Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 40 (5.10.1893)
- Date
- 1893-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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muß sonach manche Tiere tödten, um sich zu nähren; daist natürlich mit Qualen für das Tier verbunden. Ja noch mehr, die Wissenschaft rastet nicht, sie will fort» schreiten, der sicherst!! Weg ist stetder des Versuch-, zu diesen Versuchen braucht der Forscher, braucht der Jüngling, der noch kem Forscher ist, aber die Methode kennen lernen will, sehr häufig Ti!re, die dabei schwere Pein erdulden; die Religion kann d-!m Forscher, ja nicht einmal der streben» den Jugend in die .')and fallen und di« Tiere retten; sie kann nur mahnen, daß di: Wissenschaft etwaheilige» sei, diesem heiligen Dienste dür'en die Tiere geopfert werden, denn so heißt eS: ,Ihr sollt herrschen über die Tiere". aber eS wäre ein schwerer Verstoß geqen die Religion, gegen den MosaiSmus» wenn jemand aus leerer Spielerei unter der Marke des wissenschaftlicher Eifers an Tieren herumexperimentierte. Alle diese Rücksicht auf Mensch und Tier kommt in den Anordnungen zum Ausdruck, welche wir im Talmud über das Schlachten der zum Genüsse bestimmten Tiere lesen, und selbst wer von uns sich an dieses Eeremoniell nicht mehr bindet, den muß eS tief schmerzlich berühren, daß diese durch» autierfreundliche Satzung verkannt und als tierfeind» lich verläumdet wirs. Dieses Echlachien nach jüdischer Vorschrift raubt dem Tiere, wie das Urteil der größten Fachgelehrten bestätigt, rasch jede Schmerzernpfmdung und dient in hervorragender Weise der menschlicken (Gesundheit, indem eS schleunigst große Blutmengen dem T erkörper entfüht. Je mehr Blut in dem getödteten Tiere bleibt, desto wehr Verwesungsstoffe haften an ihm, sodaß das Fleisch schneller verdirbt und dem Menschm, der es genieß:, nachteilig wird. Eine vernünftige Schlachtweise wird stets den doppelten Zweck im Auge behalten, daß einmal der Tod möglichst rasch und schmerzlos eintiitt und sodann daß das Blut rasch und in großen Mengen abftießt, daß die menschliche Gesundheit durch den Genuß hrlbverdorbenen Fleisches keinen Schaden leid«. Ein Thier kimn schneller getötet werden als dienach jüdischer Weift möglich ist, das ist nicht abzustreiten. Aber beides: dtr Thierschutz und die Rücksicht auf die menschliche Gesundheit, sind nirgendswo so gut vereinigt als in dieser althergebrachten füdischen Ordnung de- SchlachtenS. Rur ein sack kundiger Mann darf eS üben und ist gehalten ein lückenlos«- Messer hierbei zu verwenden. Welche Vorzüge hat diese Satzung auch für die ganze sittliche Entwicklung! Es wird von Thierfreundeu Klage ge» führt, daß in vieler. Haushalten die Tötung der dem Genuß dienenden Vögel vor: ungeschickten Händen vorgenommen wird, daß dadurch dem Thiere unuöthige Qual beredet wird und in jungen Kindern, welche diesem Treiben zusehen, grausame Jnstinfte geweckt w-wden. Die- Alleist in einem jüdiichen Haushalt, der sich >treng an den Ritus hält, ausgeschlossen. So sollte maa meinen, sei bei uns alles aufs trefflichst« nach dieser siichumg bestellt und zum Tadel gar kein Anlaß vorhanden. Zn der Thal wird man den Eindruck nicht los, daß bei dieser ganzen dem jüdischen Schlachten feindseligen Bewmung vielfach ein heuchlerisches Treiben vorwaltet; unter dem Vorgebeil de Thiere zu schützen, sollen die Juden gequält werden. Aber weil dieses Feuer vielfach ein unlauteres ist, von unredlichen Meuschm geschürt wird, so find wir darum der Pflicht der Prüftmg nicht enthoben, ob alle diese Einrichtungen, die in allen jüdischen Gemeinden bestehen, auch in dem sittlichen Geiste der mosaischen Lehre auSgeübt werden. ES kann ein Kranker nach allen Regeln der Kunst von einem tüchtigen Arzie behandelt werden und dennoch ut Grunde