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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-24 · 39 (24.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
39 (24.9.1893)
Date
1893-09-24
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Crtfdjaftnt hatten sich Delegierte eingefuuden, und von diese« 39 Ortschaften waren 20 — Vororte von Berlin! Jutaeffaut war es, daß bei dem verkrachten Meeting dieser urteutonischen »Rattonalen", angeblich auch russisch« Antisemiten (aus Odessas zugegen gewesen fein sollen. Im Uebrigen füllten den Saal die bekannten Typen aus jenen BolkSversau mlungen, in denen dieser mit urteutonischem Jndianergejohle dem Ahlwardt und seinem Freunde Förster da« BtfreiullgSruhmcSgemlse in Gestalt der bewußten Lorbeerkränze überreicht wurde. Des Factt der Verhandlungen ist, daß die Antisemiten sich von ihren früheren konservativen Sönnern frei machen" wollen, notzdem sie von der letzten Wahlbewegung her noch ttef in Schulden stecken, sintemalen sie für ArnSwalde-Friedeberg und Neustetttu, also für die beiden Muster-Antisemiten Ahlwardt und Förster, allein 7833 Mark ausgegeben haben. Der Vorsitzende des norddeutschen Verbandes gab den asten Tivoli-Duzbrüdern einen kräftigen Fußstoß zum Abschiede. Aus den übrigere Verhandlungen wttd noch folgendes derichtet: Förster leistete sich den asten antisemitische Scherz, daß das ,jüdische Kapital' ein .Raub am deutschen Volk" fei und deshalb auf geseSlick em Wege eingezogen und zur Tilgung der Hypotheken- und Stac tSschulden sowie zur Errichtung von Wohlthotigkeitsanstalten ve wendet werden mußte. Sehr schlecht kamen in der Debatte die -Christlich-Sozialen" und speziell Stöcker weg. Da Pfarrer Roev:nbeck bedauert hatte, daß zwischen den antisemitischen Führern Uneinigkeit herrsch«, ließ sich Ahlwardt in dem Sinne vernehineo, daß die Uneinigkeit durch Stöcker verschuldet sei, welcher assaat habe? die Antisemiten müßten schärfer bekämpstwaden, als itt Sozialdemokraten. (Sehr wahr!) Dieser AuSspruch ttrr.ne die LMemten für immer von Stöcker. AuchFörster erklärte «« ferneres .Zusammengehen mit den Christlich-Sozialen für ausgeschlossen. — Zur Durchberatung d«S Entwurfs der antiscmitsschen Forderur gen wurde eine Kommission gewählt. Das Programm verlangt unter Anderem: Stellung der Juden unter Fremdengesetze, AuSsihließung der Juden von allen Staat»- und Genleindeamtern, von! RechtSanwallS-, Aerztennd Lehrerstand, sowie aus der Presse und au» der Armee u. s. w. — Wetter wurde eine Resolution angenommen, welche die Regierung zur Prüfung uud Uet ersetzung des Talmud auffordert. Ebenfalls eine längere Resolution zeigte die Besprechung des Falle» Paasch ' ssor Försi er. In dieser Resolution wttv die Behörde eise ausaofordert, Paasch durch eine größere Anzahl nichtjüdrslyer Abkunft auf seinen SnsteSzustand lassen- — Den folgenden Punkt der Berhaudlunge» agc der Bereinigung der Anttsemiten Norddeutschelbe wurde unter dem Namen: ,Bereinigung der .Norddeut chland»" vollzogen; sie umfaßt aber nur die Richtung Ahlwardt-Förster. Der Sitz de» Vorstände» der Vereinigung ist Berlin. An der Spitze stcht Fvster. Einige versuche, den Anschluß des Parteitage» an die Äöckel'sche Reform- Partei respektive an ne Libermannssch« Richtung herbeizufuhren, wurden enegerisch zuiückgewiesen. Wir registriren mit Genngthuuug. daß die ״Nordd. Allgem. Zeit." die Maß- und Ziellosigkeit dieser anttsrmittschrn Forderungrn als ,i« Widerspruch mit den bestehenden Rech t s verhältniffen und den Grundbedingungen unsere» monarchischen Staat»- leben« verurteist und da» Tafeltuch zwischen der anttfemittschen Partei und Allem, wa» covservativ ist, für entgültig rntzwetgrschnitten" erklärt. ttetfitt. Da» hiesige .Kleine Journal" brachte unlängst einen Artikel. worin gegen die Sammlungen für Kirchenbaute» Sttmmung gemocht, d. h. namentlich der Unzufriedenheit darüber Ausdruck gegeben uurde, daß der Hofmarschall der Kaiserin, Frhr. v. Mttbach, die Einladung zu Leistungen für Kttchenbauten auch an wohlhabend« und wohlthättge jüdische Mitbürger nicht erfolg!»» versandt hitte. In Bezug hierauf veröffentlicht der .Hannov. Kurier" ein» Brief, de« der Oderhofmeister der Kaiserin. Wirk!. Geh. Rat Fchr. v. Mttbach, vom Geb. Kommerziemat L. R. Soldb erge״ hier erhalten hat. Dies« Brief btldett da» Begleitschreiben zu euer Spende für dtt Katta-Wilhestu-Sedächt» ntSkttche und hatte f rlgenden Wortlaut: hrter jerr Freiherr» E«. Lpcellmz! Bon länger« erfahre ich von^iue« vor