Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-09-08 · 37 (8.9.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
37 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962231--1718-5375794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 291 — koll der 29. Versammlung de* Satin* jüdisch« Lehra in Han» nooa wird von kttnem Unbefangenen al* Polemik gegen da* Seminar in Hanno»« und seine Letter aufgefaßt «erden. Ich schrieb nur gegen dm Referent« nicht gegen den Direktor Herr Dr. Krona Hot öffmtlich Kegel geschoben — ich hatte ihn öffentlich kritisiert. Dam gen habe iS) durch mnnitteldare Anschauung ein Bild von da Hannoverschen Anstalt gewonnen, da* ich hiermit schon au» Gerechtigkeitsgefühl gan da Oeffentlichkeit über» mittele. 1) Da* Srmir ar in Hannova leistet vorzügliche» im Musik» imternchte. Während zwei« Stunden, da die Seminaristen zu unsera Üntahaltuvg eine Reihe Gesang«-, Mufick- und Gedichtstücke vortrugen, gng mir eine Welt von neuen Gedanken auf: ick fühlte mich so arm: Meine Schulgenoffen und ich haben «r officio am semtt.ar keinen Bogen angesetzt. keine Laste berührt. Hier sah ich Jünglinge vor mir. die in ihrem Fach« wahre Mustaleisturgen darboten. E» waren genußreiche Stunden. Ick batte au* vollem Hazen dem Direktor, dem Dirigenten meinen Beifall nnt. Dank ausgedrückt. Zöglingen mit solchen Qualifikationen stehen viele gute Stellen offen, die un* vaschloffen sind. Tag» darauf habe ich gegen Einschränkung de« Musikunterricht» gesvrocken. 2.) Die Führt ng, da» Benehmen da Zöglinge war nicht pedantisch, oda g״r linkisch und tävvisch. Nicht Angst und Blödigkett drückte die Seminaristen nieder. Man sah, daß da Leita nicht blind« Werkzeuge, sondern sich fühlende Menschen vor sich batte. Auch bitf« Art de* Verkehr* war mir neu. Di« Art de* Umgang« da Lehra mit den Schülern ist ein mächtige« Moment in der Ehiraktermldung. und mir wurde e* klar — wa« auch au« mehraen mir jüngst zugeganaeuen Zuschriften erfichtlich ist, — daß die Anstalt sowohl wie ihr Direktor von vielen SBalingtn geliebt inb geschätzt werden. S.) Do« Internat ist von da Lehranstalt getrennt Diese liegt »wischen Hann >v«r n. Linden in der Peripherie beider Städte und gewahrt eine lluSstcht einerseits auf Grund, Slecker, Wirsen, andrerseft« auf die große Srinnrungen weckend« Waterloomühle. Mt dies« herrlich.!» Lage vabindet sich noch da Vorzug. daß au die Anstalt eia groß«, zugehörig« SersuckSgarten grenzt. Sia fanden wft die Künstler vom vorigen Abend frühzeitig paten und Harke handhaben und nach Anweisung de« Gärtner» Bote abschlagen und andae .Tulturarveiten' waornehmen. Hi« ist ein Blumen hau», dort ein Bienenhaus. Dies« Bereinigung von derecii erex und ulmnd tornh ist schön und nützlich und wftd von Familienvätern einst sehr gewürdigt waden. 4.) Ganz neu war mir die Handfertigkeit. So nennt man in dem neuen Anstaltsgebäude di« im Erdgeschoß liegenden, mit Hobelbank, Säge, Meißeln, Kleikertopf re. auSgestattrten Räume, in denen die Zögling« mit da Anfertigung von Säge». Schnitz- und Papparbrtten beschäftigt waden. um die zwischen Geist und Körva, Theorie und Praxis. Schule und Leben nöttge Harmonie hrrzgstellen. In andern Zimmern liegen die Resultate diese» UnterrichtSzwemS, deffen Einführung ein ganz desoadae» Badienst de» Herrn Dr. Krona ist. zur Besichtigung, und diese Sachen: Mappen. Bürsten. Lineale. Briefbeschwer«, Kistchen und Kästchen, deren man täglich im Hause benötigt, dürfen sich getrost als Meiste arbtttea sehen laffen. Die Handferttgkeit ist ein groß« Boigug de« Hannoverschen Seminars. 