Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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leitet E» wirken as der Schule nur staatlich geprüfte, bewährte Lehrer: Unbeimfene, die weder Befähigung noch Befugniß. -um Lehramt desttz««, beschäftiaen wir grundfätzltch niüu. Die Schule bietet Knaben und Mädchen einen gediegene« Religionsunterricht in alle« bezügliche» Fächern, namentlich auch in der jüdische« Ethik und tut Hebräische». Zudem wird in aewiffeuhaster Weile Bar-mi-wah-, sowie für Knaben und Mädchen Konfirmation»- unterricht«weilt: letzter«!hegmnl Anfang» Decemder. An- Meldungen für die Schule, deu Bar-nüzwah- und den KonfirmationSunterricht nimmt wochentägltch von 12—2 Herr Dr. Krott«, Saiserstraße 41,1. entgegen. Kinder unbemittelter Eltern erhatte« jeglichen Unterricht gratis. Wir gestatten un», ganz besonder» darauf Hinz uw eisen, dab die ernstlich bemüht ist, den jungen Semüthern diejenigen idealen Güter de» Lebens zuzfübreu. die fie befähigen, dermaleinst tapfer und tugendhast zu kauwfeu Kr die Bedürfttiste de» Tage« und für die hob«: und heiligen Interessen uns«« Religion-gemeinschalt und unioürdige Anfechtungen würdig -urückzuwrisen durch angemessene, schöne, dem Geiste uns«« erhabenen Religion wahrhast entsprechende Lebenshaltung in Kamme und OeffentÜchteit. Sonach dürfen wir wohl um warmherzige und thatkrimige Förderung uns«« UnterrichtSaustalt Alle ersuchen, welche unser« Wahlspruch httldigen: »Der gute Alte, ab« nicht da» schlechte Veraltet t T׳ (Die von dem durch seine pädagogische Tüchtigkeit au»- gezeichneten RcbbinnDr. Kröner mit hingebungsvoll«Tbatkraft und Gewissenhaftigkeit geleitete Religionsschule. befindet sich in d« 49städtischen Gemeindeschule — Blumenstr. 63» — und erfreat fich des besten Ruse», fie kann Eltern, denen eine, den Anford«ungen unser« Zeit entsprechende gediegene religiöse Durchbildung ilirer Kinder am Herzen liegt, vorzugweise empfohlen wnden.) Verkitt, 16. Rov. Gestern ist hi« die erste B«liu« Kind«- VolkSLche, Sttalsunderstraße 68, «öffnet und damit im Norixn d« Residenz eine neue Stätte praktisch« Humanität geschaffen worden, die sich de» regsten und Herz» «wärmsten Ar teilS all« edeldenkenden Menschen zu erfreuen hat. Die private Hilfsbereitschaft für uus«e Kind«, für die h«anwachsende Generation namentlich derjenigen Armen und Leidenden, die pofittv außn Stande sind, ihr« Familie den notwendigsten Lebensunterhalt zu gewähren, hat schon viele Formen imd Normen zur Btthätiaung d« Milde und Menschlichkeit gfunden, und auch außerhalb d« eigentlichen BneinSkreise lmt g«ade diese opferfreudige Freiwilligkeit ebensoviel Synlpathieen erweckt, wie öffentliche Einrichtungen hervorgerufen, die höchste Anerkennung »«dienen. Aber ge» rade da» unentgeltliche od« für einen MinimalpreiS zu «» reichende, kräftigende Mittagbrod jen« etwa 7—8000 Kind«, denen man ein Frühstück od« warme Milch biSh« bieten konnte, war ene offene BedürfniSftage, speciell im Norden und Osten der Metropole. Die neue ,Kinder-BolkSküche" — selbstredend konfessionslos — ist von Männern praktisch« ErfrhrungSreife auf dem vielumworbenen Gebitt d« täglich geknetnischn hintretenden Humanität» und Not» Fragen in Szene gesetzt. Zunächst haben 12 Rectoren um» liegend« Gem««tdeschu!en über 300 Kind« angemeldet, deren direkte HilfSbedürftigkett nochgewiesen ist. Solche Kind« «halten ein Mittagbrod zwischen 12 bis 2 Uhr unentgelt» lich. Unlegitimirte Kind« erhalten das Esten vorläufig für fünf Pfennige. Der Borsitzende He« H. Abraham eröffnete die neue KindervolkSküche mit schwungvollen und stimmungsvollen Worten, worauf die Kleine» ftöhlich an ihr Mittagsmahl gingen. ES wird d« thatkräftigsten Untn• stützung bedürfen tun diese segensreiche Beranstaltung aufrecht erholten zu können. Mögen viele Herzen sich für diese neue Stätte d« Birmherzigkeit «wärme«. (Das Bureau befindet sich Alte JacubSstraße 87/ös bei Herrn H. Abraham. An diese Stelle find alle Beittäge einzusenden.) H. L. klKünche«, den 12. November. (Ot^Sor.) Die nachfolgende Mitteilungüb« die Premiere von Richard Boß' ״Daniel Danieli", die gestern Abend üb« die!Brett« de» RefidenztheaterS ging, dürste vielen Lesern diesegeich. Bl. sicherlich von Interesse sein. D« Inhalt de» Stücke» ist kurz folgend«: Daniel Danieli, d« Sohn de» armen Israeliten Abraham Danieli und sein« Frau Sadbatä» tritt in da» Bankhaus