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Israelitische Wochenschrift · 1893-10-13 · 41 (13.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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>, f uißnahme an daföntg(. Ministen'um des Innen: :langen zn lasten und hierbei darauf Hinweisen, daß es uni die Angehörigen einer Branche handele, de.-en jährlicher Geschäft-Umsatz in Leipzig 2025 ״ Millionen Mark betrage. Die Handelskammer genehmigte diesen Antrag. AuS-der geschilderten Sachlage, bemerkt das ״Lripz. Tagebl.", ergirbt sich die Mißlichkeit für unser« Stadt, daß 1a» SchächtuugSvcrbot nur für das Königreich Sachsen erlassen worden ist. Würde da» Reich nn solches Verbot erlassen haben, bann wäre eS undenkbar, daß dem hiesigen Platz mit dem Verlust seiner Borstenmessen urd der Ueberfiedelung einer Anzahl von Handelshäusern nach Berlin ge- Droht werden könnte. Die ,Kreuzzeittmg" geht nun gleich einen Schritt weiter und fordert von der Regierung, daS Schächten,von Reichstwgtn״ zu verbieten. Letpzist, 10. Oetober. DaS heutige ״Togebl." bringt einen Leitartikel mit der Ueberschrist: .Die Drohung der Bvrftenhändlcr", in welchem auf die ernsten Folgen hingewiesen wird, welche dieses Vorgehen für die gesamte jüdische Bevölkerung Deutschlands haben müsse, ״wenn eS nicht von jüdischer Seite durchkreuzt lverde." Eine Berliner Zuschrift sucht dieses ebenfalls zu erweisen. DaS Leipz. Tagebl. schließt mit den! Hinweis, ״daß die hiesigen Glaubensgenossen der fremden Borstenhändler nicht nur gegen den Verdacht pro- «estirrn, Anrheil au jener Petition und jener Drohung zu haben, sondern auch nach ihnr Versicherung bemüht sind, jene fremden GlaubenSgenosteu von ihrem Vorhaben aozubringen." (Auch wir müssen offen gestehen, daß wir die Art und Weise des Vorgehens der Borstenhändler durchaus nicht billigen können, eS mußte selbst der Schein einer ״Drohung" vermieden werden.) BrsMberg. 5. Oktbr. (Or.-Eorr.) Gelegentlich der Anwesenheit de» Erzbischofs Dr. v. StablewSki au- Posen stattete auch der Herr Rabbiner Dr. Walter hier» selbst dem Kirchenfürsten einm Besuch ab. Nachdem Herr Dr. Walter in seiner Ansprache darauf hingewiesen, daß der Herr Erzbischof wiederholt die geistlichen BeMreter jüdischer Gemeinden in huldvollster D-eise empfangen, entgegne.e derselbe ,e» freue ihn, daß Herr W. ganz besonders dies betont habe". Solrann fuhr der Kncchenfürst fon: ,UnS verbinden ja gemeinsame Schiltale und Leiden. Auch verbinde die verschiedenen Eonfesfionen manche» Ge- «einsame; die» muß mehr betont und hervorgehoben werden. Den Berttetern aller Eoafessionen liegt eS ob, gemein» sam auch gegen die Sozialdemokratie vorzugegen. Ich habe «ich nach dem Verhältnisse der einzelne» Eonfesfionen in hiesiger Gegend erkundigt und erfahren, daß dieses ein ,an-;nehmbareS" sei. Es handelt sich darum, die be-!stehende Einigkeit nicht allein zu erhalten, son- :der« auch zu vervollkommnen." Zu derselben Zeit, da era hoher Sirchenfürst die ernste Mahnung zu konfessionellem 'Zrieden ausspricht, ist ein wütender antisemitischer Hetzapostel au seiner traurigen Arbeit und ist bemüht, die Saat dei: Zwietracht zwischen die Bewohner der hiesigen Gegend auSzustreuen Der deutschsoziale. KeichStagSabgeorduete Leuß- Hanno xr hat au verschiedenen Orten seine Hetzrriien vom Stapel gelafien. In Tborn ist ihm, wie die Tageszeitungen Mr Genüge berichteten, feine Arbeit übel bliommen. Allerdings hat er e» daw gebracht, daß dort, wie auch in Jnowrazlaw und Argenau, sich eine geringe Schaar urdeatsther Männer zu einem Verein zusawwenaethan haben» doch will die» nichl» sagen, wenn man in Betracht zieht, daß ein solcher Bewein auch ohne sein Zuthun über mw »der lau« sich »Md«: hätte. Irgend "! Bedeutung ist dirsszHH, lgen^ Wz mit solcher Emphase hinauSposau1ttgWW»lBM beizumefsen. " — >L«"» »atLÜch, wie immer, gegen Entree, um,wie e» heisst, ,die entstehenden Kosten zu decken." Nachdem ihm sämmtliche Lokale verweigert worden waren, ist eS ihm in letzter Stunde gelungen, in einem abgelegenen, obscuren Lokale einen Raum