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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-15 · 50 (15.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
50 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Etckt di da nun keim ehrtichm Proftlhtm? Wer kann da« leugnen? Wer darf so rrancheMLnn«, die später Leuchten der Kirche geworden sind, de« Luge» zeihen? Aber man kann dmselbm Gedanken verschicken wenden. Die Dogmen de« EhristenmmS find über alle Vernunft hinaus. So viele Christen bekennen, daß sie nicht durch Vernunft, sondem durch eine innere > Erleuchtung zum Glauben gekommen find. DaS wird nun in dem von dem hochgeehrten Ungenannten bekämpften S<itze ein Opfer des Intellekts genannt. Ja sollen wir Bänd« ausschreiben und dem geehrten Herrn beweisen, waS er längst weiß, daß der gläubige Bekenner seines Glaubens die Bernunst in religiösen.Dingen gering achtet, daß es ihm der Triumph des Glaubens ist, auch gegen die Vernunft fich zu behaupten. Kann er sich dadurch verletzt fühlen, daß Jemand wiederholt, was er selbst für wahr hielt, daß «nicht auf dem W.'ge, auf welchem er zum pythagoräischen Lehrsätze gelangt ist, zum Ehristemum gekommen, sondern durch eine „höh«e Erleuchtung;" wer in seiner Religion dieses Mittel ein« höheren Erleuchtung nicht braucht, wird nicht so leicht geneigt sein, an die objektive Wahrheit dies« Erleuchtung zu glauben. Vor uns liegt das Buch eines christlichen Pastors, des Predigers an d« reforminen Kirche zu Et. Martini in Bremen, Moritz Schwalb, das schon die Jahreszahl 1894 trägt, also gleichsam das Geschenk dieses Mannes ist an daS neue Jahr; da ist zu llftn, Seite 21, in einer Predigt, die (echt jüdisch) gegen das MissionSwesm eifeN und (wird« echt jüdisch) eS als die beste Mision «achtet, vor d« eigenen Thür zu kehren, in sich seit ft und in sein« Gemeinschaft die Religion zum möglichst vollkommenen Ausdruck zu geben: .So lange wir in d« Christenheit neben dem einen Gott, dem Bat«, noch einen Sohn als Gott »«ehren, und neben dem Sohne noch eine Mlltt« GotreS, so lange wir noch drei G— haben in der Christenheit, haben wir eigentlich keinen vernünftigen Grund, Missionäre gegen Bielg— prckigen zu lasten. Solange wir noch in Deutschland den heiligen Rock de« Erlös«» verehren, haben wir keinm.Grund Missionäre gegen den F . . . .. muS aurzusenden. So lange man noch in d« Christenheit glaubt, daß man leibhaft, wie Lnth« lehn, leibhaft, mtt dem Munt« und mit den Zähnen — da« find Ausdrücke Luthers —t>en wahren Leib und das wahre »lut Jefu Christi ißt und trinkt, brauchen wir nicht zu eifern gegen .....*) d« Heiden. Bor allem sollten wir ein Christentum schaffen, wie e« Jef.rS in fein« S«le trug, eine Religion d« Gotte«, liebe und d« Menschenliebe." Wir hätten diese Sätze nicht nick«geschrieben, wenn sie nicht weit und breit durch einen christlichen Predig« zuerst von d« Kanzel, und sodann durch den lvruck wärm mitgeteilt worden. D« gelehrte, Denker, d« durch dm von un« obm auSgeschriebmm Satz sich verletzt fühlt, weiß eS. weil « ein .im Jndmthnm wohlumerricht« Jude" gewefm ist, daß diese und ähnlick!