5.) Da» Gekiude selbst ist den jetzigen Forderungen entsprechend eingerichtet. Da stblt auch da« Badezimmer nicht. 6.) Ein Raun ist zr-m Steilschreiben eingerichtet. Ein Zögling praktizierte sich in diel« steilen Kunst. Jedenfalls ist anzuerkepoen, daß xiS Seminar auch diese modernste Forderung auf ihre Berechtig mg ur d AuSführbarkeu prüft. 7.) Im Physik rlychen Kabinet ließen wir un» die hauptsächlichsten da vielen, viel« Anschauungsmittel für den weltkundlichen Unterricht zeigen und demonstrieren. 8.) Das Gebäude hat auch einen großen Saal mit hohen Regalen für Büch:r. Natürlich erkundigte ich mich auch nach den OemoreS. S.) Mt dem Seminar ist die nötige UebungSschule verbunden. Die zur Lehrprobe befohlenen Schüler waren im Hebräifcheu wett vorgeschritten. 10.1 Herr Saainardstrktor Dr. Kr. ist ein Schulmann, deffen Herz in seiner Anstalt, und deffen Kopf bei seinem Berufe ist. m siebt sich Mibe, da Methodick des jüdischen Unterricht« Wege zu suchen. Sielleicht wftd « ein Pfadfinder. Die nötig« Voraussetzungen rnd Mittel stehen ihm reichlich zu Gebote. Er glaubt, daß er wchl zeitleb«» mit da Mischen Schule vabuuden bleiben werde Wünschen wir da» uu Jntaeffe da Mischen Schule und der jüdischen Lehr«. Nenh, Lehrer. Al«» Lessen. Zu dem Artikel üb« die Stellung da M. Lehrer in Hessen-? iaffau habe ich zu bemerken, daß e» alladiug» richtig ist, daß da» Gehalt da iSrael. Lehra nar 750 Mk. detrifft ab« daß ix » Neteneinkommen au» dem Eantorat ebenso-. viel bettage, mu^ bestritten waden. Wa nm einigermaßen die BesoldungSvahältniffe da Mffchen Lehra ttn Reg. Be», kennt, kann obig« Behauptung durchau» nicht »«stimmen, da Borsängerdienst verursacht den meisten Lehrern viel und bringt manchen Badruß, ab« «in eigentliche« Einkomment i gewährt a nur ein« verschwindend kleinen Zahl von Leherrm/ Den meisten da Haren bringt da« RGBtami al« Vorsänger rnst, weda gar kein oda doch nur ein sehr, bescheidene« Einkommens - welche« kaum den 10. Teil von 750 Mk. bettagen dürste. . ״ Ein heff. Lehrer» vefterreich«N»-ar». %u4 BSkM««. In Nr. SS drrvJSr. Wochenschrift* byr fand sich unter dem Schlagworte »Au« Böhmen* eine Notiz, die ttotz ihrer Kürze Manche» enthält wa» ett» näbae» Eins" zur gebieterischen Notwmdigkrit macht Al» da« Gesetz best« »die Regelung der äußer« RechtSverhältniffe da iSraelit,- ReliMonSgenoffenschaf? valäntbart und durch die asten 10 PI vom Tage da Kundmachung desselben den ReligioaSlehrern bez. bttr: ligionSweisern die MögliÄnt geboten wurde, durch den Dispa»- »um Rabbinaamtt «aelaffer. zu werden» gab e« in allen hier. ländischen jüdischen Blättan nur einen Schrei der Entrüst«« ׳ festen» der Roboiner und mit nicht wiederzugebenden AtttibuttU» wurden diejenigen belegt, die nur im Entferntesten Miene mach». ten, die Wohltbat durch da» Gesetz geboten, für stchin Anspruch, nehmen zu wollen. Diese Herren waren gewiß im Rechte, wen» sie alle« darau setzten. Unwürdige von so hohem, bedeutungSvolleNk Amte au«zuschltetzen; allein waren denn dama» me ca. 400 0(.