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Israelitische Wochenschrift · 1893-10-27 · 43 (27.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
43 (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ן:«*יו!־י*יר?* viww■*'•. — 836 — Hai, ehrlich zu handeln und auch dem Gegner »u refpekttren. Wir werden ihr zu keiner noblen Gefinnm^ verhelfen; ״wenn ich «in Lamm schentm will, lasse ich ,»durch keinen Wolf überbringen." 80 streiten sich denn die beiden Leute ״Ti enzboten" und ,^kreuUtg." um unsere Haur herum: letztere will nach unserer <«leguug den Erlös für dieselbe in Lhrmpagner umsetzen, erstere >n Pfeffer und Salz. Die .,liberalen" Grmz» boten wollen un« nämlich um jeden Preis in» Deutschtum vorstreuen und ihr ״liberale»" Herz ist um daS geeignete Mittel dazu nicht verlegen. Als Hinderniss,׳ unsere» Auf» gehen» im Deutschthume betrachtet sie den Akt der Beschneid un g und den Sabba th. Wenn der Staat die Ausübung dieser beide» Lerrmonien un» ein bi-chen ver« bieten würde, dann sind wir Deutschei Daß wir aber auch so dumm waren, auf diesen einfachen li iera len Au»- weg nicht schon früher zu verfallen und erst durch ein .liberale»' Gemüth darauf gestoßen werden musten! Run, r» wäre ja noch immer Zeit, ab<r ״alle» Gute muß ja mit Hindernissen rechnen." Dieser Borschlag saßt der edlen ״Sreuzzig." nicht. Aber warum denn nicht? Etwa weil er nicht von ihr sondern von ״liberaler" Seite auSgmg, oder weil sie Angst hat, die ״Srenzboten" könnten Recht haben und ihr allerschönster Prügelknabe würde ihr dadurch so unter der Hand weg eSramotirt? Nicht» von alledem. Rur au» humanen Gründen, denn, so behaupt, st sie salbung«- voll, da» wäre ja ein Gewissenszwang siegen die semitische Minderheit, und zu einem solchen kann sich die ,^kreuzztg." nicht hergeben. Die ״Kreuzztg." als Fahnen- Trägerrn der Gewissensfreiheit! Wer lacht da? Diesen Genuß aruß mau ohne Einschränkung durch einen Eommen» tar auskosten. Güdemanrr'- Nede z«r Eröffnung der iSr-theologifche« Lehranstalt in Wie«*) «« 15. Ort-tzer 1898. Geehrte Versammlung l Da» Luratorium der israelitischtheologischen Lehranstalt hat mich mit der Ausgabe betraut, diese Anstatt mit einer Ansprache zu eröffnen. Leider muh mein erste» Wort da» schmerzlichen Bedauern« darüber sein, daß der Präsident de» Luratoriun», Herr Baron Mortv. AonigSwakler, durch Krankheit absiehauen iß. an der heutigen Feier teilzunehmen und flr durch sstu Wort zu erhöhen. Da» Luratorium hat au» diesem betrübenden Anlässe die Eröffnung der Anstatt in aller Stille vollziehai zu sollen geglaubt und deshalb von Einladungen abgesehen. Möge Gott dem hochverdienten Manne baldige Genesung schenken, damit er wie bisher diese Anstatt durch seinen Eifer und seinen Einfluß fördern könne. An dem redlichen Willen dazu wird e» ihm gewif niemals fehlen. Mein z w ei t e» Wort ist pflichtgemäß da» lnbr!lnstigenDanke», den wir vor allem Sott, der un» diesen freudigen Augenblick de» Anbeginne» eine» segensreichen Werke» bat erleben lassen, dann Sr. Majestät, unser em ehrfurchtsvoll geliebten Kaiser und seiner Äung für die tillerauädigft gewährte jährltihe Subventton, aber