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Israelitische Wochenschrift · 1893-10-13 · 41 (13.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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lieben Bevölkerung- Der Reichthum der Juden ist ein AmmenmLrchen, da» nicht um ein Jota wahrer ist, als der Blödsinn vom Blutrttuale. Sprechen wir concret. prüfen wir. wie der so oft beschrieene jüdische Reichthum beispiettweise in Oesterreich auSfieht. Mt Ausnahme von Rothschild siebt es im ganzen Saisersraate keine fünf Juden, die ein effektives Vermögen von über 10 Mllionen Gulden ihr eigen nennen. Diese Thatsache ist ziffermäßig zu erweisen. An der Börse schwimmen allerdings ein paar lumpige Millionen herum, die sich in Beträgeu von hunderttausend Gulden bis zu einer Million und darüber unter einige von Glück begünstigte Juden vertheilen. Aber das find immer dittelbeu Capttalien, die fortwährend ihren Befitzer wechseln, heute hat sie der A. und morgen der B. .Die Juden find häufig Wucherer, häufig Tyrannen im Reiche de« Soldes*. — so behauptet schlankweg Mamegazza, was uns gerade von ihm, dem Italiener, ganz besonder» verwundert. Wer waren denn die ersten Wucherer, die frühzeitigsten Tyrannen im Reich« des Golde«? Wer hat denn den Erwerb der Darlehensgeschäfte erfunden? Waren da» nicht die Lombarden, nach denen noch jetzt dieser Geschäftszweig der ״Lombard-Verkehr* genannt wird, und heißt nicht in London jene Straße, in welcher sich da» Bank- und Geldgeschäft schon zu einer Zeit concentrirte, wo es in England noch gar keine Jude» gab, noch heute .Lombard- Street*? Doch wozu jene historischen ReminiScenzen auffrischen? Zeigt uns nicht die allerjüngste Zeit einen Banken-Skandal. eine Korruption in Finanzsachen, die ihres Gleichen sucht, woran ausschließlich Italiener reinsten Blutes betheiligt erscheinen und nicht ein einziger Jude? . ... Warum rechnet man denn diesen Tyrannen im Reiche de» Goldes ihre Rare nicht al» Verbrechen an? Antworten Sie gefälligst hierauf, Herr Paolo Mantegezza, wenn Sie können. Nicht minder ergötzlich ist der Vorwurf der Unreinlichkett, den man, wie Mamegazza meint, den Juden macht. Run, zwischen einem schmutzigen Lazzaroni, wie er in den Straßen Neapel» ,crumlungert. und einem schmierigen galizischen oder russischen Juden fällt Einem die Wahl schwer, wem die Palme der größeren llnreiulichkeit gebührt. Der arme Jude hat vor dem Lazzaroni nur dar Eine voraus, daß er gerne arbetten möchte, wenn er Arbeit fände, während der italienisch« Schmutzfink ein geborener Lagedieb ist. Aber diesem wird weder die Unreinlichkett noch die Arbeitsscheu als ein Racrnfehler auf's Kerbholz geschrieben. Sollen wtt noch den heiter anmuthenden Tadel widerlegen, den man gegen dir Juden wegen Ihrer angebliche» Nervosität, ihrer Neigung zur Hypochondrie, ihrer Sorge um die Gesundhett er- »ebt? Sind die Christen nicht nervös, neigen sie nicht zur Hhpochonbrie, find sie etwa um ihre Gesundhett nicht besorgt? Al» -erneS Gerede, nicht der Widerlegung werth. Die ganze Epistel de» Signor Mantegazza ist zwar nicht die Time werth, die darauf verschwendet wurde, aber gerade deshalb provocirt sie die Entgegnung. In jüngster Zett hat sich nämlich der journalistisch« Unfug zu einer Spezialität herausgebildet, in allen jenen Fällen, wo der eigene Mtz nicht mehr ausreicht, Äeich dem Haffan in Schiller's .FieSco*, einen G»lehrten zu b-fragen. Diese in jedem Sinne ftagliche Methode wttd bet unterschiedlichen ZeitungSredacttonen, namenllich in Sachen d«S Antisemitismus, mit ganz besonderer Vorliebe ongewendet. Gewiß geschieht dies in bester Abficht, «nt wird diese in der Regel oerfehlt. Wie der antisemitische Plebs über Juden und Judenthum denkt, ist ja allgemein bekannt und auch ohne jeden höheren Belang. Anders und wettauS gefährlicher gestattet sich die Sache, wen» dem AnttfemttiimuS ein Gelehrtenmäntelchen umgehängt, und der Unsinn, die Niedertracht wiffenschaftlich zu, begründen, versucht wttd. Ein klangvoller Name, der sich wissenschaftlicher Argumente bedient, imvonirt stets der urthrUsloseu Menge. Wohl haben zu alle« Zetten selbst bedeutende Männer der Mffenschaft auch coususe« Zeug geschrieben. So hat der berühntte Proftffor Z e l l n e r die vierte Dtmeufion al» ein Dogma verkündet undLombroso, derben