Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gewählt und nicht zum Militär auSgehoven werden sollten. Würde wohl der jetzige Kais» ein derartige« SabinctSlchr^iben publizieren? In Oesterreich hat bis 1848 noch da» Ghetto bestanden: im Jahre 1869 waren noch Beschränkungen in Bezug auf Grundbesitz in Kraft: wie ließe sich erwarten, baß diese KeminiSceazen ganz und gor aus dem BolkSgeiste gesckmnden sein sollen? Deswegen aber zu behaupten, daß die Lage der Juden gar keine Besserung aufweise. wäre falsch. Schließlich bleibt noch Amerika. Man kan» wohl die Snz ׳ bl der Juden hier zu Lande auf eme Million vrranschlaaen. Das gäbe bis zum Ende de» Jahr- Hunderts ‘250,006 Wähler, das ist ein Faktor, mit dem alle politischen Pa.teien rechnen werden. Schließlich, welch' veredelnder Gedanke liegt in der Nationalität? Wir find doch Menschen und keine Rennpferde oder Zuchtstiere, daß wir eine Rasse bilden sollten. Das Judentum ist auch haue keine rein« Rane. Wir haben Griechen. Römer und Tartaren unter un» ausgenommen: dar Buch Esther rühmt die große Anzahl der Broselyten und umgekehrt betrachten wir die aus dem Judentum AuSgetrelenen nicht als zu uns gehörig. Ich meine durchaus nicht, den Nationalirätsschwarmern Lerstand und ehrliche Ueberzeugung abzusprechen, aber meine Wege sind nicht ihre Lege. Ich halte es mit Abraham, der seine kanaanmschen Sklaven in den BolkSbund aufnabm, mit Moses, der den verschiedenen Stämmen gestattete, sich den 3»raeliten anzuschließen, mit dem Propheten Jeremia, der zur unter- Weisung unter die babylonische Oberhoheit riech, mit R. Jochanan den Saktai. der dem römischen Kaiser huldigte, ehe noch Jerusalem zerstört war, mit Jehuda Ha-Levi. der trotz seiner Schwärmerei für Zion in dem Uebenritt der tartarischen Lhazare» einen Triumph d«S Judentum» erblickte. Ich glaube mit dem Talmud, »daß Gott Israel eine Wohlthat erwteien hat, als er er unter die Volker zernreute.“ Ich glaube an die Zeit, wo sich die Weissagung Jesaias «stillen wird (IS, 25): »An jenem Tage wird Israel sem der dritte im Bund« mit Egypten und Asturien, ein Segen mitten 1m Lande.“ Ber.chte und ILorrespouvettzen. Deutichlaud. Magvebur«, 15. Oktbr. sOr^Lor.) Vom Rhein wird uns geschrieben: Eines unserer jüd. »Lentralorgane“ beansprucht« a la Lord Byron das Recht »da, wo so viele Krähen ungestraft ihr heisere« Lied krächzen“ — auch nnizukrächzen und find ihm dafür auch tüchtig die Federn gerupft worden. In einer ältern Erzählung läßt der Berichterstatter einen Mann de» tiefen AuSsvruch khun: ^Zch möchte auch mitlachen, wenn der Narr nicht mein wäre!“ So ist uns selbst dir Schadenftrude über das verunglückte famose Unternehmen, durch einen .Boykott“ eigener Art Abonnenten zu angeln, gründlich verdorben, eS bleibt uns dennoch nicht» anders übrig als uaschuldiaerweise mitzutrauern, denn der von solcher Sette angerichtete Schaden verschont ja, Gott sei» geklagt, Keinen von uns. Ter Galgenhumor bei der «ache ist, daß unter den Blättern, welch« zum Bekenntnis der Vhilosemiterei eingeladeu wurden, auch verschiedene antisemitische Käseblättchen schärfster Tonart sich befand«!, welch« umstand den Gedanken nah« legt, daß die orthodozen Leithammel, welch« sich der uneingeschränften Achtungd« -Kreuzzeitung“ «freuen,auch nicht ganznnsehlbar find. Jedenfalls stimmt das ungeschickte BÄalten des »CentralorganS“ nicht mit dem Segen Gotte» an Abraham» Nachkommen m unserm Wocheaabschmtt, daß sie suchen sollte«. Andern ein Segen zu wrrden: die Auttsemueu find doch gewissermaßen auch un!