Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 43 (27.10.1893)
- Date
- 1893-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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auf diesem Gebiete die Autochtbonie und die bessere Beschlagen- Sit noch nicht streitig machen können. Aber e» wird in hohem rade die Aufgabe der Studierenden dieser Anstalt sein, die Iuden darüber aufzuvärm, «ob sie an dem Talmud besitzen. Im Grund« zwar könnten wir dies schon von unseren Gegner» lerne«. Die Bewohner einer Festung erfahr« häufig, welches die wichtigste ihrer Bastionen ist, erst durch die Beobachtung, auf welche der Feind seine Hauvtangriffe richtet. Danach sollten wir die Bedeutung des Talmud ermessen. Man stellt tbn gewöhnlich in Gegensatz zur Wissenschaft, in Wirklichkeit wurzelt er recht eigentsich in dem Boden der Wiffmschaft. Ich mein« damit nicht das umfangreich« Schriftwerk als solches, aber das Prinzip, da» ihm an Grunde liegt Da» Prinzip de- Talmud ist da» Prinziv der Wiffmschaft. das vorauSsetzungSlose Forschen, da» unbefangene Erkmnm. Dem Talmud imponiert gar nicht», nicht einmal der Himmel, ,nicht im Himmel ist die göttliche Wahrheit zn suchen', lautet sein Grundsatz, den wtt verwegen nennen mühteu, wenn ihm nicht — nach der talmudischen Sage, welche diesen Grundsatz aosstellt und verherrlicht — Sott selbst Beifall gezollt Hütte. Ohne den Talmud würe die hebräische Bibel auch für u»S, was sie für andere ist, da» alte Testament, d. h. eiu veraltete» und überwundene». Aber der Talmud hat dafür gesorgt, daß das alte Testament immer jurm, immer modern bleibt, er erhalt eS im ewigen Flusse, so daß keine Stagnatton te und verknöchere. eintritt, daß e» nicht verhärte und verknöchere. Bon ArchimedeS erzählt mau er Hab« . einen Punkt, auf dem ich stehen kann und ich dev Angeln heben.' Diesen Standpunkt nimmt äegenüber der Bibel ein. gesa! : »Sieb mir die Wett auS der Talmud Sin mutz, und da eS zi r Wbel, das sonst «1 n. Er bebt fie auS den Angeln wenn e» u Zeiten sei» mußte, um das Räderwerk . Wbel. das sonst eingerostet wäre, in Gang zu hatten, hat er er auch wtt klick gethan. Diese» Prinzip, diese Bastion sollten wtt uns entreißen lasten? Nimmermchr. Dtt Verleugnung des Talmud vou unserer Sette die heute so beliebt ist. die sich mit dem Faltenwurf der Zntellmmz dra- Viert, ist so dumm wie lächerlich. Sie gleicht der HandlunaSweise «ine» Matschen, der einen noch in der unscheinbaren Hülle eiugeschloffenen Diamant« für ein paar Gulden, wegaiebt, well er nicht weiß, was er verkauft, und der deshalb glaubt, rin guter Geschäft zu machen, während er fich beschwindeln läßt. Last« wtt uns durch das Geschrei unserer Gegner nichts weiß machen. Sie wist« ganz gut, was fie tonn, wenn fie un« da» alte Teftameitt, wie fie e» nmu«. concedier«, aber un» auffordern, dm Talmud aufzugeden. Denn da» wäre die ihn« erwünschtt Selbstanfgebmm, Ke Verknöcherung, die Erstarrung, der MaraSmuS, worin da» Judentum mit seiner Wbel zugleich untergehen mühte. Bewahr« wir un» vielmehr jene Elafticität und Geschmeidigkeit, Ke un» und unser« Glaub« ttsher erhalt« hat, und das kann nur durch Ke richtige Pflege de» Talmud geschehen, ich sage die richtige, welch« Ke Bastion, Ke uu» zur Verteidigung Ken« »oll, nicht mtt Geröll