Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 41 (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ffinnra wir verstehen — baft fn manch« Loge» die Zusammenkünst der Maurer in der.Nacht von Sonnabend auf Sonntag ftattsiudei und zwar au«, dem Grunde. weil die »ehemaligen" Christen dadurch ihren Vorsatz.»eigen wollen, am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen, dt« Juden aber auf diese Urt ihren Sabbat in der »Freimamerbude" halten und »statt Jehova tu der Eynagoge zu verehre«, hier dem Wellenbaumeister Freimaurerli-der singen" ist nur dir Lonscauentz der fundan entalen voraussetzungen. Interessant wäre e» aber zu erfahren, rielche» GeschichtS» wert zu der Behauptung Im- Material geliefert hat, daß der »Großmeister Palmerston" seine revolutionäre stoft in einer der zwei jüdischen Logen — oder in beiden — zu «ich genommen hat »wo nie ein Christ Aufnahme findet, nicht einmal über die 'Schwelle grlaffen wird?" Wahrlich Haß, Bo» zeit und FanatiSmu» mkffen gemischt einen sehr süßen Trank geben, der deu Trinker nicht uur berausckt und seine offeu-m Augm blendet, sondern ihn unversehens in seine eigene Schlinge sich verfangen läßt. Daß die landläufige Anschauung, daß die Freimaurer »ihre Leute zu befördern suchen, ihnen zu Anstellungen und Lieferungen u. s. w. verhelfen" nicht fehlt, ist selostverständlich, schon um des schönen Nachsatzes wÜleu, daß dies nur deSbrlb geschieht, »um rechtschaffene Menschen zu verdrängen!" Ich möchte doch dxn Menschen sehen, welcher uns verdammt, wenn wir einem Mann, der vuerwiesene Bchauptunge« gegen uns in die Welt sendet und in seiner, »wissenschaftlich«" Werkstitte falschmünzert, einen offiziellen Heuchler nennen und wenn diese» harte aber nicht unverdiente Urteil ein« bereits verstorben m trifft, so müssen wir dir Schuld auf di« Schultern desjenigen abwälzen, welcher den Schatten des Abgeschiedenen au» seiner Grabesruhe holl, well er für seine Gehässigkeiten eine» unanfechtbaren Gewähr»- manueS bedarf, deffen schlechte Seite er damit in ein neue» Licht rückt, während jeder noble Mensch an einem Toten nur die guten Seiten hervorsucht. Sehen wir un» aber den Sachverhalt «tum» näher an, wie er thatsächlich in dem BerhLltni» zwischen der Freimaurerei und dem Judentum besteht, wie ganz ander» stellt er fich dem fachkundig« Beurteiler dar. ZiorauSschicken müf en wir, daß bei Lebzettrn von A. St. bic brti größt« Großlogen in Deutschland —nämlich die 3 preußische;«—grundsätzlich Jude! weder aufaahmen noch bei ihr« Arbeiten auch nur desuchSweis: -uließm; in d« ander« auf frrihettltchem System aufgebauten Deutsch« Logen «ahm man zwar ein« anderen Standpunkt eia. jedoch befand« fich Jud« mit wenig« naturgemäßen Aulnahmen — B. in Frankfurt — nicht in leitend« Stellung«. Jnzwisch« ist insofern «llerding» eine Wendung »um Besse« eingetrrtm, al» zwei der pr«ßifch« Großkagen d« B esuchjüi ischer Brüder wohl gestatteten, aber den prinzipiellen Ausschluß ihrer Mitgliederschaft betbehieltm. währ«d die brüte Großlo z« fich ganz uud gar auf d« Humanitären Standpunkt stellte und d« Jud« ihre Pfortm öffnete, welche Libnalität von jeher <«w grnuo «lü zu versteh« war uud augmblicklich in einem nm platonisch« Brrhältni» — wie so viele Gesetz«— ihr« Ausdruck findet. Wie die »große Landesloge" und die Sroßloge zu de» »drei Weltkugeln" mit dem verändert« Zeitgeist der zwei Weltkr geln fich abfind«, ist nicht unsere Sache; genug» fie bestehen auf da« christliche äußere Bekenntnis ihrer Mitglieder» trotzdem >» nicht schwer fiele, nachzuwetsm. daß die christliche Weltanschauung mancher derselben sich nicht höher erhebt, al» bi» zu dem Gaffmjrngen-Taleut, ein« Jud« mit »Jtzigch«' zu apotzrophtr«, — Na» sogar in Log«- räumen jüdisch« Brüder gcgenüber vorgekomui« sein soll! Aber e» liegt in dem verhalt« jmcr zwei Sroßlrgm Methode und - Coaseauenr und da» Eichlrekennm zur Znto eranz verdi«t um der Offenheit will«, mtt der e» au»gesproch« >otrd. Snerk«nu»g. Wo bleibt die »offiziöse Heuchelei?" — wird der Leser fragen. Geduld, fie