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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-15 · 38 (15.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
38 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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f«uf Erden, der nur da- Gute ttäteund nicht!ündi-te", aber wohl ebenso wahr ist wieder da- Gegenteil: Egiebt keinen .Menscheu so schlecht auf Erden, der nicht ei« Gutethäte und nur sündigte. Man braucht kein Kvral, »u fein, kein Lolk-verführer, und kann doch angefichteiner Gemeinde, die in heiliger Stunde sich zu« Gebete vereinigt und chren Sinn zu Sott lenkt, mit Korah reden: ,Diese ganze Gemeinde ist heilig und in ihrer Mitte ist Gott" Der Talmud wagt esogar den Propheten Elisa zu tadeln, weil er sich gegen die Rcgel vergangen: ״Jedesmal, wenn Du einen mit der Linken verstoßen mußt, so bringe ihn mit der Rechten wieder nahe", «eil er einstmals seinen Jünger Sechasi mit beiden Händen verstoßen hatte. Einst nämlich, so heißt es in der Schrift, erkrankte der siegreiche Feldherr des König» von Syrier:, namens Raemau, und eine junge Magd mr- Israel erwnkte in ihm die Hoffnung, daß der Prophet Elisa fähig wäre, ihn zu retten. : Der heidnische Feldherr eilte mit großem G< folge zum Zelt de- Propheten und dieser sagt,:: ,Bade fiebermal im Jordan " «nt» Du wirst wieder heil sein." Da zürnte der Held und ,Ich dachte, er würde herau-kommer und anrufen den Namen seines Gottes und seine Hand schwingen über die kranke Stelle und der Schaden würde »eichen!- Und Naeman wurde bdse, weil chm hier für sein« große Krankein so geringes und leichte« §)etlmittel veroidnet war und wollte nicht thun nach dem ©orte de» Prophet,«. Da sprachen die Diener: ,Hätte, d Herr, ter Prophet eNoas Großes von Dir gesockert, Du hättest es gethrm, nun da er zu Dir spricht: bade und Du wirst heil sein.- Naeman badete mm im.'Zorda« und ward gesund. Jetzt trat er zu Elisg, pries den Grtt Israels und bat den Propheten, doch ein Sseschenk von il!m anzunehmen. Feierlich wies der Prophet da» Geschenk zmück und segnete den Feldherrn, der genesen heimwärts zog. Aber ist Gechafi, dem Jünger de« Elisa, regte fch die Habgie:, er «Ute dem Naeman nach und wußte unter einem paff,»den Borwande dem Heiden Kleider und sonstige köstlich« Garen zu entlocken. Er. wollte es dem Elisa verheiinltche», aber l>icfer erfuhr es und heftig schalt er seinen Jünger. ,War dal eine Zeit, Geld, Kleider anzunehmen, und Schafe und Rintur und Knechte und Mägde- und di« Krankheil: Naeman« fiel, vielleicht durch dessen Kleider übertragen, auf Sechasi, und Elisa verstieß ihn für immer au» der Schaar seiner!Zümger. Sechasi hatte sich schwer versündigt, beim es galt dem Propheten für eine Entweihung des göttlichen Namens, daß er für das Liebeswerk, das er unter dem l Beistand Gottes vollbracht hatte, Geld annehmeu sollte; G««hasi aber war der Jünger des Propheten, chm am wenigster stand es zu, der Habsucht Raum zu geben und den Prophet«» Gottes in de« Augen des mächtige» heidnisch» Feldherrn j»u entwürdigen. Dennoch tadelt es der Talmud, daß ihn ülisa mit beiden Händen verstoßen hat. Und auch wenn wir mit uns selbst zu Gericht gehen cm diesem hochheiligen Tage, so sollen wir nicht allzustreug aber auch nicht allzumild imfei» Wandel pritfeu. Es ist oft nur Feigheit, die sich nicht beffrn will, die sth dang einredet, dcch sie es nicht könne. Wir sollen unser« E-linden nicht vor uns sUbst verschleiern, aber rstr soll« sie auch nicht ver» .wir sclllen nicht vvrgefjen^iößGott auch mit der Linken verstößt, mit der Rechten wiedcw an sich zieht, daß seine Liebe jeden Frevel tilgt. Wir möchten darauf den Satz der Weisen anwende»:לעורם יראה אדם או/ע*» כאלו הוא וחדו דריג ודמיו זכאי ,Jeder Mensch soll von sich