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Israelitische Wochenschrift · 1893-10-05 · 40 (5.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
40 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 314 ~ mit be* Talmud nicht deckeu könueu (Unttrbrechuug). Er, Redner, seift, und er habe Juden darüber beftaat, datzviele in die Sanage« gehen, beten und e» doch nicht verstehen. (Stürmische Schlußrufe.» Segen den Antisemitismus hilft kein Hebet, kein Talmud. Die Juden müssen mit sen Waffen des Gesetze« gegen da« nnselige Wttken des AnttsunttiSmuS arbeiten! (Beifall und Sitar« tpruch.) — Dr, Löwen ׳eldbeklagt, daß ein trennende« Moment m dir Versammlung ge.'ommen sei. Die heutige Bersammlung solle eine Kundgebung deutscher Staatsbürger Mische« Glauben« beraten und an die Oeffentlichkeit bringen. Zu diesem Zwecke sei eine Resolution ausgestellt, di« nur eine Formulierung de« Empfinden« der Versammlung sei, und nur die einendem nicht die nennenden Punkte sättren darin Ausdruck. Mt dieser Kundoebung wolle man dev christlichen Mtbürgeru zeigen, wa« die Juden denken. Die Thesen lauten »Mer stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität. — Unsere Gemeinschaft mit den Juden anderer Länder ist keine andere, als die der Katholiken zu denen anderer Länder und die der Protestanten zu denen der andrren Länder. - Wir erfüll« uns«e Mithin als Staatsbürg« freudig und halten fest an tem uns verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte. — Wr gehören als Juden kein« politischen Partei an, dir politische Anschaumig, wie die religiöse, ist die Sache des einzelnen. — Wir Ha ien keine andere Moral, al« die uns«« niWidischen Mtbürg«. - (D« nächste Satz verdammt die Unehrlichkett einzeln« und wendet fich dagegen, daß dem Judentum die Fehl« eine« «meinen Juden zur Langelegt werden.). . .״ fteaitiamalt Dr. Fuchs spricht zu den Thesen und mahnt zur Einigkeit. Der Jude it als Jude nicht fortschrittlich: « kann konservativ od« sonst wie sein. Die Thesen w«den schließlich einstimmig angenommen. Um 10'/, Uhr schloß d« Vorsitzende, Professor Mendelsohn, die Versammlung. Stdln, 22. September. Da« gestrige »Köln. Tagebl." fertigt in einem Leitartikel den Programmentwurf d«»Anttsemittschen Vereinigung" füi Norddeutschland so glänzend ab, daß Wir eS uns nicht versagen können: zwei d« markantesten Stellen daraus hi« mitzutheileii. Es heißt darin: -Der Entwurf, d« Allen gleiche Rechte und Pflichten zu spricht, fordnt beispielsweise auch den Ausschluß d« Juden von allem liegenden Besitz, von allen Staats- und Gemeindeämtern aus dem Rechtsanwalt-, A«zte- und Lehrerstand. aus der Presse und d« Armee, « will bannt einen Theil d« Angehörigen de« Deutschen Reiches d« Rechte bnauben, welche ihm durch Verfassung und Gesetz garanttrt find, will russisch« Zustände in uns«r staatliche und gesellschaftliche Ordnung entführen und den Obrigkeiten Gewatt iw« Dinge geben, die rein pnvat« Natur sfttd, will die Juden in jene trostlosen und v«abfcheuenSwerthen Verhältnisse zurückstoßen, unt« d«en Druck sie gnade die Eigenschäften enwlckett haben, die uns« Mißfallen erregen und aus welchen sie