Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 45 (10.11.1893)
- Date
- 1893-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ch wundern, daß keine» der Blätter zu einem Lobhymnu» auf 'da» vreu Kisch« Wahlsystem im Gegensätze zu derijenigeo de« «eiche» sich begeistert. ES wäre gewiß «nmezeigt aen>esea, einmal . anznerkenuen, wie bei dem preußischen Wahlörrfahren Bildung " und Best» einen die Wirkung demagogischer Agitat-on eindäm- ' «enden Faktor bilden." , Wir nehmen mit Befriedigung Notiz daran, daß die ״Norddeutsche All«. Zeitung" in den antisemitische Reichtag». -Wahlergebnissen die Wirkungen ״denagogischer Agitation" und im dem Antisemitismus da» Gegentheil von Bildung erblick- J. Bwipzig. 5 November (Or.-Lorr.) Jbr gesch. Blatt war da» einzige unter den jüdischen Wochenblättuu, welche» den ministeriellen Bescheid auf die Eingabe t»er Borsten׳ Händler bezüglich de» rituellen Schächten» richtig wiederge- Heben hat. Unser wohllöblich« Stadtrat hat sich nicht, wie -eS in der ״Allg. Ztg. d. Jrrdenth/ und in der ״Jüdischen Presse" heißt, ״ein sehr energischer Weise gegen die AuSdchnung der Verordnung auf die jüdischen Schlachtmigen, sondern im Gegeniheil — gegen die Nich lauSdehnung derselben — ausgesprochen". Im ״Leipziger Tagebl" befand sich aller׳ ding» auch derselbe Druckfehler, aber e» brachte sofort aus Dresden vne Berichtigung derselben. DaS war den andcru jüdischen Blättern entgangen und all die schönen Worte u. Eompli mente, die sie deshalb unserem Sladirat an den Kopf warfen, waren unverdient Die Herren Redakteure kennen unsere Stadthäupter schlecht, wenn sie ihnen ׳:in muthigeS Auftreten gegen die ministerielle Verfügung und zum Schutze unserer jüdischen Mitbürger und deren religiöser Instituts onen zumntheien. Dresden, 5. November. In dem Kampfe zwischen den ,Dresdner Nachrichten" und ihren früheren, jetzt mit drr ״Deutschen Wacht', eng liirtrn Leitartikler Dr. Liman hat nun auch Herr Dr. Lohan da» Wort zu einer Erklärung ergriffen. Er veröffentlicht in den hiesigen ״Neuesten Nachrichten" einen ״Offenen Brief an sie Reformpartei in Sachsen." der ein grelle» Licht auf da» ganzeAnttsemitengelichter wirft. Der eine Dr. i. wirft dem andern Dr. L. BerttagSbruch vor und schreibt dann: .,Und ob tiefer Heidemhat begrüßt ein fichsischer R ׳sormverein Herr, Dr. Liman alt den ״Wenn von deutsche,- Korn und Schrot-, den Gott in unserer zrrßeu ״Jndennol" behüien möge. Wie e« in Dtlklichkeit mit den ״deutschen »orn und Schio,' de« Herrn Dr. Lonau sieht, darüber bin Ich tu fser unterrichtet, als Me, Reformverein. Herr Dr. Paul Lima», ist der direct« Abkömmling v»n Juden, er ist — nach der von Herrn Dr. Linon felbN ver sochtenen Anffafiung — JadeI Um ganz sicher za gehen, habe ich über die näher.