tnmkeu, daß er zur Hälfte schuldig und zur Hälfte unschuldig sei-, daß es also nur eines ernsten Willens bedarf, um der Kraft zum Guten das Uebergewicht zu verleihen. Keiner von uns ist so stolz, zu sagen: Ich bin gerecht, ich Hab« nicht gesündigt, aber keiner ist auch so verworfen und verloren, daß die Brücke abgebrachen wäre, die ihn zu Gott führt. Gott verbirgt sich vor keinem, der zu ihm sich flüchtet und r,1sch erhört er, und an dem Tage, de wir ihn rufen, ist er jedem nahe. B. R. Wtuterarbeit. Der Winrer rückt näher und mit ihm erscheint die Zeit der Aufregungen de» öffentlichen Leben», da» ist für un»: der antisemitischen Heye. Denn wenn un« auch optimistisch« Gemüter beruhigen wollen, weil die Wahlen vorüber sind und un« seit einigen Monaten kein Tanten erschreckt hat, so wird stch doch kein Einsichtiger über dir drohenden Gefahren täuschen. Wäre e» an sich unbegreiflich, daß di« Antisemiten nach ihren letzten glänzenden Siegen stehen bleiben sollten, so kann un» ilzre Haltung gar keinen Zweifel lassen. Die Antisemiten sind die einzige Partei, welch« auch während des Sommer« nicht geruht hat, sie sind unstreitig dt« rührigsten, rhätigsten. fanatischsten und übertreffe« darin selbst die Sozialdemokraten. Ja, wie wir au« sicherer Quelle wissen, haben sie bereit» den ganzen WtnterfeldzugSplcm entworfen. Unter anderen haben sie beschlossen, den Kampf gegen da« jüdische Schrift» tum falle« zu lassen und direkt auf ihre Ziele!»»gehn. Er sollte vor allem zur ״Aufklärung" dienen, d. i. znr Aufteilung der Masse in scheinbar wissenschaftlichen Formen. Dieser Zweck ist erreicht, r» ist Gefahr vorhanden, daß da» Volk anfängt gelang, wellt zu werden und üderdie» war der Kampf schwierig und un» sicher, den« h!«r habe« die Antisemllen m der. Juden selbst heftige, entschlossene und oft genug siegreiche Segne! gefunden. Talmud und Schulchawaruch werden von jetzt an Ruhe haben. Die Er» klärung der Rabbiner, da» Auftreten einzelner von ihnen, sind also nicht ohne Erfolg gewesen. Jetzt sollen hauptsächlich die Untversttäten und da» Land bearbeitet werden. Durch die Uni» versttäte« wollen sie »etter wtt bisher die führenden Kreise, die späteren Geistliche». Lehrer» Richter und Benvaltung»beamte ver» Vesten und ans dem Lande wollen sie den Juden geschäftlich rui» Niere«. Al» Agitatoren sollen die Studenten dienen, und e» sollen förmliche Agttationsschulen eingerichtet werden» die ülwtaen« schon mehrfach bestehen- Dieser zielbewußten Hetzarbeit steht die deutsche Judenhett in einer tranrlgen Berfaffvng gegenüber. Wtt entbehren jeden wttkltchen Mittelpunkt jeder Organisation, führender Persönlich» lichketten. tbatkrästi,er Männer, ja selbst aller gemeinschaftlichen Ueberzeugungeu. Diese zu schaffen muß unsere erste Arbeit sein. Aber» und abrrmal» ermahnen wtt l«ut und eindringlich/ Anstatt der io diesen Zetten gegenwärtiger Rot zwecklosen Brr» eine für Geschichte und Ltttrratur, anstatt der platonischen jüd. Burgerbünde iEntröe 3 ML) anstatt derBcreine zur Abwehr, d. t. »um Versand farbloser Druckschriften und zur Bezahlung christ» licher Redn:r. anstatt d« Mißlichen Treib erarbeit für politische Parteien von zweifelhaften Wohlwollen für un«: Gründel vereine, velche sich au»schlteßlich mit der Bekämpfung de» Auttsemi» ti»mu», aber mit dieser im weitesten. ernstesten Sinn befaflen. I« dttsen Vereinen müssen die Juden, selbst erst geistig an», gerüstet und di»cipliniert werden. Jede» Mitglied muß in de« Staub gesetzt werde», alle Brrleumdungen der Antisemiten, wenn auch nur sich selbst gegenüber, zu widerleg« n> Die» geschehe durch Vorträge, Dtrtusstonen. Mitteilung von Erfahr«!gen, fleißige Lektüre der feindlichen und apologetischen Litpratur- Hierdurch die

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