Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 49 (8.12.1893)
- Date
- 1893-12-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Außerordentlich« wird zu etwa» Gcwöhnlichem und Alltäglichem herabgedrückt, ein ganz Unberufener bewerft haarklein, wie sich die ganze Sache viel besser hätte mache« lassen. E» ist ei» bekannte» Wort: Nicht wer bei» Lob, sondern beim Tadel bescheiden bleibt, der ist «» in Wahrheit, und ebenso richtig ist: nicht wer bei Triumphen, sondern auch bei Enttäuschungen seinen Arbeitseifer bewahrt, der ist wirklich arbeitsfroh zu nennen. Wie oft hören wir au-!»em Munde der Reichen die Trägheit der Armen schelten. Der Borwurf mag oft gegründet sein, aber wie leicht ist e»,zu schaffen, wenn der Gewinn de» Arm beflügelt, und wie schwer ist e», der Arbeit freu zu bleiben» wenn einer vorwärts strebt, abernicht vorwärts kommt. ES ist ja zweifellos cmch die Pflicht derer, die ge» säet und nicht geerntet haben, auf# Reue die Aussaat zu streuen; «in Riugm ohne Gelingen, ohne Erringen, enthebt nicht der Aufgabe, auf- Neue zur That sich zu rüsten, nur sollten diejenigeil. die auf den reichen Lohn der Mühe blicken, nicht vergessen, welch' ein Hebel zur Arbeit der Erfolg und wie niederdrückeud der Mißerfolg ist; trag wird, wer an seinem Mißgeschick gar zu schwer zu tragen hat. Auch dem, der für da- Wohl Anderer sich müht, wachsen die Dornen, welch« die Hand »»erwunden, die wohllhut. Der Undank, die Verkennung, die Verblendung, die da- Gute schnöde zurückweist, o, wie dicht ist das Dornengestrüpp, durch welche« derjenige sich durchzuwinden hat, der daS Wohl der Mitmenschen fördern will. ES -ist ein leichte» Werk, von den Wogen deS Beifalls getragen, einem schönen Ziele zuzustrebe». Aber in seinem Eifer nicht zu ׳wmatten, nicht zu erkalten, wenn Wind und Wetter sich gegen un» verschwören, daS ist erst die rechte Bewährung für den gestählten Charakter. Es ist erklärlich, wenn einer von den Stfrmen des Lebens ermüdet sich nach Ruhe sehnt, sich zurüchieht in sein enge» Heim, daß auch sein Herz eng wird durch so manche Entäuschung; aber der Fromme sollte nie da» herrliche Wort vergessen: ״Eine KriegSzeit ist dem Menschen auf Erden," ein Krieg für die Frieden-Herrschaft. Zu diesen Betrachtung׳» führen uu» die ersten zwei Worte deS SchristabschnitteS, Wajeschew und die Bemerkung welche unsere Weisen daran knüpsm. Diese Worte lauten: ״ W ajeschew Jakow“—Jakob well te anSruhen. Jakob» Dasein war, wenn wir die Zeit abreihnen, die er in Elternhause verlebt, und sein Greisentum, wo er im Hause seines Sohneweilte, von Schmerzen und Stürrren durchzogen. Der erste Zeitraum war auSgefüllt von den Sorgen im Dienste Laban», zu dem er sich vor den Haß de» Bruder» hatte flüchte« müsien, und von allen den Kämpfe«, die der von Laban Heimgekehrte bestehen mußte, bevrr er sich in Frieden seines schwer erworbenen Besitzes erfreuen könne; der zweite Zeitraum ist umwölkt von der Sorge um Joseph, den geliebten Sohn, von der Hungersnot, die sein« Kinder in die Fremd« trieb und von all den Gefahre», die sich an diese Reisn, knüpften. Dazwischen ein kurzer Sounenbltck — Wajeschew Jakow, ein flüchtiger Moment, da Jakob behaglich weilen wollte und konnte, und unsere «Ueu sagen: .alle die Unruhe durch Joseph traf den Jakob als gerechte Straf« dafür, weil er in Sdch« genießen wollte, denn es zicmt den Gerichten nicht, sich behaglichem Genuß hmzugeben und ihre Lebensaufgabe für beendet zu befrachten, bevor ihr Leben beendet ist. Dieses RuhebedürfnS unseres Erzvaters, e« ist so leicht zu erklären, die Schrift schildert ihnclS einen schichten Menschen, der gern in seinem Zelte lebte: nicht aueigener Neigung raubte er Esau den Segen des Vater-, sondern durch seine Mutter veranlaßt, und nun wurde er hinauSgestoße« in die Fremde; bei Laban, seinem Verwandten, wurde er getäuscht umd auSgebeutet und nach einem Aufenthalt von Jchrzehnten mußte er wie ein Die!, au» dem Hause Laban» flüchten, um zu retten was