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Israelitische Wochenschrift · 1893-10-05 · 40 (5.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
40 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bcitn hämisch« Bericht wir hier Folaen lassen: »Eine größere Anzahl ״deÄcher Staatsbürger jübiÄ« Glaub«»" — er mach» t« gegen 4M bi» SOV gewesm feit: — versammelmi sich an MinnodQ ab«b im Saale der ״Gesellschaft der Fremde" auf Sinladuna de« neuerdtng« «gründeten ,Leittralrrrein» deutscher Staatsbürger jüdisch« Glaub«»". Der Autrtti war nur «am Karten gestattet.*) Der Grund, der die Herren zusammmsuhrt, war natürlich da» Auwachsen de» AnttsemmSmui׳. Ei» (T) Recm»- amvalt Emil Lehmauu au» Drelldm hielt einen Lortrag über da» Thema: ״Der deutsch« Staatsbürger jüdischen Glaub«»." Der Redner hielt beim Avus« sein Manuskript so dicht vor den Mund, daß seine Au»Wrung« zum Teile verl n m ging« oder doch sehr schwer verständlich war«. Er sagte 11a.: Seitdem die soziale Frage besteht oder in dm Vordergrund getreten ist, sei da» Judentum der Spielball von viel« 11! bettvollenden geworden. E» sei plötzlich die »Judenfrage* ausgetaucht, anfangs nur verschämt in Drucksachen, aber dann immer schärfer, dringender und drohender, bi» ste zur Gründung einer Partei führte — der anttsemtttschen! So lange e» ein Judentuv, gegeben hat» so lange bat diese» Feinde gehabt und stet» sei da» Judentum der QtamT. jetzt ti werde,!v!!!vu, ..ן,. . u!u,t v» deutschen Staat»bürger jüdischen Glaub«» zu stempeln und doch Hab« diese in Wahrheit in Deutschland ihr lliaterland gesucht uud gefunden. In d« verschied mftm Synagogm finde man noch die gegm Napoleon l. Vater ande» ihr Blut __ . . . .1« wußten. daß ihu« Napoleon mild gefinnt war. L>a» Juvmtum habe fich durch Leistung« für da» Gemeinwohl de» Staatsbür zerrechte» würdig gezelat: dem Handel und Gewerb« habe e» w:ue Äbfatzauellen erschloss«, überhaupt Hab« da» Judentum da» deutsche Vaterland viel eher in« Haz geschloffen, a!» da» Vaterland fich d« Jud« erschloss« habe, »nb nun diese Hetz«! Nun Hai« fich auch,die besonn«« Konservativen d«1n anaeschloffer, die den Ruf: .Juden ’tau»!!* ertönen lasten — vielleicht auo taktisch« Gründm, vielleicht um der LolkSmönung uachzugebea. Daß man fich sogar von dieser Seite nicht sch« :, dm Regierungen anmempfehl«, einstweilen da« Gesetz von IMS kaltzuftellen wid auf dem BerwaltunaSwege gegm die Ju)m vorzugehm — da« aiebt un» Jud« sehr, sehr zu dmk«, da» ist da» traut gste in dem neuzeitlichen Leben. Auf dem B«valtuug»wege hat man e» ciuzuricht« gewußt, das, tu mehreren Staat« den Z ud« di« Berwaltung»ämteru.s.w.verschloffe»fivd. So viele str:bsame J-raeltt« SU« doch so ge« j. B. die akademische LelrthätigkeU ringe» lagen, uud jetzt klagen die ttntisemttm, das unter dm Journalistm und Anwalt« so viele Jud« find! Wir kungen der Hetze fl QCflCbC.״ ....