zur Ab- Haltung einer Versammlung zu erlangen. Der Erfolg war dem in anderen Olsten gleich. Mit welcher Raffinirtheit jene Leute Vorgehen, beweist die Thatsache, daß der Borttag unter einem ganz harmlosen Titel angekündigt worden war, um harmlose Zuhörer zu fangen. Al» mau aber das Gebühren durchschaut hatte, scheute man sich uichi, offen aufzutreten und eine ״antisemitische Versammlung" anzuberaumen. Schneidenrühl. Den jüdischen Kaufleuten Samuel und Emil Schmul hierselbst wurde dom Herrn RraierungSpräfidenten in Bromberg gestattet, ihren Namen in »Götze" umzuwandeln. Deswegen hat ein Inhaber diese» Namen», Dr. Rudolf Götze in Würzburg, an den Herrn Regierungspräsidenten folgende Zuschrift gerichtet: .Würzborg, den 2«. August 1893. Dem Präsidenten de» Regierungsbezirkb Brombergt Durch verschiedene Zeitungen wurde vor kurzer Zeit die Nachricht verbreitet, daß den Hausteinen Samuel und Lniil Schmul in Schneidemühl di« Genehmigung «rtheilt worden ist, sottan den Namen Götze zu führen. Angenommen, daß . diese Mittbeitung auf Wahrheit beruht, so veranlaßt fie mich all einen Träger de» Namen» Götze zu der gehorsamsten Anfrage, w-Ichen Grund die de« «reffende» Ikausteute hatten, gerade de» Nomen Gütz» zu wählen, nachde« sie ihren jüdischen Namen ändern wollte». Bei Namentänderunge» kann billigenveise verlangt werde», daß der neue Name dem alten wenigstens äußerlich ähnlich ist, oder daß doch di» Wahl desselben nach sonst einem rein formalen Gefichtöpunk» erfolgt. Nun hat aber der Name Schmul ebenso -ei-.tg Zusammenhang mit de« Namen Götze, wie rlwa mit dem Name» de« Herr« Regierungspräsidenten selbst. Es ist deshalb im vorliegende» Falle von vornherein der Gedanke gar nicht abzuweise», daß materielle Berechmmg, etwa auf geschäftlich« Roulurrenz, die betreffende» »aufieute, bei ihrer Namensänderung geleitet hat Derartige ungerechtfertigt« Namen svrrtauschuugen könne» aber nur dazu augethan sein, antisemitisch «u wirken. Sollt« «in sor» «ater Grund für die Aausteute Schmul nicht Vorgelege« habe» und müßte also di« Namensänderung Schmul i» Götze durch die Willkür materieller Erwägung«« erklärt «verde», so würde ich mich veranlaßt sehen, hierdurch «ein allergrößtes Bebauer« zu der diese» Willküratt ertheilte» Genehmigung auszusprechen. GehorsamftI geg. Dr. Rudolf Götze» AMeni und Oberarzt an der psychiatrische» tkltuik der Räugl. bahr. Vuiversttit Würzburg.' tDiesen Schrcibrbrict werft man eS an, daß er aus einer vsl>hiattschen Anstalt kommt. Aber das kommt, davon wenn Juden »ftemden Götzen" dienen!) H«»»»ver, t. Oftober (Or.-Eorr.). Die,Israelitische Erziehungsanstalt" zu Ahlem bei Hannover-Linden macht iuimer weitere Fortschritte. — Nachdem da» Hauptgebäude bereit- Ende Mai vollendet und bezogen, sind nun auch die mit der Anstalt verbunden»« Werkstätten fertig gestellt, so daß die in den Kellerräumen de) Wohnhauses promsorisch eingerichteten Werkstätten anfgegrben nerden kormteu. Dar zur Wohnung für die in der Anstatt beschäftigten Gärtner und Handwerker bestimmte Gebäude ist bezogen worden; dagegen stehen noch Räume für verschiedene Handwerke leer, die vorläufig in der Anstalt noch nicht betriebm werden sollen. Die Scheune, Stallungen und alle übrigen WirtfchaftSräume find gleichfalls fertig gestellt und werden, sobald sie vollkomme» auSgettocknet sind, so weit sie erforderlich, in Benutzung genommen. Die nach dem neuesten System angelegten Gewäch-häuser sind bi» auf die Heizung, welche in einigen Ta- Laubhütte vorgesehen, der den übrige« Theil des Jahre« allerdings für andere Zwecke benutzt wird. Durch Tannen- ....... von den Zöglingen «»»gefertigte, geschiwrckvolle Zierraten, war die Suckcch, ohne nenueuSwerte ftofttn ju verursachen, zu einem wahren Schmuckkästchen gestaltet. Die Ausschmückung selbst war für di, Zöglinge bereit» ein Fest. Line Nacht »or dem Feste wurde sogar bis 9 Uhr daran gearbeitet und selbst die Allerkleinste« zeigten keine Spur von Müdigkeit. Derartige Mitwirkung der Zöglinge hat auch einen erzieh.

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