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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-08 · 37 (8.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
37 (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Aaß der Schwarm der iöegleiter, der ihn beim Beginn de« dufstieg» umgeben hat, sich fast ganz verloren hat, daß nur Wenige die Anrdouer heben, die zur Spitz« führt. Bleibe« wir bei dem Stnfachstr« stehen. Di« Elter» find gewöhnlich höchst erstaun!, welch« Fortschritte ihre Sinder in den erste« Monate» te» Schulunterricht» mache», wie rasch sie da da» Neu« in sich aufnehmeu; aber ebenso verwundert find sie, daß dann der Fortschritt viel langsamer wird, daß die Aufgabe, da» rasch Safgenommene und Erfaßte z» oerarbeiten, soviel Zeit in Anspruch nimmt; wäre der A»fa«g wirklich, wie man sagt da» Schwierigste, dann wäre ja in den ersten Schuljahre» da» Schlimmste überwunden u»d die Bahn müßte dann vor: allen rasch und glatt durchschritten werden. Da» ist »ich der Fall, und die Schwierigkeiten müssen sich doch wohl erst später eiustelleu und der Satz: ״aller Anfang ist schwer." ist vielleicht nur ein pädagogischer Kunstgriff, ist nur da» Zuckerbrod, um die Unmündigen heran» zulocken. Fast unwiderleglick scheint un» da» Wort: ״aller An» fang ist schwer" auf tan Gebiete de» Erwerb» von Geld und Gut. Hier hören wir häuiig, daß der Besitz lawinenartig wächst, daß wer ntox den Grund gelegt hat, über da» Steigen de» Baue» ohne Sorgen sein darf. Bleiben wir bei dem Gleichni» von der Lawine; die Lawine wächst eine Jett laug mit rapider Schnelligkeit, um dann mit gewalti/em Krochen in den Gründen nach alle» Richtungen zu zerstäuben. Ist da» nicht unzählige Male de» Schicksal de» Besitze»? Der Arme, den seine Not nicht Rnst läßt, über die Gesetz« de» Leben» nochzudenken, hält Erwerben für ungleich schwerer, al» Erhalten, die Erfahrung aber zeigt, daß die Welt sich dreht, daß die heute oben süd, morgen vielleicht schon unten find, daß die Münz« rund ist und rollt, daß die Geldscheine leicht find und flattern, daß!sie Geschlechter steigen und fallen und nur sehr selten auf der errungenen Höh« sich behaupte» könne». Sogar beim Fortschritt der Kultur, beim Sieg sittlicher Jdeeen sehen, wir daß oer Anfang leichter ist al» die spätere Arbeit. Bor einen Jahrhundert erhob sich in der Welt der Ruf, die Juden gleichberechtigt »eben die andern Bürger de» Laude» zu stellen; die Juden selbst konnten damal» nicht viel für sich thun. Der Gefeffelie kann sich nicht selbst an» dem Gefängni» befreie», sag;a die Alten: sie mußten hauptsächlich Ander« die Aufgabe übrrlassrn» ihnen die Feffeln abzustreifen und wie lrbenkwürdig gestalteten sich fast in allen Landen dtt Anfänge der Emanziiation; e» schien, al» wollten un» die Lölker da» lauge Unr:cht abbitten, so begeistert, so herzlich sprachen die Anwälte unsere» Recht»; unsere Schwächen wnrde« entschuldigt, verteidigt, ja fast in Borzüge nmgewandelt, und unsere Lugenden werden auf» glänzendste gepriesen. Di« Meisterstück« der Brrrdsamkeit in den Volksvertretungen wurden geleistet, al» Männer,!sie einem andern religiösen Bekenntnisse anhingen, begeistert für nn» sprachen. י- Nicht überall hat so lieblichem Anfang die wettere Ent- Wicklung entsprochen. Männer, denen wir die geistige Kraft zatrauen. sich von jedem Bornrteil zu befreie», zeige« fich spröde gegen unser heiße» Sehnen in Reih und Glied mit den andern Bürger», gleichberechtigt und gleichverpflichtrt au der staatlichen Arbeit un» zu beteilig«», und wir sehen >m» von dem Ziel«, da» vor Jahrzehnten so itahe lag um e» mit Händen zu greifen, noch wett entfernt. Ungefähr ein Jahrhundert ist e» auch her, al» unter un» Inden da» Werk der Aufklärung, der inneru Befreiung tu Angriff genommen wurtt. ES ist selbstverständlich, daß wir nicht mehr ganz auf dem alten Fleck« stehen, aber wer die alten vergilbten Druckschriften au» jener Jett hervorsucht, der ist erstaun», noch nahezt dieselben Schlagwörter zu vernehmen di« un» jetzt entgegentt nen, er glaubt in de« Stimmen von «echt» und link» die WrrtfLhrer von heute zuhören; Ein»elue ' SchaZea find an»gebeff,rt, die Feindschaft gegen die Bildung der Zeit ist zurückgewtcheu» aber im wesentlichen giebt e» noch tzeui: keine Brücke übcr di« klaffende» Gegensätze und wenn Mendelssohn heut« von den Tobten aufwachte, könnte er ganz gut dt« Arbeit da fortsetze», wo er sie sterbend liegen lass« mußte; er träfe dieselben Irrungen, dieselben liebertreibnage» hüben und drüben und »Lhrmd draußen di« Wett fich verwaudelt hat, ist auf reügiöse» Gebiete um wenig Wandel gesihafftn worden. So lehrt un» die Umschau auf de» mannigfachsten Gebiete, daß der Anfang nicht g« so schwer sei, daß aber ans dem eingeschlagen«» Wege zu beharren ein gar schwierige» Geschäft sei, dem die Wenigste» gewachsen find. Darum ruft un» auch der Prophet beim Beginn seiner gewaltigen Bußrede die Worte zu: ׳n שוכח ישראל ער ,Fehre um I»rael bi» zu deinem Gotte", werde auf dem Wege von der Süud« zur Seligkeit nicht matt und wankend, sonder» ob auch dtt Straße steil ist, schrette.rüstig weiter, bi» du dtt Höh« de» Leben» erklimmst, wo fich dir dtt weite Aussicht eröffnet, wo ein große» gewaltige» Arbeitsfeld fich dir zeigt, und wo Lttle«, wa» tu tat Liefen dir groß und bedeutsam erschien, zurücktritt und fast verschwiadet. ״Kehre nm bi» zu deiuem Gotte." Such unsere Slttn habe» wohl den ersten Schritt zur Lugend nicht immer für den schwersten gehalten, den« sie lehren den Spruch: ״Wer ei» gute» Werk beginnt, dem sollen wir znrufen: stell' e» fertig." Dtt Borschriften der Religion, der Tugend und Sittlichfeit üben auch auf da» härteste Gemüt einen eigentümliche« Zauber, e» giebt auf Erden keinen, der nicht gut sei» wollte, wie e» andererseits auch keinen giebt, der nilht gut sei« könnt«. Irgend ei» Ereigni» erweckt die Kräfte tat Seele, daß der Mensch fich ermannt und de» Weg de» Rechte» »nd der Red» lichkeit beschrettet. Aber nun kommen die Sttmmeu der Verführung; «in Jüngling hat fich vorgenomme» öfter» da» Sotte»hau» zu besuchen und hat dttse» Entschluß eine Zeitlaug auSgeübt; nach einiger Zeit merken die Kameraden die sonderbare Wandlung und st« sagen» er sei ein Duckmeiser, er sei ei» Betbruder geworden, fie weisen ihn vielleicht darauf hin, daß e» garnicht fei» tti öfter» in de» Tempel zu gehru, daß e» unter den Juden «enigstea» für vornehm gelt«, möglichst fette» im Gott«»- Hause zu erscheinen und am Ende seien da» dtt Lllervornehmften, dtt garuicht hinein komme»; und dann erzähttn fie ihm, daß ihm die» und jene» Vergnügen dadurch entgehe, wett er so viel Zeti zum Gebet brauch«; «ud diese Bergnügungeu schildern fie daun «tt lockenden Farben; da ist e» tticht erklärlich» daß «tu Mensch, der Neckereien müde, de» guten Borsatz ausgiebt und di« Bahn der Frömmigkett wieder verläßt. Wodurch wftd «S Lttlen, dtt dem Verbrechen auheimgefallen find, so schwer wttder in geordnete bürgerttch« Verhältutffe zu kommen? Da» Sewiffeu pocht oft genug, der Sut» schluß wird gefaßt, die erste Anstrengung wird gemacht fich au» diesem fittliche« Elend zu befreien und eine Welk geht e» ganz gut, aber daun komme» die bösen Geselle» «nd zeigen wtt der redlich« Erwerb so schwer und träg und langweilig sei und von ihrem Lotter- und Sündenkbeu rede» fie mtt er» künstelttr Begeisterung, um de« einstige« Gefährttu wttder i» den Sumpf hiuabznztehen und der böse Plan gelingt uur allzu oft. Sie kehre« un£ aber sie kehren nicht um bi» zu ihrem Sott«, fie bleibe» auf h a l b e u Wege stehe», fie gehe» zurück; denn nicht der Aufaug ist da»Schwerste, sonder» btt Au»- d a u e r, dtt nicht warckt und weicht. Wer in dttser heiligen Zett, wer an den Reujahr»taaeu und am LersühnungStage seine Blicke über J»ra«l schweifen läßt, der kSnnte wohl mtt dem religiösen Sinne unserer Gemeiuschast zufrieden sei». Dtt Gottr»häuser find gefüllt mtt Andächtigen, in den Häusern herrscht ein« gehobene Stimmung, dtt Kinder schließe» fich tauig au dtt Elter», au» der Ferne komulen Briefe und melden, »tt viel Freundschaft und Teil« nahn!« wtt i» der Wett genieße», wtt viel Herze» war« für uu» empfinden^ wtt vtttt un« in ihr Gebetetnschlttßeu in

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