Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 43 (27.10.1893)
- Date
- 1893-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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selbst in dieser bö^en Zeit nehmen die Juden in Deutschland jüdisch-nationale Hoffnungen nicht ernst, sie spotten darüber, und dem armen russischen Juden, der in Unbildung dahinlebt, find diese Distinktionen ganz fremd; ei« Rusie ist chm gleichbedeutend mit einem Menschen, der ihn quält und plagt, den, da» Recht eia leerer Schall und der Klang der Gelder Recht ist; darum sühlt er sich nicht als Rusien. Dir haben nie die Gefahr des Antisemitismus unter schätzt; eS ist un» oft vorgeworfen worden, daß wir die Sache zu ernst nehmen. Aber dazu liegt keine Veranlassung für uns vor. am Vaterland zu verzweifeln und aus Berzweiflung in national-jüdische Delirien zu gerathen. Selbstverständlich kann ein junger Wiener Auwr nicht vom Antisemitismus reden, ohne von Heine die Redensart *ü citieren: ״Das Judeuthum ist ein Unglück." Herr Kohn beginnt sogar mit diesen Litai. Diesen Satz Heine zuzuschreiben ist auch eine von de« Dummheiten, die, wie e» scheint, gar nicht aursterbeu. Heine legt diese schnoddrige Redensart dem Hirsch Hyacinth in den Mund und eS ist Heine nicht eingefallen, sich mit der Persönlichkeit und den Ansichten Hirsch'S zu identificiren. Wenn Herr D- Jacob Kohn an der Spitz« seiner Getreuen nach Palästina auSwandert, uns!«««י» recht sein. B. R. Die ״Kreuzzeituirg" a«f der Höhe. Bo» Dr. Singer»Loblenz. Die »Kreuzzeitung" scheint bereit» in da» Betschwestern- Alter getreten zu sein; sie als Bertheidigerin der GewtssenSfreiheit gastiren zu sehen, das ist ein zu köfüicher Anblick, als daß ich mir ihn allein gönnen sollte. Dazu waren aber auch einige Vorbereitungen nötig, die sorgfältig präparirt werden mutzten, deren vornehmlichste das Kunststückchen war, die ,Grenzboten" zu einem liberalen Blatte zu stempeln, dessen Bekämpfung zu den erhabensten Pstichten der lieben Alten gehört. Wie konnten aber auch die ״Grenzboten" sich einfallen lasten, den Hintermännern der ,^kreuzzeitung" ihr Prestige zu rauben, die Nährväter de» AnnsemiliSuiuS aller Schattierungen zu sein wld diese Rolle Eugen Dühri ng zuzuschreibe«, besten Namen vor seinem Ableb«! nennen zu hören, kern ernster Mensch mehr gefaßt war? Man höre und staune: einem Eugen Dühring, der mit seinem blinden Judenhass« eine fanatische Feindschaft gegen das Christenthum verbindet und der nichts licht als sich selbst — und damit ein solcher Mann die Lorbeeren einheimse, mußte der amerikamüde fromme Stöcker den Schmutz vergangener Jahrhunderte aufwühleu?. Diese Kränkung ihre» ohnedies schwergeprüften Lieblingdurfte die,^reuzzettuug" nicht dulden und darum mußte» die ״Grenzboten" liberal gemacht werden; geschieht ihr schon recht. Trotzdem aber verläugnet die ,^treuzzettung" ihre Großmach nicht, sie kümmert sich nicht darum, daß Dühring Lejsing beschimpft, sie läßt das eben auf sich beruhen, wohl aber geräch sie in Harnisch, weil ihre Gegnerin die Be» strebungen nach Sondergesetzen für die Juden als sittlich unberechtigt und — wa» wohl die Hauptsache ist — praktisch bedeutungslos hingestellt. Selbst die Socialdemotraten mästen sich mm die unliebsame Ehre gefallen lasten, daß ihr ״Martyrrum" während der Ausnahmegesetze als uuverdient anerkannt wird - etwa» spät allerdings —, eia Kriterium, welche» dcu Ausnahmegesetzen gegen die Juden abzusprechen sei, kenn, also Philosophie duselt die ,Freuzztg." Wetter: Di« Gegenwart ist feige im Vergleiche zum kraftftrotzntdeu Mittelalter, welcher nicht aus religiösem Fm»- tiSntut, sondern im Bedürfnis nach sozialer Abwehr die ׳' Juden spießte, räderte, verbrannte