Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 38 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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so darzustellen, als könne Wissen den Kindern spielend bei»' gebracht werden. Da» ist ei« eitle» Gerede; e» giebt keine Methode, durch die einn Meister wird, ohne zu lernen; - e» ist nach dem Talmudspruch Jeder unglaubwürdig, der behauptet, ich habe mich nicht geaüht und doch gesunde«; e» ist viel» mehr geradezu eine Lu gäbe der Schule, von vornherein dem Linde zu zeigen, daß das Lernen eine ernste Sache und kein leichtes Spiel sei, die MndeSseele vor dieser schwersten Täu« schung zu warnen, al» flöge Erkenntnis und Wissen so ohne weitere« in de« Lopf. ES giebt eine wexen ihrer Slugheit und wegen ihrer glänzenden UnterrichtSerfolge bekannte religiöse Genoflenschast, die. wie man sagt, nach dem Grundsatz« verfLhrt, beim lln» terrichte in der Religion niemals eine Unachtsamkeit zu bestrafen, sonst aber die Schüler streng zu behandeln; durch diese Unterscheidung solte dem Lind« frühzeitig die Religio« etwas besonders Angenehme» und Freundliche» werden; nicht einmal dies« List, so!rsolgreich sie zweifellos gewesen ist' möchten wir billigen wid zur Nachahmung empfehlen; e» liegt im Wesen eine» UntenichtSgegenstande», der, wie die Reli» gion, sowohl da» Gemüt wie den Berstand anregen soll, daß nicht da» ausschließliche Gewicht auf da« Lernen gelegt wird, sonst möchte das GemÜ erstickt werden durch die Ueberfülle des Stoffe», aber Rel gion muß nicht nur beherzigt, sie muß auch gelernt werden; t>a» Herz geht leer au», wenn der Berstand nicht« gelernt ha , und hier darf die Religion kein Borrecht haben vor ander em Wiffen; sie am allerwenigste» darf sich den Lindern wie surch eine List einschmetchela. ,Aber", sagen die Alten, ״wenn Du schon eine» Gchüler von Dir stoße« mußt, so thue e» mit der Linken, thue -eS nicht gar so hart >md heftig, mid lasse ihm nicht allzulang die Empfindung, daß er verstoßen sei, bringe ihn mit Deiner .Rechten, mü Deiner vollen Lrast sogleich Dir wieder nahe. Lönnen Eltern die hellige Aufgabe, die sie an ihren Linden» zu erfüllen I»ab«n, gedeihlich vollenden, dürfen sie nur mit süßen sanft«! Worten zu denen reden, deren Wohl ihnen doch so sehr av Herzen liegt? Wer möchte «» nicht lief beklagen, wenn ir einem Hause eine rauhe oder gar eine rohe Rede waltrt; die Linde«seele ist so weich und empsäuglich; sie ist zuneilen wie der Thon in der Hand de» Töpfer», sie nimmt alle Eindrücke rasch auf, und mancher, Der später scheu und verschüchtert abseit» dasteht und nicht den Mut hat, daß zu leisten, wozu die Lrast chm inuewohnt, müßte diejenigen ank agen, die durch rauh« Worte de» hei» teren Lebensmut de» Linde» gebrochen haben, di« durch eine, wie mau sagt, eisern, Strenge den GoldeSglanz der junge« Seele für alle Zeit getrübt haben. Aber schlimmer -st noch die Verzärtelung, die Nachgiebig» keit gegen jede Laune und Thorheil, der Uebereifer jede» Stäubchen au» dem Weg« zu räumen, wobei vergessen wird, daß jeder Mensch spiter im Leben mächtige Steine wegschaffen muß, die ihm seinen Weg versperren; er müßte an Liese» Steinen avftojjeu und zerschellen, wenn er nicht rechtzeitig lernt, mü «igeitec Lrast Hindernisse zu überwinden. Alle Welt wüd angeklagt, wenn ein Lind nicht