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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-08 · 37 (8.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
37 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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heiliger Stunde; der Haß, der Neid, dt« stürmische Beaierd« nach eitle» Gewi»» ist »I der Seele gewichen. Jeder fühlt, daer besser und dann» glücklicher sei all in jener Hetzjagd der Werktage. Wie schön, »kr« tf, wen» diesem Jahresanfang di« andere» Lage entsprächen? Aber die Meisten setzen am de« Fuül«r die Schwelle des Heiligtum» und wenden sich »«rück -u weMihem Uebermut. E» ist n« eia Traum dir Frömmigkeit on» der Friede dieser heiligen Tage, der Traun ist nicht ganz wettlo»; r» ist immer gut, dadie Seele fich wütigsten» für einig« Tage erholt: aber der Zweck dieser von Mose geordneten Ta »e ist nicht erreicht worden, da» Gebet hat die Kraft zum Grten geweckt, aber diese Kraft ist nicht wach geblieben, fie if sogleich wieder in Schlamme! und Erstarrung verfallen. Wb find zurückgekehrt, aber wir find nicht di» zu aaserem Softe z:rückgekehrt. O, der Anfang ist nicht da» Schwerste: e» wäre Täuschung, wenn wir in der feierlich«« Simmung de» sfesttage» schon da» Ziel erreicht wähnten, wir stehen erst am Fi-e de» Berge». Bewahre ua» Sott i«er Gnade, vor jeder Versuchung und jeder Verführung, dadie heiligen und Kon,men Sedaakea nicht wie stüchftge Säfte in unsere Seele einkehren, sondern wie die Insassen und Herren gaa» von ihr Befitz ergreifen: wir all« fühlen e», daß die Freud» der Erde kein dauernde» Glück gewähren, wenn fie »icht gcklärt und grläutirt find vom Geiste Gotte»: aber wir fühlen e» auch, dadi« Schmerzen der Erd« kein dauernde» Weh bereiten» wenn Du bei an» bist! Wir haben den ersten Schritt zur Uvtkehr gethan. o halt wir unbeirrt vorwärt» schritten diese lichte Bahn und nicht l rücher Haft machten, al» bi» wir Dich erreicht haben und ganz Lir gehören, dawir umkehrteu bi» zu Dir, o Sott. B. B. Unsere UntoerfUaien. Die »Kreuzzeitung" vom vorletzten Sonaabrnd bringt einen spaltenlangen Leitarttkel gegen eine Au» führung der Allgem. Zig. d. Indent. Ja diesem »Hauptorgan de: Israeliten Deutschland«', wie die mit den jüdischen Pretzvalültnisseu unbekannte Kreuzzritung sich auSdrückt, war zur Bildung von Unterstützung»- foad» für israelitische Studierende aofgen untert worden. So» gleich erhebt fie hire treu warnende Sttnme. Sie glaubt hier einem geheimen von lang«r Hand verbreitet, n Plan der deutschen ,Israeliten" auf der Spur sein. Während >en christlichen Ettern abgeraten werde, ihre Söhne bei der allgemeinen UebtrftUlung der gelehrten Berufe studieren zu lassen, wrden die »Israeliten" systematisch dazu gedrängt. Ihr Plan ist, sich in den Belitz aller durch Bildung einfluhreich« Stellungen zu setzen, und nachdem fie bereit» da» Geld der Deutschen an fich!!erissen haben, fie die Knechtung der mmen Nation durch Seist 1.nb Bildung zu vervollständigen. Bedenkt man einerseits, daam vorletten Sonnabend noch einige und dret-ig Grad Eelfiu» im Schotten waren, andererseit» die völlige Einstn-lofigkeit der Ztg. d. Judent. und aller Berllner Versuche, da» leutsch« Judentum zu beherrschen und »u führen — (Schutzjudenadresse—jüdischer vürq^rbund — Verein zur Abwehr — Eentralcomiter» — Gotte»! ienstmache — Sittenlthrenfarcr — juristisch beglaubigte Ethik re. rc.) so wird man geneigt sein, ebenst, an den Aurlaflungcn der Kreuzig, wie an der Selegenhett»korrrspond«», de» Meseritzer Abonnenten in der A. d. I. vorbeizugehu. ss)arnm gehen wir auf diese Albernheiten «icht rin, obgleich e» immer bedenklich ist. weim die Kreuzztg. «n» »Israeliten", anstatt, wie fie pflegt, Juden oder Hebräer oder Semiten nennt. Wenn dir Kreuzztg. anständig zu seiu scheint, steckt immer etwa» dahinter, umsonst verstellt fie fich nicht. Hat doch der Kulturminister auf einen blotzen Artikel dieser Zeitung hin sämtliche jüdische Aettgion»bü«her zur Untersuchuag eingefordert l l Andere Gedanken haben di« Worte