und ertränkte. WaS wil?S dagegen sage», daß die schale Gegenwart die Aufhebung der Judvnaamlpatio« dringend begchrt, wa» ja auch nur eine soziale Abroehr und noch dazu eine verdiente ist und durchaus nickst al» Martyrium anzusehen wäre, well diese Aufhebung nur eine negative Wirkung ansüben würde. ES ist ja geradezu lächerlich, den Juden deshalb einen Märtyrer zu nennen, weil er nicht zum ״Richter" gemacht wird »so unangenehm er die Zurücksetzung persönlich auch empfindet!" Wenn ein unbefangener Lanadier diese Ausführungen liest, würde er den anspruchslosen Juden gewiß den Vorwurf machen, weil sie sich nicht damit begnügen, chre intelligenten Jünglinge, Oberlehrer, RegieruugSräthe, Offiziere — wozu übrigen» keine überwältigerche Zchtelligenz gehört — und tausenderlei Anderes werden zu lassen, welch« Möglichkeil die ״Kreuzztg." ihnen nicht nehmen will; müfien sie denn gerade Richter werden? Die Perfidi« und Heuchelei der ,Kreuzztg."!besteht eben nicht immer in dem, wa» sie sagt, sondern mehr noch in dem, was sie verschweigt. Sie »erschweigt, daß nach ihrem Herzenswünschen der christliche Staat den Juden wiederum besondere Gesetze geben müßte, ihre religiöse Vorschrift zu übertreten, welche ihnen das Wuchern verbietet. Sie verschweigt, daß sie die Juden damit zum Abscheu der Böller niachen will, um dem neuen Stoff zu neuen Beschimpfungen zu haben; sie verschweigt, daß ihr die Juden zur Pumpstation der Offiziere gerade gut genug wären, um die Folgen von deren jugendlichen Leichtsinn wiederum Jenen aufbürden zu können.*) Sie verschweigt, daß sie die Vaterlandsliebe un» au» dem Herzen reißen will, daß ihr Verlangen dahin geht, daß die Juden, welche — damals gänzlich freiwillig, da sie noch keinerlei staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten besaßen — die Aehter der Männer nach dem Herzen der ,Sreuzztg.", die Jena und Aueistädt verschuldeten, mtt ihrem Blute gutzumachen halfen, indeiu sie Gut und Leben für Wiederaufrichtung des deutschen Reiches zu« Opfer brachten, daß die Juden allein um die Früchte ihrer Hingabe und Opferfreudigkeit betrogen wurden. Die Judeu spielen sich überall mtt Vorliebe als ״Patrioten" auf; da» gefällt der ,Kreuzztg." nicht, denn da« verdirbt ihr ja ihr Concept, welche» von der politisch-internationalen Zusammengehörigkeit der Juden faselt. Anderen Menschen wird der Patriotismus zum Vorzug angerechaet — die Jüdin aber, totschlagen dürfen sie sich von dem Feinde lassen, in dessen Reihen auch Mische Gegner auf ihre Herzen zielen, aber der Patriotismus gebührt nur den Leuten, welche äußerlich davon triefen, denen aber i« Grunde nichts heilig ist, als ihre eigenen feudalen Jntereffeu und selbst ״der König absolut, wenn er unfern Willen chut!" Daß die Judeu jedoch, die in Wien ״deutsch" find, in Böhmen sich al» ״tschechisch" gebehrden, — da» ist eine Unterstellung, für die e» keinen anständigen sogar uuparlamentarischen Ausdruck giebt, denn Jedermann weiß, daß die Juden in Böhmen deshalb Verfolgungen auSgesetzt find, »eil sie des DeutschthumS ״verdächtigt" werde», dieselben Juden, welche in Deutschland ״Fremde genannt werden. Der Jude wird eben zum Zeitvertreib überall verbrannt. Warum echauffieren wir un» aber über diese zur Genüge bekannte Taktik der ,^kreuzztg", welche eine» solche« galvanischen Strome» bedarf, um ihren langweiligen Spalten einiges Leben einzablasen und die schon längst vergessen *) VI de bt» gtofe* Spielanb am natürlich tretz der viele» hebet b jomr, wieder »nüsenüsch frliktipzire» ei» SptegelbSd der Ditrenlestgkrtt i» de» »erfähTt. — Uepptge» Lebe», Schulde», i» He»»»»er, dr» Arier »ttt de» adlige» hrend er i» •ruhe t» der ״Ödere» Zeh»- . »ichsel, SpiM-