Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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treue Anhänglichkeit an da» .Judentum, kr verleugnete seine» Glauben, und 'war mehr ist, feine Glanb«»geuoff« nie und nir» gend», und unter dem OrdeiSstern auf seiner Brust trug er mit einem gewissen Stolze die iZrinnenmg an de» einstige» »gelb« Fleck', mit demselben Stobst, mit welche« jener König de» Mtertum» die Räume seine» Palaste« mit den Emblemen seine« einstigen Töpfer Handwerke» versah. Eine der letzten Bethätigungen seine» jüdische» Bewußtseitc» war die Ueberuahme de» Präsidium» im Curatorinm der von chm mitbegründeten israelitischche alogischen Lehranstalt. Da» Curotorium ruft chm durch meineu Mund Dank und Anerkennung für seine Hingebung in die Gruft nach. Ader trotz seit« allezeit nachdrücklich betonten Au» hänglichkeit an da» Judertum war er nichtSweiüger al» au»« schließlich. Stet» Hot er sich al» einen treue« Sohn seiner Vaterstadt und al» einen glühenden 4!atrioten bewährt, was die Suade de» Monarchen durch seine Berufung in da» Herreuhau» und wa» die Bürgerschaft durch fehle Wahl in den Landtag anerkannte. Hier, im Lichte der Oeffentlichkett. zeigte er sich al» Mann von unerschütterlicher liberaler Gesinnung, von Freimut und sielsei» ttger Bildung, der leben ׳Segenstaad, der ihn anzog, in fesselnder, Bit Witz und Keruworte» gewürzter Rede zu behandeln wußte Die Oeffentlichkett kannte ihu auch al» de» kunstsinnigen Man» und al» den uuerschöpflöh« Wohlthärer. Nicht leicht fehlte auf einer Spenderliste sein?taute, auf den meisten stand er obenan. Dennoch glaube ich nicht, daß er diese schbnste Seite seine» Wesend, seine edle Menschlichkeit, vor der Oeffentlichkett ganz ent» hüllte. Wenn die große Glocke zur Wohlthätigkeit aufruft, da eilen auch diejenige» mit offenen Laschen herbei, die lieb« mit zugeknöpft« zu Hause gebliebeu wären. Mau mußte ihn al» iu» timen Wohlthäter kennen lernen. Wenn er einmal nicht geben zu sollen vermeinte, dann verschonte er wenigsten» den Bittsteller «tt der redseligen Rekitfertigung seiner Ablehnung, welche die Ohren anfüllt und die Hände leer läßt- Aber er gab zumeist nud dann auf die vornehmste, liebenswürdigste, zu» Berlangeu förmlich heraulfordernde Weise. Da erkannte man. daß er nicht der Sklave seine» Gelbe» war. sondern, daß er e» beherrschte, ein rechter Freiherr, der er auch ohne den Titel gewesen wäre, da erglänzte au» der Tieft seiner Brust da« goldene, für alle« Edle fühlende Herz, da» er unter der rauhen Hülle de» Starrstnne»und selbst der Unversöhnlichfttt vergeblich zu verbergen fich be» mühte. Diese« Herz hat nun aufgehärt zu schlagen und e» findet für immer den langersehnten Frieden. Bou diesem Herze» kann ich nicht Abschied nehmen, ohne noch ein Wort au die Rinder zu richten, kür dft e» tritz allem am lautesten schlug, und die ich feit ihrer ftäheste» Lindheit kenne und schätze. »Ein Zeuge ist dieser Grabhügel, ein Zeuge der Denkstein' heißt e» iu dem diesmaligen Wocheucbschuitte. Möge der Denkstein, der nunmehr über dem Siuzelgrate de» Vater» fich erheben wird, ihnen ein Wahr- und Mahnzeichen sein, daß der Friede über alle» geht und »aß wtt nicht erst auf den Tod warte» sollen, ihu zu er» laugen. Möge» fie in geschwisterlicher Eirttracht um die teuere Mutter sich schaarev und möge e» uur einen Wettstreit unter ihn» geben, in de» ein jede« zu zeigen fich bestrebt, daß e» de» echren Ring vom Vater geerbt habe, den echte» Ring, der «ach de» Dickt«» Worten die Wunderkraft besitzt, »beliebt zu mache», vor Gott und Menschen angenehm.' Dieser echte Ring ist da» gute Herz, da» hier schläft. E» ruhe iu Friedeul" Die etndringlftzeit an geweihter Stätte doppett Wirkung»» vollen Worte wachten auf Me den ttefsten Eindruck. Der Sarg wurde au« «ehoben und z» de« Einzelgrabe getragen. I» endlose» Reihe« fo lgten die Lrauagäste. «l« der Sarg in da» Grad gesenkt war, ttat da» Mitglied de» Aurschuffe» der Ge- «offeuschast der bildenden Künstler