Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 37 (8.9.1893)
- Date
- 1893-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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herzige Mann mit grobe« Pathos au«. Während der Zug sich weiterbewegte, stellte es fick heran-, daß der Man», der soviel Mitleid mit Würmchen hat«, der Dieb sei. ES traf ihn die »erdiente Strafe und er wurd: anstatt des Juden gehängt.- DaS ist nmtatis matacdü dir Geschichte der Tierschutzvereine, welche gegen das rituelle (Schächten agitteren. Um den Ochsen in der letzten Stundedeizust, hen und sie vor der sog. Grausamkeit deS Juden zu schützen, bemühen sie sich, daß das Schächten über» Haupt verboten werde. Zwar wurde von anerkannten Autoritäten bestättgt, daß die jüd. Methode des SchlachtenS wenigersschmerzhast u. demGebrauchederMa ike, um daSTier zu betäub«n,vorzuziehrn sei. Allein das kümmert d ie Tierschutzvereint nicht. DaS Würmchen?arf nicht zertreten wid der Jude muß bedrängt werden. Sein Mittet ist ihnen zu schlrcht, um ihr Ziel zu erreichen. Der Name von Kirchcufürsten wird mißbraucht, um ihre Agstatto» neu zu unterstützen. Dies alles geschieht im anttsemittfchen Geiste, um den Juden den Fleisch« enuß zu erschweren. Bis jetzt haben fie im monarchischen Sachsen und in der repudlikanischen Schweiz gesiegt. Dem Königreiche Sachsen gebührt die Ehre, mit dem Verbote deS rituellen SchlachtenS voravgegangen zu sein, nicht aus L armhcrzigkeit gegen die Tiere»'sondern aus Feindseligkeit gegen die Juden» denen eS viel zu danken hat. WaS wären die Leipziger Meffen ohne die Jude»? Dem Beispiel des monarchischen Sachsen folgte nun auch die republikamsche Schweiz. Der stanzöfische Teil derselben votterte gegen das Verbot, dem schweizerischen Deutsch gebühtt der Ruhm, die Freiheit, besonders die GewiffenSsteileit, in der Schweiz brschräntt zu haben. Wir richten an die Thiervercine folgende Interpellationen: Die Bibel, die doch auch dem Christen Qcilig, enthält Opfergesetze oder Borschristen über die Darbringung von Thieropfrrn auf dem Altar Gottes, diese n urden geschlachtet in derselben Weise, wie heute noch das rituelle Schlachten vorgenommen wird. Da das Opferthicr ohne Fehl«r sein mußte, so durste eS nicht vor dem Schlachten durch einer wüchsigen Schlag oder eine Maske betäubt werden. Glauben nun die Herren Thierschutzverrinler, daß die Thora Grausamint gegen Thiere zuläßt? Sie ist so barmherzig gegen die Thiere, daß fie nicht gestattet, einer Thiermutter dar Junge vor acht Tagen zu entziehen, um eS als Opfer dSMbringen, denn auch die Gefühle einer Thiermutter müssen geschont werden, und wie sollte fie e» zugeben, daß man eine grausame TodeSart wähle» dürfe, wenn eS gitt ein Thieropfer darzubringen? Der Bsalraift rust aus: »Dem Menschen und de« Thiere leistest Du Beistand, o Gott;- ferner: »Gütig ist Sott gegen alle» und feine Barmherzigkeit erstreckt sich über alle seine Werke.- Und die B bel sollte sich von den Thierschutzvereine« über Mlde und Barinherzigkest belehren lassen? Haben die LereiuSvsitglieder noch nie eine Jadschilderung gelesen, wie da Hirsche uno Rehe gehetzt und gemartert werden dansit die Vornehmen un» Hochstehenden dem Zagdvergnügen nachgehen können. Ist e» Ihnen nicht b-ckannt, daß in Spanien und auch in Frankreich Ssierkämpfe st,Enden, welche nicht blo» von rasfinirter Grausamkeit find, sondern auch die Zuschauer abftumpfrn und der Verwilderung zufiihren? Warum rühren fie sich nicht, um gegen diesen Sport zu agitteren? Die Juden hatten nie Thierschutzvereine und bedürften fie auch nicht. Denn zahlreich find die jüdischen Gesetze und moralischen Vorschriften zur Schonung der Thiere. So z. B. soll ein Jude nicht eher zu Mittal speisen, als bis er seine HauSthiere gefüttert hat. Und diese Thierschutzvereine nehmen eS sich heraur, die Juden über die schonende Behandlung der Thiere zu belehren? Der Haß, der «rttisemisisch« Haß, und nicht die Barm» Herzigkeit gegen die Thiere ist die Seele der Agitasionen gegen das rituelle Schlachten.!Die Tsierschotzvereine haben zweierlei Marken, eine für die Tiere mid eine für sich selbst, hinter srlcher die Fratz« deS AntisemitiSnru» verborgen ist. Baden, «»de August 1883. Dr. Ad. Jelinek. Berichte iwl CorrefpO»de«ze». Le»tschI««A. vertt«, 1.Sept. MeinBorschlaginNr. 