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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-08 · 49 (8.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
49 (8.12.1893)
Date
1893-12-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Daß da» Märchen von der ,erschreckenden Zunahme" v«r Falscheide, trotz Herrn Pastor Mcher, der baare Unsinn ist, haben wir wiiderholt auf Grund der amtliche» Statistik hervorgehobe». Wie steht e» um die amtlichen Ziffern? ES »eg«» Meineid« 1 sohrlässige» kalschr» Lide« 1882 1011 Person. »4% *f »73 Person. 14°/« 188» 871 . 8,7 . JO 318 0,98. 1884 998 . Ü» . 6 ■3 375!4 . 1885 940 8,9 . L 404 14 . 188« 827 24 . £ 858 1.1 . 1887 807 . 2.» . E 86« 14 . 1888 797 . 2.4 . 415 14 . 18e9 754 . 24. 8 443 14 . 1890 789 . 24 . 8' 447 14 , 1891 796 24 . 526 1.6 , 1899 771 . 8.8 , S s» 488 0 14 . 8' Au» dieser a m t lich srftgestrllten Ziffernreihe (vergl- Bier» teljahrSschrist für Statistik de» deutschen Reiche», Jahrg. 1893) geht unwiderleglich hervcr, da'; die Zahl der fahrlässigen falschen Eide unter Berücksichtigung der Zunahme der Bevöllerung seit 1882 so gut wie konstant geblieben ist, und daß die schwerere Kmc»be» falschen Eide», der Meineid, seil 1882 ganz erheblich seltener zur gerichtliche» Ab» mrteilung gelangt ist. E» ist also gerade da» Gegenteil von dem wal>r, was d e Frommen im Laude bchaupteu! Aber da» scheint die Herren von der erthodox-autisemitischen Mehrheit der verschiedenen Synoden Nicht anzufechten l LeiPzfg» 3. Dezember. Die hiesige ,Gesellschaft der Freunde" feierte gestern ihr fünfzigjährige» Jubiläum im kaufmämnschen Vereinshause du:ch Reden und musikalische Aufführungen. Ucber die Thätigkeit der Gesellschaft giebt die vom Vorstand herauSgkgeber e Festschrift nähere Ausklä» rungen. Iw Dezember 1843 wurde sie von 18 jungen, unverheirateten Männern in» Leben gerufen. Ihr Zweck war, unverschuldete Rot zu liudern, teu Mitgliedern mu Rat und Thal beizustehen vnb edle Geselligkeit zu pflegen. -Lei chrem üöjährigm Jubiläum im Jahre 1868 zählte ste bereit» 59 Mitglieder und heute nennt das Mitgliederverzeichni» 3 Ehren- Mitglieder, 117 hüstge und 4 auswärtige Mitglieder. 3 Mitgliever, bte sich un da» BereinSleben in hervorragender Weise verdient gemacht haben, die Her:en Jakob Rachod, Adolf Glaser und Mnntz Rachod, werden dauernd im Be» zeichni» iortgeführ. Die Gesellschaft trug bei zur Milderung unverschuldeten DendS, z. B. bei den Ausweisungen russischer Juden, t«i der unlängst zu Tag« getretenen Rotlage beschäftigungSlrser Arbeier in Leipzig u. s. w. und verteilt Stipendien an hier sich aufhaltent« Bedürftige beiderlei Geschlecht», deren Weiterbildung in Kimst, Wissenschaft und Gewerbe gefördert runden soll. Jnpgesammt find an 1016 Pc» soncn 4k,404 Mk gezahlt worden. Unterstützt wurden Studierende der Medizin 194, der Rechte 55, der Philosophie 157, der Musik 215, Bildhauer 5, Schüler 78, Kindergärt- »erinueu 45, HanrwerkslehttiNg« 47, Gelehrte 60, Laufleute 64 und Personen verschiedener!SerufSzweige 101. Der Bor stand der Gesellschaft besteht heute au« den Herren Louis Goldschwidt, Vorsitzender, SelmcnFrank, stellvertretender Bo» fitzender, Siphons Jacobson, Klissierer, Max Levy. Schriftsichrer und Siegnnmd Nelke, s:ellvertretcnder Schriftführer und Lasiierer. Die gestrige!Zestfeier wurde durch die Jubekouverture von Web«, von f?crru Auch» «!f einem Klavier vorgrträge», eingeleite:. Dann folgt« ei» sceaischer Prolog, der in sinnigen Bnsrri Freundschaft, Wchlthätigkeit und Geselligkeit feierte. Herr Dr. Larpele»(«<rmm nicht derOrtSrabbiner?) sprach vcn den eb ifn Bestrebun^n und humanen Zwecken der Gesellschaft. Hierauf wurden Herr Kränke!, da» emzige «och lebend« Mitglied, welche» t«r Gesellschaft seit ihrer Begründung cmgehörl, und der der^itige Vorsitzende. Herr Louis Goldschmidt, zu Ehreumitglirdern ernannt und i&sen ein geschmackvol ausgestttlrte» Diplom dnrch den zweiten Vorsitze,»- den, Herr» Frank, überreicht. Frau Dr. Plaut überreichtes i« Namen der Fr««» einen koDaren silbernen Pokal, de goldener Inhalt zu einer neue» milden Stiftung bestimmt war. Musikalische und gesangliche Borträge beschlossen in würdiger Weffe die Feier, der