Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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lektion. Herr Frank hatte i« der letzte» Basammlong über da» Thema: .Der Unterricht in der hebr. Grammatik in der israel. ReligiovSschule' gesprochen und dabei 3 Thesen ausgestellt, welche Kr zu wettgebend befunden wurden und deshalb in folgender Faffuna zur Annahme gelangten: 1. Der Unterricht in der hebr. «rannnatik ist nnerläßliche Bedingung des Religionsunterrichtes. L SorrekteL Men soll mit der l. Unterricht» stufe beginnen. 3. Dem Grammatik-Unterrichte muß bei Anfärwrrn 1 Stunde—) und bei schon geübteren Schülern •/! Stund« wöchimllich gewidmet werden. Die begabtesten Schüler und SMIerinnen müssen e» bis zur Conjugation der unregelmüßigen »erben iucl. bringen, während Kinder vom schweren Begriffhiervon au^uschlietzen find. Die heutige Lehrprobe, in der Alles vom Anschauung»!««- terrichte auSgrng. wmde von allen Mitgliedern als eine Musterhaste anerkannt und dem Referenten allseitig« Dank hierfür gezollt. Zum 3. Punkt der Tagesordnung: ,Anschluß an andere Lehr ervereine' berichtete der 1. Lorfitzende. daß er seither mit den Lorst^rden verschiedener jüdischer Lebrervereiae, deren letzte Bersammlungen er besucht hatte, betreffs Gründung eiueS LehrerbnndrS. der alle jüd. Lehrervereiue Deutschlands umfaffe, Mckspräche genommen habe: doch sei dies bisher nur für seine Person geschehen, da er vom Vereine hierzu nicht ermächtigt gewesen wäre. Die ganze Versammlung begrüßte lebhaft daS Zustandekommen eines solchen Vorhabens und beauftragte den Vorstand, an der Gründung dieses Vereines regen Anteil zu nehmen. Nach Beendigung der Saffenrevinon, nach welcher dem bi»- heriaen Kaffirer. Herrn Stadtverorueten Leopold Sternberg »u Limburg Entlastung erteilt und st« besondere Dank für seine Bemühungen ausgesprochen wurde, schritt man zm Vorstandswähl. Der bisherige Borstand wurde einstimmig wiedergewählt. 2m Namen desselben dantte Herr Lomnitz für diese» Vertrauen. Für die nächste Konferenz, die für Pfingsten 139t in Diez t-^gesetzt wurde, übernahm Herr Dr. Landau WeUburg einen Lorttag über das Thema: ,Der Unterricht in der Relig^Schule nach dem Grundsätze de« kleinsten SraftmaßeS. ,Und Lehrer Frank aus Idstein eine Lehrprobe in der bilrl. Geschichte nach Herdarl'schec Methode. Nachdem man fich gegenseitig über die Frage: .Was kännen wir zu unserer pekwnSrea Besserstellung thun?' ausgesprochen und Herr Dr. Landau die Mtglieder gebeten hatte, eine Stelle nicht eher zu oalassen, bis ein Nachfolger ernannt sei, damit der Religionsunterricht keine Unterbrechung erleide, schloß Herr Lomnitz die Konferenz, die des Anregenden und Interessanten viel geboten, mit einer Einladung zum recht zahlreichen Besuch der nächsten. L. Fröhlich, Schriftführer. vefterrrtch»U«>ar«. 14. Oktober. Der Gesetzentwurf über die Receptton der Juden wurde vom UnterrichtSauSschuffe des AbgeordnetenhauseS. welcher mtt der Vorberatung dieier Vorlage be- .!raut wurde in seiner heute Abends abgejjaltenen Sitzung mit großer Majorität zur Grundlage der Special-Debatte angenommen. Im Lame der zweitägigen Debatte haben fich die Bertteter aller Parteien d«S Hauses mit der größten Wärme für die Annahme des Gesetzentwurfes ausgesprochen und denselben als sie eigentliche Vollendung der schon im Jahre 1868 gesetzlich hurchgesührten