Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 35 (25.8.1893)
- Date
- 1893-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962229--1700-5375778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SelriMfnsa atacn dae einzeln« tliatai " ... fM Hc«t, fanden, Md anch Wer «nr^er »»«fluevra beklagte Dame hätte nur cewi ermaßen bet ihr« Kdtik I wahrg«om«em «a» nach (Dar «ist also, dar seit einigen Jahren in de« Antisemiten- Matt ״®off“ und ahnlichen LxhblSttera verbreitet wird. m bar all» mählich in de» LolkM'örp« gedrungen ist. erscheint nun al» »allaemdne Bo lk»meinuag" und ist aurschlaggebend für einen Richtersvrnch! — Dak find die trauriam Folgen und die Erfolge der SnttfeuntiSmu», e: »schlittert dar RechtSbewußtsdn im Bolke.) vesterreich«U>O«r». d»1e«, 18. August. Sonntag, d» 13. August, war ein be» merkenkwerte» Datun für die Wien» CultuSgemdude. Sn demselben fanden keine Trauungen in den beiden Wien« Semeindetemveln statt. Herr Dr. Jellinek stellte mit fein» Satyrr darüber folgende Rest Dionen an: »Sonst ist d« Sonntag d» übliche Trauungstag, an welchem oft fünf Trauungen nrcheinond» tu jedem der beiden Sotterhäus» vollzogen wndem Nicht etwa, well die betreffenden Familien in ihren Gelchästen fich nicht stören kaffen wollen, fondein »umeist aur Eitelkeit. Man will zahlreiche «äste haben, d» Tempel soll gestillt srn, die Änwesenden sollen hören, wie dar Brautpaar» dessen Eltern» Großeltern, Onkel und Tanten in d» Traurede gepriesen wadem In Wen ist d» fei»ltche Akt d« Trauung nicht d» Ar»druck de» tiefsten Ernstes, sondern nicht selten eine Veranlassung zu Komplimenten, Schmeicheleien, Lob- Preisungen und rednerischem Putz- und Flttterw«!. E» ist gut, daß d» Talmud gestcttet, die Schönheit und Anmut d» Braut irrvorzuheben. wenn sie auch nicht den Stamm-Müttern Sarah. Rebekka und Nabel, dr alle drei sehr schön waren, gleicht. Er kann un» daher nicht überrasch«!, wenn ein Predig» in Wien einem guten Freund« sagte: »Wollen Sie die Wahrheit au» meinem Munde hören, so kommen Sie Samktaa, wen« ich predige: wollen Sie L hrenzeuae sein, daß ich die Wahrheit v»- brüme und fie nicht mit cairmncher Strenge behandle, so erscheineu st« Sonntag in Tempel, wenn ich traue, da dürfen Hie nicht meine Worte ans die Wagschale legen.' — E» ist in d» That keine leichte Auf,ab«, die Familie» in dies» Beziehung «1 befriedigen. D« Vater soll weaen sein» sozialen Stellung, die Mutt« wegen ihr» hiiuSlichen Tugenden, da Bräutigam wegen sein» glühenden Liebe, di« »st seit drei Monaten zu brennen begann, und die Braut wegen ihrer reichen H»zen »gaben mit volltönenden Worten gepriesen werden. Die Eltern und d» Bräutigam höre» ihr!!ob ruhig an, während die Braut oft die Augen niederschlägt, rrenn man von ihr» weiblichen Holdseligkeit redet. Die Memoiren eine» jüdischen Predig»» in Wien, welche ein Kapitel üb« Trauungen enthielten, würden sehr unt»halteud sein. Da meldet z. B ein reich» Emporkömmling, die Trauung seiner Tocht» an und bemnkt: Bon mir können Sie sagen, daß mein Bat« da» Privi! egium hatte, Branntwein zu »zeugen und an klein«e Schenken ,! verkaufen, was in früh»«« Jahr«, gar nicht so letK zu erlanien war. Ein and«» Bat« wünscht eine sehr kurze TrauuugSnd« well setn Schwiegersohn nervo» ist. Bon ihm selbst, fügt e!׳ hinzu, brauche man gar nicht» zu reden, da « kein Freund von Lobreden sei. D» Predig« richtet sich nach dem ihm mttgeteilten Wunsche, und der Bat« g»ät nachh« autz« fich, daß von ihin gar nicht» gesprochen wurde!' Nun zu unserem AuSgangrpuutte, -um letzten Sonntag. Warum wmoeu an diesem Tage keine Trauungen vollzogen? Well m auf einen 13. s ei, uvd 13 eine ominöse Zahl sein soll. E» ist kaum glaublich, wie »»breit« dies» Aberglaube ist» mit welch« Lrngstlichkeit vian die Zahl 1« vermeid«, und man muß fich wundern, daß diese abergläubischen Juden am Versöhnung»- tage:4c dreizehn göttlichen Eigenschaften so oft anrufe», um Bergebuug ihr» Sünden b« Gott zu finde». Ja» d» Aberglaube ist ein Tyrann, und e» ist schwer, seine Macht zu brechen. Mrd doch auch vom Fürsten Bi»«arck erzählt, daß « nicht» wichtige» au «nem Frettag unttrnommen hat. Wahrscheinlich ist seine stillschweigende Unterst itzuug de» Anttsemttt»mu» da» Produft eines Entschluffe», den » an «nem