d« Novelli in Rom ein und wird von seinem Ebef al» Fi erkannt. Darum bittet Novelli die Hand sein« einzige«S und einzigen Erbin seine» kollosale« Vermögen« dem 5_ untn d« Bed-inmtna an. daß « fich taufe« laste. Daniels läß-, sich »«leiten, aievt seine Familie, welche ihn. den Konvertiten^ nun onstößt. sowie die Hand d« von ihm sehr geliebten Rabbi-1 ««»tochter Dolce preis. Diese, von ihrem Bräutigam verlaffen,! wird die Frau von MoseS Daniel!, dem Brud« Daniel». Daniel nun häuft zwar Schätze auf Schätze, wird auch in** folge sein« echt «ltristllchen Stiftungen baronifirt. krankt aber in p, fein« Seele auf da» heftigste. Oft schleicht sich Danteli in da»; Vaterhaus, erscheint auch einmal zum Beginn de« Sabbat«, in» ״ den Segen d« Mutter zu «stehen. Sie verwttgerr ihn jedoch,^ solange Danieli fich nicht öffentlich wieder zu fein« Religio«,! bekennt. Schätze, welche « sein« in Armut lebenden Familieanbietet» wejst fie schnöde zurück. Inzwischen reift in Danieli d« Plan, da» ungesunde Ghettos niederzureißet. und neu auftubauen. Er hat jedoch nicht Men-^ Niederreihen d« Häuf« beginnt, erschttnt Danieli im Ghetto., und begiest fich in sttn Batnhau» wo inzwischen die letzten Hab»- “ feligkeiten eingepackt worden. .Hi« nun kommt e» zu ent« Au«» ׳ spräche mit Dolce, deren Liebe zu Danieli ebensowenig erloschen ist, al» bie!einige zu ihr- Beide beschließen und führen e» auch! wirklich aus, fich untn den Trümmern de» ztstammenstürzende» Haute« begrabe« zu lasten- Slnbend bekennt fich Danieli wied« zu dem Glauben sein« Bät« und «hält dafür den Muttnsegen^ Wie wohl kaum ander« zu erwarten, war d« Beifall - für da» treffliche Stück, da» jedoch zum heutigen Zeitgeist ׳ nicht paßt, sehr geteilt. Meiner Ansicht nach könnte diese» Stück in antisemitischen Gegenden sogar Demonstrationen her- , vorrusen, wie der Autor sie gewiß nicht wünscht. Dr. 0. Kte» »*« (Bor hundert Jahren.) Der Abdruck de» folgenden, mir zufälllg zu Händen gekommenen, am 28. Jnll 1796 von einem ttsässtsche« Jraeltten an .Eulogius Schneider" gerichtete» Briefe» dürste in jetzig« Zttt stchnltch von hohem Jutneste für die Les« diese» Blatte» sein. Er lautet: ,Groß war meine Verwunderung, zu höre«, daß die Gesellschaft der Freunde d« Freiheit und Gleichheit in ein« Sitzung — d« Sie nicht beiwohnten — eine« Schluß genommen, eine Adrefle i ju machen und darin die Verbannung d« Juden nachzusuchen.i Ist t» möglich? Ist wohl diese» in Frankreich geschehe», de« ' ftstelfrtte» Frankreich — od« ist e» da» Werk eine» ttsästische« ) Oberamt»manne«? Sief Z» ein« Zeit, wo die Weste« all« ■; Länd« die Hände zum Himmel empor heben und ihm für die ׳ Wohlthat danken, daß ihr lange gehegt« Wunsch, alle Mensche» al» solche behandelt zu wissen, endlich in Erfüllung gegangen ist, wo eine neue, nachdrucksvollere Erklärung d« Rechte de» Mensche» und Bürg«» dem heiligen Berge entströmt ist, — zu ein« solche« Zeit will man öffentlich eine solche die Menschheit entehrende ' Handlung begehen! . . . . Dje Juden, die fett zweitausend Jahren «nt« dem bedauernswürdigste« Drucke lebten, die vo» de» Händen d« Ldriften selbst mtt deu schimpflichsten Stetten de» ־ legt wurden, die mau kam» die Luft umsonst athmen lieft, die - von Haudwnkeu, Schulen, iffenüichen Erziehung-Häusern au»« ■ geschloffen und so mtt d« Geißel dazu gezwungen wäre», Such««, Betrüg« und niederträchtige Menschen zu wnden — J bitte Juden sollten nun einmal i» Durchschnitt vo« gute» Sitte» geworden sein! Kreist doch in euren eigenen Busen, Freunde,. Ihr, die ihr am Lstche des Vaterland«» in volle» Genüsse׳ schwelgtet, die ihr doch eine Erziehung genoffen habt, die ihr dochF vo« ettm Kindheit au mit der Hoffnung, einst Mitglied« de» , Staate» »1 wnden, aufwachset. — Fragtt euch, ob ihr nicht «ochso maucheu Fehl« an euch entdeck« f Blick« um euch und seht«. diejenige« eurer Landsleute, die tntt den nämlichen Vorzüge» ««»gerüstet, dennoch de» öffentücheu Wöhle ganz entgegengesetzte Sefiuuuugen äußerten — und hernach vndanunt dt« Jude», wean ihr könnt! Eure Pflicht ist e» vielmehr, die ihr ihnen fo jj viele Mevschenaltcr vo» Lollkoauurnhett »nd bürgnliche» Lngeuden gtt nnbt habt» zu ihr« vefferung und LnÄeümg» so viel an euch ib, beizuttagen. Erwart« de» Augenblick, wo d« tioual-Kotve« Frankreich «ft ein« National-Erziehnng beschenke» wird. Stfttt da»» öffttftliche Lehrhäns« und Werkstätten