«e Rebenmenschen und wenn man ihnen keine direkten Segnung -»fließen lasten will, laste man e» sein. Ab« mit Ge- HSsstgkeit chnen gegenüb« Reklame machen wollen, ist unjüdstch: wenn man von gewiß« Sette Lust hat, sich zu blaniren, ist!a andnweitig GelegenK<tt genug dazu geboten — Ein and«es gleichzeitiges Ereignis hat unverkeuunare Aehnlichkeü mü dem vorhin Erzählten. Dort handelte e« sich um RÄaktionS-F e d r r u. hi« um B p r fhrn und die Weltgeschichte wttd einst zu berichlm haben von dem Kampfe d« jüdischen Schweinebörstl« gegen die antisemitischen Kunstgenüssen. llns«e anttskminsche» Racenseinde können aus diesem Verrath des GeschäftSaeheimniffeS, dar einen Umsatz von ca. 2b Millionen Mk. lährlich wohlthattg oerschleuerte, ersehen, daß e» uos«en ortbodoren Glaubensbrüdekn gar nicht ernst ist mit einer event. definmven Reise nach Palästina, weda im kommenden Jahre «och überhaick b« chren Leüzeüen. Wie sollten sie im heil. Land«, wo die Schweinezucht zum verbotenen Luru» gehört, die Menge Borsten berbekommen, die nötig ist. um den tttterrfsanlen Martt zu beherrschen? Und gar zu ttagisch ist d« drohende EzodnS au» dem schon lange nick mehr gemüthlicheu Sachsenlaude, da» durch das Schäck-L«bot dir Schweineakne« z» hebe» gedachte, anch nick zu nehmen, denn wo könnten e» die Borsten- Händler bester oorsinden? ־ .׳ Doch Sch«z bei Seit«, die Sach« ist zu ernst und ich 1 . um alle Borsten d« Welt nicht die Verantwortung auf mich den, der Ratgeber bei ein» solchen jämmerlichen Schtldbürgeret gewesen zu sein. Linen greifbaren Erfolg haben ste bereit• erreicht, den, baß eia sächsische» Regierungsorgan ganz dreist und gotteSfürchtig in« antifeminsck Schlachthorn bläst — und die um Ahlwardt und Böckel um ein SattanonSmittel für die Wab» len reicher sind, und zwar ist diese» Mittel umso wirksam«, alt, ausländische Juden — denn nick alle otthodorea Bormertz, find Deutsck — ihren Einfluß auf einen deutschen Markt geü tend macka. Sie mögen e» aut gemeint haben, ste hätten ja auch thun soll»., was sie nicht laßen können: wenn sie so ein klein wenig nebenher auch noch den Munv gehalten hätten,wären wtt ihnen zu aufrichtigem Danke ««pflichtet: wir hätten e« uerichmer» zen können, über den Umfaug de» Borstenhandels in Unken«»' ni» zu v«bleiben, sowie über die Wahrheit. daß die Herren mehr Borsten auf Lager als Haare auf den Zähnen haben. Die günstttste Folge der Petition haben wir vorhin skizziert: wir aber, meine borstigen Herren, wenn die Kömal. Sächsische Regierung dahinter kommt, daß dir Bürsten mit antisemitischen Borsten ebensogut bürsteu, wie di« Bürsten mit den jüdisch« Borsten? Da!» wttden wir — wie imm« e» auch ausfällt, — die theu«e Zeck bezahlen müssen, Sie ab» w«d«n den wohl», verdienten Lohn für Ihre deplacirtr SchriftsteUerei etnheimsen: Sie werden einfach und doppeft ausgelacht werden. 