Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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jüdischen Reiche» im fernen Osten schon de» Gegnern der ^suden so gewaltig tmvoniere» wert»«, daß fir ihien Hohn über deren Unselbstständigkeit bald fahre» lasten würde»? Und doch fehlte e» den Inden im Ehalifat domal» weder au Ansehen, noch an Wohlstand, wie jeder Geschtcht«kenne! bestätige» wird! Und doch waren die üandeltverbindungen und Lerkrhr» mittel zu jener Zeit nicht -im enferntesten so entwickett al» jetzt, s»daß von einer , diplomatischen wirksamen Verbreitung eine» fernen Staate« keine Rede sein konnte. Man mißvei steh« mich nicht. Nicht die Jdei eine« selbstständigen jüdlschm Staate» ist ei, die ich hiermit in Schutz nehwen will, denn Irtefe ist unter den jetzigen Lerhälttisten unrealiflerbor- Wa« sth jedoch an den istrstrebungen d,» Zionismus HMige, da« ist da« Streben, gerade in Syrien und Palästina und nicht in anderen Länder« Kolonien zu gründen. Denn, ab- « stehen von den mannigfachen Vorteilen, «elche jene Länder dem jüdischen Kolonisten darbieten, und die von berufener Seite brreit» in Zeistchriitea und Broschüren gründlich auieinandergesetzi worden sind, bilden die genannten LaadeSteile von jeher einen wunderbaren Anziehungspunkt für die Juden aller Richtungen »nd so steht zu hoffen, daß da» Aatereffe für derortige Kolonien ein allgemeine« sei« wird, während die Kolonien in anderen Erdteilen die meiste« Juden kalt lasten. — Man sagt: »Wer bürgt un» dafür, daß der Nachfolger de» jetziger Sultan» ein ebenso toleranter Herrscher wie dieser sein werde?' — Ja, frage ich. wer verbürgt diese« den übrige» Unterthanen de» Sultan», rmd wer verbürgt den Unterthanen der anderen verfastungSlosen Staaten den Fortbestand ihrer bürgerlichen und religivsen Freiheit skr den Fall eine» Thronwechsel»? — Ich geh« nix, einen Schritt weiter und frage: Wer bürgt den lZudeu de» westl chen Europa'» für den Fortbestand ihrer ihnen rerfastungrmäßi״ garantierten Gleichstellung? — Wäre diese garantiert, dann brauchte« die deutschen Juden wahrlich nicht ängstlichen Blicke« auf da« Wachsen der antisemitischen Stimmenzahl im Lande zu sthauen. Allein die verfastung bietet eben keine unumstößliche Garantie, da fie durch Stimmenmehrheit .leichten Herzen»' abgeiindert »erden kann. Im Uebrigeu sagt un» die Lehrmeisterin < beschichte, daß da« »«manische Reich fest seiner Gründung bi» auf den heutigen Tag den Inden gegenüber stet» sehr weitgehende Toleranz geübt hat. sodaß die verfolgten Juden sehr oft in demselben Zuflucht suchten und fanden. — Man wendtt ferner ein, d e Türkei habe ja den fremde» Einwanderern den Ankauf von Ländereien in Syrien und Palästina verboten. Allerdtug«; all« in ich zweifle nicht, daß diese« verbot aufgehoben würde,—)wenn i ir betteffenden Einwanderer stch nicht unter den «Schutz der freu den Konsul«! stellen, sondern direkt um die türkische Naturalisation einkommen würde« Und gesetzten Kall», diese Naturalisatto» würde vorläufig verweigert, so könnten di« Einwanderer »unitchst stch durch andere Beschäftigung ernähren, bit sie die türkisch! Unterthanenschaff resp. da» türkische vürgerrecht erlangt haben. — Jedenfalls ist der Gedanke der Solonisatton ißaläftina'» (uni besonder» de« ostjordanischen Lande», auf welch!» da» obenenrähnte verbot «eine Anwendung habe» soll) ein so wichttger, daß dir Erwägung desselben in den de» Interessen de» Judentum» g!widmeten Organen mindesten» ebenso verdienstvoll erscheint, wie die Abwehr jndenfetndltcha Angriffe._ Phylolao«. Die jüdische Natto«cklitL l. B»« Pros- Dr. G. Dkitsch t» tfiiiduMtt. Wenn ich meine Ansicht über da» Judentum al» Nattooalt« m «geben sollte, fo wmrte ick kurzweg tage,!: S» ist «in Schwindel, ad« am d« Einrede z! begegnen, daß ich «in« Phrase ahne BeModung ausgesprochen Hab«, will ich »eine Ursachen iingcbcn. Da eure national« Orsonffattou de« lfudentu«» bi» ' nicht besteht, so kan» es sich nur darum Handel«, ob eine L «-glich, L ob ste «rk»edea»wert se. 1. ^n auf die Ptügliejkr^ muß mtt lcdtt^auch ein keitm stößt, denn 1. will die wettau» müßte Mehrzahl civilifirter Juden von dem ganzen Projekre nicht» wissen, da ste die Aufgab« de» Judentums ans rein religiösem Gebiete erblicken, ihm nur die Verkündigung der wahren GotteSnkennmi», der Gewissensfrttheit und des Sttteuade!» al» Mission zusvrechen und glanbea, seine weltgeschichtliche Misstor würde,sehr kläglich adschließen. wenn e« seine Bestimmung wäre, Natiönchen zu'sein und zu bleiben, wie e« die Slovenrn. die Blamen oder die Norweg« anstrebrn. L Selbst die von dem Glauben an die!rationale Wiederausrichtung Israels erfüllten Juden denken nickt an ein aktives Eingreisen zur Erfüllung ihre» Ideal». Wen!» ste auch die vier nationalen Fasttage strenge halten, am 9. Ab auf der Erde sttzend Klagelied« recttiren u. s. w., so verlaffen ste stch doch ganz auf da» göttlich« wunderbare Eingreifen. Da» Wund« ab« schließt ebenso einen Schluß auf die Zukunft au», wie e» eine Geschichte auSschliestt, wenn es d« Vergangenheit angehürt. Beim Wund« ist eben seorr Beweis ausgeschloffen, hi« gilt nur d« Glaube. 