Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 45 (10.11.1893)
- Date
- 1893-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Protokoll. ver X. aottjettnt 9*t Lehrer »«פו KultnSdeamte« ve» LandraddtrmtsdezirkS ««de«. Zweite Sitzung am 21. Llugust, morgens 8 Uhr. Der Vorsitzende eröstnete di« Versammlung, indem er die inzwischen eingelaufene Drahtantwort de- Herrn Dr. Loeb zur Verlesung bringt, sowie auch einige Begrüßungstelegramme von fehlenden Mitgliedern des Vereins. Herr Meyer-Bentyeim erhält nun das Wort zu seinem Thema: ״Unterricht und Erziehung zur jüdischen LebenSführung.' Referent streift den Antisem:tihums und glaubt, -» --- -' “*■*־ Die und _ > JudentSnms, und der Religionsunterricht, wie er in den meisten >üd. Schulen ertheilt wird, reiche nicht aus. Es müsie mit der in der Gegenwart allgemein üblichen Lehrweise gebrochen werden. Res. verlangt zu diesem Zwecke die Einführung des שלחן?ריר -nrp und bemüht sich, an eiuigen Beispielen zu zeigen, wie sich dieser Unterricht zu gestalten Hobe, damit etz ihm nicht an Leben und Zntereffe fehle. Die Einführung des gen. Wcrirs bahne aber nicht bloß den Weg zur jüd. Lebensführung an, sondern sie rüste den Zögling auch zualerch aus, daß dieser später mit Verständnis der Erfüllung der Wichtgebote obliegt. Bor allem aber müsse dieser Unterrichlszweig anschaulich erteilt und die Kinder müßten zur selbstständigen Uebung der Mizwoth angeleitet werden: ganz desonders solle der Lehrer auf Teilnahme an dem öffentlichen Gebete dringen. Das fromme Vorbild deS Lehrers sei jedoch die unerläßlichste Vorbedingung für die Erziehung zur jüd. Lebensführung. Nach Beendigung dieses fleißigen und eigenartigen Vortrages und dem Tanke oes Vorsitzenden für denselben erhält Herr Gemeindcvorkeher PelS-Emdcm das Wort. Er teilt mit, daß er als Delegierter des D.-J^G.°B. beauftragt sei. den Mitgliedern der Konferenz die Grüße des BnudeS zu übermitteln und zugleich den Wunsch desselben auszusvrechen. daß die BereiuSmitgueder iu ihren Kreisen nach besten Kräften für die Interessen des Bundes einlretcn und überall die Zwecke und Ziele desselben zur Kenntnis ihrer Gemeindemstglieder bringen möchten. Er ersucht im Namen des Bundes, überall, wo es angängig, eine Art innere Mision gegen die Bestrebungen des Antisemitismus zu errichten und thunlichst dahin zu wirken, daß Anstoß erregende Vorkommnisse in den Gemeinden vermieden werden. Schließlich vittrt er die Versammlung, die Bestrebungen des Bunde« hinsichtlich der Gründung eines deutsch-isr. Lehrerbundes fördern zu wollen. Dec Vorsitzende dankt dem Herrn Delegierten für seine Worte und siebt zugleich seiner Freude darüber Ausdruck, daß der D-J. G.-B. sich entschlossen habe, auch für die nordwestliche Ecke Deutschlands einen Delegierten zu ernennen. Sodann bemerkt er, daß unser Verein schon darum der Gründung eines Lehrerdundcs sympathisch gegenüberstehe, weil ja gerade aus unserer Mitte die erste Anregung dazu gegeben worden sei, und er es mit einer gewissen Genugthuung begrüße, wenn weitere Schritte in dieser Angelegenheit gethan werden. Es folgt nun eine lebhafte Debatte über den Bort r a deS Kollegen Meyer. « e li g-Emden bestteitet die zweckmäßige Verwendung des קי*ור כלת! עייד in der vorliegenden Form und befürwortet den lystematischen Religionsunterricht. S t r a u v-Papenburg empfiehlt Einführung eines JugeudgottcSdienstcs. Franken st ei n-OSnabrück meint, daß gewissenhafte Lehrer in ihren Schulen stets das pra ktischen Judentum gelehrt haben, bezeichnet aber die Ausführungen deS Ref. als zu weitgehend und wrrd in dieser Ansicht auch noch von andere» Kollegen unterstützt. v. d. Walde-Cleve (Gast) möchte nicht, daß die ReligionSstunden sich auSschlietzlich mit דינים befaßten und die Ethik nur so nebenbei behandelt würde. Im Schlußwort sucht der Referent seine Ansichten zu verteidigen und zu zeigen, wie bei sriuer Methode auch die Ethlk zur Geltung gelangt. Auf Antrag werden aber die aufgestellten Thesen wegen vor-׳ gerückter Zeit ttirs nächste Jahr zurückgelegt. — Der Vorsitzende wirft sodann einen Rückblick auf die Ent- Wickelung des ״Waisenverems" uud gedentt auch hierbei der Verdienste deS sel. Landrabbiners um denselben.