Emancipatton der Juden bezeichnet- Nur zwei Mitglieder des Ausschusses, welche katholische Geistliche find, verhietten fich ablehnend gegen den Entwurf, aber keineswegs, um den Juden di» Receptton oorzuenthaften, welch« auch von diesen pnesterlichen Verttetern als eine Nothwendigkeit und als ein Act der Gerechttgkett bezeichnet wmde, sondern well in dem Entwürfe zugleich die Reciprocität zwischen allen Confesfionen normirt und der Ueberiritt vom Ehristeuthum zum Judemhum gestattet wftd. Selbst in den Bemerkungen jener Abgeordneten also, welche fich Katt ihrer Stellung in der katholischen Kftche gegen das״ Gesetz erklären mußten, war keine Spur von antifemitischen Tendenzen zn entdecken, vielmehr stellten auch sie sich auf den Skandpunk der vollen Gleichberechtigung für die Juden. Die von einem Mitglied« der UuabhängigkeuSpartei gestellte Forderung. daß die Juden verhalten werden, v o r der Receptioo die Dogmen?mes Glaubens zu unterbreiten, wie dies seinerzeit von den Protestauten verlangt wurde, hat der Ausschuß nach dem Hinweise des EultuSministerS abgelehnt, daß die Juden seit vielen Jahrhunderten im Land« leben, mtt der Regierung als Korporation verkhren und man durch diese Forderung nur an oe» Tag legen würde, daß mau bisher eigentüch nicht gewußt habe, mit wem man verkehrt habe, lleberhaupt trat Kultusminister **) Wir hatten et« ganze Stund« für hedr. Grammatik bei de» LnjLngrrn für eine unuSthige Belastung, ja ein« des,»dere GrammaNkstnnd« überhaupt nicht für angemessen. Gramm«littutterricht ist in der ReUgionsschuI« a«r in engürr Verbindung mtt der Uebersetzung»- stund« zu erthellen, mtt mtt dies in unsrrer l'aüll» kanarn I and ll xratttsch durchgeführt habe». (tied.) Graf G s a k y allen Einwendungen in edier sehr wann empfus^ denen Red«, entgegen, welche vom Uu»schnß« am lebhafte« Betfall« begleitet wurde. Der Minister führte den Nachweis, daß die Rece-tioa nur die »esetzllcheSanction.de» thatsächlich bereit» tz. ־ falle begleitet wurde, die Rece-tioa nur die 'eit vielen Jahren bei ch um eine gesetzliche , in Geltung stehe und mit . könne. Da Minister fteMe Zustandes dedätte. ES handle . welche baetttz in ganz Emopa Ungarn unmöglich »uruckdleidai conkattreu zu können, daß aeaen den Grundgedanken de» Gesetze» überhaupt kitte Einwendung erhoben wurde. Die weitaen Ausführungen de» Minist«» waren da Entkräftigung da sonst vorgebrachten Einwendungen gewidmet. gtetoüwfc, 16. Octob« Der Unterricht »auSschuß de» Abgeordnetenhauses nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Receptton der i»rael irischen Religion, auch in den Detailbestimmungen an. Da 8 2 wmde in folgender Fassung angenommen: »Die Geltung da in den 88 1 bi» 8 und 14 de» Sesetzarttkels 58 vom Jahre 1868 enthaltenen Bestimmungen wftd auf den Uebertritt vom israelitische!» zum christlichen Glauben oder umgekehrt vom christlicheftHlauben zur jüdischen Religion auSardehut'. In dem dem Hause vorznlegenden Berichk veschloß da Ausschluß, dieAufmerftamkeft der Regierung darauf zu lenken, daß es mtt Rückstcht auf dft maffenhaste Ein«anderung aus dem AuSlande auch imZutaeffe derJSrae- Illen wünschenswert wäre, deß da» HeimatSgesetz strenge durchgeführt waden soll od«, weon dies nicht gelingen sollte, eventuell entsprechende legiSlattve Verfügungen gettoffen waden. ViiiMtKn. G«R». 