Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 48 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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als 0jKäicüteäi_bf&anbeLt wird, nützi^le sich bald ab. Da» hält vielleicht ein Agitator, der von der Ägitatioo lebt oder der von einem gewiffen Fanattsnu» beseelt ist, au»; aber da» Lolk erträgt da» auf me Dauer nicht. Ärmer Stöcker! Liest sich da» nicht, al» ob ei direkt gegen ihn geschrieben wäre? Oertts. ״Wie die Alten su71gen, so zwitschern auch die Jungen!" Roch ist jede» Herz schmerzlich berührt durch den traurigen Ausfall der Stadtverordaettnwahlm, da ertönt die frohe Botschaft, daß roch nicht alle» in Berlin verloren sei und in der berliner Jugend sich ״die sittliche Wiedergeburt des aermanischen Stamme»" vorbereite. In der Quarta de» des Doretheenstädttschcn Realgymnasiums hat sich ein ״Deutschantisemitischer Schüler -Berrin" gebildet, der die ״Arroganz" der jüdischen Mitglieder, welche die besten Plätze in der «laste einnehmen, bekämpft, sie nicht an den Spielen teilnehmeu läßt und sonstige bahnbr«)endt Reformen plant. Man munkelt bereits, daß der Berei!» gegen die Anstellung jüdischer Lehrer vorstellig werden wol>, und auch solche Lehrer, welch« der überzeugung-treue Anlisemit mit ״Judengenoffen" bezeichnet von der Schule fernhcilten möchte. Unter diesen Umständen scheint die Stellung de- Direltors Schwalbe ziemlich erschüttert, obwohl der Ordinarius der Quarta in gänzlicher Verkennung der Absichten der ahlwardtisch inspirirten Jugend inzwischen ein Strafgericht über,die germanischen Zöglinge verhängt hat. — 8t Pose», 2€>. Rov. (Lr.-Eorr.) Die dritte ordcntliche Jahresversammlung de» Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen am :22. November war von Z9 Mitgliedern besucht. Die wenigen AuSgebliebeneu hatten sich entweder mit Krankheit odw anirerer dringender Abhaltung entschuldigt. Der herrliche Lewaniowskr'sche Psalm 23 bildete die Sinleitung zu der um 10 Uhr beginnenden Versammlung. Der Vorsitzende, Hauptlehrir Herbst-Lista. eröffnete hierauf die Verhandlungen mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser und König und gab alsdann seiner Freude über da» fast vollzählige Ei-scheine» der Bereinsangehörigen Ausdruck. College Dingfelder-Rawitsch überreichte ein Begrüßungsschreiben vom israelitischen Lehr»rverein für Bayern, ebenso College Becker-Wöllstein eia Lchreiben de« Verein« iSrael. Lehrer de- LandrabbinatSbezirL Cm den. Die Ber» sammlung nahm mit Dank Kemttni« vo, denselben. Den Wünschen de» letzteren Schreiberkonnte au» verschiedenen Gründen keine Folge gegeben nnrden, doch soll dies in der nächsten Versammlung geschehen. Rach Erledigung von Personalien und der Mitteilung, daß die Herren Jacobsohn <k Co. in BreSlau eine Anzahl Bücher den, Vereine zur Ansicht übersandt haben, erhielt Hauptlehrer Lohn-Rogasen das Wort zu seinem Referat .Der Mische Lehrer und seine Gemeinde.' Die Bilder, welche er entwarf, erweckten das große Jniereffe der Zuhörer und der Borttag fand di« lebhifte Zustimmung der Abwesenden. Eure sehr lebhafte Debatte entspann sich über den geörten Vortrag, dem 4 Leitsätze beigesügt worden waren, lese wurde» vo» der Versammlung in den folgenden 2 Sätzen zum Ausdruck gebracht: 1. Der Lehrer sei vorsichttg im Familieuverkehr, er halte sich mehr an Sltne College». 2. Es ist wünschenswert, daß der Lehrer so gestellt weroe, daß «t auf Nebenerwerb nicht angewiesea sei. An der Debatte beteiligten sich die College«: Grün selb, Stern, Becker, Dingfelder, Destler. Jaroczynski, »atz, Hopp, Cohn (der Reierent)und der Vorsitzende, der auch die Frag« über tie Ferien unter allseitiger Zustimmung eingehend .-!