gehen, weil er in «inein ungesunden Hause lebt. War Hilst ihm die Kunst d«S Arzte-, weim er ihn nicht au« diesen örtlichen ungesund«» lllerhällnisseu befreit. E» giebt im sittl'chen Leben und vollends auf de« Gebier« der religiösen Eeremonien eine»;ZorinaliSmu», der da» Gebot de« Worte r-ch erfüllt «ck d<« «Reiste nach zerstört. ES ist vorgekommen, daß Leute ein Thier Stunden lang») gebunden liegen ließen» bis der׳ zum Schlachten Berufene erschien: waS nützt gegenüber solcher Grausamkeit ein lückenloses Meffer und ein rascber sicherer Schnitt? Oder da- Thier wird statt vorsichtig niedergelegt zu werden, was sehr gut möglich ist, roh niedergeworfen, um geschlachtet zu werden, gegenüber einem solchen Verfahren nimmt sich die Erfüllung aller thierfreundlichen talmudischen Bestimmungen beim Schlachten wie Hohn aus. Auch das AuSreißen von Wolle und Federn am Halse von zu schlachtenden Lämmern und Vögeln ist ungeziemend und wird von orthodoxen Autoritäten aogelehnt. ,Ihr sollt herrschen über die Thiere", heißt es in der «Schrift, aber wir dürfen die Herrschaft nicht mißbrauchen. Ist eS nicht sinnlos, irgend eine nebensächliche talmudische oder nachtalmudische Vorschrift betreffs des rituellen «Schlachten» sorgfältig beobachten und gegen da» Gebot sündigen, welche» die heilige Schrift, unsere Vernunft und unser Gemüth gleich eindringlich predigt! Wir haben die Pflicht, jeden Vorschlag, der uns entgegengebracht wird, zur Linderung de» unvermeidlichen «Schmerzes der Thiere, die unserm Genüsse, unserm Nutze» dienen sollen, genau zu prüfen; selbst wenn wir chn ablehnen, so sollen unsere Gegner nicht sagen, datz wir ihn leichtsinnig oder eigensinnig abgewiesen haben. Und vor Allem sollen wir nie vergessen, daß alle diese Satzungen nicht da» Wesentliche der Religion sind: nicht alle Gebote der heiligen Schrift sind gleichwerthig; die Rebe ttägt Ranken und Blätter und die herzerquickende Traube; die Ranken und die Blätter haben ihren Werth, ja die Traube würde vielleicht gar nicht gedeihen, wenn sie nicht vor allzu» heißem Strahl oder vor der Regenfluth sich hinter den Blättern verstecken könnte. Aber natürlich giebt erst die Traube der Rebe den rechten Werth. Die Kultur fordett, daß wir die Herrschaft üben über die Thiere, daß wir sie unserm Zwecken dienstbar machen; aber der fft gottlos und ein Barbar, der sie nutzlos quält, der sie überlastet, der de» Schwerz deiffelbeu über das nothwendige Maaß steigert. Auch unsere Feinde können uns lehren und unS nützen, indem sie uns zwmgen, stärker auf uns Acht zu haben und das Gesetz nicht nur buchstäblich sondern dem Geiste nach zu erfüllen, 8. B. Wer A«dern eilte Grube gräbt. Bon Dr. Sing« r-<kobl«z. Die »Reue Preußische Kreuzspinne" hat ein in Ansehe» ihrer schmutzigen Tendenzen unverhältniSmäßigeS Pech — nicht blos wörtlich zu nehmen, etwa well sie alle», waS Anderen wert und heilig ist, besudelt, sondern auch, soweit dieses Wort bei ihr anwendbar ist, moralisch —, den» sie wird jedesmal von dem verdienten Geschick erellt, in ihre eigenen Schliugen sich einzufaugen. Sie ist unverbesserlich,- denn wel«he politisch« Partei, welche religiöse Gemeinschaft hatte nicht schon da» Glück, von der alten Klatschbase begeifert zu werden, um hinterher um so geläuterter auS dieser schweren Prüfung hervorzugehen? Und merkwürdiger Weise erfahre» wir eS fast tagtäglich, trotzdem Hohn und «Schade»- freud« Schritt für «Schritt an die Fersen dieser Geißel Gotte« sich heften, daß die Katze das Mausen nicht lassen kann. Zu bewundern ist dabei die Langmut der hohen Staat«- \ behörden, diese« Blatt mit de« Kreuz an der Stirne und j der BoShell und Tücke im Herzen, daseine Berläumd ära mit Waldeck ft» großen Gchle begönne» Hut, so ernst zu ach men und sein« samkeft zu schenk«; ' und Truz ' ' «l«1.