den edlen Micenen schulden, die in ihrer bekannten, treuen Anhänglichkeit an da» Judentum und in « ollem Berstäudoi« der Bedeutung, welche die Pflege der jüdisäm! Wiffenschast für die Erhaltung unserer Nrlmion besitzt, durch eine rühmen»- werthe Ovfecwilltgkeit die Errichtung dieser Anstatt erst ermöglicht und ihren Bestand gesichert haben. Möge ihnen der Segen Gottes zu Theil werden und die Freude, nurch ihr schöne» Beispiel zahlreiche Wohtthäter dieser Anstalt zu er» ecken. *) Et war am 10. Lngnst 1854, alt bat Brett, mec Seminnr mit IS HSrera, unter denen sich auch der Vtb. » Bl. 5 fand, mit einer Rede bet zum Direktor der Lutz alt berufenen Dresdener Oberrabdtnert Dr. Zacharias!träntet s. L. ersffnet wurde. Einem sei»« besten und wnemgtzen Schüler, dem Oberraddtner Dr. Güdeuu un, wurde nun bk wohlverdient« Ehr« zuteil, bi, wiener ttr^cheol Lest!anstatt zu eröffne». Dort war et «i» Oesterreicher — Krnntel »ar «in geborruer Penner — »er die «ntternntzalt tu Deutschland in-ignrteire, hier ist et ei» Norddeutsch« — GSdeuwu» ist tu Httdetheo» geboren — der die Locht«ran statt in »er Haupttaüt Oesterreich« mtt einer Peogmmmred« «rtffuetl ISSge di« L«Ka!It alt Pflanzstätte de! jüdischen Stffenschaft blühen »nd ^deitzr« znm Segen de» Indem«,»! Mein dritte» Wort, da» der Begrüßurg, gilt Ihnen, meine Herren Stubtrende»! Sie können den Gründern dieser Anstutt den schuldigen Dank auf keine beffere Art »btrageu, al» dadurch daß Sie sich bestreben, da«, wa» diese Anstalt für da» Indem: m im Allgemeinen, wie insbesondere in unserem Baterlande bedeuttt, zu erkennen und die gewonnene Erkenntnis zunächst al» Schüler durch Ihren Fleiß uud Ihre fittlich-reliaiüse Lebensführung, nie künftighin al« Rabbiner und Lehrer durch Ihr Wirken zu bethatig» n. Es sind nahezu 40 Jahre, da war ich gleich Ihnen «in Schiller und als solcher bei der Eröffnung de» südisch-theologischen Seminar» in Bre»lau zugegen, die sich gerade so füll und einfach vollzog wie unsere heutig« Feier. Freilich au« einem anderen Grunde. Da» Breslauer Seminar war ein erster Brrsuch, der naturgemäß nicht ander» al« in aller Bescheidenhcit unternommen werden konnte. Aber dieser Versuch har stch in Bre»laucr Seminar«, insofern Schüler de» letzteren an ihnen wirken oder insofern ste durch seine Anregung entstanden -und nach seinem Borbilde eingerichtet find. Wenn tch Ihnen nun vsir wenigen Worten den Zustand schildere, in welchem die jüdische Wiffenschast vor der Gründung de« Breslauer Seminar« sich befand und welchen ste seitdem behauptet, so habe ich Ihnen da» mit zugleich den Weg gezeigt, auf welchem diese Anstatt ibre Siedeutung zu verwirklich«« und stch segensreich zu erweisen haben wird. E« wäre ungerecht, die in der neueren Zeit erfolgte Wiederbelebung der jüdischen Wiffenschast von der Gründung de« Br :«- lauer Seminar« zu dattren. Die wenigen, aber glänzenden Koryphäen, denen wir diese Wiederbelebung verdanken, waicn bereit« in den Zwarniger- und Dreißiger-Jahren aufgetreten, rote Krochma l. Z u nz, Stav ovort, Samuel David Luzzatto und Andere. Sie knüpften an die Spanier und Italiener an und Übertrugen die Principien allgemeiner