Wien», Sectiontrath Ritter von Houstetter-Möoensteiu heran und widmete Ncnneu» der Genossenschaft de« Runstmären und Ehreumttglftde einen würdige» Nachruf und Abschied» grüß, worauf fich da» Grad über einem der eselsteu Mensch« und Wohlthäter schloß. Berichte m»d Lorrespo«de»ze». Da»tf«Hl«»d. Ma-debwrg. Der katholische ״Observatore“, offizielle» Organ de» Papste», geißelt in einem scharfen SrttCet die Bewegung in der Schweiz, die gegen da» rituelle Schlachten aenchtet ist. Ein schweizerischer Geistlicher schreibt über diese Angelegenheit: ,Ich kann Sie versichern, daß alle meiue Kollegen diesen Feldzug gegen die jüdische Schlachtart mißbilligt haben. Da» ״Journal reÜgieax״, bei dem ich mitarbeite, hat diese Bewegung scharf verurteilt; meinem meiner AbendgotteSdieuste habe ich meine Zuhörer aufgeforde«, energisch für die Glaubensfreiheit, die religiöse Praxi» der JSraentm, einzutreten. Da» Resultat der Abstimmung hat mich sehr niedergeschlagen.' 8. fffWog, 20.November. (Vom antisemitische» Schauplatz.) So wäre den» der neue Reichrtag wieder eröffnet, für uu» fteiiichist e» kein neuer, sondern der .alte', von dem wtt leider nicht sagen können, ״von Zeit »u Zeit seh' ich den Alten gern', den seine »uschaunnge« datireu bi» auf jene Zett zurück tu der e» «och feine Parlamente gab und die ürsorgliche Hand der Inquisition die lftbevollsten Gesetze schuf uud fie auch zugleich vollzog. G» wird uu» deshalb niemand verübeln, daß »ft, dft allgemeinen Prägelknaben, mit sehr gemischten Gefühl« d« vftlversprecheud« Verhandlung« entgegeusehen, die schon auf de« Papier eine sehr widerliche Kratze schneid« und für welche die von un» gemeint« Reich-boftn au» d« geheiligten Räumen der vraud«b»rglschea Provinzial-Syuode, welche während der Zwischenzett nachteft, dft nöthige Sammlung und Menschenlftbe mitbrachten. Diesmal theilten fich übrig«» die Versammlung« — Synode uud Reichstag — iu der mühevollen Arbeit, die hettig« Herr« ,erbrach« fich die Köpft der zukünftigen Gesetzgeber und dft Konservativen Hammersteiu'scher Eol«r kratz« fich da, wo e» fie überhaupt nicht juckt. Dft Synode gehl uu» eig«tlich nicht» an. aber diesmal zwang fie dft jüdisch«Blätter» fich mit ihr zu beschäftig«. In der .Ar. Wochenschrift' hat sich bereit« eine Feder gefanden, die sich mtt dieser — weil fie fich auch «tt de» nicht dahin gehörig« jüdischen Angelegenhett« befaßte — Syn- Hedrial-Synode eingehend beschäftigte, e» erübrigt «n» dennoch zweier Momente zu gedenke», welche meiner Anficht nach keine aettügende Würdigung gesund« haben. Der »ine verlangte für die Side»leistüng vor Gericht eine der Helligkeit eutsprechende Form. Für wen wurde diese begehrt? Natürlich für dft Protestant« und dftse werden der hochwürdtgea Synode für diese niedrige Taxirung ihre» in Gegenwart de» Allgegenwärtig«, ohne Rücksicht ans dft äußere Form abgelegt« Eide» — wofür in unserer Bibel schon da» einfache Wort genügt — wenig Dank wissen, den» jeder Mensch Präteudftt doch, al« ein anständiger Kerl zu gelten. — Die zweite Lehre, «tt der an» die Versammlung bereicherte, war dft, daß i« der evangelisch« Sftche noch der große Ban» zündet, welch« nebst Verweigerung eine» christ» lich« Begräbniffe» — also Verfolgung Hi» üb« d« Tod hinan» — üb« den verhängt werd« soll, d« in »solch«' gemischt« Ehe lebt, — welche fich übrig«» auch unserer Sympathie nicht erfreut. Ja, »er sagte mir doch, daß — wen» ich nicht ftre, fett d« Zeit d« unglücklich« Maigesetzgebung — dft Verhängung de» Banne« strafbar sei? Ob« gilt diese« Gesetz blo» für Katholiken und Juden? Nu« wir beneid« dft evangelische Kirche um diese» traurig« Vorrechte» will« ourchau» nicht, ab« tutereffaut bleibt immerhin sowohl dftse von kr Stzaode proklamttte ״GewiffenSfrethett', al» auch dft Art und?Seife, wie gewisse Kreise »tt kr besteh«, kn Gesetzgebung umptspriug« fich «dreistem ZftmÜch dftselb» PEl — verstärkt durch Mcklich«. weift nur wenige GefinuuugSgenoff« an» de» Reiche- — pochftn an dft Motte deg^m,^»ftkr"