Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-11-17 · 46 (17.11.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962241--1796-5375863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

unterstütz«, oder: daß er keine» unterstütz«, also den Professoren der christlichen Theologie ihr Gehall entziehe, die christlichen Geistlichen nicht mehr besolde, keire Kirchen au» Mittel« der Bekenner anderer Religionen bene, dem Reli- SionSbekenntniff« in Wahrheit nicht den geringsten Einuß auf Besetzung eine» StaaiSamte» einräume, vor allem aber den schmachvollen 8nlisemiti»mu» unterdrücke, da» wäre »«hre Neltgionsfreihett! Der Galou׳A»ttfemtti-«1«S. Di« io voriger Nr. bereit« angeführte ,Nordd. Allg׳ Ztg.", ei» nationalliberale«, aber gerechte« klatt, fährt in den Nummern vom 9. u. 10. d. Mt», fort, n strenger Un- Parteilichkeit die Ungerechtigkeiten, besonder» Iie« sog. feinen oder, wie ste e« nennt, de« Salon׳Lntisemtti»1au«, wie er besonder» in den sich für vornehm haltenden nattonalliberaleu Blättern zeit- und stellenweise vorkommt, mit unerbittlicher Logik, — hie und da mit einem Aufguß satyrlscher Lauge — aufzudecken und zu geißeln. Wir wollen nur einige gegen die meist gebräuchlichen antisemitischen Schlag« lrter gerichteten Widerlegungen au« den mehrseitigen Artikeln liier wiedergeb««: zeitum j« Loa' der Geschmacklosigkeit 'de« Worte« gaiu abaesehea, würde ״Judenpreffe" eine Prelle bedeuten, die au «schließlich von Juden gaeitel wird und spezifisch jüdischen Zwecken dient. Wo besteht außer den jüdischen Kirchenorganei» im ganzen Deutschen Reiche ein« Zeitung, bei der diese Borau«setzn1m zu trifft V Ist da« ,Berliner Tageblatt" (eia ua< in mancher Verte jung u a som p atbische« Blatt-jüdisch? Rechtfertigt e» die Bezeichnung ,Judenantuna?' »Ja wohl! antwortet der Chor der echten Teutschea. Und warum? WeU der Lerleger, Rudolf Muss,. ein sogeuannter Jude ist. Wir glauben, daß ec bei den gläubiger Juden in keiner großen Brrehruag stebt*>. Man känate aber ganz mit derselben Logik von »jüdischen Semmeln" sprechen, wenn der Bäcker in der Synagoge und nicht in der Kirche lein« Sndach: verrichtet. Wa» Hai Rudolf Moffe mit der Gesamtbeit der Juden zu thua? Wird da« Blatt von der jüdischen Gemeind« oder nach den Normen »er indischen Religion redigiert? Ist denn eine Zeitung darum kathollsch oder evangelisch, weil die Leiter oder!Zerleger derselven Sh zu diesen Kirchen bekennen, und haben niht sehr christliche lätter Juden unter ihren Redakteuren und Mitarbeitern? E« ist wahr, da» »Verl. Tagebl." verteidigt oft bi!: Juden gegen die Angriffe der Antisemiten**-, da» muß e» eben al» l i d e r a l e« Blatt ua, und da« thua auch die ״Losfische Zeitung" in Berlin, die ganz -.'udearein' ist. und viele andere Blätter, die nicht einmal freifinnig sind. Da» hat bekanntlich auch Windthor st gethaa. Hier hilft sich der Anrisemit sehr einfach durch eia Wort, weil der Begriff ihm fehlt. Er sagt, diese Blätter find fei: re direkten Judenblätter, aber — Judeakaechrdlätter. In der L»nfat>rttation sind diese Herren fix. Nicht ganz mit denselben Worten, aber mst derselbe» Logik und derselben Gerechtigkeit arbeiten die vornehmen Herren Salon- Antisemiten, die bi« in die dvchfteu Krei׳ e reichen, und für welche die ,Köln. Zeit." typi>ch ist. Die KSln- Zeit, würde sicherlich iede Fühlung mst den Helden der Hetze adlehnen. ste ist ja eia vornehme» Blatt und wird außerdem von Kommerzienräten gehaUeu und benutzt. Ste spricht sogar gelegentlich von den ״ver- Lrten jüdischen Mitbürgern" und ist wahrend »er Landtag»- und Stadttat»-Wahl, wo die Juden in der zweiten Klaffe den Au«- schlag geben, entschiedene Gegnerin aller Lerfechter der sogenannt«» Judenfrage, aber nachdem die Wahl vollzogen ist, hat ste wieder ihre vornehmen,,belehrenden" rkawaadluagen. Selbstverständlich hat die Judenheir von keinem Blatte di« nab! dingte Berrretung ihrer Sache zu verlangen, wa« fle aber mst Recht vertaagen kann, da« ist, daß ein Bleti^ welche» sich gern al» vt raehm mid gerecht cknssolelt, auch in der Judenfrage einen klaren konsequenten Staadpan« einaimmt. Da« Lerhalteu der SSln. Z.