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Israelitische Wochenschrift · 1893-12-01 · 48 (1.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Wa» Herr v. Laidy verkündet, ist uns sehr sympathisch denn eS ist blanke!!, baareS Judentum und e< wäre eine unerhörte Felonie, wenn wir de» trotz Haß und Verachtung un-ehrwürdigen und teuren Namen Juden aufgebeu sollten, ohne damit irgendwie eine neue GlaubenSmeimrng auzumchmea. Wenn em Katholik oder Protestant uns auffordert, Christ zu werden, so wissen wir, was sie meinen. Sie sagen: nimm «inen neuen Glauben au, daß du selig werdest. Herr v. Lgidy sagt: Du brauchst au Deinen rrltgiösen Ueberzeugungen nichtzu ändern, Deiue Lehre ist die meiuige. nur der Leute wegen ändere den Namen. ES ist begreif ich, daß Herr v. Lgidy Wert darauf legt, ein Lhrift zu heisen und uns Juden verwehrt er die Pietät, die wir an chm verstehen und ehren? Mit Herrn Hordt lohnt eS sich nicht zu rechten; er ist ein Torquemada de; Freisinns. LS muß gerade nicht solche Käuze geben, aber eS giebt solä»e. Jndeß Herrn v. Lgidy beschwören wir, seine ernste und heilige Sache nicht mit solchem Makel zu btstecken. Die Juden wollen nicht Partei ergreifen weder für noch gegen ihn, indeß sein heißer WahrheitSeifer macht ihn vielen teuer; «i ist keine Schande, in einem solchem Kampfe zu unterliegen; auch wenn er besiegt wird, wird sein Raine fortleben in der Geschichte der geistigen Bewegung dieser Zeit, jedoch eS thäte uns in der Seele >veh, ihn in der Gesellschaft der Böckel, der Bachler, der Bauer, tnr Ahlwardt zu sehen. Die deutschen finden werden sich bemühen, sich immer inniger in die deutsc»e Volksseele einzuleben, wir glauben, niemandem nachzustelien iu der Treue gegen das Vaterland, in der Liebe zu deutscher Sultur und GeisteSthat, aber da- S ch achergeschäft, dar! Herr Hardt uns anbietet, lehnen wir ab, 8. R. Chanuka und Weihnachten. Der Umstand, daß das jüdische Cbanukafrst meist mit den Christlichen Weihnachten zusammenfällt, — übrigenkein zufälliges, sondern ein kalendarisch begründete- und regelmäßig wiederkehrendeS Sreigniß,*) — legt manchen riligiös Indifferenten die Versuchung nahe, das jüdisch« Fest m Nachahmung christlicher Sebräuche zu begehen und diese Inkonsequenz, um nicht zu sagen, diesen religiösen Abfall vor fich und der Welt mit der Behauptung zu rechtfertigen, das Weihnachtsfcst habe keine christlichreligiöse, sondern eine )rutsch-nationale Bedeutung und habe über- Haupt nicht den Zweck einer Frstesfeier, sondern diene nur zur Beranstaltung einer Kinder freude. Eine solche Anschauung**) geht nur aus dem Mangrl an jüdischem Bewußtsein hervor und wurzelt in der fehlend m Kenntnis der jüdffchen Religion und Geschichte. Die Feier des Chanukawie WeihuachtSfesteS hat eine» entschieden religiösen Charakter: der Gebrauch der deutschen Christen, einen Taunenbaum zu verwenden, hat keine nationale Beziehung, sondern nur eine locale, uud die Meinung, dasFestaus chließlich als Kinderfest betrachten und benutzen zu dürfen, har ihren Grund in der Anschaung unserer Zeit, daß die Religion nur für Vclk und Sinder gut und nothwendig, nur ein Erziehuugsuud Zuchtmittel für stein der Hand der Groben fei. ChristlicherseÜS gibt man eher zu, daß das WeihuachtSfest h «id ni sche Beziehungen zur nordischen Mythologie habe, als daß zt jüdischen Ursprungs sei. und jüdischerseit« stimmt man oft gern dieser Ansicht zu, um behaupten zu können, daß man durch die Theilnaime an der WeihnachtSseier sich vom Judenthum nicht entferne uud dem Christeothum nicht nähere. Da» Christenthum ist uu» ftrilich — wie christliche Gelehrte selbst zugeben — nicht ftei ton heidnischen Beziehungen, aber durch diese hört c» doch Licht ruf christlich zu sün. Außerdem vergißt man, daß mau durch die Annäherung zum Heidenthum sich .'weiter vom Jude»- thum entfervt, als durch die Annäherung zu» Christenthum. Wie andere christliche Feste, so hat auch das Weihnachtsiest einen jüdffcheu Ursprung: es ist eine Nachahmung de»- tüdischen. Chanukafeste». Das erste Christenthum wurzelte ausschließlich im JudeMhum, und die erste« Christen feierten wie die