14. Oktober. DaAntisemitiSmu« hat in Bulgarien keinen Boden. Zwar hat es nicht an Anläufen dazu gefehlt, und namentlich die hiefigeu Pseudo-Sozialisten stehen im Verdachte, daß sie. die gar keinen Anhang und keine Möglichkell haben, auf die Menge cinzuwirken, es gan untanehmen möchten, auf dem Umwege üba den AnliscmittSmuS dazu zu gelangen. Bisher ab« konnte man sagen, daß es in Bulganen absolut keine »rofesfionSmäßigen Antisemiten giebl und dies dürfte noch lange so sein. ES ist eben lächalich, einem Volk AillisenutsmuS zu predigen, welche« an den hia ansäsfigrn Juden find Handwerker: Schneid«, Schuft«, Schreiner, Ackabau«, Lastträger, letzteres sogar in havoaagendem Maße, am allerwenigsten ab« Kaufleute, denn der ganze Kleinhandel liegt in den Händen von Griechen, llnra hundat dieser LeMe findet man kaum Einen, dessen Einkommen da» Badienst eines besseren Arbeit«» kversteigt, dennoch bleiben fie ehrlich und geben vollends den Gerichten nichts zu schaffen. Me Bulgaren wissen denn auch die Tugenden dies« ruhigen, arbeitsamen LevSlkauug zu schützen und wurden wahrscheinlich Aposteln de» Anttsemitismu», fall» diese gegen die sog. spanischem Juden, die ab« ganzBulgarien vabreitete find, austreftn wollten, stark heimleuchte«. Nicht so günstig denken die Bulgaren von den eingewandaten ftemden Inden und dies nicht mit Unrecht. Me Abneigung indeß, io weit ste besteht, richtet fich nicht gegen die Lonfrsfioo od« die Raffe, sondern gegen den ftemden Ausbeuter, al» welchen da Bulgare jeden Fremden betrachtet. Er haßt den Griechen lZinzaren) noch viel mehr, der doch wie er orthodox ist. Da» D aber nur da natürliche Neid de« Schwächeren gegen den Stärkeren: es ist übadieS nur individuell und keineswegs eine polllische Erscheinung. Me Regierung hat fich klar und unzweideutig gegen den AnttsemttiSmuS ausgesprochen und damll stimmt auch ihre Haltung gegenüber da Raualmord-Affafte oon Bratza, wo fie die dortigen Juden auf das Nachdrücklichste gegen dft ÄuSschrettuuge» de» durch das Blunuärchen ftrcgeleüete» Pöbel» schütz«, wie man ja auch sämmtliche Angeklagte während da ganzen Untersuchung», zeit in Freihat beließ. Da Prozeß, da anderwärts zu einem sensattouellen ausgebauscht worden wäre, valief in Rayova. wo er sich abspiette, fast intaeflelos. da e» offenftiodtge« Bestreben all« Nttwirkeuden Faktoren war, die Srundlofigkett de» Märchen» und dft Unschuld da Angeklagten zu beweisen. Um kanca Zweifel darüb« bestehen zu lassen, wie dft maßgebenden Kreise üb« den AnttsemttiSmuS deuten, bringt da» R«ftruagSblatt ,Swoboda' heute eine Glosse üb« da» eben erschienene «ste Heft d« .antisemitisch-coSmopolitische»' (II) periodischen Muckschrist .Bulgarien den Bulgaren', in welch« an fich selbst al» ungebilda bezeichnend« Abenteuer« da« tollste Zeug an» dekannten antisemitischen Schriften zusammenträgt. Da» Blatt sagt: »Di« Motiv« dieser B«rdffrallich1«gea fiud doch mrr, dft den Inden einige« Geld adzupreffe» durch »ft Drohnng, daß «an ttn «oste »in» anllsewttische Strvwnng »eid retten »erd«, «nch sonst Hobe« fich »erarntte Lerne gefunden, welch« z» diese« Mittel griffe» - nüwttch jndenfeindltche Bücher auSzngeve» nnd dann von den Inden Geld zn »erlange». Da« ist ein , o«hr «, h, fie« Bachen, llnavhtngt, Ltwon, fühlen «ft uu, ,«zwangen zu wiederhole», daß e» »ich t t« Jluereffe de« soziale» Frieden« »egt, wen» -egen eine «,IttnUlII' t