Freitag« gefaßt, omtnö» für s«nen Auf und ominüt für die bedrängten Juden. (Sollte in den jüdischen Religion» schulen b« Bdvrechuug de» Ivetten da -chu Gebote nicht mit allem Nachdruck da» Sündhaft« Mcfe» Adaglaubeu» der Jugend au» Her» gelegt »«den? Sonst glaubs, am Ende noch die jüdffchim Knabe», di« zu 13 Jahre» *kn» Mizwa wenden, daß e» ddhalb auch ein Unglück sei, d» jüdischen H«1igio»»gemdnschast a1zugel>ören. Red.) A«v VsthMN» Da» Unglück de» Dilettanti»»aM unt» de» Jude» zeiot sich ia eine« Appell, de» di« böhmische» Rabbi»» a« die jüdische« Gemeinde» ihre» Lande« richte». Hi» «zistirea sehr viele kleine Gemeinden, di« jetzt durch Ge» setz gezwungen find, Rabbi»» anznßeürn, aber da sie daz» da» vermöge» nicht besitzen, so ernenne» sie ihre Schächter zu Rabbinern» indem sie von d» Behörde Di»pens« von allge» mein» Bildung »lange» und von irgend «nem Rabbiner ihnen RabbinatSzengniffe ««»stellen lassem Gegen diesen Unfug lege» die gebildeten Rabbi»» Berwahruug «n und wollen» daß die Gemeinden in allen d»artigen Fällen fich a» den Prag» Oberrabbin» wende« u»d von ihm «in Gut» achte» »»langen. Da» A«»k»»ft»mittel ist sehr schwach. Die ganz« Schuld liegt an d» Einmischung de» Staate», der et» Gesetz geschaffen hat, da» auf die thaffächliche» Verhältnisse nicht paßt. Wären di« Gemeinden nicht gezwungen, sich eine» Rabbin« zu halte», so würde d ihnen nicht einfallen, Leute zu di«em Amte zu wähle«, von denen sie wissen, daß fie da» zu nicht fähig find. S. JD. A»O Müchre«. Ein ähnlich» Eompetenzconflict spielt fich in Mähre» ab. Das«bst »istirt «n von de» Ueber» schüffeu der alte» Judensteuern gesammelt» Fond», au» dem bedürftige Gemeinden unt»stützt »»den. Da» Luratorinm diese» Fond» will »un Inspektoren für den Religionsunterricht iu den subventionirte» Schule» ernennen. Dagegen sträubte« fich di« m«sten Rabbin», indem jed» behaupt«: ״A« mein» Schule ist Inspektion nicht nötig." vorläufig wird der Kampf in den Z«tungen geführt. Ob d zu gerichtliche» Processen kommt in den Fällen, wo die An»zahl«ng d» Lobvevtion von d« Unterwerfung unt» die Inspektoren abhängig gemacht wird, dl«bt abzuwarten. Bernünstigerwds« sollte da» ״Befehlerle»"-Spiel aufhöreu. E» hat dem Judenthum nie Bort heil gebracht. G. D. Vchweiz. Bor«» 15. August. Dem Vorsteher de» cidgem Justiz- und Polizddepartement» wurde die Frage vorgelegt, ob ei» Ehrt st e» gestatt« s«.ihrvieh durch einen christlichen Metzger nach jüdischem Ritu» schlachten zu lassem Bunddrat Ruchonn« hat hiaauf Folgende« geantwort«: Dies« Frage ist rein kantonal-poli-d» lich» Natur, ihre Regelung gehvrt in die Schlachthauv-Reglemente: die dbg. Behörden haben fich damit in kein« Weise zu befassem Dir BnudeSversammlung ist denn auch auf diese Frage nicht eia» getreten r fie hat vielmehr geprüft, ob da» jüdisch« Schächten eine Tierquälerei sei. Au» dies« Prüfung hat ihre Mrhrhrft die- Ueberzeugung geschöpft, daß im Gegeatell da» Schächten für die menschlich« Gesundheit vorteilhaft, tm Erfolge sich« und von unnütz« Grausamkeit völlig ftei sei. Sobald dkd ftststand, war die öffentliche Meinung auß» Frage und angeficht» d» Übnein- Mannenden Erklärungen sämllicha Rabbin», daß da» Schächte« -u de» allgemeine» Glaubenssätzen b« jüdischen Gemeinden ge- >öre, konnte d fich nur noch darum haudelm da» Verfassung«, mäßige Recht ba «laiideu». und Gewiffea»steiheÜ zu wahrem I« verschiedenen Länderm so ia de» Bereinigte» Staate», hat man beanttagt, da» Schächten al» etnzige poli-elltch genehmigte Schlachtart zu erklärem Wen» d» eine odn andere Sauton der Schwei, diese» Beispiel befolgen sollte, so ist nicht einzufehen» «ft welchem Rechte dir Buaddbehürde« d ihm verbieten ־ könnten. Wir sehen auch nicht eim au» welchem Grunde die eidgc Behörde« Christen untersage» solltem ihr Bteh nach jüdisch« Art schlachten zu lassem sofern wenigsten» dabei diejenige« Borstcht»maßreg«ln «griffe» würdem au d«e» Beachtung dir jüdische« Schächt» stteag gebunden sind. Arenrkreich. Wank». Au» d» Versammlung für Rattoualökonomie führ« ichRne» »och einige» tu» da Red« von Ernest Lrela, an: derselbe sag» m A.: Wa» die Tugenden betrifft, die man von de» Jude« verlangt, so frag« ich, wie viele Christ«« sind in dies« Beziehung würdig, Juden!0 sei»? , Die E«trüstu»g wa <1 Ji ■X \