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Israelitische Wochenschrift · 1893-11-17 · 46 (17.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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fk doch nicht atrtfltbadjt Hoden, da» ist klar für jeden der antisemitisch denken kann. Als» die Herren haben da« Schächwerdot bei der sächsischen Regierur» durckgcsetzt. Zwar ist die Jaad al« SvoN der Edlen und Reichen aebl ebea und nur Judenknecht« behaupten, die Hetzjagd wäre kein besondere« Bergnhen für dir Thiere. Ja, aber Ne Jagd ist doch «ine echt« germanisch« Tugend, vornehmlich eine ergätzliche Beschäftigung für die Edelsten der Nation: allein mit emem gewöhnlichen Stahlmesser — mag «» auch haarscharf sei« — uni) von einem schwärzbärtlgen Juden — mag er im Schachten noch so geschickt sein — so ohne Sana und Slang hingeschlachtet zu werden, ist «ne» Ochsen unwürdig! Daß da» am Ende de» IZ^Iohrhundert» geduldet wurde, unbegreinich! Also den edlen Moralisten in Sachsen aelang r», dir südische Schlachtmethode staatlich zu verbieten. Es ist dadurch vielen armen Juden, die an ihren Ritu« festhalten, dir Seligkeit de» Vegetarismus aufgezioungen worden. Diese müssen eben zufrieden sein, daß sie als Asiaten im europäischen Deutschland überhaupt leben und sich cn Kodl satt essen dürfen. Da giebt eS aber gastrische und russisch« Juden, die ausden Borsteohandel in Leipzig oeberschen. Diese Leute > streng ortbodor und dürfen — da sie in barbarischen Ländern leben — die Thiere c uf ihre Weise schlachten und "' «ssen Diese Leute wollten nun während der Mess« die keine Fastenzeit ist. dem Händler,pflegten^iiicht Fleisch -.. ״v. ״.v für sie Fleischgenusse nicht entsagen. Gute Borstentmner gute Politiker zu sein, und sie dachten sich di« Sach« einfach, sie würden die Regierung veran» lassen, das Schächtverbot — die größte Errungenschaft der modernen antisemittschen Kulur — aufzuheben. Ob diese Borsten- Händler aber ihren Schritt im Aufträge der ,gefährlichen" iSraelittschcn Alliance nach einer geheimen Synode aller Rabbiner der Welt gethan haben, dci« scheint wohl — antisemitisch betrachtet — wahrscheinlich; es giebt aber noch komische Käuze — und wir zählen darunter —, die daran zweifeln. So also verhäll eS sich mit dieser weltbewegenden Angelegenbeit. Wir wollen keineswegs behaupte«, daß der Plan der Korstendändler ein vernünftiger und taktvoller gewesen ist. E» ist in jedem Falle verfehlt und tadelnswert-, wenn man Handel mtt Politik verzwickt, e» kommt für beide nichts dabei heran». Da» ist aber auch der einzige Borworf. den man den Juden gerechter Weise machen kann. Wären die Borftenhändler vernünftiger und taktvoller, so hätten sie einfach beschlossen, da» heilige Leipzig zu meiden uud In einer toleranteren Stabt ihr Zelt aus- Zuschlägen. Da» würden wir ebenso berechtigt gefunden haben wie «wa, wenn Kathol'ke» nicht »u: Messe in eine Stadt gehen wollten, wo die katholischen Gebrauch« verboten sind Jedenfalls ist Deutschland durch dies« Dummheit noch nicht au» den Fuge« «gangen und wir sehen gar keinen Grund für die moralische Entrüstung der Kölnischen Zeitung, die ihrersett» sich gelegentlich, wenn'» auf» Geschäft ankommt, intoleranter zu benehmen versteht, al» e» die jüdischen tzorsteuhändler versucht haben. ,Für den ehrlichen Pclitiker — so schließt^ .Westd. Allg- Zeit." ihren zeitgemäßen Arttkel — giebt e» überhaupt feine Judenfrage, denn die Feber, die man den Juden al» svezistsche «igenschaften andichtet, findet man mehr oder minder bei allen Burgern vertreten. ES ,siebt nur eine menschliche Moral und eine gritbliche Verfassung in Deutschland. Rechte beruhen nicht auf Gefühlen, sondern aus Pflicht«!, und so lange der Jud« in Mland dieselben Pflichten trägt, ja meisten» freudiger ttägt t weniger Murren, al» wir anderen, so lange hat Me» «and das moralisch« und politische Recht, lein Deutfchthum zu verdächtigen und ihm sein Bürgertum zu verkümmern. Spricht ein Blatt von jüdische» Fehler) und f e m i t i s ch e n EigentSmiichkeiten, so stellt e« sich — mag e» mehr oder minder ge- HLssig, mehr oder minder »erb in der Form sein — auf den Bode» der anttsemittlchen WsiSheit. Und zu dieser Läh« hat e» di« S Zeimng" bereit» tiebracht, wenn auch ihr Anttsemitilmu»!rn und verschämt hervortritt. Wer dem dentigeu Anti- Au» gegenüber keine unzweit-euttge Stellung zu gewinne« vermag, der hat kein Recht, als Pollttkrr Beachtung zu fordern.'