81 diese» Blattes betr. Strafverfolgung de« antisem. »Talmud-AuSzug-, ist in Blättern und privaten Erklär» ungen zustimmend ausgenommen worden.*) Die Aundgebung eines berühmten christlichen RechtSlehrerS, sei mir gestattet, ihres mahnenden Inhalts wegen zu veröffentlichen: fie lautet: , ... Schon lange durste man sich wundern, daß die jüdischen Gemeinde», denen eine so große Zahl ausgezeichneter Rechtsanwälte zur Verfügung steht, eS einem christliche« Theologen überlaffen haben, wegen unerhörterSchmähungenund Aufreizungen die nösiaen Strafauttäge zu stellen »nd mit aller Energie zu betreiben. ES ist gut, daß Sie hierzu eine Anregung gegeben haben. Verbindlichst danke ich Ihne» p. p>- Mau beachte wohl den in diesen Zeilen enthaltenen Borwurf. Die Vorurteilslosen unter unfern Mstbürger«, die stch nicht scheuen, eine »Judenschutzttupp«- gescholten zu werden, fie erwarten von uns Juden— und da» mtt Recht—daß wir unser« Lertei» digung nicht ganz und gar in ihre Hände legen, vielmehr selbst in erster Linie. den, freilich lästigen, Kampf mit unser» Widersachern aufnehmen. Rühren wir uns also und lasten wir den Gedanken, unsrerfettS den Sttastichter zur Unterdrückung anttsemittscher Pamphlete anzurusen, nicht ruhen, sondern zur That werden! Mein hierauf abzielender Vorschlag bedarf nun in seinem prakttschen Telle einer Ergänzung. Ich hatte für zweckmäßig und stelle hiermtt die Bitte. daß die Gemeindevorstände (von einigen ist die» bereits geschehen) dem Büreau deSDeutsch^sSraelittschen Gemeindebundeszu Berlin^^V. Sigismundstratze S) eine Erklärung zukommen lassen etwa wie folgt: Die Gemeinde N. N. erklärt stch bereit, einem Strafantrag gegen Verleger und Berbretter de» ansisem. .Talmud-AuSzugbeizuttete». Zu einer derarttgen Erklärung bedarf eS nach 8 «t de» Gef. über die Berhältniffe der Juden vom 23. Juli 1847 nicht erst einer Beschlüsse» der Repräsentontenversammluug. Wird «einer Bitte entsprochen, so steht zu erwarten, daß der allverehrte Borfitzen dedeS Gemeindebundes. Herr Geheimrat Dr.K r i st el l er, stch zur Juitasive in der staglicheo Angelegenheit berufen fühlen wird. Die wettere Behandlung der Sach« denke ich mir dann, wen» ich vorgreifen darf, etwa so. daß der Text de» Strafantrag•» vom Bureau de» Gemeindebunde» festgestellt, die Urkunde aber von Dr- Sristeller ausdrücklich im Namen aller zustimmenden Gemeinden sowie für seine eigene—) Person unterschrieben und so der Kgl. Staatsanwaltschaft «ingereicht würde. Sine Vollziehung de» Snttage« durch alle Gemeindevorstände selbst würde zu umständlich und langwierig sein. E» genügt ja auch die Namensunterschrift eine» einzigen Juden al» eine» der Verletzten. Anderusrtt» erscheint die Nennung der mtt dem Sttafanttage einverstandenen Gemeinde», wenn auch ohne rechtlich« Bedeutung, so doch von einem moralischen Gewicht, da» nicht zu unterschätzen ist. Berlin. Rabb. Dr. PH. Kroner. . Berlin. Es ist von Bedeutung, daß die beide» hier er- M."^?I^sLerzettuugen energisch für die jüdisch« rituelle Schlachtmethode «mreten. Die ״Allaem. Fleischer-Zeit.'- hat fich der Mühe unterzogen einige Autoritäten um ihre Ansicht über dar Schächten zu befragen. Sämmtlich« Herren stimmten darin überein, daß beim jüdischen Schächten von Tierquälerei keine Rede fein könne. Herr Professor «,geling von der königliche» Hochschule für rierarzneiknad« «einte: Nur ei» Lai« vermöge die« zu behaupte». *) »nltsemitische Erörterungen find mir biglaug noch nicht ut «esichte gekommen; ich Hab« erwartet, daß di« Tatmnd-Anszug- Fabrikanten wenigstens .absichtslos« Druckfchler", und »chnliche» vorschütze» werde». Sollte» de» Leiern d. vl. solch« Se^nkundaebnngen bekannt sei», ko würde» sie «ich za Dank verpflichten, wen» sie dieselben an «ich (Kaiserstraße 41 L) übermitteln «ölte«. —) Indem ich empfehle, de» *»trag auch i» eigenen «amen zu stelle», folge ich «ine» dankenswerte» Mn,«zeig de« H«rn De. f«r. Lrvisoh» zu Siegburg.