Wiffenschast auf da« Judentum, welche« seine wahre Gestalt und Größe begreiflicherweise nur dadurch vor der Welt manifestiren kann, daß e« der allgemeinen Wiffenschast stch etngeordnet uud von diesem erhöhten Gesichtspunkte au» dargeftellt, geprüft und geivürdigt wird. Ader jene Männer besitzen doch nur die zwar singuläre, aber immerhin beschränkte Bedeutung von Pfadfindern. Sie gingen einsam ihren Weg, ohne eine Arbnkerschaar um stch zu versammeln, welche da» gewiesene neuentdeckte Gebiet hätten erhalten nnd erweitern können» oder mit andern Worten: E« war ihnen nicht beschieden. Schule zu machen. Diese Aufgabe löste unter den günstigsten Umständen und in der glücklichsten Weise Zacharias Frankel, selige» Sndenken«, mein hochverehrte Lehrer, selbst ein Pfadfinder, dem e« aber auch vergönnt war, yihlreiche Schüler auizubilden. Arbeiter, welche an dem Ausbau der jüdischen Wiffenschast nach seinem Borvilde sowie nach dem seiner Lollraen und Nochfolger thärig sind. Die jüdische Wissenschaft! Worin besteht sie und welche Gebiete umfaßt sie? Ich nenne selbstverständlich an erster Stelle unsere hettigste Grundschrist, die Bibel. Die wtffenschastliche Exegese. welche unter den Arabern. Spaniern, Franzosen und Jalienern durch glänzende Namen scrtteten ist, hat seit den letzten Jahrhuni «sten unter un» wenig Pflege gefunden. Ob deshalb wir, deneu die hebräische Bibel hnlig ist. um sie zu verstehen, bei andem in die Sckmle geben müssen. für die sie blo« ein antiquarische« Jnt«reffe besitzt? Ich glaube nicht, daß wir un« in dieser Nolhlag: definden. Wir haben doch durch!ahrtansendelange Vererbung sene .wtffenschastliche Empfindung", wie der Philosoph Speufip, e« nannte, oder jenen רייז תיייז, jenen »Geruch für die Thora", «sie unsere Weisen e« nennen, erworben, welcher »rn Zutritt zu dem Seist und in da« Wesen der Bibel in hohem Grade begünstigt. Wenn heute in Pompeji ooer an anderen berühmten Stätten de« AtterthumS, die man aufzudecken sich bemüht, ein lebendiger Bauer jene« Zettatter« mtt auSgegraben würd« io würde r ohne Zweifel selbst dem gelehrtesten Philologen Manche« zu sagen haben, woran dieser in seiner Studirftube niemals gedachi hat. Und «vir Juden find doch wohl etwa« mehr, als ein solcher ypothettscter, lebendig begrabener und wiederauferstaichener Lauerl kommt nur darauf an, daß wir die Tradttiim der motzen L^eoeteu de« Mttelatterk ausnehmen, um die iüische Gregele wieder auf die Höh« zn bringen, oie darum nicht minder al« wtffenschastliche Höhe wird bezeichnet werden können, u«U die Exegese eine genuine, eine jüdische ist. L« ist ein Paradoxon und ds»halb unmöglich. daß wir die Vibel durch diejenigen »ergeborenen habe« e» auch ohne thu und wahrscheinlich beffw al« er gekannt. Wtt sind aber Autochthoaeu auf dem Gebote der Bibel, da» »aste Kolk der Schrift, und wtt brauchen nu: ernstlich zu wollen, so «oird mau un» auch dafür anerkennen. An zvetter Stelle neune ich den Tal«ud. Wa« du Talmud ist, den heute plötzlich so viele Nichtjuden zo kennen virgebru, wiffen leider nicht einmal viele Juden- Gleichwohl hat «au un»

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