de, Krenzztg. tu uns erwerkt. Sie fürchtet: die deutsche Studentenschaft könnte durch da» Eindringen jüdischer Elemente vergiftet «erden. Dies« Befürchtung ist völlig gruudlo«, weil nämlich die deutsche S tenschaft bereit» vtel'och vergiftet i st, aber durch ganz ändert Dinge al» die jüdsscXm Elemente: durch Venu* und 0*mbrimu, durch Faulheit und Strebertum, durch Schneider und Friseur, durch Stöcker,LiedermannAhlwardt und Sigl. Nie» mal» hat der deutsche Student ein traurigre» Bild abgegeben al» heute. Bor kurzem la» ich den Briefwechstl Lachmann«, de« derühmten klasfischen Philologen und Germanisten mtt seinen Studiengenossen. Welch' erkeuliche» Bild wiffenSdarstiger Lern» begier, idealen Streben«, anttkrr Freundschaft, heiterer Jugendlust. Damals wurde« jene herrlichen Studentenlirder gedichtet, mit denen roch heute manch«! Philister fich eine trüb» settge Stunde wrgfingt, wenn er voll Wehmut der Koben Jugendzeit gedenkend, da» au» jenen Lagen gerettete Komma»- buch havorsucht. Heute stad die höchsten Ideale de» Stnd-7"-1 Frühzeitige Sicherung von Ennnerionen durch Eintntt in eine patente Verbindung — da» alte Herrentum spielt im Reichronzeiger eine grö-ere Rolle al» der einfälttge Staatsbürger fich׳ ttäumen läht, — äu-erste Korrettheit in Frisur. Kleidung, Gang und Kvrvabaltung. so w>« e» grade in Gigerlcommeat für patent gehalten wird. Bereit« haben havorragende Männer eben der jetzige KuItuSministrr und kürzlich Professor Schmolla Besorgnis auögesprochen, wa» au» Deutschland werden solle, wenn e» ast von diesen blafiatrn Menschen mit entnervten Körpan, hohlen Köpfen und leaen Hazen regiert Waden wird. Längst kann man unta da Jugend da unteren Stände ein weit. idealae« Streben, regetze» geistige» Leben, blühendere Sefichta - sehen al» unter dieser goldenen Jugend. Und wer h a t sie v e r-' giftet- Da jüdischeSeist? S» ist notorisch, daneben dem Krämertum die deutschen Univafitäten die Brutstätten de» AnttsemittSmu» find, Hia unta da Studentenschaft, haben die '■ antisemitischen Generale ihre Leibgarden, besoada» schätzenswert ׳. für die Schlachten der Radauoersamnuangen. Seit 15 Jahren hat die anttsemittsche Pest in diesen Kreis,m immer mehr um fich gegriffen. Eine Verbindung nach da andern nimmt grundsätzlich keine Juden auf. Die Korp», früher bei alla Erclnfivität die am vornehmsten denkenden, die Burschenschaften, kühn die Bannattägn da Freiheit, die Lant^mannschasten, die frHen 1* i S Labindungen, die wissenschaftlichen Baein:» ja sogar die Turn- und Gesangvereine treffen jetzt ihre AuSvmh! streng nach da,K.׳! Rasse. Freundschaften zwischen jüdischen und christlichen Studeuten, ftüha für da« ganze Leben geschlossen, gehören jetzt zu ' ׳^ den grühten Seltenheiten. ' Also fie kann beruhigt sein, die Krerzzeitung, fie ist jetzt gen- ״judenrein", die »Zukunft Deutschlands״. Das anttsemittsche. Gift, da» sich äu-at in brutalem Rassenha ß. In schamloser Bergeudung da kostbortzen Jugendjahre, in giaiga Jagd nach Karriac. in kämahaftem Konkurrenzneid, da» h a t die deutsche Studenschast schon zakessen bi« in» Marl. Und da» letzt« — die blaffe Furcht oor flei-tgeren, solideren, anstaen Konkurrente« läht auch die fromme Kreuzzeitung nicht schlafen. Die» al» aste» Wort in dies« Frage, bi» die Kreuzztg. wieder an diesem für s i e äuherst heiklen Puntte rührt. B. I. Zertritt »icht da- Wiirmche«! Zur veleuchN'ug da Lterschutzvcrein«. In meinem Bet-Ha Midrasch, 6. Teil S 146—47 wird Folgeade» erzählt: LuS da Schatzkammer eine« König» wurde» sehr kostbare Sachen während eina Nacht gestohlen Man hiett Rachsuchungen und fand einen Juden auf offen« Stta-e liegen. Er wurde für den Dieb gehalten und zur, Tod« oerurteilt. Aus dem Gange zum RiLtplatze begleitete ihn ein Elestker, um ihn zu de» kehren. Man kam zu einem klein« Misthaufen, auf welchem Würm« herumkochen. Da sagte der Elerikw ju» Henka, daa auf diesen Haufen nicht treten möge, um ittcht die Würma z» tödten. »Zertritt nicht darWürmchen", rief der barm.

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