-u Ab st am mnngsoerhältnisse de« Herr» Dr. Liman umlassende Recherchen «»stellen taffen. Diese haben zu folaeude« Ergebni« ge »her: Der Großvater de« Herr». Dr. Liman. K. E. LH. Liman, war Jude. Gr war zweimal mit Jüdinnen «erheiratet, tu erster Lhr mü Johanna Fandet, in zweiter Ehe mitilzne« Herz. Ai» er sich zum drillen Male verheiratete, »nd zwar mit einer Christin, •liefe er sichtaufen. Der Vater t«» Herrn Dr. Liman, Lh H C. W. Lima», stammte au« einer jüdischen G>, e, mar also vollblutjudr. . Während Hnr Dr. Liman illenthalbra, ,oohl im Bewufetseia seine« orientalischen Aeufeere» und seine« spezifich jüdischen Namen», den Glauden zu verbrc sten sucht, er sei ixlceuifcher Abstawmuag. hat er mir gegenüber seine jüdische Herkunsi nieaial« in Abrede zu stellen gewagt, «ich vielmehr dringend gebete >, sie wenigsten« einer bestimmte« Person geg-urüber, die davon nicht» wiffe, z u verschweigen. Kann man sich eiren schreienderen Widerspruch »orstellen, al« dafe eia Mann, der seine direkte semitische H erkauft l ennt, sich in die vorderst,n Reihen der R assen-Antisemiten stelltI" (So beweist immer-rin Avttsemit, daß, drr rudere ein gegen ein EmtrtnSgeiid veranstaltet, nicht bewilligen. Dr. Lohan erbot stch, für nachstehende Behauptungen den Wahrt,eitSbewei« zu erbringen: Ahlwardt habe wiederholt sei» Ehrenwort ge» brochen: er Hab« dem Inden Manch! bei dessen Orden»- und Titclschacher als Agent gegen Provision geholfen: ferner habe er vor Jahren einen Gib geleistet, den Atmftmittrma« allezeit al» eine schmachvolle Bestrebung zu verdammen: Ahlwardt habe endlich bei dem soeiar-demokreitischea Abgeordneten Sing«. der 7a Jude sei, Boradersuche gemacht »ad sei im Reichstage ol» ,derufmätztg« B«leuuü»r" enttarnt worden. Da» Gericht gab dem Leweisantrage?folge und »erlag» die Berhandlung- E» ist von Interesse zu konstattren. l aß Kläger und Angeklagter trüber in freundschaftlichen Beziehungen zu einander standen und gemeinschaftlich den von den ״Dresdener Nachrichten" gegründeten Sblwardts-Fond» verwaltete» Harmo»»r, 5. November. Der ,Hannov. Linr." ver׳ öffentlicht Reskripte, nach denen der Unterricht-mir ist« Bosie eine Verfügung deS Provinzialschnlkok egiums gegen einen Oberlehrer in Hannover wegen dessen Unterzeichnung eines antisemitischen Wahlaufruf» wieder aufgehoben hat. Da» königliche Provinzialschulkollegiu», hatte unter dem 12. August d. I. wie folgt verfügt: ,Rach genauer Prüfung Ihrer am 1. v. M. obgeaebenrn und burcheden Direktor der Anstalt un» vorgelegten Erklärung über die Unterzeichnung eine» von der hiesigen, w»e sie sich nennt, ,dcutschsozialen lanttsemittscheni" Partei criassenen Wahlauftuf» haben wir Ihnen unter Hinweis auf ji 2 de» DisziplinargesetzeS vom l. Juli 1852 aufzugeben, sich in Zukunft bei Ihrer Beteiligung an den staatlichen Wahlen uller Kundgebungen zu enthalten, welche Ihre, einer anderen Religion augehörigen. Schüler und damit deren Eltern verletzen, und so va» Bertrauen und die Achtung, welche Ihr Berns «fordert, zu schädigen geeignet sind." Im Gegensatz zu dieser Verfügung de» ProviazialschulkollrgiumS hat auf die Beschwerde dis betrrffeiOen Oberlehrers der Kultusminister, Dr. Bosie. am 18. Oktober ״keine ausreichende Beranlasiung" erblickt zu kein Hinweis des ProvinzialschulkollegimnS auf den § 2 d«S DisciplinargesetzeS. Zur Begründung dieser Verfügung heißt e» in dem