Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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* ' Atweazuziehen sich bemüht, oder ob fit d.n mosaische« Eharaker derselben «merkennt. Jeder versuch, die Kette der »Tradition, welche dir zum Sinai hir aufreicht, zu , mag er von jüdisch-reformistischer kder kirchlichorchodoxer Sette ausaehen, muß «ad wird än dem gefunden Sinn der jüdischen Bevölkerung Deutschlands fiheiterirjIj^II In der zweiten Erwiderung auf meinem A ctikel von Nr. 2bS d. Bl. heißt es wörtlich: Der Einsender Ineses Artikels gesteht selbst, daß im Pentateuch (den ö Bichern Mosrs) ein Gebot des Schächten« sich nicht findet.- Gegen diese Entstellung meiner Darlegnmgen muß ich en>schieden protestiren. Ich habe nicht gesagt: ,I« Pentateuch findet sich kein Gebot de» Schächten«; ich habe nur gesas.t: .... Es ist nothwendig, die Stelle im Pentateuch allgerrein bekannt zu machen, in welcher jene« (Schlacht-) Ritual zwar nicht oetaillirt, aber doch in nicht mihzuoerstehrnder Weise angedeutet wird. — Ah sagte weiter: ,Da aber 'nese, (nämuch die Art und Weise des Schlichten»), im Pentateuch nirgends angegeben wird, so muß dieselt* von Moses mündlich überliefert worden sein." — La ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob ich sage, dieses oder jene« Gebot befinde sich gar nicht im Pentateuche, oder ob ich sage, diese« Gebot ist, was seine Au»- führung betrifft, zwar nicht detaillirt, aber doch in klarer Weise im Pentateuch angedeutet. Was übrigens die Frage des Einsender« anlangt, ob durch die Abschaffung einer Teremonie eine GewisienSoedrüchrna entstehe, so glaube ich dieselbe für die überwiegende Mehrzahl meiner GlaubenSgenassen bejahen zu wüsten. F. Die Dramerfeier nm Freiherr« Moritz vo» Kö»igSwarter. Wie«, »ea 1«.. ftoHmttt 189s. In schlichtem Bürgers!»« hatte sich der vorgestern Berdltchene jedes Gepränge bei seiner Leichenfeier verbeten. Seinem Wunsche und de« Ritual entsprechend war da» Kegräbnid auch prunkloS, aber die Teilnahme aller Schichte» der vevMeruaa, — der Gesell« schast. der er durch de» Adel der Gesinnung, durch seine Stellung angehörte, und der Arme», die eine» ihrer freigebigsten, selbstloses«» Wohlrhäter verloren Itabcn, »rächten es zu einem der rarposantesten. Nach Lunderrm, zahlte» die Trauergäste. die ge» kommen waren, um oem HerreühauSuritgliede Moritz Freiherrn von Königs» artet da» lichte Geleit« zu geben. Der »arnt- «erring war schon vor 9 Uhr von Menschenmaffe» überstlllt und in ununterbrochener Folge suhrni die TranrrgSste vor, die der Familie ihr Beileid au»drttchm wollte». Der Tr auersaal ko»»« die Zahl der Leidtragenden nicht fasten, und eine weitau» größere Zahl von Trauergästrn mußt : in.den Rebenavvartements und im Ltstibrue verbleibe». U» 9 Uhr srüh erschien in der Wohnung eine Deputation de» Schnlverrtns für Beamtentöchter, bestehend au» den Herren Los» und Ministerial-Sekretär Dr. R. von Z e n k a n e r al» Prästdenteu, Direktor M«r, und Ober-Ingen.em D o m s ch a, um der Witwe de« Baroni, der erst vor einigen Tagen