Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 35 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f I I «tt Jntereffe, im• et ftfer Me BtrBnattOtn io der berliner 9t* metuve um die Mitte Metes JakrMÄert• schräbt. G• beistt da: .Veit ban 3*in J8Ä»• ibttatt fa title »ot• litten, hat sich a»ch innech« nnserer Gemeinde Mel!4 geändrrt. Ter SotjUai -tra»> ab unk ein nen*r trat an sein« (Stent. Ein« Be» spetchn« ietnes rsckfichlslosen nawsrdigen Berfah׳«» »ollen wir uHtartaffen. «mal ba derselbe v.,n der aflatUKbun Meinnng fckon HÜnetchend Gerichtet ist. Lorch all» di» (mir und metrem Waffenbante) deichenk», Gefahren ließ Ich «ich nicht einschlchterii, vielmehr haben sie, in mir jenen von allen änderen Atnsiäffen gen» nnabhängiaen Geis», jenen unerschütterlichen Glauben an Gott un> an seinen Betstand hervorgernfen. jenen Not, der nur im Aufblick a«s den all helfenden Gott, den Later der Waisen, ketn Hemmuiä beachten, um das Gute und Heilld« dem erwünschtem Ziel« entgegenznführei,.׳ Am 1. Januar 1882 l^te Auerbach sein Hurt als Rektor der Mischen Gemeinde-Knabenschule nieder, nachdem er dasselbe 22״ Jahre, von denen nur die lebten durch den Konflikt mit dem Etemetndevorstand getrübt waren, mit Anerkennu tg geführt hatte- SeiHa S• seien mir in Ihrem gesch. Bl. einige Worte über die gesummten Ferieu-Kolonien des Berliner Magistrat• «stattet. Er sind in diesem Jahre 9000 Kinder in die Sommer- Wche gesandt worden, wozu etwa 99000 M. a ufaemenbet find. iLSKUwer find davon im Monat Juni in die Soilbader Eammin, Elmen, Frankenhousen, Harzburg und Lösen gegangen. Im Monat Juli 274 ebenfalls nach verschiedenen So olbadern. Nach Len Seebädern Attenkamauf!stügm. Prerow.;öieveaow. Wust- ׳ row, Zingst re. Mägen 480 Kinder. Al• eigentliche Ferien- Kolonien gelten Dargun, Herzirerg, Liodow. N-m-Brandenburg. Neustrelitz, Reiusverg, Waren,!Ballenstedt rc. und Fürstenwalde. Nach verschiedenen Städte« der Provinz Posen wurden circa ISO Kinder in einzelne Mische Familien in Friistellen gegeben. Interessant ist die Aufzählung der LertraueExrsoneii, die die Kolonien -unterbringe« und beauffichttgen. Wo es da» Wohl der Heranwachsenden Jugend gilt, da hat der Ra:enhah, Gott sei Dank, noch «inen Boden gesunden. Wir find m darunter 17 protestantische Geistliche mit t^ren Frauen, mchrere Rabbiner, Mische Lehrer und Lehrerinnen. Anher den vollkolonien zurammen etwa 1900 Kinder, finden wir noch 21 jHalbkolonien mit 1100 Kindern. Bor einigen Jahren begann mar mit der Au•- sendung von zwölf Kindern, daraus find heub! 9000 geworden und mehr wie die dovvette Anzahl hilfrbedürstijer, schwächlicher Kinder muh« »urückgewtese» w:rden. 'Heber die Für stenwalbei Ferten-Lolonie schreibt ein dortiges Blatt, bah SO Linder in den Häusern des Frl. Id» Lohn und de« Posthalters Meseritzer unter der Airssicht der Lehrrrir Frl. Arnheim und des Lehrers Jacob gewellt und bestens berpfle;t wurden. Auch tu den besten Familien, heiht es in dem Blatte, erhalten die Linder kein« besiere Pflege, kein retchballlgeres Affen in der mannigfachsten Abwechselung. Morgen» nach dem Bat« Kaffee unt irisch« Brötchen, zum zweiten Frühstück Stullen und Mllch, Mittag« Kleischsnppe, Ge. müse, Braten und Kartoffeln, Abend» belegte» Brot und Milch, Obst A. s. «. Sonnabend