8eitz>tztg. Der offizielle Bericht über den Borste»' Händler-Amrog in der öffentlichen Sitzung d» Handelskamm«, d« so viel unnötigen Staub aufgewirbelt, lautet nach de«: hies. ״Tageblatt" wie folgt: ״Im Namen de» Äeb-Ausschuste» berichtet L«r Herr»> mann üb« die Eingabe von mehr als 70 zur Meß« hier weilende» Borsten- und Produkretrhändlern, die Aufhebung de» SchächtungSverbotS in Sachsen betreffend. Die Gefuchneller, die der iSraclittschen Religion und zwar; zum allergrößten Teile d» orrhodozen Richtung derselben angrhören, beschweren sich über da» von der Königlich Sächsischen Regierung «iastene Schächtungs-Berbot, da» tonen uamögllch mache, v« ihrer Snwefenhnt in Leipzig den Gesetzen und Gebräiuyrn ihrer Religion gemäß zu leben. Fall» da» SchackunaS-Verbot nicht aufgehoben wird, stelle» die Unterzeichner in AuSncht, den Besuch der Leipzig« Äeste aufgeben und eine B»eindaruog in Bettest d« Abhaltung der Meß« für ihren Handelszweig an einem nichtsächfiscko Orte,! etwa in Berlin. h«b«iführen zu wollen. Redn« wirst zunächst auf Grunv der ihm zur Verfügung' gestellten Atten de» Rat» einen Rückblick aut die SnriteylMg. diese« Verbot» und stellt dabei fest, daß ein direkte» B«bot de»׳ Schäckens an und für sich gar nicht «pikiert. sondern daß nur ■ die Duibaigt Betäubuug d« Schlachttiae vor dem Schlachte» durch Verordnung vom 21. Mär- 1892 allgemein oorgeMiebe» worden ist. Für den Erlaß dieser Verordnung find Gründe de» Tierschutzes bestimmend gewesen. Nachdem Ref«ent darauf hingewiesen, daß dtt Frage, inwie» f«n da« stagllck Verbot aus solckn Gründen gerechtrerttgt sei. des Borsten- und russische» Produktengeschäft» für Leipzig —' d« auf der Borsten» und russischen 1 Produktenmeste bewttkt« Umsatz ist von sachverständiger Sette auf 20—2b Millionen Mark jährlich geschätzt worden — und mit Rücksicht auf die in andere» Branchen bereit» zu Tage gettetenen Bestrebungen, wichtige Teile' der Messen von Leipzjg weg nach Be.ltn zu ziehen, da» Gesuch zur Kenntnis de» Königtick» Ministeriumzu bringe», von ttgend welch« Stellungnahme ab» zu d« Frag« de» SchLckuug»v«d0t» selbst Abstand zu nehme». Die Kamm« besckießt einstimmig demgemäß. Geradezu lächerlich ab» ist es, weun dasselbe Blatt ' von ein» geheimen Verschwörung der ganzen Juden heit faselt,! deren Häupt« d» Redakteur des Mainz» ,Lsraelli" nud^ Dr. Hirsch Hildesheim« in Berlin seien. Der Kuriosität; wegen geben wir die bea. Stelle jene- Blaues (Ro. 517) hi» mied«: ES muß zur richtige» Würdigung des Leipzig« Fall» fest- ־' ~ ־ ~ . ... ■VS 1UHS &*** «DU4UlHttllV V»V tT*4*1 gestellt werden, dab von einem isolirre« Vorgehen d« Bot! Händler nick die Rede sein kan«. Man hat» mit einem i"*־ polttisckn llniernebmen ui thun. welcke» auf eine Ober! . Sm _ _ staüulickr lludefangeuhett »erfuck und oielletck auch che" burchaefÜlirr »ord« ist. Näherer üb« dir Organtsattoaer» wttÄck,') ebenso werig, wie hoch sich die Zahl d« deutschen: W« ■och täati —־ Mi $et ktt» »■)