endlich tar moderne Staat «löst hat. Man wird natürlich einwerfen, jüdisch fei nicht deutsch: ab« auch französisch, auch polnisch ist nicht deutsch, und die Verfassung gut nicht dloS für dte Reichsangrhörik en christlich« Konseffton, sondern für alle Staatsbürg« ohne Au;nahm«, ohne Unterschied d« Nationalität, des religiösen Bekenntnisses und tar Sprache. Eine Verfassung aber, die nicht auf d« (Grundlage der gleichen Rechte und Pflichten all« Staatsangehörigen ruht, ist das Papi« nicht werih. auf dem sie geschrieben ist, md darum hüte man sich, an dies« Grundage zu rütteln, das gairze Gebäude könnte Zusammenstürzen." An ta andern Stelle geht fie mit Herr» Proftssor Förster scharf in'S Gericht. Des« sagte nämlich in sein« auf dem BerbandStag gehauenen Vorlesung u. A.: .Bnnchert euch! — ist die Losung der Zett, und ein reicher Lump und Protz steht in Höher« Kurse als der arme Ehrenmann und d« pßichrgetteue Beamte. Arbett«, Bürger, d« seweo Beruf als ein heiliges Amt anfieht, in dessen Erfüllung « Glück uud Frieden findet." »Wer es am gewissmlosmstm, tteibr, hat die Aussicht, es am weitesten zu ^en,^wenn man ihn . —hört: »Es wird immer schwierig«, rine Meinung üb« uvs«e öffentlrchen Zustände zu sagen, ohne n die Gefahr zu konnten, entweta dem Gefängnis od« tan JrreuhauS zu verfallen." XEr dentt dabei an seine lieben Freunde und Gesinnungsgenossen Ahlwardt und Paasch) »D« Frechhett im Handel und Wandel, im offetttlichm Leben und in tar Presse — auch in antisetnitisetat Versammlungen, fügen wir hi 1M — rnrd wenig gesteuert. Mit Fug und Recht klage» wir die Jude» ol« die Hauptschuldigen au dies« Zuständen an. Ab« auch wk ttagen uusere Schttd. denn ohne den richtige» öiährbodeu wuchern dir Bazillen nicht ft« Stäbe." Mtt dem Eingestäntais unser« Mitschuld ta Verwüst»« -7r wirtschaftlichen u»!> soziale« Zustände, «ta&ataM* ta ״um Sitte ist Aller zesagr, Herr Hobe sonder» das gesagt, daß wir nicht da« moralische Recht Ausnahmegesetze gegen di«Juden zu fordern! Sehen Sie da« ein? — Dan» noch rin Wort üb« dm richttgen Nährboden. Sie sagm: Eigentum ist nicht Diebstahl, ab« da» jüdische Kapital ist «in Raub am deutschm Volke, deshalb mutz dasselbe auf ge» setzlichem Wege eiugrzogm uud zur Tllgung d« Hypotheken- und Staatsschulden, sowie zur Errichtung von WohlthätigkettSanstaltm verwandt werden," und ihre Zuhörerschaft ist entzückt — wahrscheinlich üb« die Wahrnehmung, datz auch Sie einm so herrlich vortaeiteten Nährboden für dm Bacillu» ta Der» Wüstung m«s«« wirtschaftlichm und sozialen Zustände im Leibe ttagen. Denn unt« un«, He« Professor — wenn das jüdische Kapital ein Raub am Volke ist/ so ist auch da» deutsche Kapital ein Raub am Volke, wie ja Ihre Kollegm von tar deutschen Reformpartei auch schon thatsächlich angefangen haben, bei de« Kapital von jeglichem Unterschiede ta Herkuuft und tar Konfession großmütig Abstand zu nehmm. — Welcher logisch dmkmd« wird ta Beweisführung de« katholischen Blatte« nicht zuftimmen? W. Ofteirade (OstprJ, im September (Or^Emrr.) Uns«e kleine nicht wohlhabend« Gemeinde hat mit großen Opfern für fich und ihre Nachkommen ein schönes Gotteshaus «baut, welche« eine