selbst verschüttet und dadurch wehr» lo» macht, sondern nach d« Prinzipiell der regulären Festung»- baukunst so wiederberstellt, daß fie uvserm Gegnern, aber auch un» selbst Eindruck zu mach« geeignet ist. Dar dritte Gebiet der jüdisch« Wissenschaft ist dtt jüdische Geschichte. Ueber Ke Bedeutung diese» Telle» unserer Wissenschaft brauche ich mich nicht weiter auSzulast«, da Sefchichtschreibuug und SeschichtSkenutui« beute allgemein Ke ihn« gebührend« Anerkennung finden. Dennoch mochte ich darauf aufmerksam machen, daß in demselb« Grade, als wir unsere Zsolierthett aufgeb«, auch die jüdisch« Geschichtsschreibung und GeschichtSdarstellung ihr« isoliert« Charakter verlast« muß. <$» müssen die maamgsachen Äeztthungm aufaedeckt werden, welche uns mtt unserer Umgebung verbinden, der Einfluß, d« wir auf andere auSgeübt oder vou ander« erfahr« Hab«, gegebene und empfang«« Impulse und Anregung«, von welch« Kr erster« mindest«» so zahlreich find als dtt letzter« — alle» die», gehörig nachgewiesen, wttd der jüKsch« Geichichte, dtt bisher für Ke nichnüdische Wett mtt der Geschichtt de» Volk* Israel abschloß, den ihr gebührenden Platz in der allgemein« Geschichte, wen» auch nicht in der Lölkergeschichte, so doch in der erobern. Nickst minder aber ist für unsere innere Entwickln»!! rin eifriges Studium der jüdisch« Geschichte vou Wichtigkeit. Da» Judentum ist eine historische Gestattung. E« btt nicht immer so auSgesehm, wtt e» heute auSfieht, und e» wird auch nicht immer so ausseh«. Gerade seine Veranderlichkrtt und Brränderung verbürg« seine Ewigkeit. Aber Ke Erkenntnis de» Judentum« al« einer historisch« Gestaltung wttd auch »« der weiter« Erkenntnis führ«, daß e» nicht nach dem Einfall« «tue» Einzeln« belttKg »«gemodelt wert»« darf» daß hier da» entschadende Wort nur zernner Hab« dtzfm, welche der voll« Verantwortlichkeit vor de« Forum der Geschichtt sich bewußt «ad fie zu übernehmen ttn Staad« find. __ ״ . Da» viert: GeKet der jüdischen Wiffmschaft nimmt dtt hebrätsche Spracheuudderstreiv der mtt ihr verwandt«Sprach« ein. Ohne Kenntnis derseldm ist «a» rechte Lerständni» der Bibel und der rabbiuisch« Schrift« unmöglich. Ueberdie» ist Ke hebräische Sprach« in der Hauptsache imsere Sebetsprache. und macht fie einen wichtige« Teil unsere« ReligionSuuterftchte» au». Je tiefer aber dtt hier »u bildenden Rabbiner und Lehrer ia den Geist und in dtt Schönheit der hebräischen Sprache eindringen, desto mchr wcrd« fie auch im Stande sein, ihr den ihr gebührenden Platz in unsere« Religionsunterrichte zu «hatten. Wem liegt mehr, al« uns Juden, Ke Erhaltung unserer heiligen Sprache ob r Die Zeit ist hoffentlich für immer vorüber, in welcher man dtt Pflege der hebräischen Grammatik für überflüssig oder gar unjüdisch ansah. Sie ist nicht mehr und nicht weniger überflüsfig, als Ke Keuatni» von dem Lau unsere« Leibe». d«n dtt Grammatik ist auch Anatomie und Ke Kenntnis von dem Bau unserer heilig« Sprach« muß uns heilig sein wie fie selbst, sonst ist fie eS un» selbst auch nicht.