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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-01 · 36 (1.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
36 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Schutz zu gewähren. Die jüdischen Bürger dürfen nicht vogelfrei sein, ei darf nicht dem antiseminschen Gesindel gestattrt se;n, in Vercint - Versammlungen, in Parlameuten und Lommunalbe- «ungen, >n Journalen und in Flugblättern die Juden m örter Weise zu verläumden. fie als Scheusale hinzu stellen, ibnen zu imputierer, daß kein moralisches Gesetz fie hindere, Nichtjuden zu betrügen, zu schädigen und auszubntten. Was man keinem nichtjüdischen Staatsbürger gegenüber sich erlauben darf, das darf nicht zugelassen werden, wenn es fich um Juden handelt. Auch das Zauberwort der Regenten hat eine Heilkraft und vermag der epidemischen Ausbreitung der Antisemitismus Einhalt zu thuu. Seit den Schandgeschichten in Kolin und Holleschau verfahrt man strenge.׳ gegen das antisem. Treiben in Oesterreich. Wir haben Grund zu glauben, daß unser gnädiger und gütiger Kaiser, der keine Judenhetzen in seinem Reiche dulden will, seine Minister «rmahnt hat, nnt größerer Strenge gegen den Anttsemitismus vorzugehen, damit nicht derartige Szenen, die eine Sckande für ».en« reich find, fich wiederholen. Würden andere Regenten dem Beispiele unseres Regenten folgen, würden fie offen und entschieden erklären, daß fie keine Judenhetzen in ihrem Reich« dulden, so würde ein Ahlwardt nicht so ftech sein, den Anspruch auf den Titel .Exzellenz" zu erbeben und fich für den künftigen Berate: einer Krone zu halten. Gewiß, die Chol׳!ra antisemitica würde dann auch nicht ganz verschwinden, fie würde aber den verheerenden, epidemischen Charakter allmählich verlieren. Die Juden mögen fich bestreben, ihre Fehler und Mängel, welche durch die Adg'ichloffenheit und den Druck entstanden sind, zu verbeffern, und die Nichtjuden ihre unchristlicht Gehässigkeit argen die Juden austugeben und im Geiste unverfälschter christucher Liebe zu handeln. Das ist ein Kapitel aus unserer Soziologie! J. Schweiz. Dr. E. ZU Galle«» 25. Aug. (Or.-Corr.) Die Schächtcampagne ist durch d e vergangenen Sonntag stattgehabte eidgenösfische Volksabstimmung zu einem traurigen Abschluß gelangt. TaS Gesamtergebnis weist 189,354 Annehmende und 120,457 Verwerfende nach. Dazu kommt noch das verhängnisvolle Mehr der zustimmenden Stände; eS stehen 11'/« aanehmende 10>/, verwerfenden gegenüber. — Welch ein überrcschendes, beschämendes Resultat! Nachdem sowohl vom BundeSrat als vom Nationalrat Verwerfung des JnitiativoerlangenS beantragt worden, nachdem die verschiedenen Komitees gegen das «Zchächtverbot eine überaus rührige und anerkennenswerte Thätigleit entfaltet, nachdem auch die Vreffe fast einstimmig fich dahin ausgesprochen, daß der gewünschte .Metzgereiartikel" in die Bundesverfassung ein für allemal nicht hineingehöre, hielten wir etr solches Ergebnis für kaum möglich und glaubten, wenn auch nicht auf die Mehrheit des Volkes, so doch aus die der Stände sicher zählen zu dürfen. Es ist andergekommen, als wir erwartet und gehofft haben- All die zahlreichen wissenschaftliche« Gutachten, die Voten der bedeutendsten Mediziner. Rechtsgelehrter, und Staatsmänner, die Oppofition der Genfer und St. Galler Tihrschutzvereine, der gesunde Sinn des Volkes für Gerccitigkeit und Freiheit — haben Vorurteil» Imtoleranz und Fanatismus nicht zu ersticken und zu verhindern vermocht, daß die BunveSverlaffung durch einen ausgesvrochen antisemitischen Paragraphen verunstaltet und besudelt werde. Die Schächt frage — das steht jetzt über allem Zweikl erhaben — wurde zumeist nur cls eine Judenfrage betrachtet und bebandelt und nicht tierfrrundliche, sondern judenfetndliche Gesinnung haben die weitaus größere Anzahl der Jasager Zur Urne getrieben. Trotzdem wäre uns diese Niederlage und der Eidgenoffenschaft diese Schmach erspart worden, wenn von Seiten der Vorurteilsfreien und Beffergefinuten eine stärkere Beteiligung an der Abstimmung stattgefunden hätte. An der Sach« selbst läßt fich indes nichts mehr ändern: der Souverän hat gesprachen. die Ausführung wird nicht lange auf fich wartenlaffen, und die Eidgenoffenstrast muß sich den unaustilgbaren ״Sehendfleck" gefallen laffen. Für uns entsteht nur die Frage: quid nunc? ®et«, 26. August. DaS bunteste Durcheinander herrscht in den Arußerungen der schweizerische« Presse über da» Abstimmung», ergebni» vom Sonnte g und seine wahrscheinUchen Folgen. Die französische Schwer ist bitter gestimmt. Nicht nur habe der Judenhaß sein Ovfe: haben wollen, sondern dieser böse Tag Hilde auch gezeigt, von welchen schlimmen Instinkten die Maste de« Volke» fich letten laffe und wie sehr di« Schweiz darü wachen müffe, daß ihr der Geist der Freiheit und der Dl der die Grundlage