-U. aber ist weder da« rin« noch da» andere, und wenn diese kannerbaltertn de« Nattonalliderali»mu» nicht antisemitisch ist, dc.na weiß ste überhätcht nicht, wa« sie ist Md will יי außer den Geschäft. «1 vir hat« wiederholt da« »Bert. Lazebl. ', da» sich t» jäbische» »reise», sehr »thliebig gewacht ha-, iw Kua« vieler »,lerer Leser von «ser« Kockjch»,« abzuschanei» versuihr, leider vrrgedltql ן** ׳■־ Nicht teste» ln einer a«tfr, daß wa» ttzei, wie nach rinn» talwud. LprUchwon« »er £1nu. zu, »s« »dcht«: ,Flicht •M Deine» Honig a»C nicht von Deine« Stachel t" Glücklicherweise ia die Anschauung der Köln. Zeit, noch langenicht die Anschauung der deutschen Intelligenz, in deren Name» da» Blatt zu sprechen liebt. Aber diese Zeitung wird al»die b»> deatrnfte Zeitung der nattonalen Partei augeseben, und politisch metageweihte Leute glauben, alle« dal. wa« ia dieser Zeitung tehe, ,ei die Meinung der Natiooalliieralen. Und darum wird ede Aeußerung der Köln. Zeit, übec da» Judentum Bonta* amten Chorus der anüsemmschen Blätter au»aeb«utet. M«r ubelt in ganzen jiidenfeiaolichea Lager, daß endlich die national» iberale Partei sich zum allesttseeligmachenden AnttsemittSmu« be» kenne. E« ist die« zwar Verleumdung einer großen Partei, i»i« wie kaum eine andere um die drunche Kultur Brrdienste hat. Jeder ebrliche Nattoaalliberal« hat dir Pflicht, gegen dies« Ent» stell»na energisch zu protestieren. In Wahrheit aber können all« aultsemittschen Blätter zusammengenommen die antisentitsche Pro» peganda nicht so erfolaretch fördern, wie e« ein stch so nennender obiektiver Artikel der Köln. Zeit. thut. Denn die offene Lüge hat atemal« der Menschheit soviel geschadet, al» die unrer der Hülle der Serechttgkeit und der Liberalität auftretende Verhetzung, al« da« vornehm erscheinende und stch al» objekttoe Uederzeugung einführende Borurteil." An einer anderen Stelle leuchtet die »Nordd. Allg, Zkg." dem katzenpfötigen Antisemitismus der »Köln. Ztg." durch folgende Au«führungeu gründlich heim: ״Wir verkehrt ist e«, die Juden oder gar da« Judentum für die Fehler eimger elenden Subjekte verantwortlich zu machen. Man kann die Juden in ihrer bürgerlichen Ehre nicht schwerer verletzen, al« durch diese tr-iuriae Polstik. di« weder na ioaal noch anständig ist. Jever anständige Jude — da« ist unsere feste Uederzeugung — bedauert vom ganzen Herzen, daß auch unter seinen GlaubenSaenoffra sich solche elende Wucherer, Be» ttüger und Spieler befinden, wie ste sich im ttaurigen Spieler- Prozeß in HaMvoer zeigtcn. Wa« aber kann er dagegen thun? Kann die lüdtsch« Religion oder die südiicl-c G.memde dies« elenden Unfitrlichen, die ste auftiefste verachret, dazu zwingen, bester zu werden und nach den Gesetzen der jüdisch:« Religion, die Wucher, Spiel und unreellen H1vd:l auf« schärfste verdammen, zu leben? Welche Religion wäre stark genug auf!Verbrecher Einfluß zu üben? Wer mit gebildete : Jude» verkehrt, der wttß wohl, wie gebrückt der Jude stch durch die Heu:igeu unseligen Ler» hältntffe fühlt und wie sehr er moralisch darunter l:id:t. Und in dieser unangenehm:» Lag: io iuji noch ji: ,, .Win. Ztg " und verletzt da« bürgerliche Gefüol der Juden auf Schritt und Tritt- Oder ist e« etwa Gerechtigkeit, wenn st: be! e.1:jt moralisch verkommenen Geschöpfe stad. Aber wozu diese Be» toaung, die doch nur den Zweck haben kann, di: G.sammtheit der jüdischen Mitbürger, die wahrscheinlich n-chir oa,.,r kann, z: kränken? Freilich, die Köln. Zeit, schimvst nicht wie die Staat«» drückt mehr al« alle Flegeleien und Ungezogenheiten irgend eine« antisemitischen Organ«. Wie kommt e», daß die Köln. Zeit, sie, leich üb.. .da« ent» rüstet, wairgendwie mst einem Juden in Za,am.n:nda.>a steht? Man bedenke nur, einige politisch unreife ausländische Borstenhebüng de« Schächtoerdot«. Wa« geht da« die Judenyeir an? Ader natürlich, die Hecrrn Antisemiten schlagen Lärm. die Juden bedrohen Sachsen, da» gelobte Land der Julxnhesrr, und «olle« e« vernichten. Da« ist wohl begreiflich, und man kann «» de« Anttsemiten nich: verdenken, wenn sie die Dum nh:i: ihre:׳ Ar» Hänger für stch au«beu«eu und au« jeder tächectlu»«» Kteinigrclt ein AgitottonimtNel mach«.,. Aber die ftolr« Köln. Zeit, stimmt mit in den Chor «in. freilich ז:י,0,י׳«זויי1נ»1מ deutlich genug für Alle, die »wischen den Zeilen lesen Wunen" Roch eine mit beißender Ironie geschri-b-ne Stelle möge hier ihren Platz finden: ״Die Herren Anttsem'ten bekennen sich zwar z»m nicht gerade humanistischen Grundsatz ,Luden hinan«! 1.10. ׳ > -c Programm lautet kurz und bündig: ״Richtet sie Innen, die Ouelle alle« Uebel», zu Grund« — und wir sind gerettet", aber ni se Herr«» besitzen ein zartc» Gemüt und find große Toiccsceunde. Sie haben daher dir Entdeckung gemacht, daß die astehrwürmge Schlachttnetbode der Juden die größte Tterqulärrei ist. die ' gebildet Sachsen natürltch nicht dulden j i.s. L: .,0« der medizinischen Wissenschaft begutachteten zwar, da« wall I Methode nicht grausam und unmenschlich d»är«, würben I>te i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.