^ , ... _ lich« Kolleg« wiflenschastlich und'praktisch glnch- Durch'da» Lertrau« ihrer christlich« Kol.egm werden z. B. Juden in die Anwaltikammer-Lorstäude benifrn. Unter »e.1 jüdisch« Journaltst« find viele, der« Seift, Klarheit Gewissenhaftigkeit uud Sachkenntnis bekannt ist. Ab«: die jüdisch« Journalisten soll« stch auch ihrer hohen sittlichen Aufgabe bewußt sein und auch den geringsten Schein vermeid«, der kein gute» Licht auf sie werfen könnte. Da» Judentum solle immer mehr eingedenk sein, dab e» ei» heilige», Hohenpriesterliche» Volk ist, uud ek sollte den Grundsah seiner »hu«: ein« rechtsäiaffmen Lebenswandel zu führen, nicht vergeffen! — Redner kommt auf die ▲Uiance iamelito uni- ▼eraelle zu sprechen. Dieser Berein sei nur ein Wohlthätigkeit«- verein: die Antisemit« aber beschuldigt« ihu politischer EroberungSgelüste» weil er Mitglieder verschiedener Nationalität« hat. Die Jud« Dmtschlond» aber Hab« keine ander« Beziehuug« zu den Jud« anderer!Luder, al» di« Katholik«» Deutschlano» zu den« anderer Länder und die Protestant« zu Prorestant« in ander« Lände«.Woran erkennt mau denn ein« Deutschen? Die Anttsimttm recht» sag«: am Christentum uud von link» wird geantwortet: an der Rassel Demgegenüber aber ist festptstellen, dab Deutschland älter ist al» da» E^iftentum uud Jud« gab e» vor dem Christentum. Nicht der ist ein Deutscher, «ff« Vorfahr« sich au d« KreuMgen betetligt Hab«, sonder» der deutsche» Wist«, deutsche Vlwium und ' Gesinnung« in fich aufgmomm« hat! lBravo!) Ein ... - ... deutsch sein will und der im w. lebt. Leider ist heute ein Ge- Geiste« de» vorigen Auttsemitm jcu« gro will. . . . Xlaht mich nuder lelbtzl _ «» da» aufrichtige dmkt: »Ein ..!" imb: ,Ein Tiovfm VlSMLL oder »ehute GUeb ist l Werte de» Christentum» einen Juden ber christlichen Kirche ja» führt — und e» mag ja solch« Fälle geben — ist ste ol» freie Willm»that berechtigt: aba diese frhtt wo die Elte« Jud« bleib« und Kinder fich tauf« taffen. Jedenfalls ist die Gleichheit von deutsch und christlich auf» «tschiedmste zu bestreit«. Die christliche Moral ist der Wisch« uachaebiwer» da» Verdienst ihrer Lerbrettuug gebührt den Christen. Damit sei da» Judentum aber keiue»w«g» in Schatten gestellt. Die christlich« Ethik ist der jüdischen entnommm und darum ist e» verkehrt, deutsch und christlich m Ein- Nana, deutsch und Wisch in Gegensatz zu bringen. Wenn mau die Sittmlehre de» Judmtum« meint» wenn man von dem-verderblichen Einstuffe de» JudeutuuiS* spricht, so wird die christlich« Sittmlehre damit getroffen. ... Wir wiffm nicht» vom Talmud **) Wir Hab« ihn nie in der Schul« gelernt, und in d« Religion»f.unden wird er nicht aelehrt. Wir wiff« nicht» davon uud wollen nicht» davon wissen- Da» Judentum steht stttlich aus demselb« Boden wie da» Christentum- Der J1u»e ist in erster Linie Deutscher, in zweiter erst Jude. Deutsch uud jüdisch deck« fich vollkommen Tin jeder gebildete Jude kennt und liebt sein Vaterland al» dc!« deutsche Und wo noch ein ge» wiffer Zug nach Palästina ist — in altgläubigen Seel« regt er fich «och und findet täglich Nah«ng — io muffen wir demgegm- Über erklär«: Dar Deutsch« jüdisch« Bekmntniffe» hat nnr derarttger Schwärmerei nicht» zu thun- Er hängt mit alle» Fase« seine« Gemülb» am deutsch« Veterlande- (Stürmischer Beifall). E» ist an der Zeit, von dem jüdischen Bekenntnis alle» abzustreif« wa» mittelalterlich, wa» zu Mibverständni». zu Mbbräuchen Anlaß geben könnte. — Bei aller Traurigkeit der antihat, der «tflammt ist von Lieb« zum deutschen Vaterland«, von Begeisterung für dm sittlich« Werth de» Judentum«. ״Wir