- Kassierer Selig flieht einen Uederblick über das verfloffene Rechnungsjahr und bezeichnet das Ergebnis desselben als ein recht günstiges. Der ‘ ‘ Ausschluß über demnächst erscheinend« Rechenschastsberinst wird 3 den gegenwärtigen Bestand des Vermögens geben. Die » olleaen Frankenftein. Avt und Meyer n> ln die vom Uebergcde----- ״ , v u-Norden durch den Herrn Dr. med. Ernst Testamentsvollstreckers fernes sel. Vaters. — T': Versammtung spricht den beiden Herren den i; »altung auS. ES folgen nun ״freie Besprechungen", von welchen die eine tu erwähnen ist: Der Vorstand wird beauftragt, beim Herrn Laudrabbiner zu beantragen, daß derselbe anordne, da« gegenwärttge Schuhahr an den jüdischen Schulen des Bezirks um dem an christlichen Schule» zu schließen- Rach seinem Refume über die Verhandlungen der diesmaligen Konferenz gedenkt der Vorsitzende noch unseres erhabenen Kaiser« und Königs, deS Beschützer» und F ördererS aller gemeinnützig Bestrebungen und schließt mit einem Hoch auf denselben, ' die Anwefenden begeistert einstimmen. Hierauf spricht Kollege Selig dem Vorsitzenden den Dank der Versammlung au». die sich zum Zeichen ivrer Anerkennung von ihren Sitzen erheben. Damit wird die S. Konferenz geschlossen. ES folgt noch ein gemeinsames Mittagsmahl, wonach jeder in seine Heimat zurück- Der EckiristiLhrrr . B. SB * I f f-Surich. Berichte und Lorresponverrzen. gemein kehrte- Deutschland. Magdeburg, 6 November. Sr. Maj. der Kaiser verlieh dem Herrn Justizrat und Notar Dr. Herrmann hier, einem in den juristischen Kreisen ob seines Scharfsinn-, klaren Urtheils und seiner forensischen Beredlsauikeit, hochgeachteten Juristen, bei seinem Scheiden andem Amte den rothen Adlerorden, den der LandeSgerichtSpräfidenten geht Oberjustizrat Petrenz ihm am 2. d. MtS. persönlich überreichte. Herr Justizrat Dr H. siedelte nach Eharlottenburg über, und verliert der hiesige Gemeinde - Borstand in ihm ein langjähriges pflichteifriges Mitglied und eine bewährte Kraft; er war wegen seiner Kenntniße im Hebräischen auch zum Vorsitzenden der Cultuscouimission zur Ausarbeitung eineneuen Gebetbuches gewählt. Möge ihm ein langes wohlverdientes otiom eum dignitate beschieden sein! Magdeburg. Der in vor. Nr. (im 2. Leitartikel) er» wähnte Aufruf des ..Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens״ lautet wie folgt: .Lum ersten Male tritt der Zenttalverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens öffentlich an alle diejenigen deutschen Juden Hera», die aus der Not der Zeit die Erkenntnis geschöpft haben, daß es unsere Psiicht sei, endlich im. Lichte der Oeffentlichkeit Selbstverteidigung zu üben- Der Zenttalverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich vornehmlich folgende Ziele gesteckt: Er will gegenüber den Anfeindungen, denen die deutschen Staatsbürger!üdischen Glaubens auSgeseyt find, die staatsbürgerlichen Rechte der Juden wahren und m den Juden selbst das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Volke ttotz aller Verhetzungen nicht verkümmern lassen. Durch Wort und Schrift, durch SffentlichclVersammlungen und Lorttäge will er den Einzelnen mit den Waffen ausrüsten, die ihn befähigen, den aufgedrungeuen Kamps im Geiste der r!3ah ' stehen; er will durch alle Mittel der Oeffentlichkeit L Feind aufklären über das Wesen des Judentum», über 1 _ und Empfinde» der Zudeu im Deutschen Reich«. Er wird inSbe» sondere ein ständiges Bureau unterhalten das für alle Abwehrbesttebungen den notwendigen Mittelpunkt bilden soll. Dine» Rechtsschutzbureausoll überall, wo Juden um ihre» Iudentums willen Beeinträchtigung oder Zurücksetzung e.-fahrea, mit allen gesetzlichen Mitteln — Vorstellungen, Klagen, Strafanträgen» Petitionen u. s. w. — dem bedrohten oderverletzten Rechte zu Hilfe kommen Der Beitritt zu unserem Verein erfolgt durch eine Erklärung an den Unterzeichneten Vorstand, mit Zeichnung «ine» jährlich«, Beitrags (nicht unter 2 Mark). Einmalige Beiträge zur Bestreitung der Kosten für die ersten Einrichtungen find dem Belieben des Einzelnen anheimgestellt Auf den Beitritt erfolgt umgehende Zusendur.a aller unserer Veröffentlichungen. Wir fordem alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens auf, sich unserm Bestrebungen anzuschlietzen. Mit der Verteidigung un- Ser Gleichberechtigung kämpfen wir für da» höchste Gut der enschbeit, für die lielligsten Jntereffm unsere» deutsch.11 Vaterlande» I" Berlin, 8. November. Die ״Rordd. Allgem Zeitg." schreibt heute: ' ״Verschiedene Blätter betonen mit Genugthuung, daß die LandtagSwahlm im Reg^Bez. Cassel «um bemerkenswerttu Rückgang des SattsemliSmn» ergeben habm und daß intzbesoudere für dtt Boeckel'schm Laudidatureu jetzt viel weniger Wahl» Männer gewählt wmde» al« 1868. Vergleicht ma»:»ie Jm. itm Ge mit dem Gtzsff