Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 38 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Ueberzeugung eine gute Sache zu haben, beigebracht werden, denn dar schlimmste ist die Unwissenheit, die Unficherhett» die Kleinmut in unfern eigenen Reihen. A. B. steht setzt auf der Tagesordnung da« Sch äch te n. ES ist unglaubich, welche unsinnige Vorstellung« unter den Juden selbst über Grund, Hergang. Zweck und Bedeutung verbreitet find. Ene unermüdliche Aufklärung must da beweisen, dast eS für den Jaden gradezu ehrlos ist. der feindlichen Agitation und Argumenta ton auch nur einen Schritt weit nachzugeben. — In den antisemitisch« Zeitungen wird beständig die Aufhebung des Gesetze« vo, 1869 verlangt. Die wenigsten Juden wissen genau, was e« mit diesem Gesetze auf stch hat. Und so giebt e« hundert Gelegen seiten zur Belehrung. Die jüdischen Blätter allein genügen niht, denn fie find leider viel zu wenig gelesen. Me intelligenten Kräfte des Judentum». Theologen. Juristen. Mediziner. Saust« ute können hier zusammmwttkm. Hier müssen die taktischen Maßregeln für den einzelnen Fall der Abwehr beraten und geschloffen durchgeführt werden. Die Zersplitterung führt hier oft an einem und demselben Ort zu den widersprechendste», verfehltesten Schritten. Ganz besonder» muh die der Schule entwachsene Jugend in diesem Sinne erzogen wurden. Bon hier ist bi» jetzt unser 8erderben ausgegangen, hier must zur Umkehr angesetzt werden. Hier ist eine innereLttbeitunvErziehung höchst nötig. Man sammle diese Elemente und erwecke einen EorvSgeist, der die widerlichen Untugenden der Schnoddrigkett, der Frivolität, de» geist-, Herz- und gemütloscn Genusses, der Zuchtlofigkett im Lerkehr besonders in össentl chen Lokalen, die schlechten Manieren bei jedem Einzelne» unbarmherzig verdammt und wegftgt. Für diese Jugend find besondere Sektionen zu bilden, in welchen den jungen Leuten zugleich alle edlen Unterhaltungen und angemessen« Vergnügungen geboten wttd«, die ihnen anderwärts »ach und nach verschloffen werden. Die obligatorische Sonntagsruhe stellt als geignete Zeit den Sorutagnachmtttag zur Verfügung. Lider die wichtigste Arbeit ist eine sorgfältige Ueberwochuug de« Erwerbsleben», bei dem nun einmal — durch die Schuld de« Staat» — die meisten Irden beteiligt find. Unsaubere Geschäft»- kniffe müssen schonungslos an» Licht gezogen, verurteilt, verhütet werden. Der Verein must für einen unreelle» Juden eine gefürchtete Instanz, eine Arc Ehrengericht sein. Mr wissen sehr wohl, da» die« ein hetleS Geschäft sein wttd, aber wa« hülft uns alle» andere ohne dieses,? Aber auch wenn der Verein keine Sttafmittel gegen solche hat, die ihm etwa nicht angehören, so wttd die Klotze Kritik, die öffentliche Verhandlung über eine» vorgekommenen Fall ei» wt.-ksame» Mittel sein. Juden müssen sich an Veranstaltungen für die VolkSwohlfahrt nicht blo« beteiligen, sondern fie womöglich selbst zu begründen helfen. Insbesondere air׳ dem Lande, wo fie in viele» Provinze» ausgebreitete Verbindungen haben, müssen fie die Schaffung eine» billige» reelle« Lredttwejer» sowie einer streng solide» Geschäft»- Vermittelung in die Hand nehmen. Niemals wäre Böckel und seine Genoss« in Hess« soweit gekommen, wmu man dort vor Zehn Jahren so gehandelt hätte. Diese Vereine wäre« endlich da» geeignetste Organ für alle Arbeiten» der ״inner« Mston st» Judentum"', welche austerhalb der Sufgab« der Gemeind« liegen. Geh« fie über da» Lokale hinautz, so find fie auf Longr essen zu behandeln. Wir rechnen dahin: Förderung aller gemeinützigm Einrichtungen, welche auf freier Thätigkett« beruh« z. B. Unterstützung de» jüdisch« HandwerkerwesenS, Erzfthuut»- und!Wajsenaustalteu. Regelung de» Wanderbettel«. Fürsor״e für Religionsunterricht. Den» wenn auch religiöse Streitfrage» und erst recht alle und jede Tages- Politik ferubleib« «üffm, so würd« wtt doch alle Arbett für eine nutzlose Geschäftig!fit erkläre», wenn mau jed« religioi« bedank» gewaltsam elimluftreulwollte. Den Aabbiuer» nud Lehrer», überhauvt jedem wahrhaft jüdisch denkend« Manne, der dort auftrttt. verderk« toir e» nicht nur