Juden, denn fie wollten Juden sein, diese» Fest «st seinen historischen Erinnerungen an die Makkabäerzeit. Für diese hatte der Sichterbaum de» Ehanukafeste« eine Bedeutung, in dem späteren sogen- Heidenchriftenthum ist ei» solcher geradezu bedeutungslos. Da» christliche Weihuachtsftst ist ursprünglich da» jüdische Cha- . nukafeft und wurde erst nachträglich von dem heidnischen Fest der Wintersonnenwende verdrängt. Diese» fiel in Rom auf den 25. December, dem 25 Kislew entsprechend Diese» Fest gast in Rom zugleich als Neujahr, womit Geschenke (Bescheerungen) »er- Kunden waren, unter dem Namen «tromw (setronu«) bekannt. Möglich, daß diese von Juden und Griechen au ihren bezüglichen Festen nachgeahmt wurden. Jedenfalls waren sie bei den Juden schon ftüh üblich, mst Spiel der Kinder und Erwachsenen ver- Kunden und keineswegs lediglich christliche Nachahmungen; da». Fest war indeß, wie wiederholt nachgewiricu, bei den Jubrn unterdrückt, und so Ist auch die Freude an demselben uud die Bescheerung unterblieben. Der 25. December hieß als Neujahr»- tag bei den Römern dies natalte, wie auch die Reujahrsgeschenke, die Beichrerung. untnli» genannt wurden. So tonnte dieser Tag leicht der Geburtstag Jesu «erden, mit welchem für die heidnischchristliche Weit da» m!ue geistig-religiöse Licht aufgegangen war, wie durch die Sonnenwende der Welt an diesem Tage das neue natürlich« Lickt aufgeht. Die Bezeichung 1•m (-untnli,) für diese» Tag war demnach den Juden schon von den Römern her bekannt, anstößig wurde ste ihnen erst, als fie christlich« Beziehungen erhielt: anstößig mochte ihnen deshalb auch die mit diese« Tag und Namen zusammeuhängenden Geschenke und Vrscheerungeo werden. Den Namen Weihnachten hat da» christliche Fest von dem jüdischen Lhanuca (»Weihes): er rechtfertigt fich aber nur für die Juden durch die makkabäischen Erinnerungen an die hi» ftorische Tempelweibe, während dem christlichen Feste der Begriff der Weih« wohl an sich, wie anderen religiösen Feste» eigen ist, aber nur um seiner jüdischen Beziehungen willen bei diesem Feste besonder» betont wird- Auch auf die folgenden Tage erstreckt fich der Begriff der Weihe noch fort: nicht nur dir folgenden 8» denn das ÄeihnachtSfest ist in der katholischen Kirche gleich dem jütischen Chanuka eine Ottave, und schließt erst mit dem l. Januar, den sog. Beschneidungstage des Herrn, ab, sondern die folgenden 12, welche mildem 6. Januar, dem sog. SpiphaniaStage. schließen und die Bezeichnung ״die zwölf heiligeu Nächte" führen.***) Auch daß Weihnachten ein Na chtfest ist % mit Abend beginnt, hat jüdische Beziehungen:ebenso tritt diese Beziehung in der Bedeutungal« Lsihterfest und in der Verwendung eiues Lichterbäume» hervor. Die Umdeutung de»Lichts aufJesu», als den Bringer de»neuen geistigen Licht«,ist eine christliche Modifikatton, in welcher auch die Beziehung ,um Heidentum hervortritt, welche« gleicht tig da» Fest der Sonnenwende feierte uud zwar in ausschweifenden Freudenbezeugungen über da« neue natürlich« Sonnenlicht beim Scheiden de» Winter» mit seinen kurzen und finsteren Tagen uud dem herannahendeu Frühling mit dem zunehmenden Lichte der längeren Tage. Dem finsteren Sott Saturnus stand der Licht» gott Phöbu» Apollo!zegennüber, weshalb diese Freudenbezeu» gnngen bei dea Römer« .Saturalten" hießen, au» denen die christlichen Car nevals fteuden fich gebildet und erhalten haben, welch« noch beiue mtt der NeujahrSzeit beginnen. Bei anderen Völker beginnen diese heidnischen Lichtfreuden schon im November mtt seinen Marttni-Feriern (am 11. Nov.). welche man in ähusicher Weise anzündete, wie beute noch wilde Völker mit Fackel» zum Himmel emporleuäjten, um bei Sonnen» und Mondstusterniffen dem dunklen Gesiira mtt neuem Licht zu Hülfe zujkommeu. *! In diesem Jahre fällt Lhaauka de» Tchaltmonatl »ege« 8 Woche»!rüher. **) Diese Anschamm} war sogar in einem jüd. Bl. »erlreten. *) von dieser «edynbl wohl ״Weihnachten" (aUdentsch gleich ״NLchrr")gennnnt. — «pphauia« «ünige«, deren ״«scheinen--, als Anetten nnng Jesn nnd «edart de» Lhristentn«, *ttt! ,

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