heute Festmahl und Ball folgen. vfterretch»«»,«». W. Z. Sauber«, 40. Rov. Sie hatten, geehrt. Herr Redakteur, zur Zeit kerne Kenntnis von dem Eongceß genommen, der im Herbst d. I. in der Stadt Posen stattfand und/ an dem di« hervorragendsten Juristen und Ratioual-Oeko» nomen der drei polnischen Läudergebiete teilnahmen, und doch^ verdient ein auf demselben gehaltener und mit großem Bet-: fall aufgenommeaer Bortrag, der de» Abgeordneten Gtani»- lau» SzczepanowSki, auch in jüdtschen Blättern einer besonder» Beachtung, weil er die Judenfrage in Polen b» handelt. Der Herr Abgeordnete sprach ״Ueber de« Volkswirtschaftlichen und socialen Fortschritt Galizien» seit der Einführung^ der Autonomie." Die Raumverhältniff« diese» Blatte» g»' statten es nicht, di« hochintereffanteu Ausführungen de» genannten Abgeordnete«-zum Ausdruck zu bringen; aber jene». Teil wolle» wir hier reproducieren, in welchen derselbe seine - Ansichten über den AmisetnitiSmu» nichergelegi hat. Er sagt«: ־׳ .Die Fra«e de» Snttsemsttsam», welche der vorigen Generation ׳ in Pole« fremd w« und setzt vom Au«lande »u un» importierte wurde» erklär: un» bewußt oder unbewußt eine ganse Reih« von - socialen Erscheinungen. Genau wie bei der Frage der Loucurrenz der einzelnen Gewerbe untereinander, bin ich auch bei der der Industrie eine gewiffe Art von naturgemäßem Wettbewerb, eine Eoncurrenz, wrlche absolut nicht zu beseitigen »st, welche existiert und ärmeren wird, trotz volittscher Schönrednerei, da sie eben durch bloße Argumentatton nicht au» der Welt geschafft werden kann. Andrerseits giebt mir da» politische Motto eine vollkommen «rügende Aufklärung darüber, wa» unser Nationnlinterrffe in ieser Frage fordert. Wir bilden eine au Zahl kleine Besatzung einer Festung welch« sich bi» »um äußersten verteidigt und auf Vermehrung ihrer Stteitkräft« bedacht fein muß. Aus dem Ge» biete der eveinallgeu polnifchen Republik leben 5 Millionen ZSraeliten. Sine Bevölkerung von 5 Millionen kann für ei» Volk von 15 Milleinen hochwichttgen Bundesgenossen geben, eine hoch» erwünschte Brrmchrun! der nattoualeu Streitkräste werden, um» somehr al» unsere Feinde durch Bersolgung diese» Volk direkt in unsere Arme «reiben. Ich könnte hier verschiedene Ansichten anführeu, welch« jetzt in Europa Kork verbrestet find und einen Rückschritt in unseren Culturbeariffen aufweisen. Sollte ich die Ursache neunen, welche den Autsserniiismu« in Europa erzeugt haben, dann müßte ich sagen, daß die verborgene Triebkder, die den Auttsemintmu» ver der eitet Hab ihren Sitz in der Darwiu'kchea Lehre vom Kampfe um'» Dasein li«, jeuer Lehre, welche i« ihrer »»Wendung aus die Geschichte gewisse Aehnlichketten gefunden hat »wischen der natloaalen und ökonomischen Entwicklung de» Menschengeschlechter und dem sterischen Kampf« um'» Dasein. Diese Lehre hat gewisse Doktrinen üb» Raren ausgestellt, gewisse angetlich unfrhldare Theorien über die Uamöallchkeil der RaeeaaffttnUirung, und diele Theorien bilden jene geistige Atmosphäre, in welcher die nutzst» mmschen Ideen entstehen und «wachsen tonnten. Derartige Au» schaannaea waren z. B. im achzehaten Jahrhunderte, al« überall >i« revomttonäreu Ideen über die Gleichheit und Brüder lick aller Stämme domiinrtra, vollständig unmöglich- Erst tu le Zeit begann der Auüsemist»««» sich immer «ehr Bahn zu br und zwar tu Folge de» Verkennen» jener geistigen Merkmale. > die Geschichte der Menschheit von seaer der Tierwest unterscheide». Sehen wir un» die Rolle näher an. welche txr» israekistsche Volk st, der Geschichte «säest hat. Al» Kennzeichen diese»ן Stammes körnte ich die Worte anführeu, welche zu de»;*־ Fischern gesprochen werden: ,Ihr werdet in Znknuft ob aber MensLn Mchen". Aber bie Rolle des Menschen l ans einer allgemeine» Eharaklrritzist sondern in du rauf, ob die Fischernetz« zu «le« oder unedle« Zweck« aaSgc». worsen werden. I» der Geschichte aaaxc Völker scheu wir, daß ei» Bolk nicht et« Geltung oder eine Tierfamllte ist, welche au» einer Anzahl Ihnllcher Jomvidue» besteht, sonder« ei» zusammen» gesetzt« OrGmrmu». dessen Glieder die grö^ Bo^chtedrnheit oder andere ttobUHStia

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