sterb« nicht, wir leb«, um Edle« anzustrebm, wir forde« nur Ge» r e ch t i g k ei t, treu-deutsch und jüdisch allezeit l* (Stürmischer Beifall-) In der Dikusston ergreift «erst da» Wort der Rabbiner Dr. Maybaum: Derarttat Vorttägr sei« innerhalb der Judenschast sehr gut, dab diese ihr Bekenntnis in Liebe wert hatte. Zur Verteidigung nach außen hatte er aber diesen Vortrag nicht für geeignet. Die Juden könnm hundertnial sag«: die Ethik de» Judentum» ist die Erhik de» Christentum» — geglaubt wird'» doch nicht! Die Kinder find eb« schon »zu sehr besangen!* E» sei ein furchtbarer, für da» Judentum gefährlicher Satz: »Wir wissen nicht» vom Talniud r Ist der Talmud schlecht? Enthält er eine Moral, die zu verdamm« ist? Dann würde e» äarnicht» nütz«, wenn die Jud« nicht» davon wiffm wollten. Daun würde man sag«: Ihr Jud« seid aber im Geiste de» Talmuds erzogen. Aber die Moral dr» Talmud» steht auf der Höhe. Auszüge au» ihm find wahre Perl« der Ethik. Wo er irgend einen Lehrsatz aufstellt, ist er ein Kind seiner Zeit. Hinter dem Talmud stehen vielleicht noch 200000 strenggläubige Juden. Da könnte man nicht sagen: Wir wollm von dies« Schwärme« nicht» wissen. — Ein anderer Redner, der zuweilen von stürmischem Widerspruch unterbrach« wurde, führte u. a. au«: Der Talmud ist ein Ouellmwerk. in dem die verschiedensten Meinung« zum Worte komm«, wie in einem öffentlich« Parlammt, und auch dittmig« Meinungen und Lehrsätze find verttetrn, die nicht unsere Ätlligung finden. ... r» ist daher Pflicht gegen unü alle, zu sagen: wir steh« gar nicht alle auf dem Standpunkte de» Talmud», wir wiff« nicht» von ihm. (Stuf: »Sagen wir nicht!* Beifall und Wiederfpruch.) Der ethische Standpunkt de» Judentum» ist nicht zu erseh« au» dem Talmud nach den Sätzen, die übelwollende Sammler au» dem Talmud herausklaubm könne«. (Beifall und Widerspruch.) Der jüdisch« Glaube darf nichtzum Schwerpunkt diese» neuen Verein» gemacht werden .... Wir könnm ganz im Deutschen aufgeben, dmn e» ist nicht nötig, dab wir erst deotsch werden: wir stad e» schon von KindeSbemm an. Nur müffen wir alle» abstreifeu, wa» geeignet ist. Mißttau« zu erwecken. (Beifall und Zischen.) — Herr Ho ff stad t(?) wurde noch öfter von Lärm unterorochen. Er habe nie etwa» vom Talmud gelernt, und er müffe fragen, ob dem Rabbiner Maybaum etwa» daran gelegm sei, baß er (H.) al» alter Mann noch einmal etwa» davon leme. Wen» die« der Fall ist. möge er erst für eine Ucbersetzung de« Talmud» sorg«. (Ruf: »Zur Sache!' »Schluß!*) Der Redner ver» bittet stch die Umerbrechuug«. Wir leb« im Staate Friedrich de» Großen, der gesagt hat: S» könne jeder nach seiner Fa-oa selig werden. Wenn der Rabbiner Maybaum meint: ^,Judeutum auf die Schanzen l* so wird er fich doch auf d« —)Ski si»d di« .Sit?" — chollle Herr RechtrailwaU Lehma« nicht misse«. txft derTr«lt«z>b»th «u« zm, Talmud zehdir, ja di» sch»»ße» Sitteusprüch« de» SalaaM enttyUt? H« er diese i» Mi »ietigioiEkuude» nicht grieru»? «tr vP»«s»l» t» seyr? 9t tz» sie zu« »iudtftr,« i» »er schde.en »rißeüv'sche» Uebersetzmig g«. Ich« — er Ist der Gctz, d«h di» 3 «rund. WM» der Sott? > » h r tz «i st Recht «» Krü-en seien, nicht «ch tu4»»dtjch? (Red. d. I.»)

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