örterte. Stach 2'/, ständiger Verhandlung wurde eine Pause von V* Stunde gemocht und dann mit de» Vortrage des ׳!oll. Becker-Wallstria: .Ein deutsch.israel. Lchrerbuad und seine Ausgaben" fortgefahren. Rednrr betont die Rotwendigkeil «»er Berrätignuß tz» i vereme und schlägt solgende stimmige Annahme fiUoet. ,Der Verein, jüdischer Lehrer der Ostprovinzeu hält dre Bereinigung aller bestehende» jüdstche» Lehrervereine des tuittschen Reiche« für notwendig. Er beauftragt seine» Vorstand, mit den übrigen jüdischen Lehrervereinen de» deutßhen Reiches behnfs Gründung eines deutsch-israel. Lehrerbundes in Verbindung zu treten rc." College Dingfelder, der in baterischen Lehrerveretnm über denselben Gegenstand ges,rochen, liefert noch rät Lorreferat im Sinne des Vorredner» und teilt mit, daß die Brüdervereine in Hannover, Bre»lau der Rheinproviuz, Vätern, Westfalen, Thüringen und Heflen den gleichen Beschluß gefaßt haben. — Rach׳ erfolgter Wahl de» Vorstands und der Stellvertreter bringt der Borfitzeno« die Frag« zur Erörtern״», wann und wo di« nächstjährige Versammlung statifindea solle. Dabei ^igt sich, wie notwendig ei« Vorgehen de» Verein» wea« der Festsitzung der Ferien auch für die jüdischen Schulen sei. Es sei merkwürdig, daß obwohl dir Regierungen beider posen» scheu Bezirke .unter Atifhebung aller bisherig« Anordnungen" für alle Volksschule» ihrer Bezme die Ferien gleichmäßig bekannt gegeben hat, eine Aazchl OrtSschulinspektoren, darunter auch die jüdischen, sich bemühen, die alten einschränkenden Bestimmunge» für die >üd. Schulen aufrecht zu erhalttu. Es habe bisher mit der Anberaumung einer Sitzung iiumer große Schwierigkeit« gegeben, da ein Tag, an welchem alle M. Lehrer der Provinz erscheinen könnt«, schwer nusftndig zu mach« war. Posen sei alrOrt der Versammlung festzuhalte», — obwohl diejüd.Lehrerschaft diese» Orte» eine so befremdende Zurückhaltung dem Verein gegenüber zeige, — da der Ort im Mittelpunkt lieg« und au« all« Teil« der Provinz leicht erreichbar sei. Bis zur Regelung der Feri«ttage für uns sei der Bußtag für die Bersammlu»d al» der geeignetste Tag festzuhalttn. Die Bersammlung stimmt dein bet. Dtt Beratung« erreicht« um 2'/* Uhr ihr Ende und die Collegm begaben sich zu Tische, wo sie unter traulicher Unttrhaltung nocheinige Stunden beifammenblieb«. Sem wäre mancher länger geblieb«, allein er mußtt am andern Morgm um 8. Uhr fein« Dienst antrettn. So trenutt mau sich mit dem Bewußtsein, ein« sckchnm, lehr- und genußreichen Tag verlebt zu haben und dem Wunsch«: Aus fröhliche» Wiedersehem im November de» nächst« Jahres! EL OftrotM. 26. November. (Or. Lor.) Al» eine betrübende Erscheinung auf dem Gebiete der Entwickelung de» jüdischen LolkSschulweseu» dürfte dir Einbuße au Lehrerstrll« gelten, da eine großr Zahl der jüdisch« Volk »sch ule» i» unserer Proviaz namentlich in den letzt« 2 Jahrzehnt« er» litt«. Betrübend schon dämm, weil die Pflege de» Misch« Geiste«, die in der jüdischen Bolksschnle ihre vorzüglichste Pstegstätte hat, und dessen allmähliche» Schwinden gerade in der geg«wärtigen Zeit sehr schmerzlich empfunden wird, mit dieser Erscheinung in engster Verbindung steht. Dtt jüdische» ReligionSschuttu, dtt tu Städt« ohne Volksschule» i» 4—6 Stunden wöchentlich besonder» durch hebräischen Unterricht —. rrteilt zumeist von Nichtpädagogen — für die religiöse Erziehuug der jüdisch« Jug«d sorge», kann kel1t«sw.g» einen genügmde» Ersatz bitte« und da» jüdisch« Kind mit den rrligiö»»fittlichen Idem erfüll«, vo» den« der gesammte Lolksschuluuttrricht (Itatech., Bibl. Gesch., Deutsch, Rrchueu») durchweht ist. So Hab« denn in den letzt« 2 Dezenntto Gemeinden wie Rawitsch, Leutscheu, Meseritz, Gr ätz, Kempen u. s. w. in Folg« SimuUauistemng ihre eigm« Schul« ganz eingeblißt und find höchst«» noch mit einer jüd. Lehrkraft versehen, während ste der« 2 bi» 4 «uterhaltt» kSunreu. Auderewtt Wongrowitz, Exin, Schwert» a.W., Pinne, Wrouke, Kordon, Echrimm» Rakel, Koschmir, Streluo u. s. w. haben in Folge verminderter Schü» lerzahl dtt Verwaudluaa« der 3klasfig» in lltlasfige bezw. der llklasstgen in ein!Lässige erfahre». Dir hiesige (Ostrowoer) Schule ist vor 6 Zaire» ai» etner 4tlefsig« ttl Folge »er- -Z 1;fl i ר ,i N־ 1.