und Senntag besonderer Bluten und Spei'«, Sonntags auch Luchen. Zweimal in der Woche «erden besonder« Gottesdienste alweholten. wobei es auch nichi an Ansprachen fehlt. Di« von dem Berliner Magistrat ernannten Lomi ee-Mitalieder, di« Herr« Wetnhäudler Maier und Korach kamen in jeder Woche zur Inspektion herüben und niemals mst teeren Händen." Der Lorrefpondent der betreffenden Zeitunr hat den Leser» verschwiegen, dah es lauter jüdische Kinder waren, von denen «r berichtet hat. Ob da» verschweigen dieser Thntsachen berechtigt war. müssen wir dem Schreiber überlassen: aber vast die Bürger der kleinen Stadt nicht einmal bemerkt haben, daß 60 jüdische Kinder täglitch und stündlich sich in den Sttahen und auf der Promenade bewegt haben, ist für das Betrüger der Kinder, für die Arrangeure bezeichnend und schmeichelhaft. Wir können nur dem her-lltchen Wunsche de• Lori'esvoadenten un• anschliehen, dah t» d«n Berliner Magistrate mit Hilfe wohlwollender Mitmenschen in den preußischen Provinzen l«ingen m^e, die hohe Wohlthat der Sommerfrische allen bedürftigen Kindern zuteil werden 4» lassen. — L» ist übrigens eiir Irrtum, wenn man den humanen Vlkt der Ferienkolonien ans die Jmtiattve des Bitei-Beris-Ordens Hurücksührt. Diese haben allerlaug• durch Sammlungen — auch vei. Nicht-Logenbrüdern — da<.u beigetraaen,!rast eine gröbere Anzahl jüdischer Kinder Me Wohlthat der Sommerfrische genossen. ׳ -aber auch in Städten, in denen es keine Mist he Loge aiebt — lote in Gien, Prag u. a. — find von eigens dazu zusammen- Getretenen Männer« und Fromm Hunderte von jüdische» Kindern « die Ferienkolonien geschickt worden. fekteui (Or^Eorr.) Bor einigen Wochen tbaten fich einige Personen au• den allerueuester Zehntausenden, welche zum Teil üchou mehrmals Schiffbruch im gesellschaftliche» Lebe« erlitten. -aben, u«d »um TeU «Pen vor der Sntglessuag sehen, Zusammen, um etä Gütig Antssemtttsmu» z» spielen und die Juden M ^ihre Mfchäftltche» Mherfolge verantwortlich Lu machen. Die sammlunge« fanden im -ottl Maiwald statt, was Mer hervorgehoben werden soll, damit die jüdischen Geschäftsreisenden, welche dort zu verkehre« pflegen, fich Me» wohl merken möge«. Da »an aber nicht eine« Abend wie den ander« mtt All-Heil- Rufen und Abfingung des »um anttsemittschen Söjlachtltede prostttuirten ״Deutschland, Deutschland über Alles" kurzweilig au•- füllen kann, so liehen fie fich Förster au• Berlin kommen, der sie belehren sollte, wa• weiter zu t&ua sei. Um aber alle Beileumdungen ungemischt geniesten zu können, schloffen fie — nicht ritterlich! — Me angegriffenen Juden von der Verhandlung au•. Die ganze Presse — besonders die ulttamontaoe — nahm energisch gegen die Antisemiten Partei» verweigerte, gleich dem Pächter der Anschlagsäulen, die Aufnahme von Inseraten und nach der Versammlung wurde Me ganze Angelegenheit einhellig totgeschwiegen. Dast wir ttotzdem in der Loge sM, von den ms zum Ekel oft gehörten lügnerischen Tiraden berichten zu können, beweist, dah die ca. 800 Zuhörer nicht au• lauter Freunden der Sache, sondern zum gröstten Teil aus Neugierige« bestand, welche sich den Radau einmal ansehen wollten. Die Mefige Bevölkerung ist auf Derartige• nicht geaicht, und so muhte man einen Leiter aus Köln kommen lassen, welcher feinen