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Israelitische Wochenschrift · 1893-09-01 · 36 (1.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
36 (1.9.1893)
Date
1893-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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282 im er aber nicht soviel Geldmkgel besitzt, so kenn er unter Umständen von hier nach Slmerika reisen, s mdern wird Erbaraen »ach dem grausame» (Raben-Mastrttud. da» ihn t,restoben, wieder zurückttau»portt!wL - Auf da» Berliner Eeuttal-Lomist kann und bars sich jetzt mand verlassen, — wer aber dem loch vertrauen»« oll sich nach rltu deaiebt, um dort sein Heil z« suche«, wird ftrchtbar ent» fcht sein, denn da» bitterste Lob harret bier sei« er. Wie so k seiner schwer und hartaeprüften Leidendgenoffea würde er : unrettbar dem schrecklichsten Ettnd und der gräjilichsten Rot »imsallen. ohne da» jemand sich seiner annimmt. MMHUttt•»«*, in August.' (Oi^Cott.) In Rr. 1 dieser ltschrift wurde eia Aufruf herBeztrSkonftrenjüdischer Lehrer dhanaover« zur!Verbreitung eine: deutschen Bibel iu jüdischen »fern veröffeutlicht. Da er lebhasteu Wiederball und fast all» »*in* Zustimmung fand, so glauben wir den Lesern eine Nach» über die Andführung de» Plane» schuldig zu sein. — Die rljandluugen mit dem Verleger der gewühlten Auirbach-Vibel. , IL Bnxkhau« in LetpziL führten dahin, daß er un» bei größerer estrllung dt« ganze Bibel (mit einer Karte von Palästina) iu lbschnitt »ad schönem Ganzledrrband. mit einem Spruch: »Zn iuem Lichte schauen wir Licht" (Ps. 35, 10) und dem vorgermkten Aufruf für ML, 4.70 liesein wollte. Wir ließen un» »iichst 30 Probeexemplare zur Besichtigung für di, Gemeinde- «Illteder ansrrtigen. Darauf wurde am ersten Tage Pessach in eit Synagogen über den Text: Hist Du eine Bibel im Hause? »«gleiche die Haphtarah!) gepredigt.?ll» iu Folg« dessen da» von first allen Mitgliedern bestellt wurde, liejen wir dir llitige Anzahl komme» und verkausien e» jedem, der den vollen ei» (ö ML) nicht bezahlen zu können glaubte, für ik ML, einig« plare wurden gang umsonst al>gegebeu. Der fehlende Be» wurde durch bereitwillig »ewälrte Beiträge der Gemeinden bracht. So haben wir die Freud r, unser Vorhaben von Erfolg ge» rörit zu sehen» E» girbt jetzt wohl, kaum eine jüdt che FamUir Südhauuover ohne eine deutsch« Bibel und um» mehr ist, I dem lebhaften religiösen Sinn, der bier GM Lob noch herrscht, »Kd da» Wich auch viel gelesen. IZraueu und Mütchen nehmen a» schöne Buch gerne mit in die iSynagoge, um darin Thora- ׳^Vorlesung und Havhtarah zu verfolgen und Men sonst würdiger )«tue Stunde au«, die oft genug durch sehr vrofane und störende spräche entweiht wurde. Ferner eignet sich da» Buch sehr gut kffa da» sog. Lernen, d. i. den religiösen Lortrar im Trauernf« nach dem täglichen Morgen- und Abendgotterdienst während ersten sieben und dem Sabbatno chnüttagSgottetdienst während ersten dreißig Lage, wie.«» hier zu Lande allgemein üblich. bi»ber allein benutzte Andacht »buch 8e*k«r Chijim ist nachade erschöpft. Für nochahmenvoert halten wst die Sitte, dir bei jede« Brautpaar« nach der Trauung mit «ingettogenem lext zu überreichen.' vielfältig versönliche Sir Wirkung muß > und darf nicht «achlaffe«, bi» da» göttlich« Buch wieder hochgehalteue» Kleinod jeder ilrarltttschen Fauälie ist, wie derersest» die besonnene Schätzung der Ueberliefeneng vor ka» Wischer Siuseikigkeit schützen muß. Wst glauben wiumehr unser Mwegehru der Allgemein best zur Raihahmung empfehlen zu dürfen. Jakob-Eöttingen. -Leche, 24. August. Der 18. hannoversche Waslkrei» erfreut einer besonder» eifrigen Bearbsttuug von Setten der Anti» senilen. Der Resth»tag»abg. Lieber man« v. Lonnenberg kll hier gestern abend einen Vortrag über dst gollene (jüdische) ׳«>!> dst rate (sozialdemokratische) Internationale, au» welchem »e Aenßerung über den Resthi׳tag»abgeordneter1 Shlwardt ,1 wettere« Interesse sei» Mfarfte. Auf einen Zwischenruf: jkhiwardt" antwortest der Redmr mit folgende« in erregte« o»e gesdrochenen Worten: »Ich gebe Ihne« den Ahlwardt lei»!' Ahlwardt ist auf he» beste» Lege, Sozialdemorot zu werde»! Ich schenke ihn Rae», ich «o<he nicht den ge- »zstr» Anspruch auf ihn! von seinem ersten »lu trete« bi« zu?! Angeublickc bin ich sein entschiedenster Ggner gewesen. Auftreten halst ich für M U,»iüS für unsere Bewemmg. ßend in dst Eben« gefloffen ist dst Schmutzstiicke (!) nach uastn finken, oben aber da» klarst« Waffe! bleibt, so auch hier. Man darf etwa» nicht nach dem llnreth (!) beurteilen, der in de« großen Städten mit der gesunden Bewegung