־ Böhmen in Verwendung stehenden Beamten — nicht Schächter sämtlich Unwürdig» Nach der Ansicht da Herren Doktor-Ra»»״ bin« ja. Nicht einer sollst »ugelaffen waden. —;■ Wäre e» nicht ersprießlicher, nicht im Sinne und im Seist», da heit Religion, al» daen Träger und Pflega doch dst -errät. Rabbiner angesehen waden müssen, ««handelt gewesen, wenn sie vor allem sich zusammengethan, da» dem zu ernennenden Rad» bin« (?> zu nnffen unbedingt Notwendige bestimmt bi<ft* in öffentlichen Blättern publiziert dann au« ihr« Mist ein« Kon,» nnsfion zusammengesetzt und da hohen Regierung die Bitte vor» gettagen hätten, e» möge nur solchen Kandidaten DilveutzerstW? waden, me sich mit einem von dies« Kommission autzaesstlltem, ihr« theologische Befähigung brscheimgenden Zengniff«! autzweffznV Wie viel wäre dadurch «spart worden? Wie viel EhUlnl-Ha wäre unterblieb«?! Kau« da zehnte Teil da Ernannten durchgetommen und diejenigen, welche dst Stande«aböbnng erworben, hätten dem Rabdinerstand« nicht zur Unehre g«re,^_. Hatte freilich ist e« ander«, denn e» sind thatsächlich nm« den »Ernannten^ mitunstr auch solche, die de» grammatikalisch rich» tigen Lesen» nicht mächtig sind. Allein so bedaualich diese Thai»! fach« auch ist, wa hat denn diesen Ignoranten ein Rabbinattm. zeugni» ausgestellt? Ein Rabbiner! Schreib« Mcf«* kamt einen solchen Harn, da, ohne den Examinanden zu sehen, ohne ' ihn zu kennen, für 60resp.50ja sogar für 10 ff. RaobinatSdiplomm!egen Nachnahme versendet bat Dafür können die anderes Herren fteilich nicht»; ab« gaodeso dir e» ungerecht wän^ die Rabbiner insgesamt für die — sagen wst e« grrad« Haan» — ■י SMrindelei eine» Einzelnen oda Einig« v«antwortlich machen zn wollen, ebenso unbillig und eine« hochgebildeten Manne« unwür» big ist e», die Dispensierten sämtlich al« Unwiffende,"al« durch« Kai Unsähi-r hinzustcllen und sie in den?lugen ander« herab» usetzen.?wein di« Sach« selbst ist lange nicht so schlimm, al»' r der Schreib« obenerwähnter Notiz darstellt. Denn dst E«» . indnbtn waden, bi« e« sich darum handeln wftd, einen Rabbw« ׳ anzuftellen. gewiß nur denjenigen wählen, den sie entweda durchs eine Reihe von Jahren sowohl in Bezug auf seine Tüchtixkett alt in?Sezug ans seinen Lharatter kennen zu lernen <5 batten, oda da ihnen durch eine anerkannte Autorttät waden wstd: nicht etwa weil e» die Rabbiner Böhmen« letzt« Kundgebung gewünscht, sondern einfach darum« well Gemeiudemitalied für seine oft kckwa zu erschwing«!»« Km» Gestellten zufällig auch Schächta sein mutz, noch lang« kein Bfweis, daß alle nur Schicht« sind; ab«auch dstse» «Sr«bas Uebel größte« nicht In meinet Goneinde starb der Semeindedstner^ und Schacht« und hmterließ eine kauke Witwe mit ö unvee» oral« Kindern, welche sämtlich dem größt« El«de anheimge» all« wär«, wmn ich nicht die mst nur Lußast knapp zugenia»- «m Mußestunden dazu v«rw«det hätte, durch *u Jahr« dst ganze umfangreiche Schlachtung zu übernehmen. Ich frage die Herr« Rabbma, ob mich dieses Vorgeh« »twürdigt, ich frage ab« auch, ob e« ein« von Ihn« gethan hätte? Sir dür' e» «st, hochgeschätzt« Herr Redakteur, glaub«, daß bei un« Böhm« unstr dm »Srnamtt«* auch ganz tüchtige Religio! lehr« find, dst an Mittelschulen ffch rüymllchst havorgttj haben, wa« sich wahrlich nicht von allruRabdinern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.