Seneralstab um fich hatte. Was׳Förster gesagt hat» das findet man alles in den Berichten der "letzten Jahre, er svrach von Rothschild mit seinen 12 Milliarden, vergast aber, dah Krupp höher besteuert ist als R. Er schimpfte auf jüdische betrügerische Bankerotteure, vergah aber den Oldenburgischen Pfarrer Müller: er geistelte jüdische Sitten, vergah aber Pfarrer Harder aus Weihensee! Ein hiessger Herr erwiderte, wurde jedoch mit dem bekannten Zurufe niedergedonnert: die Schreie ״Juden raus" — wiederholten fich von 5 zu 5 Minuten und so verlief die Bei-sammlung in — schönster Rühe und Ordnung. Da die Katholiken und alle besseren evangeliscki-dürgerlichen Elemente der Stadt weder Sinn noch Geld für diese» hetzerische Treiben übrig haben, so müssen die ״Führer", die ja doch weiter nicht» zu thnn haben, jetzt brav Celd sammeln, um die Kosten einer zweiten Försteriade aufzubringen, was ihnen, wenn fie der Konkursrichter inzwischen nicht saht, wohl auch gelingen wird. Wenn Herr Prof. Dr. Förster hier zwar nicht, wie am darauffolgenden Abende in Bochum von den Sozialdemokraten herausgeschmissen wurde, so mutzte er doch eiugestehen. dast er die Bewegung hierorts überschätzt habe: mit der Alliteration ״wider Juden und Junker" werden hier keine Geschäfte zu machen sein, bet dem gesunden Kern der Bevölkerung wird die ״Bewegung" recht bald im Sande verlaufen. 3« •etnite» batte ein jüdische» Konfektionsgeschäft im jaufenftet eine Blouse für 1 Mark ausgezeichnet, verkaufte inde« nur die« eine Stück »u diesem niedrigen Preis und forderte bet Nachbestellungen 2 Mark und darüber. Als eine christliche Dame Me» als-Judeutniffe" bezeichne«, strengte der jüdische Kaufmann eine Beleidiauimsklaac an. Das Urteil de« Schöffen- Gericht• lautete für die Angeklagte auf Freisprechung und verurteiluog de« Klägers in die Koken des Lersahren«. Da» Unter- ~° ..der Richter stea Reklame __ ...... _ _rlich zu einer Kritik herausfordere. Der Geschäftsinhaber sei gar nicht in der öage gewesen, die Preisnotinmgeu aufrechtzu erhalten, er habe te offenbar so niedrig gestellt, um tm Publikum eine falsche ffuffassung von den Preisen und Me Annahme zu verbreiten, da« er emen kolossalen Umsatz und eine ungemein günstige Geschaftverbindima habe, welche• alles ihn in den Stand sek«, der« arttge billige Verkäufe zu «ffrttuiereu. Eia Geschäft»«!« liegt also vor. Das nun den Ausdruck Judenkoiffe anlauge, so!xr- »mes der Richter aus ^allaemetue Safichteu". Me tn Volke verbreitet feien und einzelne« Nanonen besonder» schlechte Lharattereitaen schäften beilegten, ohne dah ein einzeln«» Mitglied dieser aatyen Ration ein Statt habe, ®eaen dieser Lusdrucksweise die Beleidigungsklage anyi streu gen. So sage man vom Deuschen. dah er viel trinke, spiele und raufe, vom Franzosen, er rcuomire. vom Amerikaner, er treibe Humbug, man spreche vom spleenigen Engländer u.s. w> Luch von de« Juten, von der jüMschen RaSou gesprochen, sei im Volke die Metaung verbreitet, dah es auf de« Gebiete oe• Handel•, tu der Kuast, -teld zu verdiene«, besonder• veranlagt lei, dah sie t» bester verständen all Me Christ«. Diestei seit alter (f) Zeit eine iuttem ein Un Volke verbreitete Meinung. Es könne deshalb auch nicht aagenomnen werde«, dah in de« vorliegenden Au»drmk ,Lndenkniffe" eine