3. Zugegeben, daß da» künftige Israel, da» עס עה׳ם, nur aus den Wenigen bestehen wird, die heute sich zu dem Glauben an eine natürliche Wlederaufrichtung der israelitischen Nationalität bekennen, und au» de» Lonvertsten, die fie bi» dahin noch machen werden, so fehlt noch ein wichttges Requisit, ein einheitliche» Territorium und ohne diese isi eine Nationalität nicht möglich, wie wir in Amerika am besten sehen können, wo die Deuffchen und Irländer zusammen gewiß die Mehrheit bilden, aber sich nicht al» Nationalität behaupten konnten. Nun sagen die Nationalen freilich: Dem wollen wir abhelfen, indem wir die Juden nach einem Lande verpflanzrn wollen. Ja wobin? Nach Palästina? Da» halte ich für einen sehr bedenkl'chen Fehler- D« Zug nach Palästina ist eine Schwärmerei und Fragen de» praktischen Leben« können nicht durch Sentimentalitäten entschieden werden. Das haben die Kreuzzüge bewiesen und bei den Juden käme der Uebelstand dazu, daß sie da« Land nicht erobern, sondern colonisircn wollen. Und ein Laad unter türkischer Herrschaft zu rolonistrrn, ist schwierig« al» die Sahara zu bebauen. Den« man an ein andere« Land, so müßte e« ein solche» sein, da» unl»ewobnt ist: würden sich dazu die de» Ackerbauer ungewohnten Juden eignen? Wenn Nun schließlich ttotz alledem ein solche» Projekt reüssiren würde, könnte man die Einwanderung verhindern oder die Auswanderung unmöglich machen! Auf welche Weise sollte stch aber sonst die einmal gegründete Nationalität konservieren lassen? 4. Zu einer Nationalität gehört vor allem Andern eine Spr acht. Freilich meinen die Zionisten. Darum sei ja gar kein Kumm«. Wir baden ja da« Hebräische. Hierin liegt ab« eine gewaltige Irrtum- Trotz d« Leistungen der neuhebräischrn Schriftstell« uniner Zeit kann die hebräische Sprache für die komplizierten Bedürfnisse uns«« Kultur uichl auSrcichen. Smolen«ky, Mapu, Äinsberg, Lebensohn u. s. w. waren eben besonder» begabte Mensche» und dann kam innen der Umstand zu statten, daß fie kein« andern Sprache vollständig mächtig waren: e» ging ihnen wie den Blinden mit dem Tastsinn, der stch nur durch den Mangel de» Gesichtssinne« ausbilden konnte. Die überzeugt haben, daß man eine Sprach« nicht erfinden kann. 5. Nach alledem schiene mir bewiesen, daß au eine Wied«- aufrichtung' d« jüdischen Rattonalttät nicht zu denken ist: da ab« jede Möglichkeit ganz und gar dem subiekttven Urteil unterliegt, so will ich «och über den zweiten Punkt, über die Krage, ob die Erweckung der Nationalität wünschenswert sei, mich de« Näheren «»»lassen. Der einzige vernünftig« Grund, den mnu dafür ooraebrachl bat, ist, daß nur dann die Juden Ruhe haben könnten. Mir erscheint da» übertrieben zu lein, denn so beklagenkwert die realttonären Bestrebungen in Frankreich, Oesterreich und Deutschland und, selbst den B«hältntffen im Anfänge diese« Jahrhundert« geaeuübngehaltcn, lassen fie eine Befferuug nicht verkennen. Um in Rußland zubeginnen. darf man nicht vergeffen, daß vor 2llv ahren Judenverfolgungen daselbst ganz, ander« ausgesehen tat- In den Kosackeaaufstände von 1S48—1«SL sollen WM) den ihr Lebe« Valoren haben. Auch darf man nicht v«- '«u. daß d« rujfische Despokismu» früh« oder spät« au»gelt haben und daß kamst auch die den Juden gegenüber zur kommende Politik sich ändun muß. Dag in Frank- Anwendung reich nach viele von i> ecten und Gen« -״.--. ... Krankrig« Gleichstellung der Juden,, nachdem ftmatts z»^g»I»»n, acht auf groß« Schwierig» •*) gß «mtt« «usgehsde». (»*.) geworden find, eine ellut unwahrscheinlich. '1 oergessen. daß in n Ä , . , _ . . .... »ründung dt» neuen ...gchen «eiche» aesetzliL BeschrSokrmain »«Juden bestand*» und da romantische König Friedrich Wilhelm lv gab noch 1842 tz «tue« Mzi-üe» «efkrLie seine Anschauung kund, daß dt« Juden nicht zu Aemtera, ja nicht einmal zu Gemeindrveriretern