Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 44 (3.11.1893)
- Date
- 1893-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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r hoben, obgleich die Oeffentlichkeit für «asev: BerhaMaag höchst wohlthätig sein würde.!Z» Grunde hängt dar freilich mit der kleinlichen und äußerliiheu Auffassuni > der ganzen Frage zusammen. Weil man keine» Glauben hat an die Kraft der Wahrheit, an I>en Sieg des!liecht» durch da» Rechte, darum versucht man die Sache zu ״!nachm", durch Eoulifsensckieben die Szene zu verändern, zu bwinfluffen, auf die maßgebenden Kreise ״rinzmnirken", MLnwr von Namen zu ״gewinnen". . . . Wolle» wir u» w irklich Ijelfeu. so muß e» geschehen: 1) offen, 2) durch uns selbst, 3) durch in- »ere Arbeit und nicht allein durch — Geld! . . . ES gilt zunächst, die Juden in den Stand zu setzen, allen Angriffen m der rechten Weise entgegenzutrrten, sicher und maßvoll, sie mit geistigen Waffen zu versehen, sie so zu belehren, daß sie nicht, wie jetzt, jeder Eimoendung ratlo» gezenüberstehen." Zu diesem Bchufe schlugen wir vor: überall Verein« zu biweu — deutsch-i»raelttische — welche jene Zwecke erreichen sollten: 1) durch regtlmäßige Versammlungen. in welchen Vorträge. Referate, freie Diskussionen über Fragen de» Antisemitismus, sowie übndie Geschichte uni> gegenwärtige Stellung de» Judentum», vornehmlich in Deutschland, gehalten werden, 2) durch Verbreitung dementsprech mder Schriften. 3) durch persönliche Einwirkungen. In Nr. 38 kamen wir in dem Artikel ״Winterarbeir" darauf noch einmal zurück und verlangten, >«ß ״in diesen '•r-. Vereinen die Juden selbst erst geistig ausgerüstet und di«cip» £ liniert werden. Jedes Mitglied muß iu den Stand gesetzt . werden, alle Verleumdungen der Ansisemsten, wenn auch nur r sich selbst gegenüber, zu widerlegen. Die« geschehe durch Borträge. Diskussionen, Mitteilung von Erfahnrngen, fleißige Lektüre der feindlichen und apologetischen Literirtur- Hierdurch muß den Juden selbst da» Gefühl der Sicherheit und die Ueberzeugung, eine gute Sache zu haben, hergebracht werden. All« intelligenten Kräfte d«S Judentum«, Thrr logen, Juristen, Mediziner, Kaafleute, könne» hier zusamm« »wirken. Hier müssen die taktischen Maßregeln für de» einz^nen Fall beji raten und geschlossen durchgeführt werden. —" Mau sieht, der Zentralverein will mit gans ähnlichen Worten wesentlich dasselbe. Soweit also können wir hocherfreut sein, daß man sich endlich aufrafft und wir begrüßen daher das Auftreten de« Zentralvereins mit Geaugthuung und dem lebhasten Wunsch, daß eS von Elffolg sein möge. Um so weniger dürfen nur mit unseren Bedenken zurückhasten. Zwar hoffen wir, drß die deutsche Judenhett daS provozierende Auftreten de« Herrn Lehmar n dem Verein nicht zur Last legen wird. Il«r die traust fhaften Betroerungen de« PatrwtiSmnS klingen wieder ganz nach chm. Für uns und jeden Verständigen sind sie selbstverständltch, für unsere unbelehrbaren Widersacher in den Windgesprachen. Daher ist auch die Vezeichtung ״deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben-" verunglück. Warum nicht ״deutsche Juden"? Wa« uni! aber schärfer trennt, ist. daß der Zentralverein auch nur roiedrr die äu zere Abwehr aus die Fahne geschrieben hm. Der RechtSs hutz, den er verspricht, ist durchaus lobenswert. Aber wirrer nnd wieder erklären vir, daß uns die wichtigste Arbeit die innere dünst: Erziehung und innere Mission. Zwar wir wiflen, daß man bei dieser T«tonung gar zu leicht der Phrase und Heuchelei verfällt und hüten uns!