nicht, sonde« «w »erd« e» geradezu vo r ihn« erwarte«, dast fie die Frage in ihr« letzt« Grunde als eine religiöse betracht« und hinstell«. Wie die Vereine leisten und welche Statut« fie habe», ist uu» ganz gleichgilig, e» Li»5m ebensogut schon vorhandene Orgcufisatton« benutzt «erd«, die Hauptsache find die recht« Männer ׳ dazu, die eine gute Sache redlich, uneigennützig, eifrig, klug, geschickt leitta voll« und können. Nu» den», sollt« diese «orte und die Sache, der fie gelt«, kein« finzigm erwecke», dem seine Brüder im Glaub« und im Blut fteudig zu *olg« bereit wären? Treff« fie aber ein« solchen, dann schicke er stch an und de» stelle die Wintersaat. ______ B•J* Berichte und Lorrespouveuze« Dewtfchlnnd. Mmgdeb«rg. Sett einig« Wochm tobt in den antisemittsch« Versammlung« ».Zeitung« ein heftiger Kampf feindlicher bi» dahin engverbundener Brüder. Auf der eine» Sette steht Stöcker der greise Held und vor ihm hall« dm Schild da» .Volk' (die Zeitung diese» Nam«S natürlich) ,Reich»bote', krenzzettung und die ganze christliche Liebe. Auf der ander« Sette Förster- B öckel-Ahlwardt-Libermannu. der Berliner Versammlung», pöbel. Austerlxm bekämpft» sich »och: Förster und, Böckel, Böckel und Ulwardt, Ulwardt und Libermanu, Libermann und Böckel und beide d« Stöcker und Ulwardt, u. s. w. Dem recht« Flügel in diesem anmutigen Spiel bezeichnet Stöcker, Freund und Gmoffe de» Her« von und ״stu" Hamerstein, dm link« Ulwardt gegen Jnd« und Junker- Dft Veranlassung der ganz« Prügelei gab die Wahl in Reustettin erst Ultvardt», daun de» durch Ulwardts Gnade einttetend« Förster und der Durchfall Stöcker'» mit Rückfall in diesem Kresse und der einfache Durch» fall im Siegen er Kresse, woran der böse Böckel schuld sein soll. Run kommen dft Borwürfe: Stöcke«' wttd dft Bewegung unchristlich, man ist undankbar und vergibt seine unsterblich« ver» dftuste um dft Ufänge der Bewegung. Förste« gegenüber soll Stöcker nicht Wort gehalten Hab« — e« ist ihm also wieder etwa» Menschliche» passiert —, dft ganze Reihe wirft sich in her Richtung link» nach recht» de« Schmeichelwort ,Judmknechf zu, alle aber beschuldig« fie sich gegenseitig der UnrÄlichkett. Grade wie Spitzbuben, dft bei der Teilung de» Raube» «nein» geword« find. Am hetterstm aber ist der Borwurf, der Ahlwardt gemacht wttd: er habe dm Leuftu in Sach« der Schnapssteuer eine Unwahrheit gesagt. Da» kau» nicht wahr sei», der BolkSttibn» hat noch nie gelogen. Dast aber Ulwardt von all« der schlaueste Bruder ist. zeigt stch auch darin, dast er keiner autssem. Parteibildung b fitritt. Er will keine »Ehawrusft'. Er geht allein auf dft Jagd/ er will dafür auch da» Wildpret für sich allein braten. G«au so hat er e» bei der Wahl gemacht; da hat er für stch ein« ,AgttaüonSfoud»' gesammelt.-״Da» Judentum wttd an de« ganzen Strett feine Helle Freude Hab«*, so schrieb de-; schwörend ha» JB0R" und darin hat e« recht, wir freu« un» weidlich, wenn wtt sehen, wie sich dft feindliche« Brüder in dm Haar« liegen. Aber darum wollm wtt un» keine»weg» über da» Ende de» lieblich« Kampfe» täuschen, fie werdm sich nach einem bekanutm Sprichwort bald wieder die sauber« Hände reich« und eiattächtig bei einauder geh«. Stöcker, der grollend »ach Amerika »gang« ist, m autssem. Vorträge zu halten, wttd zurückkehrm. Ulwardt christlich vergeh« und gemeinschaftlich, werdm fie Anträge zur Judenftage «ttbringen. Darüber dürft» wtt un» keinen Zwessel überlass«. Wtt Judm leid« an einem ungestört« OpttmGmuK, der rifttig und fromm ist, insofe« er sich auf dft letzte« Dinge richtet, aber sehr verkehrt in Hinsich« auf dft nächsten. Bald «ach dm Wahl»! wusttm einige jüdische Blätter au»»»rechu«. dast dft «ntssemtte» nicht füufhmiderttausend Sttmmm erhalt« hätten, sonde« nur; dft Hälfte, vo» dies« sei au» dm und jm« Gründ« wieder dft Hälfte abzuzieheu, vo» de» Reste seftu dft wenigst« wirklich cmttsemttssch — schlftstlich, so nmstft man bei dies» Recheuerempel» auben. giebt e» überhaupt keine Autss emüm oder dft Beuftchtng'ii lmmt ab, hat d« Höhepunkt bereit» ecreUft n. f. ». Nur mtj Mn Schrcfibissch au» da» Leb« betrachtet, kann so reden,