zotn Ehrenmitglied de» Verein» ernannt worden war, z» condolieren. Luch zahlreiche Deputationen jener Dohltätigkettt vereine. dir dem Verblichene» so viele» dank«», fanden sich im Hause ein. Unter de» zahlreich«» Liunergäße» bemerkie «,». Le» Gardeke-tiän O. D. L. Grnfen Retperg. dr» Peasidrnie» de» «eichogerichte» Dr. Joseph Unser, den Präfidentr» di» Ubsrnrdaetenhauir« Var«» Ctzlnmerktz, den k. n. k. Gesnndten in Kopenhagen Baron Trantend erg, de. Gesandt» Grafen Knesstei», dt« Geh«!«- räte Jtznaz Edle« ». Plener, Bar,» Lzedtk. Ritter v. «rneth» Baron Banhan», KML. Bacon LUIer, F«L. 2. ». Hofft»,er und Seetianaches ». 8: er«e« g, Präsidenten de« eoang. Obertiräjenratrl Dr. Franz »»d Hof rat Baron Sochor, Genrral-Kansnl »tchael ׳ D»«d«, spanischen Konsnt Sitter ». Biedermann, Birg er« erster Dr. Prix, > Rcr-Bäi ger» eifter Dr. Grübt, diel« Herwntzanamittglieder und »cich0tag»atgeor»»e,e Super.Jntnwent Dr. Haas«^ di« Gemetnderät» Rtver ». Gold sch« ivr, Dr Ster», »nsnw Simon »nd Banrar iZttaünch «intstatalrai Hardt, Hofrat Jettete», Hofrai Rtcter »an Pfeifer, Sertionsrat Benesch, diverse Regiernng»- and Stettanträt«. ogarßUmUnan« Walzet, di» Barone «de« Nothschild. Gasta» Spein^r, David Ritter,. G»v»a»»,dt« Brvsrffvre» Hsfrat «othnaael, Grs«»»«, »anth. nee, Gvmprrz, «in« Detmtmiaa der der RtnsUergenvssenschaft laiseri. R^ De. «Stflar, Dkei^i Heller. (Blinde,-AchLrt.) Dir et, »r Fisch«rWMm^ächr8M>llb >«Äp4.Re. Tch »a», ». Wavsistor^ Bschler (tsraelttiscbe« Seminars der aesammt» Cnltndaar stand dar tsrnatttisch«, Lnstnsgemeind«, dar Borstand der tsetürttsche« gemeinde, somt» dt» Borsttnd« «.2« Lempelverrin« Sie«», «in« DepnmNan des Canventes der BavAhrr^enBrSter, »in« Deputation des Blaetne-Beteeanen-Ver^»»» Denvelhaff, Deputat!»»«« vieler Wahlthätiakettc verein«, »nd kaufmännischer Verein». Le. Schmidt als Delegirter de» Värm«. stndenveretne«, »ahlretih« Advoiaten, tzlerzte. Gelehä«, itünftler rc. «. Präcise zehn Uhr murd« dir Trauerceromonie durch tshoral» aefänae, welche der Over-Eaator Singer, affiftiert vom Lantyr Schiller und dem Ehorpersonale des Stabtteuwel» exrutterte. eingeleitet. Der Sarg wurde sodann gehoben »nd vom ersten Stockwerke über die Snege auf den etasachen Leichenwagen getragen. Vier Pferd« waren vor den Wagen gespannt. Seinckkrant, keine Blume schmückte de» Sa«, da auch die fünf Kränze, die die Herrschaften ihrem tobten Gutsherrn geendet hatten, dem letzten Wunsche de» Verblichenen gemäß »urückblleben- Dir Rinzstraße war ganz von Menschen erfüllt, Sicherhett»wach« konnte trat mit Mühe die Passage fteihaltea und bi» hinauf auf den Rnnweg erwartete rm dichte» Spalte da» Pastieren de» »ondukte«. Der endlose Zug setzte sich nun in Bewegung. Al» »erselbe amfi Künstlerhause vorüberkam, grüßte «ne vom Giebel wehende Trauerfahne da» tote Ehrenmitglied der Genoss, nschast der bildenden Künstler zum letzten Male. U-ber den Kä.ntnerring, den Schwarzenbergplatz und den Rennweg nahm b>r Zug seinen Weg znm Trnttalfrieohofe Hier langte der Londust nach elf Uhr an. -Der