- Diese GeKete nebst anderen mehr accefforischeu, welche unser Lehrplan aufführt, wttd diese Anstatt zur Berwttnichung ihre» Ziett» nach dm Prinzipien der allgemein« Wiffmschaft zu bearbeitm haben, und wenn ich das Terrain bqeichnet habe, auf welchem unsere Anstatt zu bäum berufm ist, so darf ich auch hinzufügen, daß wtt so glüchlich gewesen find, Männer zu finden, dmm wtt diese heilige Aufgabe gettost auverttaum eönuen. In dem Rektor der Anstalt, Herrn Rabbiner nnd Profeffor Dr. Adolf Schwarz begrüßen wir eiu« Mann, der durch seine hervorragmdm Leiftungm auf dem GeKete der ralmuKschen Wiffmschaft. und auf ander« Gebieten, wie nicht minder durch seine langjährige rühmlich« Thätigkeit al« Rabbiner und nicht zuletzt durch semm bewährttu Lharatter und seine religiöse LeoenSführnng Ke Bürgschaft dafür bietet, daß er diese Anstatt zu gedeihlicher und segensreicher Entfaltung dringen werde. Er be» fitzt in seinem Lehrer Zacharia« Frankel gesegneten Angedmken», deffm vertrautest« Umgang er Jahre hmdurch genossen hat, ein Vorbild, welche» ihn über dm einzuschlageudm Weg niemals im Unklar« lassen wttd*). Einer nickt minder bewährt« Kraft erfteum wtt un» m Her« Profeffor Dr. David Hemrich Müller, einem hervorragenden Gelehrt« der hiefigm Univer» fität, deffm Kelfach grundlegende Arbeit« seitm» namhafter Orttntautzm dtt rühmlichste Anerkennung gefunden habm, der überKe» al» einstiger Hörer de« Breslauer Seminar» dtt Ver- Kndung mtt der Mischen Theologie und der« Lerttetem nie» mal» aufgegedm hat. Dm Geaanutm schließt fich in würdiger Weise Herr Profeffor Dr. Adolf BSchier an. der berett» auf erheblich« wiffenschaUiche Leiftungm Knweism kann, welch« un» berechtigen, noch größere vou seinem Fleiß« und seiner Tüchtigkett zu erhoffen. Diesem Lehrerkollegium, da» nach Bedarf durch bewährtt Kräfte ergänzt wer dm wttd, sei unsere Anstatt vertrauen»»»!! anheimgegeben. Sie ist keine Unirersitu literaram, sondern fie hat nur eine Ausgabe, Ke Erhaltung und Erhöhung unserer Religion durch Heraabildusg vou tüchtig« Rabblnem und Leh» rerv. Dies« eine Aufgabe bringt er naturgemäß mtt sich, daß der bei allem der Judtvidualttät zu überlaffmdm Spielraum, bei aller lluettmeschriukthett der Forschung uud Lehr«, durch Ke gemeinsam« Erkenntnis, daß e» fich hier um unsere Religion, um religiöse Bildung der Hörer durch religiöse BorbiL» lichkeit der Lehrer handelt, fich vou selbst emiebt. Möge e» in diesem Geiste unserer Auüalt geüuaen, Ke HoffnunL welche, die hohe Regierung uud Ke Judm Oesterreich« auf fie setzen, zu er- Men, damit fie iu der Reihe der Schwesteraastaltm. der« jüngste fie ist, nicht dtt letzte bleibe. Berichte Lorrespe«»enze« De»tfchU»d. Mwgtzelckrs. Ein jüdischer Renegat, Rainen» Hornstein, der bei der Londoner Bibelgesellschaft zur Bekehrung der Judm angestellt war, richtett an dm Oberrabbiner Dr. Adler in London eine» reumollrn Brief, iu welchem er dtt Wiederaufnahme in dm Schooß der jüdisch« Religion perlangtt; er erkennt seine Jrrtbümer an und schwürt dttsetbm ab. Er gimt in seine« Schreiben dtt verwtrflichm Mitttl der Gleich de» sel. Dttettor Frankel, »er zur Grösfnmm de« Vvts» lane'r Seminar« «ine «istmschaftuch« Arbeit: .Ueb« palMnisch« in» alexundrinisch« 6411(1*■*««"■»' derSffrntttchtt. Ist«chb0»-r. R»ü»r Dr. Schmar, am »»sstmugAnge Kr «iener Latzransta» *יזוו Kegen« «hawlnna pn «MwtÄmmKAchtchtt Kr Halacha:' -Dtt rantrovers« Kr Schmnmattr» nn» Hiittl«»' erschim,«». Dtt A«K de» Herr» «error« znr «rdffmm, Kr Anstatt theile» »tt t» einer »Lchfie» Nr. mV.