unserer Einrichtungen gewesen, nicht cd! komme. Wir haben wieder einmal gesehen, meint da» ... .Journal", wie die törichten Wallungen der Maff«, alle« vor niederwerfend, ihren Weg nehmen; vielleicht sei die Mehr( ihre» Siege» schon in wenigen Monaten nicht mehr so Kob, wem» einmal der so heiß begehrte VerfaffungSarnkel zur Anwrndnn» gelange und die neuen eidgenössischen Inspektoren aus den Höfe». der Bauern von Zürich, Bern. Aargau. Thurgau erschiene» um;י? die strenge Ausführung de« eidgenössischen Echlachtrrglement» zu überwachen, aber dann komme die Reue zu spät: unterdeffeu dürfe die Schweiz fich rühmen, da» erste Laich zu sein, da» seine Berfaffung mit einer Schlachthautordnung und mit einer aynsemittschen Bestimmung bereichen habe. .Doch bedurften׳ wtf^.׳ vielleicht dieser Lektion, die uns lehrt, nicht allzu sehr aus unser« gesunden Verstand zu zählen, und un» nicht langer einzubjlden,. daß wir schon deswegen über den gewöhnlichen Sterblichen stetzeg» weil wir auf fünfhundert Jahre der Republik zurückschauen können." In der dentschen Schweiz stehen sich die UNeÜe zum Teil recht schroff gegenüber, je nachdem dir Organe für oder gegen den Jnistalivanttag geschrieben hatten. Bon den Freunde« desselben wird behauptet, es handle fich nicht um einen Sieg de» Antisemitismus, sondern einesteils habe der Wille des Volke»". eine Überlebte und barbarische >7) Schlachtmetode beseitigen,andern» ij teil» dem BundeSrat und der Bundesversammlung eine Lektio«, erteilen wollen, weil dieselben vor nicht sy langer Zeit den Re«' gierungen von Bern und Aaraau verboten, die Schlachthaus»-י׳ Polizei so zu handhaben, wie fie e» gut und angemessen sandeu,^ Dem »Bund" erscheint die Absttmmung vom Sonntag al« eine/ Mahnung an die Juden, von ihren besonderen Ansprüchen z« * laffen und sich unfern öffentlichen Einrichtungen anzubequrmru»- . und die .BernerZtg." ist überzeugt, daß dem Volksentscheid bei A 20. August eine ernstliche, sittliche Bewegung, ein Gefühl mensck^ Heben Erbarmen» mit dem wehrlose» Geschöpf ׳zu Gevatter aemehreren angesehenen Blättern ist eine Fehde darüber aiisäe* brachen, ob da» im neuen BerfaffunaSarnkel enthaltene Schächt» verbot genüge oder ob noch ein AuSsübrungsgesetz nöttg sei. ES will mir scheinen, daß letztere» nicht zu umgehen sei, da der Artikel nicht nur das Schächten, wie e» von den Juden betrieben wird, verbietet, sondern vorschreibt, daß bei jeder Schlachtart. und jeder Biehgattung die Betäubung vor dem Blutentzuae >' einzuttcten habe. Also wird bestimmt werden müffen, auf welche Tiere die Vorschrift fich beziehe und über die Handhabung der» selben muß die Bundesgesetzgebung sicherstellende Bestimmungen erlaffen. So ist also dafür gesorgt, daß da» Schächten noch nicht sobald von der Tagesordnung verschwindet und die J»ra«lite« haben Zeit, darüber nachzudenken, wie fie sich unter den neue« Verhältniffen verhalten wollen. Bereit» wissen die Blätter zu melden, daß di« Errichtung von zwei großen Schlächtereien nach jüdischem Ritu» an zwei Punkten nahe der Grenze in Aussicht genommen sei, nämlich im Elsaß und in Annamasse (bet Genf). Schließlich sei bemerk, daß von den 800.000 Stimm». schieden und mittelst der Jntttative die Berfaffung abgeündert habe. Der alte ״Genfer Demokrat" wollte von der Initiativ« nicht» wiffe«, die er mit dem Titel ״Dpnamitgesetzgebung" beehrt bat. (U .,ו« vuRcrui» 6 Z. New-Votk. lieber di« Zukunft»plänr u- Absichten de» Baron Hirsch berichtet ein hervorragender Mtarbeiter der .Menorah" (da» Organ des Orden» Bnei Brith in Amerika), der den Baron zu diesem Zwecke »interviewte", folgend«»: Al» mir die hohe Ehre zuteil wurde, von dem edlen Baron empfangen zu werden, trug ich ihm ohne Umschweife meine Bitte vor. Der Baron hörte aufmerksam zu und antwortete darauf:- Die Hauptangriffe seiten« unserer Feinde und Widrrsach«» werden stet» und in erster Reihe gegen die Vornehmen uiw: Reichen in Israel gerichtet, denen e« gelungen ist. ein enormG - Vermögen zu erwerben und einen berühmten Namen tragen, oder eine achtunggebietende Stellung in der Welt sich errungen — t» dieser erleuchteten, aufgeklärten Wett, dir kein Auge, kein Her» und kein Mitgefühl habe für den endlosen Jammer unserer vex» folgten und ttefaebeugtm GlaubeniSgenoffen in Rußland und den Übrigen unrivilisterten Ländern. Auf die Jodenkage i« «fl meinen will ich nicht weiter eingebrn: mein höchster und heilt Wunsch ist e». der Welt z« beweisen, daß nur die barbari Verfolgungen und AuSpreffnugen die Inden zu dem g, Men. was sie dort sind. Ich ustll daher, soweit e» mir m tzr traurige« Loo» bester»» ^Kalten suchen, indem fr ' ־ Juden ein neue» und unermeßliche» Arbeitsfeld eri al» Bauern und Landwirte iKe Kräfte «an Sei heit entfalten könne» und ti» ' ־*־ eröffne, »ahlre «an Segen ]

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