einfache Holzsarg wurde vom Wagen a׳choben, in die Eeremoniehalle getragen und auf den niederen'Katafalk gestellt. Sin schwarze« Bahrtuch war darüber «breite:. Zn Häuvten de» Sarge» stellte sich Obrr-Eaator Singer a if ihm zm Richten und zur Linken die drei Söhne de» verbl chenen, während da« Lborversonal an den beiden Läug-seiten Auf tellung nahm. Die weite Eeremontenhalle war vo» Lrauergäst.'n voll ständig gefüllt. Die Leremonie leitete Obercantor Singer durch d<n tt fempfundenen Bortrag der rituellen Gesänge ein, woraus Obe-- Rabbiner Dr. Güdrmann vorttat und folgende Watte der Nat^ rufe» sprach, die den ttessten Eindruck auf die Leidttugenden machten: »Wenn ich an der Bahre de» hochgeachteten und merkwürdigen Manne» oa» Wort ergreife, so thur ich e« nidit bloß tu «einer amtltchrn Eigenschaft, auch nicht allein auf ltn Ruf der Familie, sondern vor Allem al« Freund, der durch 21 Jahre seiner unverändert fteundschastlichen Gesinnung sich zu!:rfreuen so glücklich war. Diese» Lerhältntß erschwert meine heulte Auf» gäbe und erleichtert sie. E» erschwert sic. denn die Frerndschaft verweilt mit Borliebebei den Vorzügen- Aber e« erleichtert sie auch, denn die Freundschaft braucht vorhandene Fehler und Schwäche» nicht abzuleugnen. Wa» die letzteren betrifft, die natürlich jeder besitzt, die aber bei einem hochgeftellteu Manne leichter bekannt und gern« vergrößert werden, so hat sein Ende vieles aufgeklärt und macht jeden Lorwurf verstummen. Di« Nacht, welche ^seinen Geist fest oen letzten Wochen umgab, bat ln eben so selse mer wie schmerzlicher Welse «ehr Licht verbrettet über maichr deftcmbliche Erscheinung in seinem Wesen während der.letzte» Jahre, al» die gründlichste Menscheukenntniß jenal» zu «langen hoffen durfte. Wie dem aber sein mag, prtts, würdig ist and bleibt ohne Frage derjenige, besten Schwächeu man eingestehen darf und an dem doch so viel Große« Tüchttge« und Sdle» zu bewundern bleibt, daß man dl seinen^ Tod« sagen darf: Gr stirbt unendlich Bielen, seiner Familie, seinen Glandensgraoffen. seiner Vaterstadt und seinem Btiterlaude. Diese» Eiageständni» werden auch diejenigen, welche aw die Aufsuchung von Fehlern sich versieben, oder verlegen, dem Hei argegegangenen nicht vorenthallen. Ich ,'»recht zunächst von de» FamUienvater. Dt« edle, von allen ob ihrer Güte, Dlldr und Kommen Gesinnung verehrte Gattin kann und wird die Liede und Zuneigung nicht vergestrn, womit er ihr einst al« Jüngling die Hand zu« Ehebund« gereicht. Den üindci» wird »er Vater tu dankbarer Ertuneruag bleiben, in dem da» väterlich« Bewußt» sein, ich möchte sagen in auttker Hingebung, allerdings zuweilen auch in antiker Strenge sich äußerte. Alle« bekannt und vo» allru anerkannt war seine vor nicht» zurückwetchende, immer frei und off« sich bekundend« Glaubenstteue. Sie war et» Erbstück »o« Vater -er, ad« durch eigene Uebrrzeugimg vertieft. Ei» Kenner der allgemeinen Geschichte, war er vor allem ,in Kenner der jüdischen und insbesondere war er mit der Geschtchtr unserer in 11.:::< ז. ttL.ke.1ata t» erwuchs sei«