Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn Hoffmann die Anfrage gestellt, ob ihn humane» ökonomische oder hyzenffche Gründe zur Bevorzugung der kchächtmethode veranlassen, ferner seit wann und mit welchem Erfolge er diese Mechode anwende. Die von Herrn $offmaim chm jetzt angegangene Beantwortung beabsichtigt Hof« rath Dembo in seinem demnächst erscheinenden Werte' über Scklachimetboden zu veröffentlichen. Vir entnehmen aus dieser Antwort folgende Einzelheiten. Zunächst ist eS die möglichst humane Behandlung d«S SchlachtthiereS und die Sicherheit beim Tödten des ThiereS, die Herr Hoffmann bervorhebt. Er bezeichnet den Schächtschnitt als die tat* streitig sicherste und schnellste TodeSart und führt aus: ״Schon daß man dazu nur ein ganz gutes scharfes Meffer nimmt, welches keine Schwellung der Schlagadern zuläßt und in wenig Sekunden die Blutentleeruna zur Folge hat. bestätigt die schnelle und schmerzlose TodeSart. Je schärfer das Instrument, desto schmerzloser jeder Schnitt. SÖebingung ist allerdings, daß man sofort « a ch dem Schächtschnitt mit einem schmalen Meffer daS ״Genick'' abschneidet und das Gehirn cbsticht. Die dann theilweise noch erfolgenden Zuckungen tragen zur vollständigen Blutentleerung bei. DaS Betäuben der Thiere ist mit viel mehr Gefahr verbunden - dabei kommen sehr oft, wenn nicht von ganz sachkundiger Hand ausgeführt, Quälereien der Thiere vor. Bom ökono« mischen Standpunkte cuS wäre dos Betäuben rattoneller und vortheilhaster, denn jedes durch Betäubung geschlachtete Thier ergiebt ein höheres Schlachtgewicht. Die Bluten»« leerungen beim geschlagenen Vieh stocken, die Blutung beim Stechen vollzieht sich viel langsamer, auch ergiebt sich beim geschlagenen Stück Bieh weniger Blut als beim Geichüchteten, aber dieser geringe Verlust von einige« Pfunden Fleisch bei einem geschnittcuen Thier wird vielfach ausgewogen, durch folgende hygienische Gründe: Jede« betäubte und gestochene Tier muß bei und nach der Schlachtung gewaschen werden, ganz besonders in den Brusthöhlen muß «S mit Waffer gereinigt werden. Bekanntlich aber ist Waffer Gift für Fleisch, ganz besonders in den heißen Sommermonaten, wo in Folge besten viel Fleisch verdirbt. Wo Waffer zur Reinigung des Blute» angewendet werden mußte, ist die Farbe des Fleisches stet» dunkler und bleibt weicher als beim geschüchteten Tier, deren Fleffch stets hellfarbig, blutrein, fest wird. DaS geschächtete Thier ist in der Brusthöhle rein, ebraucht weder außen noch innen Waffer angewendet zu werden. Das Fleffch vom geschächtete« Tiere ist in zwei Stunden so fest wie vom Betäubten in zehn Stunden, letztere» ״reicht die Festigkeit vom Geschächtete» niemals." — Großschlächtermeiste! H offm an», der dieSchächtmethode seit 1bJahre« anwendet, hat die Erfahrung gemacht, daß sich Fleisch vom eschächteten Thiere weit länger konservirt als vom ge» (Wir können bei dieser Gelegenhett mittheilen, daß es einem tüchtigen jüdischen EultuSbeamten in Schlesien gelungen ist, mit Hilfe eines Ingenieurs eine Vorrichtung zu erfinden, welche das Riederwerfen resp. Riederlegen des Thiere» vor dem Schlachten ganzuunöthig macht, dcäThier wird stehend geschlachtet, durch mechanische Vorrichtung wird nur der Kopf nach hinten gebogen und dann der Schnitt vom Schächter — allerdings nicht senkrecht von oben nach unten, sondern horizontal — rasch vollzogen wird. Bewährt sich diese sehr ein« fache Mechode*), gegen wffche religionsgesetzliche BÄeuke» kaum vorliegen dürften, so wird das Geschrei von Thierqufilerei beim rituellen Schlachten wohl bald verstummen.) 