« Schwierigkeit« dm Judm in seinem Glaubm nicht stören. Wir habm kein Mittel ..ein« anderen Menschms«le auf dm Grund zu sehm", aber e« ist, sowett wir Kisten, keine Beleidigung für einm Christm, wenn wir seine *) «ir neh»»«-^-sd bie von um oben »tl Slrich«,». Punkten HGdchneti» Sorlk t» m,f. «latt wiedeqU,«»«. T«ue ,^gm die Religion au» ein« al» au« der Vernunft. D« gelehrte und geistvolle Mann sagt von sich: „Sobald ich Freikuit d« Entschließung hatte, habe ich e« für meine 'Pflicht gehaltm, da» Bekmntniß zu d« gekrmzigtm Liebe, zu dem für mein Heil gestorbenen' Gotte, d« mich befteit und erlöst hatte, wie ich es im H«M trug, auch wirklich anzunehmen." Und w« so seinm Glaubm formnliN, wagt andererseits die Behauptung: „alle religiös, -sittlich und wistenfchaftlich tief« durchgebildrtm Jndm, die er kmnt, sind mangelische Christen." Bevor Jemand sich zu einem Satze bekmnt, od« ihn ablehnt, muß « ihn doch erst grammatisch und logisch verstehen, und ich muß eS sagm, das obm citirte Bekmntniß de» gefmertm kielehrtm ist mir fremd gebliebm, so nnverständlich, als sei eS in ein« mir völlig unbekanntm Sprache geschrebm. „Die abstrakte l«re Gottesvorstellung" ist chm ein orimtalisch« Ab«glanbe. d« einm ck'.m hochbegabtm Theil d« Mmschheit in unwürdigm Feffeln festhält wie durch ein göttliches Sttafg«icht, daS die Sünden d«Vät« an dm spätm Enkeln räche." Daß d« Gott, d« Schöpfer de« Himmel» und der Erde, ein l«r« abstrakt« Begriff sei, ist das Neueste, waS wir hören. Auch w«m es uns schw« wird, die Zweifel völlig zu unterdrückm, zweifeln wir nicht an d« Ehrlichkeit d« Ueb«- zengnngm An'xrer; die jüdischm E«emomm sind nicht rin hartes Joch, sondem sie find oft gemüthlich, erftmlich und geben dem riüchtemen Dasein nicht seltm eine poetische Verklärung, im Uebrigm sind sie die Schale, die dm Kern schützt. Wir wolm Keinem seinm Gott und seine Kirche raubm od« schmähen, wir chum gut, soviel e» geht, jede Polemik mit dm christlichm Kirchen zu vermeidm, noch imm« ist für nnS die Gefahr, wie einst bei dm Difputm de» Mittelalters, daß wenn die rntio nicht weit« Hilst,, dann die G e- Walt als altim» ratio daran kommt. Seim wir strmg in dem Festhalten de« Eigenm, und nachgibig und vorsichtig in d« Kritik ander« Bekenntnisse. Da« Judenthum ist le«, ist abstraft, so sagt man, ab« eS lehn nicht» Uebervemünfsige», nicht« WidervemüuftigeS. ' 8. 8. Briefe eines heiter« Kleinftiidters a»S Berlin. Hl. Wie gem, mein verehrt« H«r Redakteur, hätte ich schon früh«, viel früh« und bst« an Sie geschrieben, wenn ich nicht nach vnserm Wallfahrt«fest Sukko« gmöttgt gewes« wäre, viel iB tDcOttt imb m fabrttL O, ditft Kleinstädte, di« ich besuchte, hättm fast die paar Körnchm Idealismus, welche die Großstadt «ir einaepflanzt, vemithtet. Glücklicherweift führt« «ich «ein« Geschäfte imm« wieder, wem, auch nur auf einige Tage, nach Berlin zurück. Ach, e« geht doch nicht« üb« uns« Spree-Athen l W» hftr nicht gesundet, an Geist und Gemüt nicht erstarkt, an de« ist Hopfen and Mal, und — Malz-Extrakt verlor«. Ich habe da« kerett« in «eine» ersten und «eine» zweite» Brief (Rr. 27 nid 38 d« Wochenschr.) eintgermaßm bärget hau; «lanbm Sie mir, e« hente weit« zu veranschauliche» und zu begründ«, und zürn« Sie nicht, wenn ich mein« Argument« «st post. festem bringe. 9§ ging eben nicht früh«, auch deshalb nicht

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