Reigen jener Männer söfft ncU, die in der,N. Fr. Presse* über den Antisemttismu» orakeln. hat, unbekümmert um seinen wissenschaftliche« Ruf/ seit de« M vorigen Satire dem Spiritismus sich in die Arme geworfen. Mantegazza ist zwar kein Gelehrter im eigerülicheit Sinne de» H Worte», er ist dtelmehr ein ausgezeichneter Feutlletonist und A hervorragender Dichter und seine gewiß wohlgemeime Studie -1 über den AnÜsemttiSmu« dürste ihm schwerlich zu einer erhöhten :^j Rangstufe in der Gelehrtenwett verhelfen. Ueberhaupt erinnert ד die doktrinäre Behandlung de» Antisemttismu» stark an die de» * kannte Controverse jener wissenschaftlichen Akademie, deren Mit- . j glieder in lebhaftesten Streit über die Frage geriethen: warum ׳ ein todter Fisch schwerer als ein lebendiger Zfiegt, bi» endlich Einer den ganz vernüfttgeu Vorschlag machte, man sollte doch di« beiden j Fis'he wiegen, wobei e» sich zeigte, daß die Voraussetzung, ein f todter Fisch sei schwerer als ein lebender, jeder thatsächlichen j Grundlage entbehrt. Aehnlich tteiben e» die meisten Gelehrte«, v die sich bisher mit dem SnttsemttiSmu» öffentlich beschäftigten. Sie schreiben brett und weit über dtt sogenannte ,Judenftage*. .. statt doß fi, früher untersuchten, ob e» überhaupt eine Juden- / ftage giebt- E» giebt aber nur dort eine Judenftage, wo der An- י, ÜsemittSmuS eine solche künstlich züchtet. Da» Judenthum hat jj genau so viel oder so wenig wie der KatholieiSmu» oder der Proj testanttSmuS mit der Frage der Race und Rattonalität etwa» 3 zu schaffen. . . j Offtzielle ttnb offieiöse Heuchelei. 8011 Dr. Singer-Lob «oz. j ES ist ein unverzeihlicher Leichtsinn, alte Kalender auszude» '3 wahren; wenn sie ihrem Zwecke gedient haben, müffeu sie undarmherzig der Vernichtung anheimgegeben werden, damit ihr Staub nicht spätere Generattonen vergifte und ihr Urteil trübe. Zu dieser Bettachtuug veraulaßte den Schreiber dieser Zeilen der Anblick eine» Büchleins, welche» einen SuSzug enthält von allem < Gift und aller Salle, die «lbanStolz—jesuitischen Angedenkens— . über die Juden in seinem .lkalender* und ,Kleinigkeiten* ver - ■| spritzt hat. Diese beaueme Unsterblichkeit hat H. S. Lenz nicht ,־x ruhig schlaft« lasten, er hat au» all der SalendenoeiUftit und \:| der KlttnigkettSftämerei den Abfall aufgelefen. und au« dem- VI selben auch für fich ttne kleine DofiS »Unsterblichkett' zusammenjj geflickt. Wir haben un« schon au anderer Stelle mtt der Schrift j .Alban Stolz und die Juden* beschäftigt, und wenn wtt er noch- -Jj mal» thnn, geschttht e« wegen de» besonderen Jntereffe», welche» ' ■i das 11. Kapttel de» erborgten Pamphlete» erregt, da« die viel» Vf versprechendeUeberschMttägt.Juda undHiram',i«welchem ״i gegen die Liudeu der Haupttrumpf auSgespiett wttd, indem sie -H Alle oder fast Me zu Freimaurern .gebrandmarft* wrrd« D und die Glimbigen vor der Freimaurerei gewarnt werden, deren -H .geheime Olxren* sämllich Juden find. Abgesehen von den g^ H schmacksollen Redewendungen, unter denen »da» Kleeblatt: Lump,. J Freimaurer und Herrenjud* zu den glimpflichsten zählt, aber zu D dem AuSdnick »Freimaurer, imgläubige Juden, Ehebrecher und' 'S drgl. Leute* fich steigert, verraten Beide — Alban Stolz und -5 sei» Abschreiber — ttne Unbefangenheit tu maurerischen Dingey, 'L die »von keines Gedanken» Bläffe angekränkelt׳ ist, und nur da- L rin seine Erklärung findet, daß diese» offizielle heuchlerische Mach. werk bestellte Arbeit ist, um dem fich verflüchtigenden Haß gegen - M Freimaurerei und Juden neue Nahrung zu geben. Wenn derD Herausgeber de» erwähnten »Beittage» zur Judenftage* zu de- ־Je lehren wäre, dürfte er am Fuße dieser Zeilen zu einer ander« fr Ueberzeugnng gelangen: -ü erhoffe« ist e» aber nicht, man läßt M fich ein SartenhauS-System, welche» man fich gegen Juden, Liberale und Freimaurer notdürftig «richtet hat» nicht von einem Jude« / '4 umwersen, wie überhaupt derjenige am schwersten zu überzeug r» l ist, der gar nicht überzeugt sttn will. jj Rästelhast ist eS, woher A. St. settre WeiShett der hatte, mtt. jj welcher sein Nachbeter un» überschüttet? Daß dft .Synagogen.'M der Freimaurer* sein Schauder« erregten, finden wtt erützüch—^W sei«« Entrüstung darüber. ngch. Chttsti Geburt fr1־—

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