׳ Berichte und Lorresponvenzen. UXntschland. SRaadeünrg, 12. November. Der Minister de» Junen» hat den LandeSpolizetbehvrden erneut die strenge Beachtung der Vorschriften über die Zulassung fremdländischer NuStSanderer in Ertnuernag geliracht. Den Eisenbahnverwaltuage» an der russischen Grenze hat die! Anlaß zur Bekanntmachung fvlgeuder Vorschriften gegeben: An russisch« LuStvcnderer dürfen Fahrkarten nur an den Mnysiasionen nach den ßieehofenstattouen verkauft werden, «ud «war nur daun, wenu die AuSwaciderer sich t« Besitz eine» vofiftsmäßigen Baffe» md einer K-iktteafahrkarte zur Ueberrt nach Amerika befind! m. An lolch« Auswanderer, die durch «er GresKottcme» Preiißischr» Gebiet betreteu uud durch Vermittelung Fahrkarten nach einer Binnenstatioa erhalte« habem'dürferc auf de« im Innern Preußen» gelegenen Stationen Fahrkarten nach den iSeehafeastationen verkauft!werden, für welch« die im Besitz« der Auswanderer befindliche» Seefahrtkarteo «ltrn. jedoch mit NnSmibm« der Elbhafenftattoneu Hamburg und Kuzhafeu, für »eiche der Best» naer Kajüteufairkarte nach Amerika nachzuweise» ist. Für die galtzische» Auswanderer gelten diese Vorschriften mit der Abweichung, daß der Best» eine« Passe» und einer Kajütenfahrkarte nicht nachuweisen ist: dagegen mülen auch diese Aulwanderer, wenn st» ihren Weg durch Preußm nehmen wollen, mit SLiffSkartea einer deutschen Rbederei zur Uebersabrt nach Amerika versehen sein- Nach Stationen im Innern Preußens dürfen keinerlei Fahrkarten an Au«vanderer verkauft werden. Die Auswanderer, welch« d!e vorsteh.u dea Bedingungen nicht erfüllen oder Weiabergisch« SchtffSkartrn zur Seefahrt von Hamburg oder Bremen nach Amerika besitzen, sind von der Beförderung mit der Eisenbahn auSzuschließe» -und uagesäumt der zuständigen Polizeibehörde zuzu'ühre«. Berlin. Die Wiederanstellung de» frührrea städtischen Mathematiklehrec» Dr. TaSpary ist, wie der »Borwärt»' mittrilt, gegen eine große Minderheit von der Stad!- verordnetenmehrheit in nicht Sffeatticher Sitzung beschlossen. Bekanntlich hatte Dr. TaSpary. dessen Name al» der eine» tüchtigen MalheinatikcK sich in wissenschaftlichen Kreisen einen bereinigten guren Klang erworben hat, einen Ruf al» Professor an die Universität Dorpat aacenommen. Diese Berufung wäre aber, da dir Dorpatrr Universität Jude» nicht austellt, unmöglich gewesen, wenn Dr. S. nicht her Wahrheit zuwider angegeben hätte, er sei Christ. Darauf hin wurd^ die Berufung. zurückgezogen. Da» Provinzial- Schulkollegium ents-tzie alsdann (in, Jahre 1889) Dr. E. seines Amte«!»egen jener unwahren Angabe, die ihn als zum Bildner der Jugend ungeeignet erscheinen läßt Die Stadwerordnetmmehrheit scheint nunmehr anderer Ansicht gewesen zu sein. ,Krmmt es, ftagt mit Recht die ,BolkSzeitung', bei einem Lehrer der Jugend wirklich nur auf das positive Kiffen und nicht auch ans die Wahrhaftigkeit de« Lehrer» an? Welche Autorität kann ein Lehrer bei den Schülern beanspruchen, welche von ihm wissen, daß er um persönlicher Boneile «nllen die Wahrheit, seine Religion, Verleugner hat? An« Norddenthchlckntz. (Or.-Lorr) Wer in diesem Jahre an der Nordsee sich aufgehalten hat, um sich an dem erfrischenden Hauche de» Meere» zu labe«, der konnte, wenn er Jude war, manche» erfahren, was nicht» weniger al» erfrischend war. Der Versuch, die Juden von der allgemeinen Geselligkeit au-zuschließen, fing schon bei den Kindern an und wurde selbst in Norderney mit Erfolg unternommen, wo doch» wie man sagt, die Juden den Ton angebe«. E« gab unter den Kindern Verbindungen mit allerlei Abzeichen und ganz im Stil der studentischen Verbindungen wurde jeder neue Ankömmling angelockl, der Berbindung beizutreten. Aber die jüdische« Kinder wurden, wenn auch nicht prinzipiell, dazu waren ja die Kinder noch viel zu jung, so doch in den meisten Fällen ausgeschlossen. Sah ein jüdische« Kind blond au», so daß man e» für rin urgermauischeS halten konnte, während andere Anzeichen wiet>er Zweifel erweckten, so wurde «S vorsichtig geftagt, ob «» katholisch oder evangelisch sei, mid wenn dann bte Antwort kan: ,Juvel", so wurden die Berhcmdluugen «sch abgebrockze«. Da» Ganze war eine Kinderei, aber e» war doch für rin jüdische« Kind, da« seine Religio« offen bekannte, rin« Zurück, etzung, daß e« dies« farmgen Bändchen nicht tragen konnte. Aber Norderney war noch da« Eldorado der Juden^in Borkum, de« langweiligen Reste, war e» geradezu ein Sport, mü de« man sich die Zrit vertrieb, bu paar Juden fortzugraulen. Kam rin Jude nach Borkum» so wurde» die Wirte veranlaßt, so hohe Miete zu fordern, daß der IVauderer eilig von dannen zog. Die souderbarftm Irrungen bleiben daun nicht au«, «tri Harmloser, durchaus teutonischer Landgericht»«» beklagte sich m Norderney, daß er vcm Borkum nach einigen Tage» NeLm« genommen habe uud e« in dem als teuer verschrieenen Wir. deraey billiger finde alt in Borkum.

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