vorwärt» kommt, der Staat, die Schul«, da« Leben, nur diese» Lind soll keine Schuld habe». Die Jugend wird dadurch nicht ärmer an Freuden, sondern nur reicher und glücklicher, wenn Propheten: ,Hell dem Menschen, der da» Joch getragen in, seiner Jugend", der sich gestählt und gehört« h-ü, ernste Arbeit auf sich zu nehmen. Wie aber wäre die» »a erreichen, wen« der Jugend jedes böse Wort erspart, bliebel Hier da» Vergnügen mit lockendem, lächelndem Antlitz, dort die Arbeit mü strenger, durchfurchter Stirn, da entsteht in de« bestge» arteten Linde wohl die Reigung, dem Vergnügen zu folgen, wenn nicht der fest« Wille der Ettern die Ausschreitung ver» hindert Trefflich sagt ein stanzöstscher Autor: ,Der wahrhaft Freie will wa» er darf und chut daun, wa» ihm ge- Mt" Aber dieser volle Einklang zwischen Reigung und Pflicht ist kein Geschenk von HimmelShöh'n, er ist die Frucht einer Erziehung, die verständige Eltern an un» beginnen und die mit dann selbst fortsetzrn. Eltern müssen den Mut haben, chre Lieblinge für eine Lurzeweil mit der Linke« von sich zu stoßen, diesen wehe zu chun, um da» edle Ziel zu er» reichen, aber die Linder müffen merken, daß diese Strenge nicht mit ganzer Lrast geschieht, daß sie nur widerwtllig ge»' übt wird, daß, wie da» Gleichnis der Alten lautet, nur die linke Hand fortstößt Und nimmermehr darf, selbst wenn die Sinder schwer' sich vergehe», der Zorn soweit die Oberhand gewinneü, daß^ dem Fortstoßen keine Annäherung folgt Wo gäbe e» eine: so große Scljuld, eine» so schweren Ungehorsam,, ein sol heftiges «uflchnen gegen de» elterlichen Wille», daß Eltern» : liebe nicht über all diese Sünde hinweg de« Kinde die Hand׳ reiche, sollte? Wo soll ei» Marsch vertrauen finden, vemr j diejenigen sich ih« verschließe»,' denen er sein Dasein vev-1 baust? Die schlimmste Sünde ist oft entstanden, weil einer, dessen Herz verwir« >v«, keinen fand, vor dem er sich au»», sprach und der ihn ausklärte und zum- Rechten wie«.. Nie»! mal« darf der Groll so mächtig werden, daß die Hand. Eltern sich träge zeigt, den verstoßenen wieder näher zu bringen ihrem Herzen, ihrer Lieb«. vollend» güt diese Parole für jede öffentliche Thätigkest.^ Da« Volk hat von jeher seine Schmeichler gefnaden, wie db Könige, Menschen, die. um den Beifall einer Stund« zu winnen, der Menge zu Mund« geredet haben, die, wie saia» klagt, gut böse und bös« gut nenne», Licht Finsternis und Finsternt» Licht, die da« Bittre süß und da» Süße nenne». Gm ist die Tugend und Licht ist die Wahrhett süß ist die erfüllte Pflicht und nimmermehr ist e» leicht,' diese» Gute, diese» Lichte und diese» Süße zu gewinnen, vi ermüden ans de« Wege, viele irren ab vom Pfad« und giebt e» gefällig« Schmeichler, die da» pochende B«wisse, schwichtigen und mit heiter« Mund verkünden: ,O, sucht ui mehr die hohen Güter, ihr habt sie schon", mid die Ar, werden betäubt und bechört von solch arger R«de. U, Elieser sagt: ,Sine Semeiuschast, die Schmeichlern ihr leiht, ist bald verachtet und verlasse», eine solche Gemeinsä verliert den Boden unter ihren Füßen." Zu allen hat die Menge Steine erhoben gegen die treuen und auf de» Schild erhoben hat sie diejenigen, die ihr in» Ohr Würsten. Und doch kann Einer auch dadurch versündigen, daß er allzu grell die Sünde rügt. Wohl ist : wahr da»!Bort der Schrift: .E» giebt kein« Mensch ge