10. Dktober. In ihrem heutigen Leitartikel kommt dir »Kreuzzeitung* nochmals auf di« ,Jüdisch« Sersammluug zurück. Da ein authentischer Bericht der Einberuf« und Leiter noch immer nicht vorliegt, so registrtrru wir da» -«- ׳ammeufassende Urtheil des konservatioeu-cmtffemitische» Blatte». S, lautet: *) Lee Erfind« Hot Patent bereit» »In der versloffene» Woche ist in Berlin der ,erst« deuffche Judentag* abgehalten worden. So kann mau die von der ,Bereinigung deutscher" Staatsbürger jüdisch« Glauben»* einberufeoe Versammlung kurz bezeichnen. Wir glauben aber nicht, daß die ,Macher* von diesem ersten Bersuch in der Oeffnülichkeit sehr befriedigt find. Obwohl hinter den Kulissen sicherlich alle» svrgfälttg vorbereitet worden war, ist eS doch nicht möglich gewesen, in der Erörterung dir Einigkett zu «halten, die uns streitsüchtigen Deutschen an den Kundgebungen des Judenthum» sonst imm« imponirt. In der VerurtHeilung des Antisemitismus kommt man zwar üb«eiu, in den geeigneten Mtteln zu ft*«« Bekämpfung indessen nicht. Gerade dazu ist die Vereinigung aber da: sie soll da» Mittel finden. Die Einen, allem Anschein nach allerdingsdie Mehrheit, wollen von den typische» UnterscheidungSmerkmalen des Judenthum» nicht» wissen und verleugnen insbesondere den Talmud klipp und klar. Die Minderheit, an deren Spitze die Rabbiner stehen, wehren sich dagegen heftig, treten für die Moral de» Talmud ein und erklären überdies, daß den Juden die Brrleugnung ihre» Glauben» und ihr« Vergangenheit garnicht» nutzen w«de, weil sie, allen Bethenerungen zum Trotze, doch kein Mensch für gute Deutsche halte. Die Rabbin« haben Recht. Die Stärke des Judenthum» beruht in d« Entschlossenheit, mit bn e» seine Interessen als geborene Minderheit vertritt und sich rückhaltlos zu dem bekennt» was e» nun einmal ist. Die» haben wir, die wir enffchiedene Segn« find, an den Juden stet» geachtet. Die Feigheit und Heuchelei, die da« Rrformjudentum an den Tag legt, indem « seine alten Ideale scheinbar von sich wirst, können nur die gegentellige Empfindung wecken. Da» scheint auch die ihnen ,ergebene- Presse wohl zu fühlen. Sie schlüpft über den ,Judentag* so schnell und so kurz, wie e» irgend geht, hinweg. Ein ,Zeichen d« Zeit* bleibt e» darum doch. Ohne da» «naufhalffame Anwachsen d« anttsemittscheu Bewegung würde e« nie zu diesem Versuch ein« sichtbaren jüdische» Sonderorgauisation ge» komme», sein; da» steht wohl fest.* S Leipzig. 4. Oktober. In der gestrigen Sitzung ixt Messe weilenden Borstenhändler wegen Aufhebung de» v» Königreich Sachsen bestehenden SchLchtunaSverboreS Bericht erstattet. In ixt betreffenden Angabe «iw gewünscht, daß die Kammer bei der königl. sächsischen Staatsregierung ihre Verwendung dahin eimreten lassen möge, daß da» gedachte, seil etwa einem Jahre in Sachsen erlassene Verbot, gewisse Schlachühiere zu sch ächten, wieder aufgehoben werde. Die.Berttet« weisen in ihrer Vorstellung darauf hi«, daß» wenn jenes Verbot aufrecht erhalten werde, sie genöchigt seien, die Leipziger Messen zu meide« imd ihre Ge- ־ schäfte alsdann in Berlin »u betreiben; sie fügen aber auch die Bemerkung hinzu, daß, wenn dieser Fall «intreten sollte, daun auch die Leipziger Handelshäuser, die sich mit dem Borstengeschäst befassen, veranlaßt sein würden, nach Berlin üba^usiedeln. Der Referent de» AuSschuffe«, Herr Herrmann, dessen Initiative bekanvllich die Existenz der Leip. zrger Borstenmessen zu danken ist. betonte, der Aurschuß habe sich dieser Angelegenheit gegenüber in einer außerordentlich schwierigen Lage befunden, da sie nicht zur Lompetenz der Kammer gehöre. Wa» da» Materielle der Sache betreffe, ^ebe sich aus den beim hiesige« Rach ergangenen Acten, hon früher von betheiligie» Kreisen an die kompetenten Gesuch gerichtet worden sei, daSSchichtuagSum* der allerbAch* Resultat R.«h **?*'?ןיי׳י'