kommt schon: Am 2& Mai d- Jahre! hat in Düsseldorf ein Redner — Meist« v. Stuhl einer Tochterlog« Royal Nc rk—über das Lcr» Hävnt» der Maareret «um Lntisemttirmu» gered« und setz« Sroßloge keinem Jud« prinzipiell seine Pforten verschließe. Diesem Redner mußt« aber ein Borkommni» vorfchweb«, üb« rkUkS noch keine drei Jahre hinweggegang« find, al« fich ei« ־ jüdischer Brüder erlaubte, fich in sein« Log« affiliieren lass« zu wol- - > len. Der Betreffmde hätte nach seiner Stellung und seinem Bildung«- ' grade der Loge wohl nicht -Ur Unehre gereicht, und wurde von 2 Christ« vorgeschlagen resp. eingeführt: von dies« Beiden war ־ der eine Meister vom Stuhle einer Log«, in welcher die meist« Brüder der .Humanitären" Loge da» naurerische Licht erblickt« und Chrenmitglieder dieser Loge jünge« Datum» und der zwette war der Dep. Meister, also ganz einwandsfreie Proponeut«. und der Erfolg war — ein glänzender Durchfall de« jü discheu Bruder». In derselben Loge konnte ein hochachtbarer jüdischer Rechtsanwalt überhaupt keinen Proponenten finden. Mt solchem Bewußtsein im Herzen schlägt man keinen solch hohen Ton an. al» wollte man sagen: Ich danke Dir mein Sott, daß ich nicht bin wie jene Engherzigen. Mt Verlaub, da» ist heimliche — und da eine Meister v- St. solche Worte gesprochen: offiziöse — Heuchelei und e» ist rin Verdienst, solchem Wes« da» zur Schau gettagene Mäntelchen schonungslos abzureißen. Mr schließen diese Ausführungen mit einer Frage, welche jeder Leser fich selber beantwort« mag: Wa» ist widerwärtiger: offizielle oder offiziöse Heuchelet?? Berichte «nd Lorresponvenzen Deutschland. MagdedurG. 10. Oktober. Gelegentlich der Erklärung de» ״Reich-auzelger-" über die jüinschm Religionsbücher sei hier an die Rede de« Luxemburger StaatSanwaliS erinnert, der bei eineui Prozesse wegen Beleidigung der jüdischen Religion am 12. März 1889 erklärte: »Man hat gelegentlich des geg«wärttg« Prozesses viel von dem Egoismus der Israelit« gesprochen. Um mich in dieser Be» ziehung zu belehr«. <*.■* ich mir den jüdisch« Katechismus zu verschaff« gesucht, welcher der israelitisch« Jugend de» Groß, Herzogthum» gelehrt wkd. und ich bin in dieser Hinsicht völlig ׳ bee rdigt. Indem ich den Katechismus durchging, konnte ich mich überzeugen, daß bei dem israelitisch« Religionsunterrichte nicht« versäumt wird, um der Jugend die schönsten Lehr« der Moral und der Nächstenliebe etnzupräg«-" Daß fich jetzt die Antisemitmuceute desto heftiger auf dm Talmud uud Schulchan-Aruch raerfm würde, war nach dem Schlußsätze der Erklärung vorauSzuselwn. Die ״Staatsbürger- - .. ' " ' " ~ " *. . »Wir fordern mit aller Sntschiedrr'beit— und die» ist unser j Recht —, daß jetzt endlich d« Lehrern de» Talmud und »Schulchan Sruch" mehr Aufmerksamkeit gewidmet iverde. al« bisher, und daß, wo dieselb« mit unser« Gesrizen und d« Anschauungen - aller rechtlich denkenden Menschen im Widerspruch steh«, mr Beseitigung der verwerflichen Stellen gesorgt werde, und die» uMomehr, als heute die Rabbiner uiehr denn je darauf hin- ' wirken, daß die Jvdmkinder Hebräisch lernen. Hoffentlich wird die Staatiregierurg Mt aller Sorgfalt ba» am W. Mär, d. I. seit«» orS Lerrmhause» gefaßt« Beschluf e Rechnung wagen, durch welch« die Petittonen mehrerer deutsch, social« Reformvernue um staattich« Lirüfung der jüdisch« Gr» heimgesetze der StaatSreaterung zur Prüfung und Beruckfichti» gung überwiesen wurden. Hab« dmn die Herr« an der ein« ״Prüfung" nicht genug, wollm Sir durchaus noch ein« ״Durchfall" erleb« l — Run uns soll «S recht sein. K Magdeburg, &. Oktober. Die vorwöchentliche Rr.^' der ״Allgem. Fleischer-Ztg." schreibt unterm 38. September: Zur Erforschung der verschieden« SchlachMethod« jüngst Herr Hosrach vr. meä. Dembo aus Peterrbweg tn? Berlin. Bei Besichtigung des städtisch« Emtral-Dchlacht-, Hofe» bemerkte er, daß in brr vom LngrvS-SchlSchtermeiA«^ Earl Fr. Hossmann benutzt« Schlachtkamine« da« Vieh g« fchächta» wird. Da rituelle Gründe für Herrn Hv" nicht vorliegrü, hat Hofrath Dr. Dembo brieflich