«her, etwa eine ׳ tieffittliche Pose einzunehmen und Betstundea oder moralische Lheeabende zu empfehlen. Wir haben viel nebr verlangt: 1) Erziehung der der Schule entwuhsenen Jugend zu würdigen Staatsbürgern. Ausrottung der widerlichen Untugennden der ״Schnodderigkeit", der schlechten Manieren, der Zuchtlosigkeit, besouderS im!verkehr in öffentlichen Lokalen, . der Frivolität, de« geist- und gemütlosen GenuffeS. Dies geschehe in besonderen Zügen dsektionen jener Verein«, in welchen den junge« Leuten zugleich alle edler Unterhaltungen Hund harmlosen Bergnügrmgim verschafft »erde«, die ihnen anderwärts nach und nach > erschlossen m 2) ©ne sorgfältige Ueberwachung d«S Erwerbsleben», bei dem nun einmal durch die Schuld der Levhälinisse die «eisten Juden beteiligt siad. 3) Stärkere Beteiligung an Veraaftaltungm für die Bolkrwohlfahrt. Für diesen Punkt empfchlea wir drin««!» die Lektüre de« BmchtS über den ״Schutzderein gegen wacherffche Ausbeutung de« Volke«" iu Karlsruhe, über welch» die letzte Nummer der ״Mitteilungen a. d. L. z. Abw. d. An»." berichtet. So müffen überall Juden arbeiten. Wir hoffen, daß der Verein sich enffchließen werde, zu der negativen Abwehr gegen antisemitische Verleumdungen und Angriffe auch diese positive Arbeit in Angriff zu nehmen. Dadurch beweisen wir auch dem Uebelwollendsten, daß wir deutsche Staatsbürger sind, wenn auch ״nur"' jüdischen Glauben-. Endlich möchten wir den Zentralverein warnen, ein besondere» Gewicht auf das ,Zentral" zu legen. In Berlin scheint man nun einmal zu glauben. eS müsse alles ״zentral" gemacht werden. Nicht kann verkehrter sein. Rach unserer Erfahrung nimmt z. B. bei zentralen Zirkularen die Kraft de« Anreizes i« Quadrat derEntsernung multiplicirt mit der Zahl der versandten Exemplare ab. Daher u. a. die geringen Erfolge de« Vereinezur Abwehr de» Antisemitismus. Man bilde überall im Reiche kleine Vereiniguugen mit weitgehender Selbständigkeit uud indtviduellem Leben, man lasse die intelligenten und ortSverlrauten Kräfte der Provinz sich in eigener Thätigkeit entfalten und erziehe sich an Stelle von Reportern und Berichterstatlern arbeitsfreudige, kluge und geschickte Helfer. Und so beginne denn ver Verein eine heilsame Thätigkeit — aber ohne 2. Mart Beitritt-geld B. I. Protokoll der x. A0ttfcr«»t de* UtMl• Lehrer um) KultuSde- «mt«tt de« &*«bfi>binatSbetM* fhubtu.*) Erste Sitzung am 22. Lug., nachmittag» 4 Uhr. Der Vorsitzende, Hauptlehrer Levv-Norden, eröffne: die Versammlung mst einer herzlichen Ansprache. Er bedauert, daß die Kollegen diesmal nur th so spärlicher Anzahl erschienen seien und weist mit einigen Worten auf den Wert der Konferenz im allgemeinen bin. Hierauf aiebt er einen kurzen Bericht über da» verflossene DereinSjahr. Sr erinnert daran, daß der Verein kaum 4 Wochen nach der vorigen Jabresversammlung da» Hin» scheiden seines hochverehrten Ehrenmitgliedes, det Herrn Lantirablliner» Dr. Buchholz zu beklagen hatte. In bewegten Äocten schildert er die segensreiche Wirksamkeit de» leider zu friih Verblichenen für unsere Konferenzen. Er hebt insbesondere be> vor. daß derselbe bet Gründung des Vereins die anwesend«.-« Kollegen als seine ,Mitarbeiter" begrüßte. Vor allem aber Hab« sich der Verklärte durch seine edlen Geamtseigenschasten ein öletbende» Denkmal verehrungSvoller Dankbarkeit in den Herzen ter Lehrer errichtet. Die So.fferenzteilnehmer erheben sich, um da» Andenken der Verblichenen zu ehren, von ihren Sitzen. — Der Vorsitzende berichtet daraus üb:r die Thätigkeit der im vorigen Jahre ernannten Lelebuch-ttommit, i on. Um leichter da» angekredte Ziel zu erreichen, habe Vorsitzender sich mit der Vrrttemng de» Gemeindetage» iur Westfalen, der im vorigen Jahre ebenfalls die Lesebiichttage beraten, in Verbindung gesetzt und eine entgegenkommende Antttort erkalten. Mt ganz besonderer Freude aber nimmt die Versa mmlun«, die nun folgi^L: Mtteilung über die Neuregelung der ftaailichrn Dien stalterSz»lagen für die jüdischen Elemeotarlehrer unserer Provinz entgegen weil damit deren Gleichstellung mst den christlichen Volksschullehrern völlig turcligrjü»« ul. Der ISorsitzende teilt endlich mtt, daß vom D^Zi. G^L. al« Beitraa zu den Kosten der Konferenzteilnehmer ein Zuschuß gewährt sei» wofür der Dank der Versammelten ausgesprochen wird. Dt« Buchhandlung von Wilh. Jaco »sahn zu Breslau hat eine Anzahl Heit«, eMhaltenö dir Meis,!'scheu ,Homllic!, ab«! di« Sprach« btt etter' tiagtfanbt, dt« (Kl Borsi»-at« nu einige• «m« pfrhl«ud«a Wort«» »atrr dt« Ln»ts«ud«» o«rr«üt. A«rn,r wir» et» .Lettsade« für d«n gram in. llnterricht" Mi ®r. I n 011«t tr: tte* fi«ht «orgetegt. fatMtfimbttt wird aber M: ״»,setztcht« d«r Jnd», *) Mm 22. mtd 28. »ng. 1898 z, (Min.