Reskip^ des Kultusministers: ,Durch den Direttor des Realgymnasiums ist Ihnen bezeugt. . «erhalten . Sie in drr Behandlung der «chüler zwischen christlichen und jüdischen Schülern keinen Unterschied machen und das Beschwerdrn über ungleiche Behandlung jüdischer Schüler der Anstatt weder von diesen, noch von den Eltern derselben hei dem Direktor geführt worden seien. "" >־־--- ^-gern vernommen hote, so mutz die allgeinesneu Went ungen, in üblich« GewiffenStofigkeit und tlnlaß dazu bieten können, daß Eltern, ivelche ihre Lkiader der Wenn ich dieses _ , ich doch darauf Hinweisen, da welchen der Wahlauftuf von , Geriebenheit" red«, immerhin da» Vertrauen der jüdischen Anstalt übergeben haben, aus die Unbefangenheit und Gerechtigkeit de» mituntrrzeichneten Lehrer» gefährdet wird. Ich verttaue, datz ewig Wohlgeboren bei künftigen Gelegenheiten auch diese Erwägung nicht außer Acht lassen werden/ Wir wolle,, hoffen, daß d-ese Entscheidung de« Kultus» Ministers die Zahl der sich zur Bcrbreiturg der antisemitischen Besftebungrn selbst erniedrigenden Lehre!- nicht vermehrt, und da» Vorbild des Lehrernicht schädlich auf die Schüler ein» wirft. Jedenfalls gehört ein unglaublich hoher JLeali-mudazu, wenn jüdische Eltern Vertrauen in die Unbefangenheit und Gerechtigkeit eines notorisch antisemitischen Lehreis zeig«!. ״Lump" m.) . . —.. — —., 5. November. Auf Brrcmlasiung de» Vereins sei: un» ab« will eS bcwünken, daß sie alle, alle.| für jüdische Geschichte und Literatur hielt am Donnerstag d. 2. d. M. im großen Saale der Logenhause» vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum Herr Prediger Dr. Lelmdörfer den «sten Bortrog in der Winterfatson üb« da; Thema »D« ttogische '«04 der Rabbinen", welch« Vortrag mit außerordentlichem eifall ausgenommen wurde. Redner schilderte da» Leben und «Zirken de» Rabbi Nkiba, de» Märtyr«» zur Zeit Hcldrtan», AI» die Quintessenz der theologischen, väkwgogischen un» philokophischen Forschungen diese» größten all« Radbmcn, »merkt« dn Redn«,,ai1taußerderRechlSideedieNächstenliebe. In der Schule dies«» talmudischen TraditlonenNvard. wie ter Redn« durch viele EUate bewies, der Gedanke reif, daß e» keine größ«e Schändung der jüdischen Religion gebe, al« die AuSbeutun« der nichtfüdtschen Äitbrüd«. An Attba zerschellten alle Steive de» Anstöße», und würdigie mau heute eingehend seine Dresden, 2. November. ׳Sestern fand vor dem hiesigen?Schöffengerichte die B«handlu11g Üh« die Ehren beletdigungS- :Klage Ahlwardt's gegen den Redakteur der ,Drerden« Nach- . richten" Dr. Lohan, Katt. Dr. Lohan hatte in einer» Arttkel den Abg. Ahlwardt einen ,Lumpen" genannt. Wegen diese» Ausdruck» .erhob ft. Prioatklage. Sad«e Thatsachcu. deren Ahlwardt in diesem Artikel beschuldigt Worten war, hatte et nachweislich verschwiegen. Ahlwardt. welcher derzeit eine Strafe in Plötzen- Je* abzubützen hat, war prrsöull<h erschienen und belmupietr, daß durch den incrinünirten «rttkel eiu schw«« rralerieller ־־ worden sei. da jfm fett dirftr Zttt. angeblich itte» dtch«r-M1t>S» MGtStd«!ie» Behörden betzausütch