Wochen im httstgen komischer i Irrenärzte untali bildeti lands. Anttsemiten vaö itte «tiiltt Dich auch di« »« ix» de« >, hat htt und da eutlichte» uud auf '" lich ltua falls zu den io Her b«tre^e.1de« Erj adelte» acht wo auf sonen gehöre. Hindurch ist mtt in daß ich m der Thal vor 2'/, Jahren. Ecelen» Sinladmm für die Kaisa-Wilhel steuert habe. Ich that die», weil nach mein« Auffa ich ttotz da Auwurfe de» »Ikleinen Journals״ nicht Fürsorge für die Pflege da Religion eine Pflicht " Erfüllung der Enuelne sich nicht eng und en<" eigene Bekenntnis beschränken darf. Jene Geschtt._ Journal" ist mtt zum Anlaß geworden, in meinen Büchern nach»; zufehen, in welche« Maße ich mich eigentlich an Beiträgen Kttchenbauten beteiligt habe. Was ich darnach diesem Zw« überhaupt jemals zugewandt, erscheim mtt gegenüber den Bor auSsetzuogen d«S .Kleine» Journal»" so bescheiden, daß ick nachttaglwh beehre, Ew. Excellenz neben meinem Wtha dargel brachten Scherflei» von 300 Nk. wetteret aus endMark fwr de»! gleichen Zweck (Kaisa-Wihelm-GedächtniSkttche) ganz ergebenst { zu überreichen. — Ich bitte Ew. Ercellenz, weine Gabe freund»! lichft anzunehmen und nachsichtig darüba zu urteil«!, daß eine 1 freilich zu a«baem Endzweck geschriebene ZeitungSnottz Anlaß diesem Schritt gegeben hat." ^(Die ״Kreuzztg." vcröffnttlicht diese» Schreiben ohne jegliche! Bemerkung, darum untalassen wir auch nae sehr naheliegende.)« Berlin, 19. Sevt. Die Anttsemiten fangen nachgaodr an, ein« ׳ den andern für verrückt zu hasten, womit sie auch wohl so zttml'' da» Richtige treffen. Erklären abn einmal die medizmisck Sachverständigen einen Anttfemitenhäuptling für verrückt, aiei z. B. im Falle Paasch, so geraten die Herren Rassenbetza in ein« - wahre Berserkerwut, od« sie thun doch wenigstens so, um datz^ Geschäft nicht zum Sttllstand kommen zu lassen. Heute erklärt! ein hiesige» Armsemitenblatt Stöckerscher Observanz, da» Buch des überspannten Bew«, eine» da Lteblingsschrii..._... Bismarks, welche» ,Gedanken" betttest ist. müßte nngentltch de« | Titel ^irngespinnste" Rapen. »Man ist vielfach geneigt," —: sagt das Blatt — »ihn (Beton) nicht für ernst zu nehmen, uud eS ist wirklich zweifelhaft, ob da gute Mann noch unt« dtt Baständigen zu rechnen ist." Wenn so ein Snttseurtt üb« den anderu urteilt, so «sparen sie den Gegnern die Arbeit, den Anttsemiten im Jntaeffe da Oeffentlichkeit zuweilen den-Pul» zu fü^rm Kr«nkfnet, 15. Sept. In da Berufungsinstanz da -ies. Sttaftamma wurde gegen den Händla Friedrich Ortmüller! vahandett, da im GerichtSgebaude kurz vor Weihnachten de«, R^A. Dr. Julius Wolf beleidigt und mißhandelt Hasen Tr. W. hatte am Civilaencht für den Gegnn de» O. vlai und dabei auf eine Bemerkung de» O. erwttdert: »Unterlass Sie diese kecke« Redensarten!'* O. rächte sich nach Schluß Sitzung, al» er an den Advokaten vorbeiging, durch dtt geflüst_, Worte: »Wart' nur, wenn ich Dich in dtt Finger kriege. Jud'.i verfluchter l" Auch soll a dem Anwalt mehrae Stöße oda Schläge auf Schusta uud Dange versetzt haben. Da Auftritt hatte tun,, einen Zeugen, einen Kolporteur, da Srmbewegungen d walt« wayrgenommen, und beschimpftnde Worte gegen Oge v. gefchlaaen hat. mtt da Verurth ' Geldstrafe oda Da mg. Diel schlagen sein willl vadiene keinen Glauben. R^Ltzosmann, Darmstadt prottstirt gegen die Schilderung, die da aste von seinem Klient« O. entwirft. Da Schuldbewei« sei «bracht. Da Vertteta de« Rebentläga», Justtzrath Dr. G« schreibt dem O. einen ,dämonischen" Charatterzug -u. RechtSanwall sei in gröbst« und htntalimgsta Weise im 2!bände beschimpft und angegriffen worden. Dafür gMhre' ta eine Belebrung durch eine empfl ' ' “ seine Unschuld. Die Kamm« ändert da» aste llrtheil da-s unt« Annahme mildernd« Umstände dtt Sttafe auf age Gefängnis haabgrsctzt wttd. L. F. Kn» BMW, Mtt» September. (Ottg^Een.) Da jüb^, -. (n mttkZ btefe« -ÜAfMNN klltMlW PA widrig« Umstände in letzt« gen ze» wäre». ««,e» -etaer Schmd -uherordeatUch b»tt zu. u» Woche» erfuhr Heim, bah Letale wüch Verkanf »«» <wh Held in« Han» t«»mm« Hab«, an» »eranlaht« btt Km» ihm in Upwesenhett ihre» Manneb «ine» T«L der gedorgte» Snmm« z» Men. >l» der Ja^anffcher beim Nnch» heusttomme» batz Borgefa»«« erfuhr, gttkt er ta solch» WM, daß er de» Jade» «echatag nnbth» totschoß. Da vahaftana «tderfetzt» sich der Mbrder mtt Hchednm, Semehr nnd ward« deshalb «mnSeubbarme», da sich ta Ledenbgefahr befand, «densall» «er et» etalgrS Letbl«'«

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