emporgewttbrlt wird." — Dst Versammlung spendete diesen Auskührungm lauten und anhaltenden Beifall. vesterreich-U«-«r>. Wie«» 26. August Segen die Artikel bi* Soziologen und Krimiual-Anthropologe« Enrico Ferri über dm Anttftmitt»mu» (in der »N. Fr. Pr." vom IS. und IS. d. M.), worin derselbe den religiösen Judenhaß al» eine hereditäre Foirtpstanzung. einen Atavi»mu» erklärt, der sich forterbt von Jahrhundert auf Jahrhundert, von Geschlecht zu Geschlecht, — wendet fich Herr Dr. Jellinek mit dem scharfe« Schwerte der Logik und wider» legt den ttalienischen Gelehrten in meisterhafter Weise. Sr sagt: Gefühle. wie Liebe und Haß, vslamen sich nicht fort und gehöre« nicht in die Lehre von der Vererbung. Nehmen wst an, ei« Kind christlicher Ettern würde in einem «־reife heranwachsen, wo nie von Juden und nie vom Christentum die Rede war: Würde dieser herangewachsene Mensch «neu Haß gegen Juden empfinden? Sr könnte höchsten», wenn er in eine Gesellschaft vo» Jude» »rriethe. von ihren Manieren, ihrer Lebhaftigkeit, Be» wmlichkett und fingeuder eoprachweise — wa» ste mit den Kranzoseo, da ste ein pathetische» Volk und daher lebhaft find» viel gestikulieren und im Spreche» einen singenden Ton gebrauchen, gemein habe», — fich abgestoßeu fühlen. Der religiöse Judenhaß — e» muß einmal ftei herau» gesagt «erde», obwohl wst e» nur ungern thun — ist zumeist da» Produtt de» christlichen Religion» - Unterrichte» in den Schulen und der Predigten in der Kirche«. Wst »erlangen nicht, daß man die Geschichte dr» Neuen Testament» in den christlichen Schulen fi. vorstuge, wie wst Juden fie aufsaffeu, sondern blo». daß mar» die Kinder aufmerksam mache, daß die heuttgeu Juden nicht die Schuld der vergangenheit büßen dürfen, daß sie unsere Mttmenschen, unser« Bruder find, die wir ebenso lieben müssen, wie unsere christlichen Nebenmensche». Würde die» der Heranwachsenden christlichen Jugend nachdrücklich etngeprägt werden, so würde den! religiösen Judenbaß ein Teil de» üppig wuchernden Boden» entzogen werden. Ich erinnere mich dabet emer wahren Anekdote au» Leipzig her: Der Sohn de» Professor» Juliu» Fürst, gegenwärtig Sanität»rat Dr. Liviu» Fürst, Docent an der meiMnischeo Fakultät in Leipzig, besuchte al» Knabe eine christliche Sä,ule. Eine« Tage» nahte ihm rin befteunveter Mitschüler und sagte ihm: Ich kann nicht mehr mit Dir verkehren. Du hast unsern -Heiland gekreuzigt." .Wa»?" erwiderte ihm der kleine Liviu», -ich weiß oichtS davon und habe auch Diese kindliche nie etwa» von dieser Kreuzigung gehört."*) iche Aaekdor« belehrt un», wie der religiöse Z Juden- . WIUWK VWV»» WIP, Wl» W _ . ״ haß in Herzen der christliche» Jugend Wurzel schlägt. Such dst Predigten tu den Kirchen stagen viel zur Berbret׳ tung de» Judenhaffe» bei, wenn auch die kirchlichen Prediger e» nicht beabstchttgeu. Man predigt Üb« da» Leben Jesu, über dst Festtage, die an dessen Letoeasgeschichte erinnern» und e» ist ganz natürlich, daß sich in dst Herzen der Zuhörer von selbst eioe gewiffe Abneigung, esne Art Widerwille, ein gehäsfige» Vorurteil gegen die Juden einschleichL Wst oiest Prediger werden von ihrem Gewissen angeregt and batten fich für verpflichtet, dst Nachkommen der alten Juden iu unserer Zeit vor Instinkten und Vorurteilen der Massen in Schutz zu nehmim und darauf hinzuweisen daß die Liebe zum Heiland ni<Ä Haß gegen dst Juden, seine Stammeraeuoffen, zeingeu dürft? Der religiöse Judenhaß »ererbt fich nicht, sondern er wird genährt und großgezogen durch Schale und Kirche, und so lange nicht der Umbricht iu den Schulen in anderem Sinne erteitt und die Predigt in der Kirche in ottheriger Weise gehatten wttd. werden die gehäsflgen LorurteUe gegen die Juden nicht aufhören. Enrico Ferri weiß kein Mittel vorzuschlagen, um den Slutiftmttitzmu» zu bekämpft». Auch tu biesem Punkte erlauben wir un» anderer Meiuuug zu sein. Auch wir rühmen uu» nicht, im Besitzerin«» Heilmittel» zu sei«, da» die Pestde» AuttseuM»mu» radikal kurieren könnte. Allein. e» aiebt Maßreaeln, welche im Staude find, dst anttsemittsche Srankhett zu mildern uud deren schädliche» Etastoß zu schwäch«, lieber diese Maßreaeln verfuge« die Negierungen, dst Mänuer. deren Vfiicht e» ist. di« Ordnung im Staate auftrcht zu erhalte« dem Gesetz« Achtung verschaffen uud jede« Bürger vor Gefährdung seine» Leben», ' Besitztum», seiner Recht», seiner bürgerlichen Stellung •) Sir (Maat «tu» ähnlich« Anekdost, »ock welcher rin ttner Atttschch^i» ans tz« Vorwnrs: jo ufcn Heilmid ge- «widert«: -Si, l »cht, »stkleich« Ca?■’»

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