Zttrd« uns«« Stadt genannt w«dm muh. Am 4. d. M. wurde dasselbe in Gegenwart ta ganzm Gymnnde, viel« au»- wärttgen Gäste, d« städttschen Behörden und eines großen TeUe« der Kristlichen Bevölkerung eingeweiht. (D« König!. Landrat, die evangelische und katholische Geistlichkeit folgten nicht d« Einladung.) In ta alten Synagoge hielt ta hiesige Predig« Sturmann eine «greifende AbschiedSrede, in welch« « dm Zuhörern vor die Seele führte, wa» dir Synagoge d« Gemeinde in tat 37 Jahren ihr« Benutzung und ihm in den 28'י׳ Jahren seine» Wirkens in derselbm gewesen sei. Noch dem Minchagebett wmdm sänttliche geschmückte Thorarollm unt« Gesang hinausgettagm, worauf sich ta imposante Frstzug unttr Musiwegleitun« m Bewegung setzte. Am Portale de» nmen Gotteshauses üb«- reichte Frl. Jakoby, Tocht« de»«sten Vorstehers einm Nr»- log sprechmd, dem Herm Bürgermeift« dm Schlüssel. dm dies« nach ein« Ansprache wiederum dem ersten Borstrh«, Herm Jakoby, überreichte, der dir Synagoge öffnete. Unt« dm üblic i wvu* uwnviujvvf vvi viv vw11U|fv))1> uiiuv»v« . Gesängm, ausgesührt von eine« gennscktm Synagoamchor mtt Harmoniumbegleitung, faudm sodann Umzüge mtt tat Tborarollen statt, worauf Herr Rabbm« Dr. B a m b e r g e r au» KS» nigSbera die «bauliche Festrede hielt. Er schloß mit dem Gebet für Kais« und Reick. Herr Predig« Stur mann sprach da» Weihegebet und «trifte den Segen. Zur Fei« des Tages fand darauf ein Festessen statt, an welchem ettoa 90 Personen teilgenommen haben. Herr Bürger» meist« ElwanSzok brachte in ein« läng«m gehaltvollen Rede dm Kaisertoast auS, Hta Dr. Bamb«g« ließ die Feftgemeinde hoch leben, Herr Sturmann die städttschen Behörden und Herrn Gymnafialdirektor Dr. Wüst, Herr Dr. Ritt«band ttank auf das Wohl ta Festrednn u. s. w. Nach dem Din« fand ei« ׳ Gartenkonzert und abmdS ein Ball statt, tar die Feftreilnehma. bi» zur fruhm Morgenstunde in heiterst« Stimmung zusammenhielt. Da» ganze Fest v«Üef in gelungenst« Weise uud wttd allen Tettnehmau eine bleibende Erinnerung sein, rS war zugleich ein Zengni» von ta schönen Harmonie, in welcher in unser« . Stadt die B«enn« ta verschiedenm Konfessionen zum Wohl« ־ des Ganzm Zusammenleben. Das Gebäude ist im maurische»׳ Sttl von Herrn Maurermeist« G o r e d t ausgesührt. Kramkreich. NariS. Anläßlich ta Eröffnung ta böhem Schulm wurde, eine aroße Anzahl JSraelitm in HSH«e Lrhrämt« versetzt. j Israel Lest, der Schwiegersohn Zadoc Kahn'«, ta Rabbiner; in Paris und Redactmr ta «näe» ist au» dem RedacttonS» z bmeau d« Sing«'schm Encyclopädtt gettcten. Am Ende hatten } Sie, Herr Redactmr ta Wochenschrift, ganz Recht, wa« Sie r dem W«ke vorhersagtm. B«kareft, im Septbr. ״Egalitatea", da» Organ ta po-" lttischm SleichoncchttgungS-Bcftrebongen d« rumänischm JSrae» ltten, «acht Mitteilung von Vorgängen, welche in vollständige« j Gegensätze zu jm« taeit« vor einem halbm Jahre «aangeum j Orsre de» Ministerpräsidenten stehen, nach welch« nichtuattira-, lisiertt Eftuvohn«, die ta MtlttmNnicht im " " ' "ich de« LttfenthaÜSre __ _ ' »011 : vou Genüge Wkaefttsschm att Fremd« betta l rumä ea».

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