakterstarker ״Lentralveretu" gehört, bald Mmtcherlei unteruehmru wolle» was mau fich am grünen Tisch wolck uicht träume» läßt: ich bin aber noch nicht dafstr, «ft müffin unsere Zustände zu noch herrlicherer Blüthe sich entwtckeU haben. Darüber bald mehr. Mt munter« Mackabäergrust Ihr, «ie ich sehe, alltterirend gewordener Kleinstädter. Berichte und Lorresponvenzeu. Deutschland. M agd cd arg, 11. Dezember, «ns höhere Anordnung wurde —״ wie die Zeitungen melden — am gestrigen Sonntag in allen protestantischen und katholischen Kirchen im all- C“' ' ‘ *־" ׳ ' " ־'" ־־“ ־ * gebe«. Die jüdischen Geistlichen erhalten bekanntlich keiue derartigen Aufforderungen, bedürfen auch derselbe» nicht erst. Ja der hiesigen Synagoge geschah dies bereits am Sabbatk, d. 2. Dez seitens de» Rabbiners Dr. Rahm er im Suschluß au das Gebet für Kaiser und Vaterland, und so wird eS wohl in allen Synagogen geschehen sein. Wie heißt es doch in dem schöne» Harries'scheu Aömgslied«:. Liede des Baterlauds, Lied« des freie» Dtanu» Grsude» de« Herrschers Dhron «e Fels im Meer! Berlin, 11. Der. (Oi>Sorr.) Die gestrige Rr. der,Mt» theilungen aut dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" weist auf eine» gefährlichen Krebsschaden innerhalb der ׳ Judenhnt hin, gegen de» die ״Israelitische Wochenschrift" schon seit einig«» Jahren energisch angekämpft hat. Leider stand sie allein in diesem Kampfe, die anderen jüdische» Blätter nahmen in unverantwortlicher Weise thefts eine passive, meist sogar «im die im Stille» fortwuchernd« Krank- Heft fördernd« Stellung eia. Es ist die sogenannte zionistisch« Bewegung, gcge» welche der Abtvehrverri» sich »endet. Der bttr. Artikel in der Müchetluogen lautet: ״Die Zionisten. Innerhalb eins . -11