er sich redlich erworben. Den Weg zu den alte« Eltern, zu deaen sein Hey chu zog, versperrte chm desBruder» gewappneteSchaar. u. venu in Esau auch da» Bruderksifühl üb-r den Haß siegte, so merkte Jakob doch, daß er H mit dem Gottlose« keime Gemeinschaft pflegen kpmtte; sodann \ erregte chm der Linder wild» Sinn die Feindschaft der j Kanastiter, unter denen er weilte. « Mühselig hatte sich der einst Flüchtige und Heimatblose 1 ein Hau« gebaut, da wollte er nach so langem ruheloseu i Wandern der Rübe pflegen und behaglich genießen. Solch« Z Wünsche find erklärlich, aber zumal d«t einem Jakob nicht j verzeihlich: ein Jakob, den der Ewige .Israel" der Z »Streiter Gott«»" genannte hatte, durste nicht selbftzes störte da» Schicksal ihn auf au» diesem beschaulichen Genuß- 1 leben und trieb ihn zu neuen Kämpfen. Er wurde zur 1 Unruhe der Sorge verurtheilt, weil er nicht die Unruh« de» Streben» freiwillig auf sich genommen. Wa» hier von Jakob erzählt und gerügt wird, daS gilt - auch von Jakob« Sprosien, dem israelitischen Volke; auch s diese» Volk möchte gern nach Jahrhunderten de» Leiden«, der Verfolgung, der Verhöhnung auSruhen und e» vergesie«, daß eS Israel der SotteSstrei te r ist, daß e» die ■\ Standarte der Menschlichkeit und der Wahrheit zu trauen j habe und möchte dem Genuß seine Tage widmen. Da hat Gott unsere Ainde wider un» erweckt um uns aufzustören, / um die Vergeßlichen an ihr Judenthum zu mahne»; er hat י unsere Widersacher zu Richtern über un» bestellt, da wir : selbst dieses Richteramt allzuläflig nnd allzu nachsichtig au»- ) geübt haben. Wajeschew Jaäkow; auch da» Volk Jakobs; wollte behaglich weilen und verlor die Unruhe und den Eifer, welcher die Edlen treibt, und ließ sich nicht gern an seinen Glauben erinnern, da hat da» Schicksal un» unsanft und streng aufgerüttelt und un» an unsere Religion gemahnt. Die Geschichte Israels ist nicht arm an Vorbildern jener : edle« Unruhe, jene» unabläßiaen Streben», jener Männer, die, wie «» im Buche Daniel Hecht, Biele zum Rechten führe» u. j den Sterne« gleichen und wie diese niemals rasten. Und an eine» der glänzendsten Vorbilder erinnert unda- L hanukafest. Da»Mackabäerg,!schlechtdaS find eine Reihe von Helden, die nicht» wiflen wollten von Wajeschew J&akow, von einem JakobSvolk. da» genießt und au» ruht. die nicht eher rasten, al» bi» der Tod chnen sein Hast zuruft und die l! darum unter den Stürmen syrischer Verfolger da» fast ers loschene Lebenslicht unsere» Volke» auf» Reue zur Hellen Leuchte entfacht haben. In dieser Unruhe ihre» Leben»; fanden sie die Ruhe ihre» Herzen», in chrem Eifer chren * Frieden; ihrer gedenken, ihnen nachahmen ist noch heut die rechte Parole für jeden Israeliten. B• B. A1»s dem Bericht ] der Generalversammlung deS ״Vereins znr ] Abwehr des AntisemitiSms." Wie in vor. Nrbereit» mitgetheiU, hielt am 28. November der .Verein zur Alnvehr de» Antifemitt»mu»" in den Victoria- Sälen zu Berlin seine erste Generalversammlung ab, der eine groß« Anzahl Berliner und auSwärttger Mitglieder de» Beretu» beiwohnten. '4 Der Vorsitzende Geheimrath von G n e ist «öffnete die Brrsammlung mit folgender Ansprache: ,Meine Herren, wir leben m einer aufgeregt« Zeit. Eine kleine Minoruät von Staat»- bürgern wird zur Zeü mtt Entstellungen, Berläumdunge» und Hetzereien aller An verfolgt. E» war derbalb geboten, daß au» den Kreisen der Gesellschaft gegen de» LuttsemittrmuS Front gemacht onrdr. Früher glaubte man der liebe Gott und der Staat helfe schon, man brauch« sie nur walte« kaffen. Run» meine Herren. der lieb« Sott sorgt für un», wenn wir unsere schuldigkett thuu. (Bravo Ü und so haben wir un» vor drei Jahre» entschlossen, diesen Verein in'» Leben zu rufen, um uns«, rersett» zur Betäuwftmg der dunklen Mächte de» «ntttentttiSmu» : beizutragen. Von Herrn «bg. »ickert werden Sie Wstklärung über die GefichtSpmm« «nsrrrr Thättgkeü erhalte». Gewiß habm.. wir.keine Heldemhctm zu verzetchueu, dennoch wäre G jaQSk י-1 - - - ־^J- ■